Atme in mir, Heilige Ruach
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Dr. Benno Kuppler

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Atme in mir Heiliger Geist. Die Ruach Gottes

Gottesdienst für Lesben, Schwule und ihre Freundinnen und Freunde
am Pfingstsonntag, dem 08. Juni 2003, in St. Stephan, München-Neuperlach
Stichworte zur Predigt von P. Benno Kuppler SJ

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Von Ostern bis Pfingsten

bulletOstern feiern als Fest der Ver-Rückt-Heiten Jesu Christi, in der Gemeinschaft mit dem Vater. Das ganze Osterevangelium als eine Geschichte von Ver-Rückt-Heiten.
bulletFünfzig Tage hoffen auf das Fest unserer Be-Geist-Ertung, Pfingsten. Zeugnis ablegen in der Welt, dass alle unsere Ver-Rückt-Heiten und Be-Geist-Ertung ihre Quelle in Gott haben.

Atme in mir Heiliger Geist

Atem: kurzatmig, langatmig, bleibt stocken, Luft holen ...

Jesus nennt den Parakleten, Gottes Geist, Ruach.

Die Ruach

bulletDas hebräische Wort ist weiblich.
bulletWort "Ruach" hat eine mehrfache Bedeutung. Es heißt: Hauch, Luft, Wind, Atem, Geist, Heiliger Geist... kräftige Atmen und den stürmischen Wind, beides hängt zusammen mit Leben.
bulletGöttlicher Geist und menschlicher Atem, Angesicht Gottes und Antlitz der Erde in den Psalmen jeweils durch dasselbe Wort - panim bzw. ruach - ausgedrückt.
bulletDie griechische Übersetzung des Alten Testaments verwendet für "Angesicht" ein Wort - prosopon - , das später in der lateinischen Theologie mit persona wiedergegeben wird.
bulletDer Heilige Geist als Triebkraft der Verwandlung. Die Ruach, Gottes Atem, ist ständig in Bewegung. Prozesse kommen im Gang: Heilung, Befreiung, Heiligung, Liebe und Wahrheit. Er läutert wie Feuer, bewegt zu uneigennützigem Handeln, stellt unsere Gottesebenbildlichkeit wieder her.

Dreifaltigkeitsbild in der Jakobskirche, im bayrischen Urschalling

bulletDas hebräische Wort ist weiblich. Vielleicht wusste der unbekannte mittelalterliche Maler aus dem 14. Jahrhundert des Dreifaltigkeitsbildes in der Jakobskirche, im bayrischen Urschalling davon.
bulletEr stellt jedenfalls den Heiligen Geist als rosige junge Frau mit Heiligenschein dar neben Gott Vater und Christus. Eine junge Frau, mit vollen Lippen und langen Haaren, in der Mitte von Jesus und einer männlichen Gottesgestalt. Der Heiligenschein der schönen Ruach ist sogar etwas höher, größer und strahlender.

Zurück zum Wort "Ruach"

bulletIm Verlauf der Lebens- und Glaubensgeschichten Israels nimmt die an sich unbestimmte numinose und wertindifferente Ruach auch die Konturen als Geist Jahwes, als Geist Gottes an. Sie schafft Leben und belebt die Schöpfung; erweckt charismatische Rettergestalten und ProphetInnen; ruht auf Königen, besonders auf dem verheißenen endzeitlichen König, Knecht, Propheten; wird schließlich als endzeitliche Gabe für alles Fleisch, alles Leben, erwartet.
bulletDie Ruach Jahwes erscheint nicht als selbständige Größe neben Gott, sie ist vielmehr die Zugewandtheit Gottes, - die Zugewandtheit Gottes "in Person".
bulletUrwort "Geist":darin kommt zur Sprache: heftige, plötzliche Bewegung, kraftvolles Wirken, Unverfügbarkeit, Geist immer auch als einen Fremden erscheinen.

Otto Heigold: Bild "Ruach"

Pfarrer Degkwitz erklärt die dem Tuch zu Grunde liegende Idee"

"Er gibt der Jemandin, die wir nicht zu Gesicht bekommen, Gesicht, gibt ihr Gestalt und Farbe... Rot auf weißem Grund. Warm, satt und tief. Lässt Wärme spüren, die wir selbst in uns haben. Rot, das im Kreis fließt wie das Blut. Der Blutkreislauf ist der ursprünglichdauernde Weg des Lebens in uns. Wir sind Verwandte der Ruach. Sie wird in uns leiblich, wir sind Wärme von ihrer Wärme, Lebenskreislauf von ihrer Kreisbewegung...

Sie greift weiter aus in den weißen Raum und in den Raum des Betrachtenden hinein.. Ruach kommt zu keinem Abschluss. Wie eine Utopie erscheint ihre Bewegung, wie der Wunsch nach einer Gemeinschaft, die einbezieht, in der Menschen aus verschiedenen Richtungen kommen, ihre Verschiedenheit bemerken und doch auch den einen Ursprung, dem sie alle entspringen..."

