|
|
|
P. Benno Kuppler SJ - ein Porträt vorträge & workshops themen als pdf Meine Mailadresse benno.kuppler[at]jesuiten.org ersetzen Sie [at] mit dem Mailzeichen |
Macht, Moneten und Moral.
Warum die Kirche Beten lehrt.
|
|
|
|
|
||||||||
|
|
|
|
"Gemengelage" von Macht, Moneten und Moral
| Tabu bei Kirche: Macht wird zu Vollmacht, Geld ist für gute Zwecke |
| Mit theoretischem Anspruch formuliert, ist mein Beitrag narrative Theologie mit einer energetisch-ethischen Funktion. Diese sucht eine Bewegung in Gang zu bringen, zu ermahnen, aufzumuntern, zu trösten, fürzusprechen, zu berufen, eine Entscheidung herauszufordern, neue Lebensmöglichkeiten zu schaffen, zu verwandeln, zu bezeugen und zu bekennen. Die beiden anderen Funktionen dogmatischer Rede sind a] die logische und b] die ästhetische. Vgl. Wiedenhofer, Siegfried, Hermeneutik II. Theologische Hermeneutik im Kontext heutiger Wissenschaftstheorie, Tübingen 1981 [Studienbrief IV/2 Fernstudium Katholische Religionspädagogik]. |
![]()
Macht wird im umfassendsten und zugleich grundsätzlichsten Sinne als das Vermögen zu sein definiert. Deshalb verbindet die katholische Soziallehre die Macht ursprunghaft mit der menschlichen Person, die als Ebenbild Gottes Träger von Personenrechten und Macht über sich selbst und ihre Umwelt ist. "Von daher ist alle menschliche Macht, wiewohl sie von ihrem Begriffe her ein reines Positivum ist, doch immer auch negativ, sie ist immer auch Macht gegen, da sie sich genötigt sieht, sich der machtmäßigen Negation der möglichen oder wirklichen Konkurrenz zu behaupten, von der sie ganz oder teilweise bestritten wird oder bestritten werden kann..." Vgl. Welte, Bernhard, Über das Wesen und den rechten Gebrauch der Macht. Eine philosophische Untersuchung und eine theologische These dazu. Freiburg: Rombach, 1960.
Weil die Macht für die katholische Soziallehre ein positives, keineswegs grundsätzlich zu neutralisierendes oder zu eliminierendes Element in der Gesellschaft ist, müssen ihr rechter Gebrauch und eine breite Machtverteilung bedacht werden. Die Annahme der Machtneutralität von Gesellschaft und Wirtschaft ist als Fehlschluss zu vermeiden. Deshalb fordert Johannes Schasching SJ die Gewissensbildung für Unternehmer als einen wichtigen Punkt des Apostolates der Laien. Vgl. SCHASCHING [SJ], Johannes, Katholische Soziallehre und modernes Apostolat, Innsbruck; Wien; München: Tyrolia, 1956
Die ethische Behandlung von Wirtschaftsproblemen muss also auch auf die Ethik der Macht Bezug nehmen. Vgl. Wogaman, John Philip, Auf der Suche nach einer Methode, um Wirtschaftsprobleme als ethische Probleme zu behandeln, in: Concilium 16 [1980] 719-725, KOSLOWSKI, Peter, Ethik des Kapitalismus, mit einem Kommentar von J. M. BUCHANAN, Tübingen: Mohr, 1986, 3. Aufl.
Dies ist um so mehr geboten, als die Wirtschaft von "Wirtschaftskreisen" als machtfreies Geschehen betrachtet wird, das aber "Machtlagen" möglich macht. "Das kann Macht in sehr verschiedener Gestalt sein, Macht in Gestalt von Eigentum an Produktionsmitteln, an denen man Arbeitskräfte beschäftigen kann, oder von Kaufkraft, mit der man Nachfrage ausüben kann, die man aber auch zurückhalten kann, um den Anbieter in die Knie zu zwingen, oder Organisationsmacht, mittels derer man Arbeitskämpfe [Streik, Aussperrung] durchführen kann..."
