Santa Stefano Rotondo auf
dem Caelius in Rom
"DIE GESCHICHTE DER ERDE - STEINE WERDEN SKULPTUREN"
*
Ausstellung des Künstlerehepaars Kubach-Wilmsen

"Sie trieben Stephanus zur Stadt hinaus und steinigten ihn", so lesen wir es
in der Apostelgeschichte [7,58] und schon sind wir mitten in der Geschichte: in
der Geschichte des Glaubens, der Kirche und der Erde. Dann ist die Verbindung
zwischen der Kirche Santo Stefano Rotondo und der Ausstellung von Anna Maria
Kubach-Wilmsen und Wolfgang Kubach keine bloß zufällige und konstruierte,
sondern eingebunden in die Geschichte des Glaubens, unbemerkt im Ablauf der
"Geschichte der Erde" gewachsen, wie die Steine, aus denen diese Bildhauer ihre
Skulpturen entwickeln.
Bei der Vorbereitung auf das "1. EXERZITIUM", einem Bildhauersymposion 1972
in Rom, sind Anna Maria Kubach-Wilmsen und Wolfgang Kubach dem Grabungsfeld von
Santo Stefano Rotondo, jenem frühchristlichen Rund- bau aus dem fünften
Jahrhundert, zum ersten Male begegnet. Damals wurden bei archäologischen
Arbeiten gerade das Mithräum, ein dem persischen Gotte Mithras geweihtes
Heiligtum, unter der Kirche entdeckt. Ausländische Soldaten in römischen
Diensten opferten in diesem Heiligtum ihrem Gott Stiere. Der Mysterienkult des
Mithras übte eine große Faszination auf die Römer aus. Die Konstantinische Wende
brachte das Gebiet des Caelius, eines der sieben Hügel Roms, unter den Einfluss
des Papstes.
Unter Papst Simplicius [467-483] wurde die Rundkirche als erste Kirche
innerhalb der damaligen Stadtmauern Roms geweiht. Das Christentum war vom Rand
in das Zentrum des alten Rom vorgerückt. Zerbrochene Steine und Schutt verbargen
für Jahrhunderte die alte Kultstätte. Bearbeitete Steine, Säulen und Kapitelle
alter Tempel, schmückten darüber den Rundbau der jungen christlichen Kirche:
Santo Stefano Rotondo. Aus den Steinen, die Stephanus töteten, wurde gleichsam
eine neue Gestalt, die Martyrer-Kirche: "Steine werden Skulpturen".
"Unsere erste Begegnung mit dem Phänomen Stein war die Gestaltung des Altares
für eine kleine Dorfgemeinde. Nach alten Riten soll der Altar aus Stein und über
eine Steinpfahlgründung mit der Erde verbunden sein." So erzählt das
Künstlerehepaar Kubach-Wilmsen. Und von den Steinen erzählen das Alte Testament
und das Neue Testament: Steine geworfen gegen Menschen. Steine gesalbt von
Menschen. Steine als Wegweiser. Steine als Grabmäler. Steine als Altarsteine.
Heilige Steine der Juden, der Christen, der Muslime. "Ein japanisches Geheimbuch
schreibt, der Mensch müsse den Stein meditieren, bevor er ihn aufrichtet, dann
darf er nicht mehr bewegt werden", erklärt uns Alfred Focke SJ.
Jesus Christus selbst nennt sich in der jüdischen Tradition stehend [Ps
117,32; Js 8, 14] "der Stein, den die Bauleute verworfen haben" [Mt 21, 42 par].
Der Stein des Anstoßes [Rö 9,32] ist Er. Und Petrus wird durch Ihn zum Fels, auf
dem Er seine Kirche bauen will.
Woher wir das alles wissen? Die Heiligen Bücher der Juden, der Christen, der
Muslime, die Heiligen Bücher aller großen Weltregionen berichten uns "Die
Geschichte der Erde" - geistlich gedeutet. Die Heiligen Steine aller
Weltregionen sprechen alleine durch ihr Dasein zu uns von der "Geschichte der
Erde".
Die Steinbücher des Kubach-Wilmsen-Teams in der Kirche Santo Stefano Rotondo
erzählen "Die Geschichte der Erde" auf ihre Weise: "Ein Buch wird von der Hand
gehalten und mit den Augen gelesen. Ein Steinbuch wird von den Augen gehalten
und mit der Hand gelesen." Jeder "Leser", der die Steinbibliothek in Santo
Stefano Rotondo betritt, ist eingeladen, darin zu blättern, "Die Geschichte der
Erde" zu betrachten und findet - hoffentlich - auch seinen Platz in ihr.
Die Begegnung mit der Ausstellung "Die Geschichte der Erde -Steine werden
Skulpturen" in der Kirche Santo Stefano Rotondo kann dazu beitragen, die
Geschichte der Steine, die Geschichte der Erde und damit die Geschichte des
Menschen neu zu lesen. Die Bibel, das Heilige Buch der Christen, deutet diese
Geschichte als Geschichte des Heils, als Geschichte, die Gott - der Schöpfer der
Erde - mit jedem Menschen hat.