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P.
Benno Kuppler SJ - ein Porträt
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Werte als Orientierung: Privatsache oder Gemeinschaftsaufgabe "Gerüst" der Festrede
beim Festkommers der
KDStV
Churpfalz im CV zu Mannheim
im
Oggersheimer Schloss am 13. Juni 2003 P. Dr. Benno Kuppler SJ

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Einleitung
 | Vier Substantive im Titel, die es zu bedenken gilt:
 | Werte |
 | Orientierung |
 | Privatsache |
 | Gemeinschaftsaufgabe |
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 | In der neuesten Ausgabe von "Capital" 13/2003 wird über die "Rückbesinnung auf alte Werte"
[S. 97] nachgedacht und folgende Werte genannt:
 | Vertrauen |
 | Ehrlichkeit |
 | Fairness |
 | Standfestigkeit |
 | Konsequenz |
 | Authentizität |
 | Selbstreflexion |
 | Zukunftsvision. |
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 | Unter dem Titel "Werte im Wandel" [S. 106] werden drei Bücher
vorgestellt mit der Wertung diagnostisch, aufbegehrend, frech. Diese
Stichworte mache ich zu meiner |
 | Gliederung: diagnostisch,
aufbegehrend, frech. Einige Links zum Thema.
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Was bedeutet "Werte"
 | Begriff "Wert" in vieler Hinsicht nicht gerade sympathisch; |
 | Misstrauen dem Begriff wegen seiner Herkunft aus dem Bereich der
Ökonomie: Begriffe Tauschwert oder Mehrwert |
 | Bedeutungsgehalt nicht ablösbar vom ökonomischen
Hintergrund. |
 | Der Wertbegriff |
 | wenig
personal-orientierte Struktur als ein "ethisches Abstraktum" [Carl
Schmitt] |
 | auch philosophisch wenig geklärt |
 | Bedenken gegen den Ansatz emotionaler Elemente in der Wahrnehmung
von Werten, |
 | große Denker sehen im Wertbegriff ein letztlich untaugliches
Surrogat für hohe Begriffe der klassischen Ethik, wie z.B. das Gute
und die Tugenden, erblicken. |
 | Martin Heidegger "sarkastisch": Werte ein "positivistischer Ersatz
für das Metaphysische". [Karl Lehmann] |
 | Werte sind Leitlinien zur Orientierung des Menschen, die
Handlungsziele vorgeben und für die Sinnbildung bedeutsam sind. |
 | Werte haben eine Führungsrolle im menschlichen Tun und Lassen inne, wo
immer Menschen etwas wünschen oder "wichtig" finden, als Personen Stellung
nehmen und Urteile aussprechen. |
 | Werte müssen den Trägern keineswegs immer voll bewusst sein.
Sie können in soziale Gewohnheiten, "Normen" und kulturelle
"Selbstverständlichkeiten" eingelagert sein; |
 | Werte als "Ideale" und in Entwürfen einer
individuellen und gesellschaftlichen Ethik |
 | Werte sind in komplexer Weise auf "Bedürfnisse" hin orientiert, wenn
auch eine nähere Zuordnung zwischen ihnen ziemlich schwierig ist.