Alfred Müller-Armack, der als Vater der Sozialen Marktwirtschaft in der Bundesrepublik Deutschland gilt, führte bereits 1948 aus: "Der heutige Wirtschaftsstaat erfordert über die damals erreichte Stufe [der politischen Gewaltenteilung; BK] die Sicherung bestimmter wirtschaftlicher Grundrechte. Durch Maßnahmen der Wirtschaftsverfassung und die Schaffung von neutralisierenden Instanzen muss die Entstehung wirtschaftlicher Übermacht verhindert werden." Müller-Armack fordert eine Wirtschaftsethik, "weil wir uns nicht der Illusion hingeben, im Wirtschaftsleben bereits ein ideal geordnetes Gebiet zu besitzen, gerade weil es einen vollen Anteil menschlicher Unzulänglichkeit in sich trägt, bedarf es einer ausgleichenden, regulierenden Gestaltung. Einzig die christliche Haltung ist geeignet, die Zerrissenheit in die Formen individualistischer und kollektivistischer Haltungen aus der Tiefe ihres überlegenen, beide Antagonismen umschießenden Personalismus zu überwinden und schon aus ihrer Distanz zur Welt der gefährlichen Verstrickung in jene formalen Grundsätze zu steuern." Vgl. MÜLLER-ARMACK, Alfred, Religion und Wirtschaft, Bern; Stuttgart: Haupt, 1981 3. Aufl.
Dies ist leider noch nicht ausreichend verwirklicht worden. Deshalb sind die zwei Aspekte der Diskussion in der katholischen Soziallehre wichtig, auf die Katterle aufmerksam macht: "Der für die Diskussion relevante theoretische Aspekt dürfte darin bestehen, dass die liberale Fiktion der Macht- und Herrschaftsneutralität von Gesellschaft und Wirtschaft durch die soziologische Forschung falsifiziert wurde, so dass Machtausübung und Herrschaftsordnung im Unternehmen zum Problem werden. Als praktische [normative] Prämisse wird hier das Freiheitsanliegen eingeführt, das eine Demokratisierung von Herrschaftsgebilden fordert." Katterle folgert: "Mit der Mitbestimmung wurde eine Institution erfunden und vorgeschlagen, die eine demokratische Ordnung der Herrschaftsausübung im Unternehmen ermöglicht." Vgl. KATTERLE, Siegfried. Sozialwissenschaft und Sozialethik. Logische und theoretische Probleme praktischer Sozialwissenschaften, besonders christlicher Soziallehren, Göttingen: O. Schwartz, 1972
Ich wiederhole mich: Für die katholische Soziallehre gehört die Macht ursprunghaft zur der menschlichen Person, die als Ebenbild Gottes Träger von Personenrechten ist und Macht über sich selbst und ihre Umwelt hat.
![]()
Bereits in der Antike, in Ägypten, in Rom, in Byzanz, in China, in Japan, im Reich des Islam und im Reich des Moguls in Indien gab es eine ausgeprägte Geldwirtschaft. Und in der Bibel stoßen wir bei der Steuerfrage auf die "Münzfrage". [Mk 12, 15-16]
Geld gilt als der eigentliche "Grundbegriff aller modernen Wirtschaftswissenschaft ohne die Erfindung des Geldes wäre wohl niemals eine Lehre von der Wirtschaft entstanden und notwendig geworden". Die Entwicklung des Geldes zeigt, "dass das Geld in seinem Wesen keine Sache ist, sondern ein Symbol wirtschaftlichen Werts". BRAUWEILER, Heinz, Überlegungen zur Problematik des Eigentumsrechts. Ein Beitrag zur Verständigung über Grundbegriffe der Wirtschaft, in: Jahrbuch für christliche Sozialwissenschaften 14 [1973] 151-174
Das macht auch die Bedeutung des Geldes im internationalen Bankensystem deutlich. Der Einfluss der Banken wird über ihre üblichen Geschäfte hinaus zusätzlich noch vergrößert, weil sie in anderen Unternehmen in Kontrollorganen sitzen. "Ein Vorstand, der die Mehrheit der in der Aktionärsversammlung vertretenen Aktien kontrolliert, regiert unabhängig wie ein absoluter Monarch." ARNDT, Helmut, Wirtschaftliche Macht. Tatsachen und Theorien, München: Beck, 1977 2. Aufl.
