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Auf dem Weg nach Innen: Mensch werde wesentlichVernissage der Interaktiven Rauminstallation Eine Einführung in acht Schritten von Dr. Benno Kuppler SJ, München - Artikel als pdf
Gut Acht-zig Schritte von Außen nach Innen - in das "Herz" der Interaktiven Rauminstallation "Spielraum oder? Die Räumlichkeiten des menschlichen Lebens" von doroTzeller. Vorbei an Texten, Fotographien, Fahnen und Modulen. Eine erste Annäherung an das Werk von doroTzeller. Vielleicht ist angesichts der Weite des Außen-Raumes Ihr Blick auch nach Außen in die Umwelt gestreift. Vielleicht haben Sie den Antennenmasten draußen gesehen?! Und Ihre innere Antenne?! Ich wünsche Ihnen, dass Sie jetzt Ihren notwendigen "Spielraum" spüren, jenes "Spiel", das es Ihnen erlaubt, Ihr Ziel gerichtet in den Blick zu nehmen. Denn das "Spiel" muss für mich stimmen, sonst falle ich aus der Bahn. Was sehen Sie? Was nehmen Sie wahr? Was macht der Raum mit Ihnen? Was hatten Sie erwartet? Achten Sie einmal darauf, wie die Räumlichkeiten dieser Interaktiven Rauminstallation "Spielraum oder? Die Räumlichkeiten des menschlichen Lebens" auf Sie wirken. Seien Sie anwesend in Ihrem Raum und diesem Raum! Haben Sie noch den ersten Text vor Augen oder gar im Ohr, der Sie gleich an der Eingangstür zur BBK-Galerie begrüßte?
Fühlen Sie sich [schon] angesprochen?!
Danke, dass Sie sich von der Veranstaltungsinfo des BBK-Berufsverband Bildender Künstler, Schwaben-Nord und Augsburg e.V., die ich im Internet gelesen habe, nicht abschrecken ließen, heute hierher zu kommen:
Ein anspruchsvoller Text für eine anspruchsvolle Ausstellung. Was erwarten Sie von einer "Interaktiven Rauminstallation"? Das Wort "Rauminstallation" klingt technisch, geplant, konstruiert. Ist das "freie Kunst", "ars libera", Kreativität? Ist Kunst eigentlich nicht etwas leichtes, lockeres? Weil Sie und ich vielleicht beim Stichwort "Künstler" unreflektiert den "Bohemien", den Lebenskünstler, mitdenken, fällt es uns manchmal schwer, den Künstler, die Künstlerin als planend überlegt schaffenden Menschen zu denken. Doch Stichworte wie Konstruktivismus, Minimalismus, Conceptual Art hat im Hinterkopf zu halten, wer sich der Arbeit von doroTzeller nähert. Die "Rauminstallation" von doroTzeller ist ein Artefact. Sie ist "ars", also Kunst, und "fact", Geschaffenes [facere; lateinisch machen, schaffen, tun]. doroTzeller ist geprägt von der Mathematik, von Zahlen und Körpern, vieles kreist um die "Vier", in dieser Ausstellung um die "Acht". 80 Tonscherben, 8 Texte, 8 Fotographien, 8 Filzplatten. Und "interaktiv"? doroTzeller bemerkt dazu:
Die Rauminstallation ist konstruktive-konzeptuelle Kunst. Sie erlaubt dem Betrachter Ausblicke, Durchblicke und Einblicke, mehr noch: er darf eintreten in diese vielfältige Einheit. Nehmen Sie die Chance wahr, in das geordnete Chaos oder die chaotische Ordnung einzutreten und handanzulegen. Vergessen Sie aber bitte den "Warnhinweis" auf gelbem Grund nicht:
Die Interaktive Rauminstallation "Spielraum oder? Die Räumlichkeiten des menschlichen Lebens" von doroTzeller ist keine "Spaßlandschaft", wie Sie diese als perfekte Illusion in den Fotographien von Alex MacLean im GEO Magazin Nr. 09/06 betrachten können.