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Was bedeutet "Orientierung"
 | Elementare Fragen: |
 | Was ist richtig, was darf man, was darf man nicht tun? Wofür soll
man sich Mühe geben? Wozu soll man Kinder erziehen? Was ist der Sinn
des Lebens? Und gibt es etwas, wofür es sich lohnt, sein Leben
einzusetzen? |
 | Viele Lebensorientierungen sind uns als Antwort auf solche Fragen
vertraut: Erfüllung in der Arbeit, Zufriedenheit durch Dienst für
andere, Freude an vollbrachten Leistungen, Streben nach
Selbständigkeit, Selbstverwirklichung. |
 | Orientierungshilfen können auch begrenzen: Straßenschilder,
Straßenbahnleitungen |
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Helsinki, Hafen, Schilderwald
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St. Petersburg, Straßenbahnleitungen |
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Was bedeutet "Privatsache"
 | Was ich tue, geht dich nichts an. |
 | homo religiosus, der
in seiner Existenz religiös gestimmten Menschen |
 | homo a-religiosus, den "religiös völlig
Unmusikalischen" [Jürgen Habermass], dem es nach Jahrzehnten konsequenter Entwöhnung ein nahezu unlösbares Problem
ist, die Frage nach Werten und nach Wertorientierung überhaupt als Problem
zu erkennen. |
 | Nicht
zu verwechseln mit einem Humanisten mit hohen moralischen Ansprüchen, der sich ganz auf das Humanum einlassen,
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 | Es gibt offensichtlich ein Leben ohne Gott, ohne Glaube und
Religion, das nach menschlichem Begreifen gelingen kann. [Bischof Bode]
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Was bedeutet "Gemeinschaftsaufgabe"
 | Die jüdisch-christliche Tradition: das Wohlergehen jedes Einzelnen,
der Familie, eines Volkes ist abhängig von der ausgewogenen Balance von
geistigen und materiellen Werten. Die geistigen und religiösen Werte sind
die Grundlage, auf denen der materielle Wohlstand gedeihen kann. Das
wussten die Mütter und Väter des Grundgesetzes. |
 | Viele christliche Werte fanden Eingang in das geistige Gebäude unseres
Staates. Sie gründen in den Worten der Präambel: "In Verantwortung vor
Gott und den Menschen" und "Die Würde des Menschen" - die ihm von Gott
her, dessen Ebenbild der Mensch ist, zukommt - "ist unantastbar".
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Was bedeutet "Werte"
 | Werte werden anders ausbuchstabiert als in der alten und älteren
Generation |
 | aus Erfahrung mit jungen Leuten: Echtheit, Glaubwürdigkeit [kaum Worte
haben sich bei Jugendlichen so durch getragen wie "echt" und "total"! -
weshalb Vertrauenskrisen in Politik und Kirche auch so folgenreich sind!],
Gemeinschaft, Freundschaft, Sicherheit, Angstfreiheit im Alltag, Nähe zur
Natur, Verlässlichkeit, Formen von Verzicht, Formen von neuer
Spiritualität, neue bewusste Langsamkeit, oder auch Kritikfähigkeit,
Solidarität, Toleranz, Autonomie, Fähigkeit zum Diskurs, Akzeptanz anderer
Wertmaßstäbe und Lebensstile und vieles mehr. [Bischof Bode]
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Was bedeutet "Orientierung"
 | Im Alltag werden Wertorientierung und Moral ein ums andere mal
eingeklagt, wenn es brennt, d.h. |
 | Selbstvergewisserung ist notwendig: was sind meine Werte? |
 | Werte
oft unverbunden nebeneinander wie in einem Supermarkt, in dem man
sich nach belieben selbst bedienen kann. Dabei wäre doch zu fragen:
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 | Wo haben diese Werte ihren Grund? |
 | Woran kann man sich dauerhaft halten? |
 | Wie kann ich unterscheiden zwischen richtig und falsch, wichtig und
weniger wichtig? |
 | Gibt es eine Hierarchie der Werte?
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Was bedeutet "Privatsache". Was bedeutet "Gemeinschaftsaufgabe"
 | Die Bereitschaft zur Partizipation an Entscheidungsvorgängen wächst
gleichzeitig. |
 | viele Gegensymptome: |
 | Wechselwähler nehmen zu, die Zahl der Stammwähler nimmt ab. Mehr und
mehr drängt sich eine Einstellung in den Vordergrund, in der vornehmlich,
wenn auch nicht ausschließlich, die ganz persönliche Betroffenheit und die
private Wohlfahrt zählen. |
 | Alles, was den privaten Lebensraum betrifft, wird entscheidend.
