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P. Benno Kuppler SJ - ein Porträt

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Anfangen heißt loslassen heißt zupacken
Hochschulmesse am 22. November 1979 in Frankfurt - Sankt Georgen

Gen 12, 1-4; Lk 9, 57-62
Predigt: Benno Kuppler SJ

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Anfangen heißt loslassen heißt zupacken.

Unter dieses Thema hat die Vorbereitungsgruppe, haben wir diese Hochschulmesse gestellt. Ist das nicht ein Paradox: zupacken und loslassen und das ganze unter dem Stichwort "anfangen"?

"Anfangen"

als Thema ist sicherlich spezifisch für unsere Vorbereitungsgruppe, fanden sich doch fast nur Neulinge an unserer Hochschule bereit, diese gemeinsame Eucharistiefeier vorzubereiten. Und doch soll es ein Gottesdienst für alle werden.

Ist "anfangen" deshalb etwas, das nicht nur die Neuen angeht?

Die Pantomime am Beginn des Gottesdienstes wollte dies ein Stück weit verdeutlichen. Jeder spielt seine Musik, jeder spielt seine Rolle, alleine; ohne Rücksicht darauf, was der andere spielt; ohne darauf zu achten, ob ich mit einem zweiten, oder dritten oder einer Gruppe die gleiche Melodie spielen könnte und wir so gemeinsam anfangen könnten.

"Anfangen heißt loslassen, heißt zupacken" - was bedeutet das für den, der neu hier anfängt?

"Loslassen"

bedeutet sicherlich Eltern, das Zuhause, den Bekannten- und Freundeskreis, die Jugendgruppe, viele soziale Beziehungen.

Und "zupacken" Ausschau halten hier im Haus, an der Hochschule, wo ich neu anfangen kann, Beziehungen zu knüpfen, Menschen zu begegnen, den Lebensbereich, den Aufgabenbereich "Hochschule" als meinen Wirkungsraum zu entdecken, nicht nur als etwas Notwendiges, das möglichst bald herum sein soll, sondern als etwas, das mir positiv aufgegeben ist.

Das alles ist aber Sicht des Neuen, die in diesem Semester in Sankt Georgen angefangen haben.

Hat das Thema "Anfangen heißt loslassen, heißt zupacken" auch etwas denen zu sagen, die hier schon länger sind: Die hier seit drei, vier, fünf oder mehr Semestern studieren. Die hier seit einem, zwei oder mehr Jahren hier dozieren? Was heißt das Thema "Anfangen heißt loslassen, heißt zupacken" für diejenigen?

"Loslassen" für jemanden, der sich hier zuhause weiß, der "in" ist hier, der den Laden kennt, der weiß, wie alles läuft: "Loslassen" für den bedeutet doch: Acht haben, dass mein Leben nicht zur Routine wird, dass ich sehe, dass jemand, der ganz neu hier anfängt, den Ablauf im Studium nicht kennt, dass ich dem entgegen gehe, dass ich meine Sicherheit ein bisschen aufgebe und mich befragen lasse von dem Neuen, oder auch in Frage stellen lasse, dass ich nicht, weil ich es seit zwei oder drei Semestern so mache, meine, dies müsse immer so sein und die Neuen hätten sich nur dem Vorgegebenen anzupassen und schon wäre das Leben miteinander gemeistert.

"Anfangen heißt loslassen, heißt zupacken" bedeutet, dass wir gemeinsam wieder anfangen: wir die ganz Neuen und ihr, die ihr schon länger hier seid.

Und "zupacken"

heißt dann, dass ich auf die Neuen zugehen sollte, dass ich den Neuen zeigen kann, wo es lang geht, was es an Klippen gibt, was es an Erfahrungen gibt, die er nicht unbedingt genauso machen sollte wie ich, wo es Enttäuschungen geben kann, die ich helfe zu vermeiden, weil ich ihm Informationen gebe, weil ich ihm sage, darauf musst du achten oder auf jenes.

Und so können beide Gruppen anfangen, neu anfangen, wieder anfangen.

Doch was hat diese Erörterung in einem Gottesdienst zu suchen und wie steht dies in einer Beziehung zu den Lesungen, die wir gerade gehört haben?

Da ist der Bericht über die Berufung des Abraham aus dem Buch Genesis und da ist in der Überlieferung des Lukas die Berufung dreier Namenloser. Was haben diese Berufungsgeschichten nun mit "Anfangen heißt loslassen, heißt zupacken" zu tun, was haben diese Berufungsgeschichten mit uns zu tun?

Sicherlich verkürzt könnte ich sagen, wir sind hier an einer theologischen Hochschule, an der künftige Priester ausgebildet werden, da ist es sinnvoll, immer wieder einmal Berufungsperikopen auszuwählen, um darüber nachzudenken. Aber würden wir dann nicht eine ganze Gruppe, und dazu eine starke Gruppe einfach ausschließen. Müssten wir nicht darüber nachdenken, ob das Studium nicht unsere gemeinsame Berufung ist? Dass die Zeit des Studiums uns aufgegeben ist und nicht eine Zeit ist, die es gilt herumzubekommen, die uns beste Jahre raubt und die wir nur deshalb überleben können, weil wir neben dem Studium auch Sinnvolles zu tun haben?