Beispiele:
| "1912 war die Deutsche Bank in 159 Aufsichtsräten vertreten." Vgl. GELD, hg. v. Hans Joachim Funk, Frankfurt: Deutsche Bank, 1982 | |
| "Als herausragendes Beispiel ist hier die Deutsche Bank zu nennen, die Mitglieder ihres Vorstandes 1984 in 39 [1982 in 36] Kontrollorgane der `100 Größten' entsandte, während in 1984 nur ein Unternehmen [1982 zwei Unternehmen] über ihre Geschäftsführung im Aufsichtsrat der Deutschen Bank vertreten waren." MONOPOLKOMMISSION 1984/1985, Sechstes Hauptgutachten der, Bundesrat Drucksache 340/86, Bonn, 21.07.1986 |
Geld ist einklagbar, Freundschaft nicht. Wenn die Beziehungen menschlicher geworden sind, werden sie unsicherer. Unsicherheit ist also der Preis der Menschlichkeit. Marktwirtschaft und Wohlfahrtsstaat lassen sich weitgehend erklären als Versuch, die Unsicherheit in sozialen Beziehungen und sozialen Notfällen abzuschaffen, dem Wagnis der unmittelbaren Konfrontation zu entweichen, sie zu materialisieren, in Geld aufzuwiegen.
Wo Liebe möglich ist, ist Hass nicht ausgeschlossen. Wo die Möglichkeit der Zuwendung besteht, muss das Risiko der Abwendung in Kauf genommen werden. Wo Menschen nur Geld gegen Waren und Waren gegen Geld tauschen, kann Liebe nicht erhofft und braucht Hass nicht befürchtet zu werden. Darin liegt die scheinbare Stärke des Geldes.
Moneten werden zum Symbol für Wohlstand und können zugleich benutzt werden, das eigene Gewissen zu beruhigen, z.B. bei Spenden in Katastrophenfällen. Wir selbst geben den Moneten ihren Wert für uns und unsere Beziehungen.
![]()
Ein reicher Mann kam ins Sterben. Er erwachte im Paradies. Eine reich gedeckte Tafel verhieß wahrhaft himmlische Freuden. Er fragte nach der Bedingung zum köstlichen Genuss. Alles kostet nur einen Rappen, das war die Antwort. Da dachte der Mann an seinen großen Reichtum und freute sich von Herzen. Doch als er bezahlen wollte, schüttelte man den Kopf: Du hast in deinem Erdenleben wenig gelernt. Bei uns gilt nur das Geld, das einer verschenkt hat. Da wurde der Mann traurig. Er war plötzlich bettelarm, denn er hatte nichts in seinem Leben verschenkt.
aus: Geschichten für Sinndeuter, S. 23
| Es kam ein Mann zu Jesus und fragte: Meister, was muss ich Gutes tun, um das ewige Leben zu gewinnen? | |
| Er antwortete: Was fragst du mich nach dem Guten? Nur einer ist «der Gute». Wenn du aber das Leben erlangen willst, halte die Gebote! | |
| Darauf fragte er ihn: Welche? Jesus antwortete: Du sollst nicht töten, du sollst nicht die Ehe brechen, du sollst nicht stehlen, du sollst nicht falsch aussagen; | |
| ehre Vater und Mutter! Und: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst! | |
| Der junge Mann erwiderte ihm: Alle diese Gebote habe ich befolgt. Was fehlt mir jetzt noch? | |
| Jesus antwortete ihm: Wenn du vollkommen sein willst, geh, verkauf deinen Besitz und gib das Geld den Armen; so wirst du einen bleibenden Schatz im Himmel haben; dann komm und folge mir nach. | |
| Als der junge Mann das hörte, ging er traurig weg; denn er hatte ein großes Vermögen. | |
| Da sagte Jesus zu seinen Jüngern: Amen, das sage ich euch: Ein Reicher wird nur schwer in das Himmelreich kommen. | |
| Nochmals sage ich euch: Eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr, als dass ein Reicher in das Reich Gottes gelangt. | |
| Als die Jünger das hörten, erschraken sie sehr und sagten: Wer kann dann noch gerettet werden? | |
| Jesus sah sie an und sagte zu ihnen: Für Menschen ist das unmöglich, für Gott aber ist alles möglich. | |
| Da antwortete Petrus: Du weißt, wir haben alles verlassen und sind dir nachgefolgt. Was werden wir dafür bekommen? | |
| Jesus erwiderte ihnen: Amen, ich sage euch: Wenn die Welt neu geschaffen wird und der Menschensohn sich auf den Thron der Herrlichkeit setzt, werdet ihr, die ihr mir nachgefolgt seid, auf zwölf Thronen sitzen und die zwölf Stämme Israels richten. | |