Ihr strenges Kompositionsthema hat doroTzeller mit chirurgischer Präzision ins Werk gesetzt und diese mit dem puristischen Charakter der "Farbe" Weiß unterstrichen. Mit der heutigen Ausstellung vollendet doroTzeller eine Trilogie: 2004 "open cube" in Mochenwangen und 2005 "golden cube" in München und 2006 jetzt in Augsburg. Dazu doroTzeller:
Kunst als Pro-Vokation. Ethik und Ästhetik. Sie sind als ganze Menschen eingeladen, sich die Rauminstallation von doroTzeller anzuschauen, sie zu betrachten, sie auf sich wirken zu lassen, sich ihr auszusetzen. Gehen, schreiten Sie Ihren Weg und lassen Sie sich überraschen von den Begegnungen, die Sie mit sich selbst machen werden. Bei Aristoteles lesen wir: "Weder der Abendstern noch der Morgenstern sind so wundervoll wie die Gerechtigkeit." Er hatte dieses kleine Loblied auf die Gerechtigkeit angestimmt, in das jeder rechtschaffene Mensch gern einstimmen wird. Ein gerechter Mensch gilt uns als der Höchstfall von Menschsein: ein wahrhaft menschlicher Mensch. Aristoteles öffnet mir das Tor, das Ethische mit dem Ästhetischen zu verschränken, was der Philosoph Jean-Luc Nancy auch als Verschränkung der Philosophie mit dem Denken der Gemeinschaft begreift. Der Franzose lädt ein, über das Verhältnis von Kunst, Denken und Gemeinschaft, des Sinns im Gemeinsamen nachzudenken. Vielleicht rührt die Rauminstallation Ihre Seele an - vielleicht wühlt diese sogar auf, treibt Sie zum Tun: Schönes und schönes tun - Ethik und Ästhetik als Lebenswerte. Platon formulierte in seiner "Paideia", die sich mit Be- und Er-Ziehung beschäftigt, es gehe beim Sein um
Ästhetik als Wahrnehmung des Schönen hat nicht nur etwas mit der äußeren Form oder mit Mode zu tun. Das Wahrnehmen des Schönen gründet in dem Wahrnehmen des inneren Wesens der Dinge. Hilde Domin formuliert dies in ihrem Gedicht "Die Heiligen" so:
Andreas Luckner, Universität Stuttgart, fragt seine Studenten:
Leitende Fragen der Ethik sind: Was heißt es, sich im Leben und Handeln zu orientieren? Welchen Normen und Normarten unterstellen wir uns dabei? Was sind moralische Konflikte und ethische Probleme? Können solche Konflikte und Probleme 'gelöst' werden? Was hat das alles mit mir zu tun?
Es geht um Friedrich Schiller und seine Briefe "Über die ästhetische Erziehung".
doroTzeller hat in Ihrer Entwicklung der letzen Jahre neben die handwerklichen "Scherben" aus Keramik das "Wort" in Form von Zitaten gesetzt.
Zugleich warnt sie den Betrachter:
Und doch gilt es, spielerisch einen Orientierungsraum zu eröffnen, einen Orientierungsrahmen anzubieten:
Lesen Sie dazu das Themenheft "Komm, spielen" von "brand eins" Heft 8, August 2006!
Meine Deutung: Eine Einladung, das eigene Leben in seiner Einheit und Vielfalt zu leben. Lassen Sie mich erzählen, wie es passierte, sich ereignete, zutrug: es war das Fest der Menschwerdung 2003, Weihnachten. Ich begegnete erstmals doroTzeller und ihren Werken. Meine Schwester Anita hatte diese Begegnung vermittelt. Ich sah den ersten "open cube" und da hatte ich dieses "Bauchgefühl", das sei mein Thema: "Gebrochene Würfel", Würfel mit Bruchlinien. Und schon war ich auch auf dem Heideggerschen Holzweg. Denn der "cube" war nicht offengeworden, weil er gebrochen wurde, sondern weil er ganz gezielt, geplant, überlegt durch "Schnitte" von doroTzeller geöffnet wurde. "Bruchlinien" waren aber damals mein Thema. In den Wochen vor dieser Begegnung mit dem "open cube" von doroTzeller hatte ich viele Begegnungen mit arbeitslosen Akademikern, mit deren gebrochenen Arbeitsbiographien. Von außen waren ihre Lebensentwürfe gebrochen geworden. Die Öffnungen waren erzwungen, gewaltsam herbei geführt, oft nicht gewünscht und meistens nicht selbst verschuldet. Deshalb sah ich in den Konstruktionen von doroTzeller zunächst und ausschließlich "Bruchlinien" des Lebens von Menschen. Im Gespräch mit doroTzeller lernte ich ihre "Schnitte" schätzen. Diese Schnitte des open cube sind Schnitte, gesetzt in Freiheit und aus Freiheit. Sie schaffen Raum, öffnen auf Neues hin, erlauben Begegnung mit den Innenräumen, zeigen Innenansichten und nichts geht verloren. "Jeder Würfel wird auf die gleiche Weise montiert - geschnitten - montiert - geschnitten, nichts an Fläche geht verloren, eher ein ‚Zugewinn‘ durch die Flächen der Schnittstellen." So doroTzeller. Das habe ich 2004 gesagt. Ich kann es uneingeschränkt wiederholen.