Bedeutet nicht für jeden von uns, für dich und mich, Studium ist unsere Art der Nachfolge, unsere Aufgabe? Bedeutet das nicht für die, die hier dozieren, dass ihre Berufung, ihr Leben in der Nachfolge das Lehren ist?

Bei Abraham war es klar: er verließ seine vertraute Umgebung. Und in Klammern: Die Bibel berichtet uns, dass er damals schon 75 Jahre alt war, was doch wohl etwas frei interpretiert bedeutet, keiner von uns ist alt genug zu sagen, für mich gilt diese Aufforderung nicht, anzufangen, ist zu alt, dass für ihn nicht auch die Aufforderung gilt, gehe heraus aus deinem Vaterland in das Land, das ich dir zeigen werde. Dann wirst du Segen sein.

Und was bedeutet dieses "loslassen" in den Logien Jesu bei Lukas?

erste Logion

spricht Jesus, als er unterwegs war, und dabei einer fragt, wie das mit der Nachfolge sei. Und Jesus sagt: rastlos sein, keine Hütte haben. Das ist der springende Punkt: verfügbar bleiben. Also müssen wir uns doch fragen: wo bauen wir unsere Höhlen, unsere Nester, unsere Hütten, aus denen wir nicht mehr herauskommen. Das Seminar, das Hochhaus, unsere Wohngemeinschaft, unsere Bude. Das sind alles Räume, die ich verlassen soll, die nur darauf verweisen wollen, dass ich nicht mein eigener Gefangener bleibe, in meinen vier Wänden, in den Möglichkeiten meiner Kommunität, meiner Wohngemeinschaft.

zweite Logion

macht uns deutlich, dass, wenn Er ruft, wir keine Bedingungen stellen können. "Lass mich erst hingehen meinen Vater begraben." Alle Regeln, alles Brauchtum, alle guten Sitten werden hier auf die Spitze getrieben. "Lasst die Toten ihre Toten begraben". Vielleicht könnte da auch für uns etwas herauszulesen sein. Wo befassen wir uns mit Dingen, die tot sind, die dem anderen kein Leben geben? Ruf in die Nachfolge Jesu heißt aber doch Ruf in die Nachfolge des Auferstandenen, dessen der den Tod überwunden hat. Und doch ist unser Verhalten zueinander oft tödlich.

dritte Logion:

"Ich möchte noch meiner Familie, meiner Verwandtschaft, meinen Freunden ade sagen." Und Jesus sagt: "Wer die Hand an den Pflug legt und zurückschaut, der ist nicht geeignet für die Arbeit des Reiches Gottes." Mag sein, dass uns das Bild des Pfluges etwas fremd ist, ich meine aber, dass es einleuchtet, dass man geradeaus schauen muß, will man gerade Furchen ziehen. Für die Nachfolge heißt dies: wir müssen ausgerichtet sein auf den, dessen Frohbotschaft wir leben und verkünden wollen. Oder mit Paulus ausgedrückt: "er vergisst, was hinter ihm liegt und streckt sich aus nach dem, was vor ihm liegt."

Nicht der Blick zurück, hilft uns, die Aufgaben von heute und morgen zu erkennen!

bedeutet dies aber positiv?

""Zupacken" heißt ja sagen, bereit sein für den Ruf, den Christus an uns richtet, heißt positiv das annehmen, was deine, was meine Berufung ist. Und das bedeutet hier: das Studium, das Leben als Student.

Sicherlich ist das nicht allein eine Frage der Vorlesungen, da gehört mehr dazu. Da gehören die Gremien der studentischen Selbstverwaltung dazu - für uns als Studenten und für die Professoren deren Beratungsorgane. Das bedeutet für den Professor, dass er nicht an seinen alten Manuskripten hängen bleibt, sondern dass er sich von seiner Zeit befragen, in Frage stellen lässt, um wieder neu zuzupacken, wo heute Fragen der Menschen sind. Die Grundlage unseres Glaubens bleibt unberührt, aber die Umwelt, das Umfeld der Glaubenden verlangt heute Antworten auf heutige Fragestellungen.

heißt loslassen, heißt zupacken".

Lassen wir uns los in dieser Eucharistiefeier, lassen wir los all das, was uns umtreibt, was uns beunruhigt, was uns verunsichert und packen wir zu, wenn es darum geht Dank zu sagen, zu lobpreisen und den Glauben zu bekennen, den Glauben, der nicht nur mein individueller Glaube ist, sondern der Glaube aller, die in seine Nachfolge gerufen sind, den Glauben der Kirche. Und seien wir uns bewusst, wenn wir gemeinsam diesen Glauben bekennen, dass wir aufgerufen sind, aus diesem Glauben an Jesus Christus unser Leben zu gestalten: als Studenten, als Professoren.

Fangen wir an.

Amen.

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