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Bedingungen für Nachfolge: Eine Zumutung?Lesungen: Weisheit 9, 13-19; Lukas 14, 25-33
Liebe Schwestern und Brüder im Glauben, die Rede Jesu an viele Menschen heute im Evangelium enthält eine Einladung zur Nachfolge, die beim ersten Hören als Zumutung verstanden werden musste und, heute an uns gerichtet, nichts von dieser Zumutung verloren hat. Schauen wir uns die Bedingungen für die Nachfolge Christi näher an:
Steht diese Forderung Jesu nicht in Widerspruch zu der Hochschätzung, die die Kirche Jesu Christi immer wieder der Familie gegenüber ausdrückt? Wird uns nicht durch kirchliche Stellungnahmen immer wieder deutlich gesagt, dass die Familie einen sehr hohen Wert darstellt, dass die Familie zu schützen sei, auch durch den Staat? Verwirft die Kirche nicht immer wieder ganz offen eheähnliche Verhältnisse, weil sie der Bibel widersprächen? Und dann heute dieses Wort aus der Bibel: Vater, Mutter, Frau, Kinder, Brüder und Schwestern gering achten als Voraussetzung für die Nachfolge? [In Klammern: der Urtext spricht sogar von "hassen"!] Sind dann nicht jene Menschen auf dem richtigen Weg, die alle Bande zu ihrer Familie abgebrochen haben, die eine eigene Familie zu gründen als etwas von vorgestern ansehen, die vielleicht sogar die eigenen Eltern und Geschwistern hassen? Lassen Sie die Provokation einmal auf sich wirken!
Steht diese Forderung nicht auch im Widerspruch zu den Stellungnahmen des Papstes, die Würde des Menschen sei unantastbar, jeder Mensch sei zu achten, weil er Gottes Ebenbild sei, jeder habe sich nach seinen Kräften in Staat und Gesellschaft einzusetzen. Da müht sich jeder von uns, sich eine anständige Position im Leben zu erarbeiten, versucht eine sozial anerkannte Rolle zu spielen, und dann diese Forderung. Sollen wir uns etwa die zum Vorbild nehmen, die von ihrem Leben nichts erwarten, die auf anderer Leute Kosten leben, die wir als asozial bezeichnen? Oder kann gar nur der Jesus nachfolgen, der an Minderwertigkeitskomplexen leidet? Lassen Sie auch diese Provokation einmal auf sich wirken!
Steht diese Forderung nicht auch im Widerspruch zur Lehre der Kirche, dass wir diese Welt mitgestalten sollen, dass wir Verantwortung übernehmen für eine menschlichere Gesellschaft, dass wir unsere Kräfte einsetzen sollen, damit das Reich Gottes immer mehr verwirklicht wird in unserer Welt. Sollen wir uns stattdessen an jenen orientieren, die jammern und leiden, weil alles nicht mehr so ist, wie zu der alten guten Zeit, die mit zusammengebissenen Lippen für jeden sichtbar ihr Kreuz herumschleppen und an der Schlechtigkeit der Welt leiden? Lassen Sie auch diese Provokation einmal auf sich wirken!