| Und jeder, der um meines Namens willen Häuser oder Brüder, Schwestern, Vater, Mutter, Kinder oder Äcker verlassen hat, wird dafür das Hundertfache erhalten und das ewige Leben gewinnen. | |
| Viele aber, die jetzt die Ersten sind, werden dann die Letzten sein, und die Letzten werden die Ersten sein. |
| Drei verschiedene Textteile lassen sich unterscheiden: | |
| Verse 16-22: Eine Erzählung über die Begegnung Jesu mit einem reichen Jüngling, der sich dem Ruf in die Nachfolge entzieht wegen seines großen Besitzes. | |
| Verse 23-26: Ein Gespräch Jesu mit seinen Jüngern über den Reichtum als Hindernis für das Reich Gottes [par Mk 10, 23-31; Lk 18, 24-30]. | |
| Verse 27-30: Ein Wort Jesu, kontrastierend zu V. 23-26, über den Lohn der Armut in der Nachfolge Jesu. |
| Dieser junge Mann will sich nicht rühmen, dass er von Jugend an die Gebote Gottes gehalten hat, er will über die Gebote hinaus mehr tun. | |
| Darin liegt eine Herausforderung an uns heute: | |
| Wir sind geneigt zu glauben, die Einhaltung von Geboten sei ausreichend, um unsere innere Haltung, um Überzeugungen auszudrücken. Jesu Antwort an den jungen Mann aber macht uns deutlich: die von allen Jüngern verlangte "Vollkommenheit" äußert sich in der Art der Erfüllung der Zehn Gebote. Die konkret geforderte Form hier ist der Verzicht auf irdische Güter in der Nachfolge Jesu. | |
| "Betrübt" geht der junge Mann fort, er fühlt sich dieser Forderung [noch?] nicht gewachsen, obwohl ihn Jesu anschaute und ihn mochte, ihn lieb hatte, wie es bei Markus heißt. Der ermutigende Blick Jesu konnte nicht erwidert werden: eine konkrete Berufungsgeschichte mit negativem Ausgang. |
| Das erste Wort [V 23], von Mt mit "Amen" eingeleitet, spricht von der Schwierigkeit für einen Reichen, ins Reich Gottes zu kommen. Reichtum muss also nicht unbedingt den Zutritt verwehren. | |
| Das zweite Wort aber [V 24] schließt mit dem kräftigen Bild des Kamels und des Nadelöhrs diese Möglichkeit im Grunde aus. Und dieses Wort führte bei den Jüngern, vielleicht auch bei uns [?!], zu einem heftigen Erschrecken und der Frage: "Wer kann dann noch gerettet werden?". | |
| Jesu Antwort nimmt die alttestamentliche Erfahrung auf: nur von Gott her ist Aussicht auf Rettung auch für scheinbar unrettbare Menschen denkbar. | |
| Dennoch darf das Wort vom Kamel und Nadelöhr nicht in seiner Tendenz abgeschwächt werden, die Heilsgefährdung durch den Reichtum aufzudecken. Erleichternde Deutungen des Bildes, etwa das "Nadelöhr" als ein enges Tor in der Mauer von Jerusalem zu deuten oder das "Kamel" als Fehlübersetzung von "kamilos", das Schiffstau zu bezeichnen, werden in der Exegese abgelehnt. [Denken Sie etwa an das übertreibende Bild "der Balken im eigenen Auge" Mt 7, 3-5.] | |
| Jesu Drohwort gegen die Reichen ist nicht zu bezweifeln. Doch schon die Urgemeinde hat erfahren, dass ein solches Drohwort auch für reiche Menschen zur befreienden Botschaft werden kann, wie die Geschichte des Zöllners Zachäus [vgl. Lk 19, 1-10] zeigt. |
| Petrus als der Sprecher der Zwölf fragt, sicherlich auch in unserem Namen, nach dem Lohn der Armut für die Jünger. Vielleicht wäre die Frage zu stellen uns peinlich. Dass die Frage aber zulässig ist, zeigt Jesu Antwort: Die Verheißung "hundertfacher Entschädigung" und des "ewigen Lebens" gilt jedem, der sich auf die radikale Forderungen Jesu einlässt. Nach Markus darf dieser Lohn schon "in diesem Leben" erwartet werden. |
| Was spüre ich beim Lesen und Meditieren dieses Textes? Fühle ich mich selbst betroffen? Redet Jesus persönlich zu mir? Ist diese eine erbauliche Geschichte, die aber meine soziale Wirklichkeit nicht mehr trifft? Was sind innere Widerstände, die sich in mir regen beim Verkosten des Textes? Wie gehe ich mit den Widerständen um? Finde ich mein persönliches "Hintertürchen", um die Härte des Textes abzuschwächen? ... |
