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benno.kuppler[at]jesuiten.org |
Christus,
der König über Zeit und Ewigkeit
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| Mir ist es ein Anliegen, vor Christus dem König über Zeit und Ewigkeit, diejenigen von Euch um Verzeihung zu bitten, denen ich in den vergangenen Wochen Schmerz zugefügt, vielleicht sogar Unrecht getan habe. Geistlich gewichtet, bilanziert, kann meine Überarbeitung in meiner Doppelfunktion als Minister/Bauherr und Hochschulpfarrer auch zum Vorwand dienen, es an liebender Aufmerksamkeit gegenüber meiner Umwelt fehlen zu lassen. | |
| Ich will mich nicht rechtfertigen und werde dies auch nicht tun, vor allem nicht im Rahmen des Bußaktes der Liturgie, wo der Dialog zwischen uns als Menschen nicht im Mittelpunkt steht, sondern mein eigenes Eingeständnis vor dem Gekreuzigten, dass es mir nicht immer gelungen ist, seinem Weg, der im entscheidenden Moment zum Kreuzweg wird, ohne innere Vorbehalte zu folgen. |
So will ich mit euch und für euch und mich das Erbarmen Christi, des Königs über Zeit und Ewigkeit, erflehen:
Herr, erbarme dich ...
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Der Titel "König", den der heutige Festtag Jesus Christus zuschreibt, begegnet uns vor allem am Beginn und am Ende der Lebensgeschichte Jesu:
Am Ende ist es ein Titel als Schmähwort über dem Kreuz: der König der Juden.
Am Anfang ist es der neugeborene König der Juden, der durch den Stern über dem Stall von Bethlehem von den Heiligen Drei Königen gefunden wird.
Vom Stall zum Kreuz: eine einmalige Karriere für einen König.
Ich will das Thema "König" im Rückgriff auf die russische Legende vom "Vierten König" aufgreifen. Es wird berichtet, ursprünglich machten vier Könige, nicht deren drei, sich auf den Weg, den ihnen der Stern wies. Der vierte König trug drei kostbare Edelsteine mit sich. Die anderen, das weiß jedes Kind, hatten Weihrauch, Gold und Myrrhe bei sich, so will es die Überlieferung.
Der Weg des vierten Königs trennt sich sehr bald von den drei anderen.
Unterwegs am Straßenrand, gleichsam in der Gosse, findet er ein nacktes Knäblein, dass aus fünf Wunden blutet und dem Tode nahe ist. Der vierte König hebt es auf, bringt es in ein Dorf und lässt dort einen Edelstein zurück, damit die Kosten für die Pflege des Kindes gesichert sind.
Die anderen Könige sind inzwischen weitergezogen, ihrem Stern folgend.
Als sich der vierte König wieder auf den Weg macht, trifft er auf einen Leichenzug. Weinende Kinder trauern um ihren Vater, zusammen mit der Mutter. Dieser war hoch verschuldet gestorben und die Kindern sollten zur Tilgung seiner Schuld als Sklaven verkauft werden. Ein weiterer Edelstein des vierten Königs erspart ihnen dieses Schicksal: die Familie ist aus Elend und Not gerettet.
Seinen letzten Edelstein setzt der vierte König ein, um die Männer eines ganzen Dorfes freizukaufen, die von Soldaten als Geiseln gefangen worden waren.
Dann verschenkt er auch noch sein Pferd. Und schließlich erlebt er, wie ein Sklave wegen Ungehorsams gegenüber seinem Herrn als Ruderknecht auf eine Galeere verschickt werden soll: Frau und Kinder müssten schutzlos alleine zurückbleiben. Sein Leitstern schien dem vierten König bereits verloren. So bietet er sich selbst, dem ungehorsamen Sklaven Freiheit schenkend, als Rudersklave auf dem Schiff an.
Jahre um Jahre vergingen, er ist alt und grau geworden, als man ihn endlich entlässt: untauglich und wertlos für die Welt. Er befindet sich in einem fremden Land, in einer fremden Stadt, inmitten einer grölenden Menschenmasse, die hinausströmte, um einer Hinrichtung beizuwohnen. Wurde er mitgerissen? Ging er, von Neugier getrieben oder von was sonst, mit?