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 | Das Auswandern aus politischen und gesellschaftlichen
Verbindlichkeiten wird fast zu einem Lebensstil. Informelle Beziehungen
werden vorgezogen; Subkulturen aller Art sind Orte für Ausbruchsversuche
aus der Normalität des Lebens; die Sehnsucht nach der Idylle und nach dem
Unmittelbaren gewinnt an Gewicht gegen das rationale Kalkül und gegen
technologische Produktionsbedingungen; der Vorbehalt gegen die Moderne
wächst, obgleich man ihre Segnungen in Anspruch nimmt; das Gefühl steht
gegen Rationalität; der Bezug auf das Gemeinwohl wird immer mehr
situationsbezogen und ist nicht frei von modischen Erscheinungen.
[Karl Lehmann] |
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Was bedeutet "Werte"
 | Werte werden verwechselt mit GO, Ritualen, Regelungen, Gesetzen, statt
die gemeinten Inhalte zu kennen |
 | Postmaterielle Werte kultureller, musischer und sportlicher Art oder
Gesundheitswerte gewinnen in einer materiell eher schon einem
Sättigungsgrad entgegenlaufenden Gesellschaft eine größere Bedeutung
gegenüber der physischen Existenzsicherung. Für viele ist ein gutes Gehalt
längst nicht mehr die wichtigste Errungenschaft; die Bedeutung einer
interessanten und sie zufrieden stellenden Arbeit rückt in den
Vordergrund.
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Was bedeutet "Orientierung"?
 | eine neue Verständigung über gemeinsame Grundwerte. Dabei geht es um
eine Wertekommunikation, nicht allein um eine bloße Wertevermittlung, um
Dressur |
 | Jugend braucht die Chance, über eine solche Verständigung selbstfähig,
beziehungsfähig, hoffnungsfähig und sinnfähig, ja gottfähig zu werden |
 | sonst Gefahr: die Gesellschaft wird aufgelöst in unzählige Milieus
oder zerrissen von divergierenden Einzel- und Gruppeninteressen untergeht.
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 | Anstrengung, die aus Masse und Individuum Person und Gemeinschaft
macht. |
 | Im Deutschen steht das Wort Wert sowohl für eine geistige wie eine
materielle Dimension, die im modernen Lebensgefühl allzu oft in
Konkurrenz stehen. |
 | Moral oder Markt. Wer sich dem Markt und seinen
Gesetzen verschreibt, vernachlässigt der zwangsläufig die Moral?!
Wer aber die Moral hochhalten will, muss der sich demnach dem
Gebaren des Marktes entziehen?!
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Was bedeutet "Privatsache". Was bedeutet "Gemeinschaftsaufgabe"
 | Hermann Lübbe fasst in einer abstrakten Beschreibung den "Trend-Typ"
mit sarkastischen Worten folgendermaßen zusammen: |
 | "Hoher Lebensstandard, distanziertes Verhältnis zur Berufstätigkeit,
abnehmende Mobilität, schwindende Arbeitsfreude, reiselustig, rasch
gelangweilt und daher kontaktbeflissen, einsamkeitsflüchtig und zugleich
bindungsscheu, politisiert, aber institutionenfremd,
orientierungsbedürftig und kirchenfern." |
 | Es bleiben die klassischen Fragen der Philosophie: |
 | "Was soll ich tun?", "Was kann ich wissen?", "Was darf ich hoffen?",
"Was ist der Mensch?" |
 | "Was sollen wir tun?", "Was können wir wissen?", "Was dürfen wir
hoffen?", "Was ist der Mensch?"