|
Das ist für den Christen die Forderung, den Glauben an den einen Gott, der Vater, Sohn und Geist ist, zu bekennen. Ihn sollen wir über alles lieben und anbeten, denn er hat uns zuerst geliebt, hat uns erlöst und geheiligt. Auf ihn sollen wir unsere Hoffnung setzen, denn er ist Ursprung und Ziel unseres Lebens. |
|
Das ist eine Forderung der Ehrfurcht vor dem unergründlichen Geheimnis Gottes. Wir können nicht groß genug von seiner Macht und Herrlichkeit denken. Das muss unser Reden von Gott, unseren Umgang mit ihm und mit allem bestimmen, was zu Gott gehört. |
|
Das ist für den Christen die Forderung, an der schöpferischen Ruhe Gottes teilzunehmen und im Gottesdienst dem Herrn für die Gaben der Schöpfung und die Gnade des Erlösungswerkes zu danken, wie es die Kirche vor allem in der sonntäglichen Feier der Eucharistie tut. |
|
Das ist die Forderung, in der Familie, in Staat und Gesellschaft, in der Kirche jedem Glied der Gemeinschaft mit Achtung zu begegnen und zu ihm zu stehen. Diese Forderung schließt die Pflicht ein, vor allem jenen bei der Erfüllung ihrer Aufgaben zu helfen, die besondere Verantwortung tragen. |
|
Das ist die Forderung, das eigene und fremde Leben zu achten. Geistiges und leibliches Leben sind Gaben, die uns Gott zur Pflege und Entfaltung anvertraut. Das schließt den Auftrag ein, für gesunde Lebensbedingungen zu sorgen und ein Klima der gegenseitigen Fürsorge zu schaffen, in dem jeder nicht nur sein Recht erhält, sondern auch jene Liebe und Anerkennung erfährt, ohne die er verkümmern müsste. |
|
Das ist die Forderung, die Gabe der eigenen Geschlechtlichkeit und die geschlechtliche Liebe von Eigensucht freizuhalten und so die eheliche Liebe zu entfalten und vor Zerstörung zu bewahren. Vernünftige Schamhaftigkeit und zuchtvolle Keuschheit schützen den einzelnen vor Selbstsucht und ungeordnetem Begehren. Eine verantwortungsbewusste Haltung gegenüber der Geschlechtlichkeit schafft die Voraussetzung für eine menschenwürdige Begegnung der Geschlechter. |
|
Das ist die Forderung, das Eigentum des Nächsten zu respektieren und verantwortlich mit eigenem und fremdem Gut umzugehen. Denn geordnete und sichere Besitzverhältnisse sind die Grundlage für die Entfaltung geistiger und kultureller Werte im Leben des einzelnen und der Gemeinschaft. Das verpflichtet zu gewissenhafter Arbeit und verantwortungsbewusster Nutzung der Sachgüter, die Gottes Schöpfung für den Menschen bereithält. |
|
Das ist die Forderung nach Wahrheit und Wahrhaftigkeit im Reden und Handeln. Kein Mensch kann sich entfalten und keine Gemeinschaft Bestand haben, wenn falscher Schein, Täuschung und Lüge, Verleumdung, Treulosigkeit und Unzuverlässigkeit das Vertrauen und die Sicherheit untergraben und zerstören. Wir leben von der Treue und Wahrhaftigkeit Gottes. Wir können mit uns selber und mit den anderen nur dann im Frieden leben, wenn wir unser Leben nicht auf Heuchelei und Lüge, sondern auf Wahrhaftigkeit und Wahrheit aufbauen. |
![]()
Seine Jünger bitten Jesus: lehre uns beten, Herr!
Vater unser im Himmel,
geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe.
Wie im Himmel so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch vergeben unseren Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich
und die Kraft
und die Herrlichkeit
in Ewigkeit.
Amen
Das verkündet Jesus als Gebet und Botschaft: Vater unser im Himmel
|
VATER UNSER Du willst mich | |
|
VATER UNSER Du willst die anderen | |
|
VATER UNSER IM HIMMEL Vater des verlorenen Sohnes, d.h. mein persönlicher Zustand ist kein Hindernis, um zum Vater zu gehen |
Mit dem VATER UNSER stellen wir uns bewusst in die Gemeinschaft der Gläubigen, wir betonen den sozialen Charakter des Glaubens.
