"Alle suchen dich"
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P. Benno Kuppler SJ - ein Porträt

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128. Gründungsfest der KDStV Aenania im CV zu München
Festgottesdienst in St. Bonifaz am 04. Februar 1979
Speyerer Dommesse von Joseph Haas [Ae] [100. Geburtstag 1979]
Hauptzelebrant: Bbr. Abt Odilo Lechner OSB [Ae]
Konzelebrant: Bbr. Wilhelm Stelzner, Schwerte [Ae]
Predigt: Bbr. Frater Benno Kuppler SJ [Cpf, Ae]

Lesung: Markus 1, 29-39

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Liebe Christen, meine Cartell- und Bundesbrüder!

Eucharistiefeiern anlässlich des Gründungsfestes, das führt uns heute morgen hier zusammen. Eine fromme Gewohnheit? Eine Notwendigkeit des Programms? Ein inneres Bedürfnis?

Unsere Gemeinschaft, die Katholische Deutsche Studentenverbindung Aenania, hat als ein konstitutives Element den gemeinsamen katholischen Glauben. Wenn wir unseren Namen auch als Ausdruck unseres Programms, unserer Zielsetzung verstehen wollen - und wer dürfte daran zweifeln, ohne uns in Frage zu stellen! - so haben wir uns immer wieder dem Anspruch des Evangeliums zu stellen. Der Anspruch verlangt Antwort, die Antwort des Einzelnen, wie der Gemeinschaft, Deine und meine Verantwortung: aus dem Glauben begründet.

Stellen wir uns deshalb dem Anspruch des Evangeliums, das uns heute bei Markus überliefert ist. Ziehen wir die Linien dieser Stelle nach, gliedernd und erklärend, aber - und das scheint mir der Anspruch zu sein! - ziehen wir die Linien aus in unsere Zeit, in unser gemeinschaftliches Leben, in Deine und meine konkrete Lebenssituation. Lassen wir uns fragen, damit wir Antwort geben können.

In drei Abschnitte lässt sich dieser Absatz des Markus-Evangeliums teilen:

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Die Erzählung zweier Heilungswunder

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Jesu Gebet in der Einsamkeit

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Jesu Aufforderung an die Jünger

Erinnern wir uns:

Jesus kommt am Sabbat mit den Jüngern Simon, Andreas, Jakobus und Johannes in das Haus der Schwiegermutter des Simon. Er erfährt, diese sei krank und heilt sie. Die Schwiegermutter des Simon steht auf und bedient Jesus und seine Jünger. Am Abend des Sabbat heilt er Menschen, die von Dämonen besessen sind. Den ausgetriebenen Dämonen verbietet Jesus zu sagen, wer er sei.

Zwei Haltungen werden uns hier vorgestellt: ein dienender Glaube in der Schwiegermutter und ein bekennendes Wissen bei den Dämonen. Und Jesus verurteilt dieses bekennende Wissen, mehr noch, er verbietet sich, dieses zu äußern.

Denn das Handeln Jesu zielt nicht darauf, seine Vollmacht als Sohn Gottes, als Messias offenbar werden zu lassen, Jesus zielt mit seinem Handeln auf Nachfolge: er sucht den Glauben der Menschen mit bloßen Wissen des Messias zu führen in die Nachfolge Jesu.

Der zweite Abschnitt berichtet uns, dass Jesus sich am frühen Morgen an einen einsamen Ort begibt und betet. Die Jünger folgen ihm und sagen: alle suchen dich.

Was will uns Markus mitteilen? Nicht alleine die Heilungen der Menschen, die Verkündigung der Frohbotschaft ist Aufgabe, Dienst Jesu. Zu seinem Dienst gehört die persönliche Beziehung zu Gott, das Gebet, die Stille der Einsamkeit. Es ist die Zeit der Einkehr, der Besinnung, die Hilfe für die Orientierung ist, die schützt vor der Begeisterung der Massen "alle suchen dich", die die begeisterte Anerkennung relativiert.

Die Jünger aber verstehen Jesus nicht, so berichtet uns der dritte Abschnitt. Denn Jesus belehrt sie: meine Sendung ist es, allen zu predigen: "Lasst uns anderswo hingehen". Indem die Jünger Jesus folgen, wird dies auch ihre Sendung.

Gewiss ist es für uns heute schwer, so unmittelbar Zeichen, Wunder Jesu zu erfahren. Aber gibt es für uns als Glaubende nicht Erlebnisse, Ereignisse unseres Lebens, die uns ahnen lassen, dass Gott im Spiel ist? Haben wir als Einzelne nicht schon gespürt, dass es einen inneren Anspruch in mir gibt, der mich zu einer bestimmten Haltung ermutigt, auffordert, ja vielleicht verpflichtet? Und wie reagiere ich darauf? Habe ich sofort einen "Begriff" bereit, mit dem ich diese Erfahrung benenne und glaube damit, den Anspruch beantwortet zu haben? Oder habe ich schon einmal - im nachhinein - mich dabei erlebt, dieser inneren Stimme, diesem Anspruch nachgegeben zu haben?

Fragen wir weiter? Kenne ich - wie Jesus es beispielhaft vorgelebt hat - für mich Zeiten der Stille, der Einsamkeit, des Gebetes? Oder meide ich solche Einkehr bei mir, weil ich Angst habe, meine eigene Überaktivität als leeres Getue zu entdecken? Oder gar zu sehen, dass ich meine Zeit mit Trägheit vertrödele? Oder fürchte ich mich zu spüren, dass der Beifall für meine "Kunststücke", für meine "Wundertaten" das einzige Motiv meines Handelns ist?