Steht diese Forderung Jesu nicht auch im Widerspruch zur Lehre der Kirche, dass der private Besitz wesentlich beiträgt zur Selbstentfaltung und Selbstdarstellung des Menschen? Hat die Kirche nicht selbst auch Besitz und Vermögen und gerät deshalb in die öffentlichen Schlagzeilen? Hat die Kirche nicht gerade gegen den Sozialismus und Kollektivismus die Bedeutung des privaten Besitzes herausgestellt und betont? Sollen wir uns etwa die als Vorbild nehmen, die mit Geld nicht umgehen können, die solange alternativ leben können, als andere für das Gemeinwohl ihren Beitrag leisten? Womit können wir denn Menschen in Not helfen, wenn wir nicht mit unserem Besitz Gewinne machten? Lassen Sie auch diese Provokation auf sich wirken! Sich auf die Nachfolge Jesu einlassen, das weiß Jesus selbst und spricht es deutlich aus, bedarf einer Risikoabwägung und dann der bewussten Entscheidung. Deshalb fügt er die beiden Gleichnisse in seine Rede zur Nachfolge ein. Nachfolgen heißt in die Fußstapfen dessen treten, der den Weg vorgeht, der die Richtung und das Ziel des Weges bestimmt, der die Schrittweite und das Tempo vorgibt. Und Jesus ist auf dem Weg nach Jerusalem, um dort seinen Weg am Kreuz zu vollenden. In dieser Situation lädt er viele Menschen, die ihn begleiten ein, in seine Nachfolge zu treten. Wir gehören sicherlich auch zu den Menschen, die Jesus begleiten. Irgendwann einmal sind wir ihm auf unserem Lebensweg begegnet, sind mitgelaufen, weil doch viele andere auch mitgehen. Vielleicht hat uns das Ziel des Weges Jesu zunächst nicht besonders interessiert. Als Person ist Jesus spannend und anziehend. Er hat etwas, was heute vielen Menschen fehlt: Ausstrahlung. Und dann hat Jesus eine Botschaft verkündet, die von einem tiefen Humanismus geprägt ist. Das alles fanden Sie und ich irgendwann einmal anziehend, richtig und wichtig. Plötzlich und unerwartet wendet sich dieser Jesus direkt und unvermittelt an Sie und mich: er nimmt uns in den Blick, uns, die wir hinter ihm her trotten. Er fordert uns zu einer Stellungnahme heraus: bist du Mitläufer oder lässt du dich von mir in die Nachfolge rufen? Sie und ich müssen diese Frage persönlich beantworten. Als Mitläufer können wir stehen bleiben und sagen: bis hierher und nicht weiter. Danke, mir genügt es jetzt. Wenn wir seinen Ruf in die Nachfolge annehmen, dann sind wir ganz gefordert: dann übergeben wir unseren Lebensentwurf Jesus, dann wird Jesus das Maß, an dem wir für unsere Lebensentscheidungen im Kleinen und im Großen Maß nehmen. Jesus erwartet keine emotionale Antwort, weil wir in einem bestimmten Augenblick unseres Lebens gerade für ihn schwärmen. In seiner Rede weist er uns auf das Risiko hin: Wäge erst ab, dann wage es. Jesus erwartet eine bewusste Antwort von Ihnen und mir. Wenn ich dann selbst feststelle, dass ich mehr Mitläufer bin, als dass ich bewusst seinen Weg nachfolge, dann lädt Jesus mich heute ein, erneut Anschluss an seinen Weg zu finden, die Nachfolge bewusst wieder aufzunehmen. Diese Einladung erneuert Jesus heute im Evangelium an Sie und mich. Lassen wir uns provozieren von Jesus, was auf Deutsch je nichts anderes heißt als herausrufen: folge mir nach! Die Nachfolge Jesu kostet jeden von uns etwas: jeder einzelne muss seinen gegenwärtigen Standort bestimmen, muss sich seiner Besessenheiten bewusst werden, muss das Kreuz Jesu als Möglichkeit für das eigene Leben annehmen. Ich kann Ihnen nicht sagen, was das für Ihr Leben bedeutet. Ich weiß nur, dass ich selbst wieder einmal mit der Nase darauf gestoßen werde: Leben in der Nachfolge gibt es nicht zum Nulltarif. Und dort, wo ich mir ein Hintertürchen aufhalte und dies fleißig benutze, da verlasse ich den Weg der Nachfolge, da bin ich vielleicht noch Mitläufer, wenn es auf dem Weg Jesu gerade einmal nicht zu anstrengend ist. Ich lade Sie ein, dass wir miteinander und füreinander bitten, bewusst wieder den Weg in der Nachfolge Jesu zu gehen. Drücken wir meine und vielleicht auch Ihre Sehnsucht und Hoffnung mit einem alten Kirchenlied aus [GL 295]: Wer nur den lieben Gott lässt walten. Amen.
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©1998- 2012 Pater Dr. Benno Kuppler SJ |werte-wirtschaft-weiterbildung.de|WirtschaftsSeelsorger | UnternehmerBerater | EthikErzähler | münchen|file last updated 2012-01-01| we-wi-we Impressum| wirtschaftsethik | predigten| we-wi-we @ktuelles| Mein Kurzporträt pdf-file| Optimale Darstellung IE [download] |