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Trau"liturgie" von Kurt Marti Glocken dröhnen ihren vollsten Ton,
Warum ist die Silberhochzeit in der Ehe-Biografie eines Paares ein so herausragendes Ereignis, dass es mit einer besonderen Feier gewürdigt wird? Fünfundzwanzig Jahre gemeinsam unterwegs zu sein, gemeinsam verbrachtes Leben, und damit schöne wie auch schwere Zeiten, freudige Anlässe, aber auch Sorgen, Mühen und Differenzen, all dies fordert ein Wahrnehmen und auch Feiern. Feiern deshalb, weil jetzt nicht nur die gemeinsamen Freude- und Glückserfahrungen von Gerlinde und Thomas im Bewusstsein lebendig werden, sondern auch die zurückliegenden Schwierigkeiten, die gemeistert worden sind. Fünfundzwanzig "in guten und in schlechten Tagen" bestandene und gestaltete Ehejahre sind nun Anlass genug, um den Bestand der Ehe, die Ehe selbst und somit auch das Silberpaar zu feiern. Eure Kinder, Neffen und Verwandte warten darauf, dass Ihr anfangt zu erzählen. Und ich höre auch gerne zu. Zugleich weiß ich, dass es Dir, lieber Thomas, schwer fällt, über Gefühle, über das was Dich innerlich umtreibt zu sprechen. Aber die fünfundzwanzigjährige Weggemeinschaft mit Gerlinde hat auch schon vor Eurer Hochzeit viele Stationen gekannt, über die zu sprechen lohnend ist, die als Eure gemeinsame Lebenserfahrung an Eure Kinder weitergegeben werden darf. Ihr selbst habt die beiden Bibelstellen, die wir gehört haben, ausgesucht und mir dazu geschrieben:
Und dann habt Ihr Gedanken zu "einer guten Ehe" in Stich-Worten, in Worten, die stechen, angefügt: "Ein Geschenk Gottes, dass sich die Richtigen getroffen haben, Harte Arbeit und tägliches miteinander Ringen - Gegenseitiges Achten der Schwächen und Stärken des Einzelnen - Sich Mühe geben den anderen zu verstehen - Dem anderen Freiraum lassen - In wichtigen Dingen einig sein - Dem anderen bedingungslos vertrauen zu können - Kummer, Trauer und Sorgen gemeinsam tragen. Das Bemühen um eine gute Ehe, auch einmal auf etwas verzichten oder nachgeben - soll auch besonders als Rat für die Zukunft an unsere Kinder, Nichten und Neffen gedacht sein" Als Ihr vor dem evangelischen Studentenpfarrer und Wolfgang Oberschmidt Euch vor fünfundzwanzig Jahren getraut habt, da habt Ihr gesprochen: "Ich verspreche dir die Treue in guten und bösen Tagen, in Gesundheit und Krankheit, bis der Tod uns scheidet. Ich will dich lieben, achten und ehren alle Tage meines Lebens." Dieses Versprechen haben sich in den vergangenen Jahrhunderten unzählige Frauen und Männer vor dem Traualtar gegeben. Auch heute beginnen viele Brautleute ihren gemeinsamen Lebensweg mit einer solchen gegenseitigen Zusage. Ist das nicht kühn, einen solchen Wechsel auf Zukunft zu unterschreiben.
Und heute fragen sich mehr und mehr Menschen jedoch, ob sie angesichts der erheblichen Schwierigkeiten, die das Leben in Ehe und Familie mit sich bringt und wegen der vielen scheiternden Ehen überhaupt eine Ehe vor dem Standesamt oder vor dem Traualtar eingehen sollen. Viele zweifeln, ob sie überhaupt zu lebenslanger Treue fähig sind. Verunsicherung entsteht durch die Vielfalt der Meinungen in unserer Gesellschaft über die Ehe. "Ehe ohne Trauschein", "Ehe mit Bedingungen", "Ehe auf Zeit", "Ehe zur Probe". Das sind nur einige der Auffassungen, nach denen Paare versuchen, ihr Leben gemeinsam zu gestalten. Diese Versuche, die sich als Gegenmodelle zur christlichen Ehe verstehen, bieten aber offensichtlich auch keine besseren Chancen für ein glückliches Zusammenleben der Geschlechter, weil bei ihnen jederzeit die Lösung des eingegangenen Verhältnisses möglich ist. Das wird als ständiger Unsicherheitsfaktor empfunden. Wie kann heute das Zusammenleben von Mann und Frau in einer gottgewollten Ehe gelingen? Partnerschaft in der Ehe ist nicht egoistische Befriedigung der eigenen Bedürfnisse. Beide Partner sind gleichwertig und gleichberechtigt, keiner ist über- oder untergeordnet. Sie bringen sich mit ihren Gefühlen, Hoffnungen und Ängsten in ihre Beziehung ein. Jeder muß die Andersartigkeit des Partners anerkennen und gelten lassen. Beiden ist die Aufgabe gestellt, in einem langen Prozeß immer mehr "Wir" zu werden, ohne seine Persönlichkeit aufzugeben. Damit dieser Prozeß gelingen kann, ist es wichtig, dass die Ehepartner miteinander reden, dass sie ihre Gefühle ausdrücken, ihre Wünsche äußern und aufgreifen, sich ihre Erlebnisse mitteilen und gemeinsam verarbeiten. Das offene Gespräch, in dem auch Kritik als Ausdruck der Liebe möglich ist, trägt zum Gelingen der personalen Gemeinschaft bei.