Prophet Elias sehnt Erscheinung Gottes herbei

bulletNoch einmal zur Hebräischen Bibel: ein "ruach", ein Sturm, doch Gott erschien ihm darin nicht; ein großes Erdbeben, doch auch darin erschien Gott nicht; ein Feuer, in welchem Gott ebenfalls nicht erschien.
bulletEs trat eine große Stille ein. In dieser erhob sich ein leiser Wind, ein "demamah", in dem nun Gott erschien. Ursprünglich war "ruach" das Wort für Gott. In der späteren Entwicklung taucht das Wort "demamah" auf, welches das göttliche Wesen meinte, aber auch den Wind, den Hauch, den Atem.

In der hebräischen Sprache hat sich der erfühlte, erlebte Sinn der Worte erhalten. Diese alten hebräischen Worte sind sehr lautmalerisch, ihr Klang spricht auch heute noch vernehmlich zu uns.

Stimmung des Ruach: mit diesem "u", das aus der Tiefe aufsteigt, um sich dann in dem "ach" zu entladen. Ein Sturm, der sich erhebt und sich in die Welt entlädt.

Stimmung des Dema-mah: auf der letzten Silbe betont, mit langem "a" gesprochen wird. Zweimal ist da das wellende, summende "m", das sich zweimal in das weite "a" öffnet. Das Bild eines säuselnden Windes, aus dem Gott zu Elias sprach.

das Wort Ruach: der herrschaftliche, strafende Gott, der sich in Überschwemmungen, Stürmen und Feuersbrünsten zeigte

das Wort Demamah: der Gott der Liebe und Vergebung

Das Gottesbild der Menschen wandelt sich im Laufe der Zeit.

Wovon reden wir überhaupt, wenn wir über den "Geist" sprechen?

bulletAuf die Straße Passanten fragen: "Was ist Geist?"
bulletunverständiges Kopfschütteln
bulletbreites Spektrum von "Definitionen"
bulletGeister
bulletGespenster oder so was"
bullet"Geist ist Verstand, Intelligenz, vielleicht Superhirn, nicht wahr?"
bulletGott ist Geist
bulletGeister sind Gespenster
bulletHerumgeistern - Begeistern
bulletdie Luft zum Leben

Was können wir einbringen?

bulletDie Unverfügbarkeit des Geistes
bulletGeist und Gemeinschaft
bulletDie Notwendigkeit einer Unterscheidung der Geister
bulletWoran ein Leben aus dem Geist zu erkennen ist?
bullet"Du gibst uns Luft zum Leben"

Woran ist heute ein Leben aus dem Geist zu erkennen?

bulletDer Geist des Ursprungs... "die Leben schafft", "der Herr ist"
bulletDer Geist des Vaters und des Sohnes ...
bulletIm Leben heute:
bulletAuf die Lebenseinstellung kommt es an!

Fünf Kriterien als Angebot zur Unterscheidung des Lebensgeistes

bullet1. Kriterium: Achtung vor allem Lebendigen
bullet2. Kriterium: Förderung der Freiheit
bullet3. Kriterium: Leben in Beziehung
bullet4. Kriterium: Zuwendung zur unterdrückten Kreatur
bullet5. Kriterium: Leben unter Vorbehalt
bullet"Komm, Schöpfer Geist! - Gib dem Volk, das dir vertraut, das auf deine Hilfe baut, deine Gaben zum Geleit. Laß es in der Zeit bestehn, deines Heils Vollendung sehn und der Freuden Ewigkeit. Amen. Halleluja."

Die biblischen Worte "spiritus sanctus" wurden lange Zeit mit dem althochdeutschen Wort "atum" übersetzt, ein Begriff, in dem neben dem geistigen auch noch das körperliche Element des Atems mitschwang. Warum gelangte die Kirche später zu der eher blutleeren Übersetzung "Heiliger Geist"?

Ein Blick in die Mystik

Aus dem Sonnengesang des Heiligen Franziskus zum Element Luft:

bullet"Gepriesen seist Du, mein Herr, durch Bruder Wind und durch Luft und Wolken und heiteren Himmel und jegliches Wetter, durch welches Du Deinen Geschöpfen den Unterhalt gibst."

Der Odem des Lebens heute, für Dich und mich ...

Pfingsten war das Coming-Out der Jüngerinnen und Jünger als ChristInnen. Das Bekenntnis ihres Glaubens vor der Welt. Es war der erste mutige Schritt hinaus aus den abgeschlossen Räumen, durch die Mauern aus Furcht und Schrecken. Der Tod Jesu hat ihnen den Raum zum Atmen genommen, hat ihren Atem stocken lassen, ihnen fehlte die Luft zum Leben.

Jesus hauchte Sie an: Der Odem des Leben führte sie hinaus auf den sehr irdischen Weg durch ihr Leben und durch die Geschichte der Kirche. Angeschubst durch die Ruach.

Atmen wir miteinander tief durch, damit Sein Odem uns erfüllt. Nicht nur heute an Pfingsten.

Amen.

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