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Daher gehört der "freche Vorschlag" an meine Conphilister:
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Machen wir eine berufliche Fortbildung unter der Woche - der Steuern
wegen - zum Thema "Werte als Orientierung: Privatsache oder
Gemeinschaftsaufgabe" mit folgenden Fragestellungen:
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 | Die Frage nach Werten und Normen - Erarbeitung grundlegender Begriffe
und Methoden |
 | Die Frage nach der Welt und dem Heiligen - kleine und große Religionen
und Religionsgemeinschaften |
 | Die Frage nach dem Menschen - Anthropologische Entwürfe der
Philosophie, der Einzelwissenschaften und der Religionen |
 | Die Frage nach dem richtigen Handeln - Voraussetzungen, Quellen,
Geltungsbereich, Funktion und Begründung von Moral |
 | Die Frage nach der Wahrheit - Quellen, Reichweite, Gültigkeit,
Sicherheit und Grenzen unseres Erkennens |
 | Die Frage nach der richtigen Ordnung - Gesellschaft, Politik,
Herrschaft und die Spannung zwischen individuellen Freiheiten und
kollektiven Ansprüchen. [Werte und Normen]
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Und für die Aktivitas wäre anschließend ein Seminar durch Alte Herren zu
organisieren mit den Stich-Worten:
 | Der junge Mensch auf der Suche nach Identität, Vom Kind zum
Erwachsenen, Wahrhaftigkeit und Lüge, Glücksvorstellungen und
Glücksversprechen, Sucht und Rausch, Freundschaft, Liebe und Sexualität,
Ehe und Familie, Arbeit, Freizeit, Muße, Leben in einer christlich
geprägten, Kultur, Okkulte Praktiken und neuere, religiöse Gemeinschaften,
Schuld und Strafe, Menschenrechte und Menschenrechtsverletzungen,
Begrenzte Ressourcen auf der Erde, Mensch und Natur, Rollenverständnis der
Geschlechter, Tod und Sterben, Gewissen und Gewissensbildung, Vorurteile
und Diskriminierung, Konflikte, Gewalt, Aggression, Recht und
Gerechtigkeit, Wahrheit und Wirklichkeit, Grundzüge der christlichen
Religion, Religionskritik und Kritik der Religionskritik, Kulturelle
Prägungen im Zusammenleben, Eine Moral oder viele Moralen? Die
Menschenwürde - Begründungen und, Gefährdungen, Der einzelne und der
Staat, Krieg und Frieden, Herausforderungen der Transplantationsmedizin,
Chancen und Risiken von Großtechniken [Werte und Normen]
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Eine Geschichte zum Abschluss
 | Bischof Bode verdeutlicht die Rolle der Kirche, ihres Glaubens und ihres
Wertesystems in einer kleinen kuriosen Geschichte: |
 | "Einem Mann war eine Katze zugelaufen. Da er sie nicht brauchen konnte,
nahm er sein Auto, fuhr zwei Meilen weit und ließ die Katze laufen. Doch
kaum war er wieder zu Hause, kam auch die Katze zurück. Daraufhin setzte er
sie 20 Meilen weit entfernt auf freiem Feld aus. Aber einen Tag später war
die Katze wieder da. Jetzt machte er schließlich ganze Sache und fuhr weit
weg, kreuz und quer durch unwegsames Gelände wie im Urwald. Dort setzte er
die Katze aus. Endlich! Doch als er sich ans Steuer setzen wollte, lief es
ihm kalt den Rücken herunter. Er hatte total die Orientierung verloren. In
dieser perplexen Situation wusste er sich keinen Rat, als sein Auto stehen
zu lassen und der Katze nachzugehen. Und siehe da, nach einer Woche brachte
ihn die Katze wieder nach Hause. |
 | Christlicher Glaube, vermittelt durch Kirche, erscheint vielen heute als
diese lästige Katze. Ja, sie mag manchmal lästig sein: die Herausforderung
des Glaubens und die Herausforderung der Kirche, dennoch bleibt sie
not-wendig für die Orientierung und für den Weg nach Hause.
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 | Werte als Orientierung: Privatsache oder Gemeinschaftsaufgabe. Für heute
Abend haben uns die Chargen einen Wert vorgegeben:
 | "Ein Leben ohne Freude ist ein eine weite Reise ohne Gasthaus"
[Liederheft zum Festkommers].
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 | Ich wünsche uns ein freudigen Abend. Dixit. |


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