zwischen Euch beiden, zwischen Euch und Euren Kindern, zwischen Euch und anderen Menschen, gehören sie nun zur weiteren Familie, zu den Freunden oder Arbeitskontakten. Kommunikation, die aufrichtig und offen sein muß. Kommunikation, die einen Austausch über Gelungenes und Freudiges, über Sehnsucht und hoffen umfaßt. Kommunikation, die Enttäuschungen, Niederlagen und Konflikte nicht ausspart.
der persönliche Raum des Paares muß gesichert sein, als Raum für Nähe, Intimität, Zärtlichkeit, auch als Raum, Konflikte auszutragen; der Raum der eigenen Familie muß gesichert sein, als Raum für Eltern und Kinder und für die Geschwister untereinander; der Arbeits-Raum, der sich von dem persönlichen deutlich unterscheiden muß.
Diese Grenzen müssen gegenüber der Großfamilie und den Freunden klar gekennzeichnet sein. Setzt klare Zeichen, wo Eure Grenzen beginnen. Dann habt Ihr das Recht, Grenzverletzungen zu ahnden.
Partnerschaftliche Liebe ist auch nach fünfundzwanzig Jahren nicht erschöpft. Ehe ist ein Unterwegssein. Frau und Mann stehen dabei in einem schöpferischen Lernprozess. Die Hoffnung auf eine Vertiefung ihrer Liebesbeziehung ist die Kraft, die sie immer wieder neu beginnen läßt. Aus der anfänglichen, willentlichen Bereitschaft zu lebenslanger Gemeinsamkeit kann eine reife, schenkende Liebe werden, die nicht einengt, sondern befreit. Und gerade nach fünfundzwanzig Jahren, wenn die Kinder ihre eigenen Lebenswelten zu gestalten beginnen, müßt Ihr beide auf neue Weise Eure Beziehung wieder gestalten, die sich nicht mehr vom Mutter-sein und Vatersein her definieren darf. Dazu zählt auch die Sexualität. Mann und Frau sind von ihrer Geschlechtlichkeit durchgehend geprägt. Die Unterschiedlichkeit übt eine starke gegenseitige Anziehungskraft aus. Durch eine Vielfalt von Gesten und Zeichen können Menschen sich ihre Zuneigung zeigen. Im Zusammenleben der Eheleute findet sich eine Fülle von Möglichkeiten, zärtlich miteinander umzugehen, auch mit zunehmendem Alter. [Türkisches Paar am Meer].
Es geht in dieser Zeit rund um die Silber-HOCH-Zeit jedoch nicht allein darum, freudig und dankbar zurückzuschauen, sondern auch einen Blick in die Gegenwart zu werfen und einen Ausblick in die Zukunft zu wagen. Eine Standortbestimmung kann die Bedeutung einer Zwischenbilanz bezüglich der Ehe gewinnen, da auch auf Grund der höheren Lebenserwartung der Einzelnen und der damit verknüpften längeren Ehedauer um die Silberhochzeit herum die "Halbzeit der Ehe" gefeiert werden kann. Neben dem Bewusstwerden der Gegenwart ist ein Blick in die Zukunft nach fünfundzwanzigjähriger Partnerschaft wichtig. Um die Zeit der Silberhochzeit herum vollzieht sich ein Einschnitt in die Biografie des Paares und der einzelnen Partner. Nach fünfundzwanzigjähriger Weggemeinschaft befinden sich die Eheleute in der Regel in einer wichtigen Umbruchsituation. Liebe Gerlinde, lieber Thomas, seid aufmerksam, wo sich notwendige Änderungen abzeichnen. Wenn Ihr gleich Euer Eheversprechen erneuert, liebe Gerlinde, lieber Thomas, dann wollt Ihr zum Ausdruck bringen, dass es Euch um Verbindlichkeit für die nächsten Jahre geht, nicht um eine Beziehung ohne Gewähr".
Wir kennen das vom Wetterbericht oder von der Information der Lottozahlen. Wie viel Gewähr aber bieten die Entscheidungen unseres Lebens, unsere Beziehungen oder auch die geistliche und charakterliche Qualität unserer Persönlichkeit? Das "Lehrfach" heißt Verbindlichkeit. Sie fördert Vertrauen und Sicherheit und ist vergleichbar mit den Sehnen des menschlichen Leibes, ohne die die Funktionalität nicht gewährleistet ist. Verbindlichkeit ist Merkmal und Eigenschaft für jegliche geistliche Struktur, auch für eure weiteren Ehejahre.