Das Gebet muss sich in verschiedenen Lebens-Bereichen bewähren, bewahrheiten, Gestalt annehmen:
| Gott Gemeinschaft Gottes: Kirche | |
| Nächster Familie: Partner, Kinder; Nachbarn; Arbeitsplatz; Pfarrgemeinde; politische Gemeinde; | |
| Ich selbst Leib-Geist, Zeit, Arbeit-Muße |
![]()
"Was uns bevorsteht, ist die Aussicht auf eine Arbeitsgesellschaft, der die Arbeit ausgegangen ist, also die einzige Tätigkeit, auf die sie sich versteht." Hannah Arendt 1958
Das Christentum hat in der Tradition des jüdischen Glaubens immer zwischen vita activa und vita contemplativa unterschieden. Arbeiten ist Teilhabe am Schöpfungswerk Gottes. Der jüdische Sabbat und der christliche Sonntag sind deshalb Teilhabe am Ausruhen Gottes, über das uns das Buch Genesis berichtet. "Ora et Labora", die Mönchsregel des heiligen Benedikt, wurde bestimmend für die abendländische Kultur. Die Arbeit in der Landwirtschaft ordnete sich im Jahreskreis der Natur und nach dem Läuten der Glocken. Beim Läuten des Angelus, das ist um 12.00h, war es Zeit für das Mittagessen. Und wenn die Vesperglocken gegen 17.00h läuteten, kehrte man vom Feld nach Hause zurück. Es begann die Zeit der Muße.
Unter dem Einfluss der protestantischen Ethik, vor allem durch Calvin, wird die Arbeit theologisch "spiritualisiert". Arbeitslast und Arbeitsmühe werden als gottgewollt "verherrlicht". Denn der berufliche Erfolg ist ein Zeichen, dass Gott mir gewogen ist und mein Heil sicher zu sein scheint [Prädestinationslehre]. Plakativ gesagt: Moneten werden zum "Zeichen des Heils".
Die bäuerlichen und handwerklichen Produktionsverhältnisse waren mit kirchlichen Traditionen leichter zu versöhnen [Kult, Feier, Muße, Tagesablauf]. Die industrielle Produktionsverhältnisse folgen nicht mehr dieser kirchlichen Tradition. Die Maschinen kennen keinen Abend und keinen Morgen. Sie lohnen sich nur, weil ihre Anschaffung teuer ist, wenn sie lange laufen. Die Maschine nimmt den Menschen in ihren Dienst. Die Entwicklung des tertiären Sektors, der Dienstleistungen, bedeutet oft sogar eine Alternative zur kirchlichen Tradition von Kult, Feier und Muße im Tagesablauf. Die Freizeit wird kommerzialisiert. Immer mehr Menschen müssen auf den Sonntag als Ruhetag verzichten, damit andere Menschen in ihrer freien Zeit ihrer Erholung nachgehen können.
Notwendig ist aber eine "kreative Muße", ein zielgerichtetes, aber zweckfreies Tun, z.B. Musik, Kunst, Sport. Als Ergänzung zur Arbeitszeit brauche ich einen "zeitlichen Spiel-Raum". Die Zeit darf nicht meiner Reproduktion für die nächste Runde der Arbeit dienen. Sie muss mir Freude machen. Sie darf mich auch anstrengen. Sie kann mich alleine finden oder mit Menschen, die ich mir bewusst ausgesucht habe.
| Moneten und Macht können den Blick auf den Zusammenhang von vita activa und vita contemplativa verstellen. | |
| Moral kann nicht in Moneten und Macht gründen. | |
| Die Besinnung auf die Zehn Gebote, das bewusste Sprechen des Vaterunsers, das Bedenken der Nachfolgereden Jesu können hilfreich sein, Macht, Moneten und Moral in ein verantwortetes Gleichgewicht zu bringen. |
![]()
|
©1998- 2010 Pater Benno Kuppler SJ |werte-wirtschaft-weiterbildung.de|coaching & spiritual consulting | münchen|file last updated 2010-05-29| we-wi-we Impressum| wirtschaftsethik | predigten| we-wi-we @ktuelles| Mein Kurzporträt pdf-file| Optimale Darstellung IE [download] |