Sie, als Besucherin und Besucher kommen ins Spiel! Als "homo ludens" [Johan Huizinga] können Sie sich am Spiel beteiligen. Das Ineinander von "sinnvoll, aber nicht notwendig" gehört für Hugo Rahner SJ zum inneren Wesen des Spiels, und die Welt ist voller Hinweise darauf. Der spielende Mensch ein "Spielzeug Gottes", wie Platon es beschreibt. Dazu passt die Darstellung des Gottes Zeus, der als Kind mit der Weltkugel in der Hand wie mit einem Ball spielt, so wie man später auch den Jesusknaben abgebildet hat. Aus Spiel wird "heiliger Ernst" und wenn sich die Regeln erst richtig "eingespielt" haben, sind sie nicht mehr ohne weiteres zu ändern und beginnen ihrerseits Zwangscharakter anzunehmen. Denken Sie an die Bereiche "Politik", "Kirche", "Gesellschaft". Wir werden verschlossen, führen "Ein Leben in der Schachtel. [Una vita in scatola, Italien 1967]". Und dann kommen die Fragen, an Sie, an mich, angestoßen durch doroTzeller und von mir als rhetorische Frage formuliert: Wie viele Schritte Sie benötigen, um von Ihrem Außen, Ihrer sozialen Rolle, Ihren Funktionen und Aufgaben, Ihrem Selbstbildnis und Ihrem Fremdbild, den Weg in Ihr Inneres, in Ihr "Allerheiligstes" zu gehen, dass weiß ich nicht. Mir steht es auch nicht zu, darüber zu spekulieren! Auch doroTzeller will keine Antworten geben, stellt aber Fragen:
Ich möchte Ihnen Karl Valentin auf diese Innen-Reise mitgeben:
Und wenn es Ihnen geht wie jenem unbekannten Berliner, vielleicht war der Ausspruch auch von Karl Krause:
Lassen Sie sich nicht sofort entmutigen. Die Rauminstallation macht mir deutlich, dass in jedem Menschen eine Vielfalt an "Modulen" steckt, die er selbst für sich entdecken kann. Und wenn ich einen "Klotz am Bein" [doroTzeller "Klotz fürs Bein", Ton, poliert und Silberkettchen, 2001] mit mir herumschleppe, vielleicht kann ich diesen ja auch aufschneiden und seine Vielfalt entdecken und nicht nur unter seiner Last stöhnen.
Wenn Sie es gerne noch ein wenig abstrakter haben wollen: Mit theoretischem Anspruch formuliert, ist meine Einführung in die Interaktive Rauminstallation "Spielraum oder? Die Räumlichkeiten des menschlichen Lebens" von doroTzeller mit dem Titel "Auf dem Weg nach Innen: Mensch werde wesentlich" eine "narrative Theologie mit einer energetisch-ethischen Funktion". Diese Theologie sucht eine Bewegung in Gang zu bringen, zu ermahnen, aufzumuntern, zu trösten, für zusprechen, zu berufen, eine Entscheidung herauszufordern, neue Lebensmöglichkeiten zu schaffen, zu verwandeln, zu bezeugen und zu bekennen. Deshalb lade ich Sie im Sinne einer narrativen Theologie zum Besuch der Rauminstallation ein, zu einer spirituellen Wanderung, zu einem meditativen Gehen. Dabei werden Sie auch eine "Zelle" von doroTzeller entdecken. Für doroTzeller ist sie "Rückzugsraum, Meditationsraum , Kontemplationsraum, intimer Raum", Raum, zu sich zu kommen.
ACHTORT
Viele andere eigene Gedanken hat die "Installateurin" und "Raumpflegerin" auf kleinen Zetteln in ihren "Räumlichkeiten" dem geneigten Betrachter vordergründig und tiefsinnig hinterlassen.
8 und ∞ : Die "Acht" wird in der Horizontalen zum Zeichen für "Unendlich".
Acht-sam durchschreiten wir den unendlichen Raum dieser Installation. Ich danke doroTzeller für Ihre archaischen Zu-Mutungen, Ihre Auf-Gaben, Ihre An-Stöße mit einem Zitat von Sr. Nike Vennekens aus der "Dimension des Religiösen in der Kunst der Gegenwart":
Und Sie, verehrte Besucherin, verehrter Besucher, lesen Sie sich in Stille noch einmal den Text von Anton Stankowski - zentral in der Rauminstallation aufgehängt - durch: finden So will ich mein eigener "Raumpfleger" sein ! Danke, doroTzeller ! Und am Ende des äußeren Weges, den doroTzeller uns zu
gehen auferlegt, kurz bevor wir das Innere erreichen, habe ich gelesen:
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©1998- 2012 Pater Dr. Benno Kuppler SJ |werte-wirtschaft-weiterbildung.de|WirtschaftsSeelsorger | UnternehmerBerater | EthikErzähler | münchen|file last updated 2012-01-01| we-wi-we Impressum| wirtschaftsethik | predigten| we-wi-we @ktuelles| Mein Kurzporträt pdf-file| Optimale Darstellung IE [download] |