Oder anders gefragt: Wie verbindlich ist Unabhängigkeit? Wir leben alle in einem Geflecht von Beziehungen, das die Verbindlichkeit des einzelnen braucht, damit Glück, Sicherheit, Freude, Geborgenheit, Bestätigung und Liebe erfahren wird. Gibt es eine unverbindliche Ehe? Oder eine unverbindliche Eltern-Kind-Beziehung? Und Verbindlichkeit hat eine Innen- und Außenfunktion. Nach Innen geht es um die Verbindlichkeit zwischen Euch beiden als Partnern, liebe Gerlinde, lieber Thomas. Nach Außen geht es um Eure Verbindlichkeit als Vorbilder, für Eure Kinder und andere Menschen. Da Du, lieber Thomas, Dich in der betriebswirtschaftlichen Terminologie besser auskennst: Ihr als Paar habt Leadership wahrzunehmen. Partnerschaftsmanagement ist zu wenig.
Verbindlichkeit im christlichen Sinne ist immer gepaart mit Freiwilligkeit! Das gilt für unsere Beziehung zu Gott genauso wie für die ethische Dimension menschlichen Zusammenlebens, wie auch für unseren Dienst und unsere Verantwortung im Reich Gottes. Unverbindlichkeit in jeglicher Beziehung ist strukturgewordene Sünde. Falsch verstandene Unabhängigkeit führt zu Einsamkeit und Sinnkrisen. Liebe Gerlinde, lieber Thomas, dass es Euch in dieser Stunde um Verbindlichkeit geht, steht für mich außer Frage. Nicht nur, weil wir beide, lieber Thomas uns verbindlich in einer Verbindung gebunden haben, sondern weil Ihr Eure Kinder, Eure Eltern, Eure Geschwister und Eure Nichten und Neffen und einige Freunde eingeladen habt, mit Euch Eucharistie, Danksagung für fünfundzwanzig Ehejahre zu feiern. Und Ihr habt uns als Wort Gottes in dieser Stunde mitgegeben:
Das ist Programm für die nächsten Jahre Eurer Ehe, aber auch für das Leben eines jeden von uns, der heute mit Euch feiern darf. Amen.
Lesung aus dem 1. Johannesbrief 4, 7- 12Liebe Schwester und Brüder, wir wollen einander lieben; denn die Liebe ist aus Gott, und jeder, der liebt, stammt von Gott und erkennt Gott. Wer nicht liebt, hat Gott nicht erkannt; denn Gott ist die Liebe. Die Liebe Gottes wurde unter uns dadurch offenbart, dass Gott seinen einzigen Sohn in die Welt gesandt hat, damit wir durch ihn leben. Nicht darin besteht die Liebe, dass wir Gott geliebt haben, sondern dass er uns geliebt und seinen Sohn als Sühne für unsere Sünden gesandt hat. Liebe Schwester und Brüder, wenn Gott uns so geliebt hat, müssen auch wir einander lieben. Niemand hat Gott je geschaut; wenn wir einander lieben, bleibt Gott in uns, und seine Liebe ist in uns vollendet. Evangelium nach Matthäus, 7, 12-14
Erneuerung des EheversprechensGerlinde und Thomas:
Priester:
Gerlinde und Thomas: Ja. Priester:
Gerlinde und Thomas: Ja. Priester:
Priester: Vor fünfundzwanzig Jahren habt Ihr, Gerlinde und Thomas, versprochen, einander zu lieben, zu achten und zu ehren, in guten und in bösen Tagen, in Gesundheit und Krankheit, bis der Tod Euch scheidet. Reicht einander jetzt wie vor fünfundzwanzig Jahren die Hand. Wir wollen Eure Zukunft unter den Segen Gottes stellen.
Priester: Herr und Gott, Schöpfer der Welt, du hast den Menschen als Mann und Frau erschaffen. Wir danken dir, dass Gerlinde und Thomas heute fünfundzwanzig Jahre im Sakrament der Ehe verbunden sind, und bitten dich: Segne + Gerlinde und Thomas. Stärke ihren Glauben, festige sie in der Hoffnung und lass sie in der Liebe wachsen, damit sie eine gute Ehe führen und ihren Kindern das Beispiel eines christlichen Lebens geben. Herr, lass sie in der Gemeinschaft deiner Kirche mit dir verbunden bleiben, alle Tage ihres Lebens deinen Namen preisen und der Welt Zeugnis von dir geben. Gewähre ihnen ein hohes Alter bei Gesundheit und schenke ihnen nach diesem Leben die Vollendung deiner Herrlichkeit. Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn. Alle: Amen.
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