Den vierten König trifft der Blick des Gekreuzigten, und er erkennt in diesem Blick, dass er das Ziel erreicht hatte, zu dem er sein Leben lang unterwegs war: Jesus Christus. Der vierte König kommt rechtzeitig zum Höhepunkt: der Hinrichtung. Der vierte König sinkt in die Knie und streckte IHM, dem König über Zeit und Ewigkeit, seine leeren Hände entgegen.
Da fallen, so lehrt uns die Legende, drei Tropfen Blut in die offenen Hände des vierten Königs. Sie waren leuchtender als seine drei Edelsteine.
Zwei Könige begegnen sich: ein Gipfeltreffen und zwei Könige:
| Der eine - am Kreuz - hat so gar nicht von dem an sich, was das Volk von seinem Messiaskönig erwartet hatte. | |
| Der andere - unter dem Kreuz - entspricht so gar nicht dem Bild der "Heiligen Drei Könige". |
Um drei Jahrzehnte zu spät gekommen, mit leeren Händen, so findet er sich unter dem Kreuz. Und doch wird er in dieser Begegnung königlich beschenkt: Drei Tropfen Blutes - vielleicht die letzten, sicherlich aber leuchtender als drei Edelsteine - schenkt der eine König dem anderen König. Ein persönliches Geschenk!
Der vierte König der russischen Legende - er musste auf seinem Lebensweg erst Abschied nehmen von seiner alten Königsrolle. Die Phantasien von Macht und Reichtum sind auf diesem langen Lebensweg allmählich zerbrochen.
Das Gipfeltreffen der Könige fand ganz anders statt als ursprünglich erwartet.
Auch wenn diese Geschichte nicht in der Bibel steht, sie rührt an den Kern dessen, warum es im Evangelium des Lukas [23, 35-43] geht:
Es geht um den König, der keine Ähnlichkeit hat mit jenen Königen, die wir aus der Geschichte oder den Geschichten der Gegenwart kennen. Nur auf IHN trifft zu, was die alten Lieder Israels, die Psalmen, über den verheißenen und ersehnten König der Zukunft sangen: "Er erbarmt sich des Gebeugten und Schwachen, er rettet das Leben der Armen" [Ps 72, 13].
Das ist Christus der König, dessen Fest wir heute feiern.
Wir, die wir heute als einzelne und als Kirche Christus dem König nachfolgen wollen, müssen Abschied nehmen von eigenen falschen Königsphantasien.
Wer diesem König folgt, der sterbend noch dem Verbrecher Vergebung zuspricht, der muss selbst damit beginnen, Zacken für Zacken aus der eigenen Krone zu brechen.
Nur wer mit leeren Händen und offenem Herzen vor dem Dornengekrönten in die Knie sinkt, wird die Edelsteine aus der offenen und dadurch verwundbaren Hand dieses wahren Königs empfangen können.
Von der heiligen Elisabeth von Thüringen, deren Fest wir vor wenigen Tagen feierten, wird erzählt, sie habe ganz entgegen der Gewohnheit ihrer Zeit jedes Mal ihre Krone abgelegt, wenn sie zum Gottesdienst die Kirche betrat. Sie mag geahnt, ja sogar gewusst haben, dass nur einer in Wahrheit König ist und dass dieser König anders ist als die gekrönten Häupter ihrer Zeit.
Auch die Kirche von heute, und das heißt jeder von uns, ist gefragt, was er persönlich ablegen muss, wenn er zum Gottesdienst, der Gedächtnisfeier des königlichen Gehenkten geht.
Auch die Kirche von heute, und das heißt jeder von uns, darf nicht vergessen, dass Christi Königstitel auf ein Holzbrett geschrieben war, angenagelt an den Balken des Kreuzes: als Titel voller Hohn und Spott.
Christus, Du König über Zeit und Ewigkeit, ich bete dich an. Amen.
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