"Lasst uns von hier weggehen" so lautet die Zumutung des dritten Abschnitts. Aber wer von uns kann das schon. Wir Studenten sollten an der Uni sein, um einen Abschluss zu machen, ja aber dann...

Dann muss ich einen Start ins Berufsleben beginnen, da kann ich nicht weggehen, aber dann ... Jetzt habe ich Familie, die Kinder sind in der Schule, da ist ein Weggehen nicht möglich.

Gewiss alles ist richtig, wenn hier die Aufforderung des "lasst uns weggehen" nicht eine Ermutigung wäre zu einer bestimmtem inneren Haltung: ich soll und darf mich als Christ unterwegs wissen, nicht nur räumlich, sondern vor allem geistig-geistlich. Wenn ich weiß, dass Jesus der Sohn Gottes ist, reicht eben dies nicht für meine Nachfolge. Gerade der Wechsel unserer Lebenssituation vom Schüler zum Studenten und zum Berufstätigen, vom Kind zum Jugendlichen zum Mann zum Vater zeigt uns, dass wir nicht an einer Stelle stehen bleiben. Das gilt auch für unseren Glauben. Nachfolgen fordert uns auf, Ausschau zu halten, wo dein, mein und unser Platz ist, wo wir Jesus nachfolgen sollen.

Jeder Einzelne, Du und ich, ist nach seiner Antwort, seiner Verantwortung gefragt.

Deshalb will ich in einem letzten Schritt den Versuch unternehmen, die vielen Fragen, die ich in den Raum gestellt habe, unter der Rücksicht auf Gemeinschaft, unserer Verbindung zu beantworten.

Wo begegnet uns das, was Anruf zur Nachfolge ist, was Dein und mein Dienst ist? Sicherlich in den Aufgaben, den Chargen und Ämtern, die in unserer Gemeinschaft zu übernehmen sind. Nicht, dass alle Senior werden müssen, sondern die Anfrage lautet: wo ist mein Platz in dieser Gemeinschaft: gewiss einmal in einer Charge. Aber ist damit mein Dienst erfüllt? Nein, so will ich meinen. Denn auch als "nur-Bundesbruder" habe ich einen Platz in der Gemeinschaft: beratend, mitdenkend, mitplanend. Wo gebe ich meine Erfahrungen weiter? Oder soll jeder junge Bundesbruder neu, grundlos anfangen. Diesem Anspruch hat sich jeder von uns zu stellen. Ob Aktiver, Inaktiver oder Alter Herr. Sonst nehmen wir unsere Gemeinschaft, uns selbst nicht ernst. Auch das Dasein ist Dienst, weil ich mich so einem möglichem Anspruch stelle.

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Wo erfahren wir Zeiten der Einkehr, der Reflexion, der Besinnung?

Sicherlich gilt es hier zu unterscheiden zwischen der Gemeinschaft als ganzer und dem Einzelnen. Aber, die Ausstrahlung dieser Zeiten der Einsamkeit müssen wir gemeinsam spüren. Denn der originäre Ort, an dem unsere Reflexion geschieht, sollte der Konvent sein. Ihr wendet zurecht ein, soviel Lärm und Geschwätz gibt es bei keiner anderen Veranstaltung. Was soll das also? Denkt an die Minute des Schweigens beim Gedächtnis unserer Verstorbenen! Da wird in seltener Dichte gespürt, dass beim Konvent die Mitte unserer Gemeinschaft sein könnte. Denn das ist der Ort, wo wir uns auf unsere Aufgabe besinnen, wo die Chargen sich der Kritik an ihrem Dienst stellen und nicht darauf warten, dass wir jubelnd alles gutheißen, wo sie aber auch erwarten müssen, dass wir sie nicht verurteilen - Urteil nicht, damit ihr nicht verurteilt werdet. Müssten wir nicht deshalb vor dem Convent uns als Einzelne Zeiten der Stille nehmen, um die Anliegen unserer Verbindung zu bedenken? Müssten wir uns bei einem Konvent nicht einmal eine "Zwangspause" verordnen, wenn die Wogen der Begeisterung zu hoch schlagen und jeder - wie besessen - sein Wort für das letzte und wahre hält, ohne das Gesamt der Gemeinschaft im Auge zu haben.

Und schließlich: wann machen wir uns als Verbindung auf den Weg, "an anderen Orten zu predigen". Das kann doch nur heißen, ist unsere Gemeinschaft ein Platz, der auch Engagement außerhalb seiner engen Grenzen ermöglicht, zeigen wir, dass wir innerhalb unserer Verbindung die geistige Mobilität erfahren und erlernt haben, in Beziehung zu treten zu Menschen, die uns suchen, uns brauchen: den Kommilitonen im Hörsaal, den Zimmernachbar im Wohnheim, den Kollegen im Büro, die eigene Frau und Familie.

Liebe Christen, liebe Bundesbrüder! Vielleicht scheint dem einen oder anderen diese Anwendung der Heiligen Schrift zu gewagt. Für mich waren es Implikationen dieses Abschnittes des Markus-Evangeliums, die auch in einem Gespräch mit zwei Bundesbrüdern über dieses Sonntagsevangelium zum Ausdruck kamen. Fragen haben immer den Anschein, sie machten Vorwürfe, sie nötigten zu einer Antwort, die ich jetzt noch nicht geben will oder kann. Deshalb kehren viele Themen in der Frohbotschaft immer wieder auf: die Nachfolge Jesu durchzieht das ganze Evangelium, ist uns als Aufgabe gegeben. Bejahen wir diesen Anspruch des Evangeliums, damit wir am Ende dieser Eucharistie aus ehrlicher Überzeugung mitbeten können, wenn es im Schlussgebet heißt: "Lass uns eins werden in Christus und Diener der Freude sein für die Welt." 

Amen.

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