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Kirche wirbt mit Models fürs Priesteramt

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Slogan:
"Wer Menschen Kraft geben will, wird Fitness-Trainer oder Priester"

Essen [dpa]. Mit Fotomodels will die katholische Kirche das Image ihrer Priester aufbessern. Schnittige Jungs und flotte Sprüche auf Plakaten und Postkarten sollen junge Männer ins Priesteramt locken. "Wer Menschen Kraft geben will, wird Fitness-Trainer oder Priester", lautet einer der Slogans.

Ins Rollen gebracht wurde die Imagekampagne vom Bochumer Priesterseminar. "Wir wollen, dass die Menschen übers Priestertum ins Gespräch kommen", sagt dessen Leiter Hans-Werner Thönnes.

Nur noch 600 junge Menschen haben 1998 in Deutschland eine Ausbildung zum Priester begonnen - nach Angaben der Deutschen Bischofskonferenz halb so viele wie zehn Jahre zuvor. Allein im Bistum Essen sank die Zahl der Priester von über 1 000 in den 60er Jahren auf heute rund 770. "Viele Priester sind heute für zwei Gemeinden zuständig", sagt Bistumssprecher Ulrich Lota. Die neue Priesterwerbung richtet sich aber nicht alleine gegen die Nachwuchssorgen.

"Viele glauben, Priesteramtskandidaten sind harmlose, angepasste Typen", sagt Seminarleiter Thönnes. Die Plakate sollen die gestiegenen Anforderungen an Seelsorger aufzeigen. Entworfen wurden die Plakate von einer Essener Werbeagentur. "Wir wollten zeigen, was Priester heute alles können müssen", sagt Agentur-Chef Michael Jochim. "Sie müssen Sozialarbeiter, Manager, Teamarbeiter sein und immer die passenden Antworten geben."

Von einem der Plakate strahlt ein blonder Sunnyboy mit einem Fußball in der Hand. Er könnte genauso Werbeträger für Jugendkonten einer Bank oder für Handys sein. "Wir brauchen keine frommen Jungs, wir brauchen Priester", heißt es dazu. Ältere Kirchenfunktionäre haben schon besorgt gefragt, ob Priester denn nun nicht mehr fromm sein dürften, berichtet Thönnes. "Viele haben aber auch gelobt, dass wir das Thema aus einem Tabubereich geholt haben." Schließlich sollten nicht immer nur Reizthemen wie Zölibat und Frauen als Priester diskutiert werden.

"Bei vielen Kirchenführern herrscht heute ein resignativer Grundton vor." Für zahlreiche Kirchenmitglieder hätten die frischen Poster deshalb auch befreiend gewirkt. Ihre Traditionen solle die Kirche trotzdem nicht verleugnen. Auch in der Kampagne werde auf den reichen Fundus an jahrhundertealten Bildern und Symbolen zurückgegriffen. Nur würden klerikale Begriffe wie "Kraft", "Licht" und "Herz" modern verwendet, sagt Thönnes.

Die Bistümer in Passau, Augsburg und Hamburg haben bereits großflächige Plakate der Kampagne bestellt, berichtet Agenturchef Michael Jochim - teilweise in einer Auflage von mehreren tausend Stück. "Für Werbeagenturen wird die Kirche ein Zukunftsmarkt", sagt Jochim nach dieser Erfahrung. Die religiöse Dimension mit den Mitteln der Werbung zu präsentieren ist nach Auffassung des Experten aber eine schwierige Aufgabe: "Gott ist nicht einfach darzustellen."

© rp-online 1999

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