Der Rosenkranz: Geheimnisse des Glaubens
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Dr. Benno Kuppler

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Der Rosenkranz und die Geheimnisse unseres Glaubens
Rosenkranzfest  in Gallicano/Lazio am 07.10.1990

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Wenn wir heute gemeinsam das Fest Maria, Königin des Rosenkranzes, feiern, dann sollen unsere Gedanken sich nicht in den verschlungenen Pfaden der Theologie verlieren. Ich lade Sie ein, mich bei meinen Gedanken zum Rosenkranz zu begleiten. Und wenn Ihnen dann eigene Gedanken und Erinnerungen durch den Kopf gehen, so folgen Sie getrost diesen Gedanken.

Zunächst will ich Ihnen einige Bilder beschreiben, die mir durch den Kopf gingen, als ich an das Fest Maria, Königin des Rosenkranzes dachte:

bulletda ist zuerst meine Großmutter Gertrud, die in einem Sessel im Wohnzimmer sitzend den Rosenkranz betete. Manchmal ist sie beim beten auch eingenickt, den Rosenkranz fest in der Hand.
bulletdann ist da P. Pedro Arrupe SJ, der frühere Generalobere der Gesellschaft Jesu, den ich in seinem Krankenzimmer in Rom vor fünf Jahren besuchte, und der nach einer Weile des Gespräches den Rosenkranz in seine durch Krankheit verkrümmten Finger nahm und sagte, der Rosenkranz sei die einzige Sprache, die er noch beherrsche.
bulletda erinnere ich mich der vielen alten Frauen in Kirchen, die den Rosenkranz schnell und für mich unverständlich gemeinsam beteten.
bulletda gibt es zahllose junge und alte Menschen, die in Lourdes gemeinsam den Rosenkranz beten.

Jeder von Ihnen, liebe Schwestern und Brüder, kann seine eigenen Bilder ergänzen. Und mancher von Ihnen, vielleicht vor allem ihr Jugendliche, hat dennoch seine Schwierigkeiten mit dem Rosenkranz. Und auch diese Schwierigkeiten gilt es Ernstzunehmen.

So höre ich immer: der Rosenkranz ist ein monotones Gebet. Ganz gewiss, der Rosenkranz ist nicht laut, nicht unterhaltsam wie die Musik in einer Disko. Aber das will er auch gar nicht sein.

Andere klagen, ihnen fehle die notwendige Ruhe, um den Rosenkranz zu beten. Das Leben sei so hektisch, man komme nicht zu sich.

Andere beklagen sich, ihnen fehle die Konzentration, um so richtig die Gesätze des Rosenkranzes zu beten. Sie verzählten sich bei jedem Gesätz und dann habe es auch keinen Sinn.

Was also ist der Sinn des Rosenkranzes?

Wir betrachten im Rosenkranz die Geheimnisse unseres Glaubens betrachten:

die freudenreichen Geheimnisse:
Gott will das Heil jedes einzelnen Menschen. Deshalb schickt er seinen Engel zu Maria und erbittet ihr Ja, ihre Zustimmung zu seinem Heilsplan. Die Geschichte, die dann folgt, kennen Sie alle: Jesus wird aus Maria, der Jungfrau geboren: unser Heiland.

die schmerzensreichen Geheimnisse:
Jesus nimmt seinen Auftrag ernst. Er versteckt sich nicht. Er geht dem Leid nicht aus dem Weg: Jesus stirbt für Dich und mich, für jeden Menschen, um unseres Heiles willen.

die glorreichen Geheimnisse:
Der Tod ist nicht das letzte Wort. Jetzt ersteht aus dem Grab. Jesus kehrt heim zum Vater. Und Jesus ehrt Maria, sein Mutter, als Königin: das ist auch das Ziel unseres Weges. Die vollkommene Gemeinschaft mit Jesus im Himmel.

Und doch kenne ich den Einwand: 

Was bringt es mir, wenn ich den Rosenkranz bete? Ist es nicht besser, in der Natur Gott zu suchen? Das sind aber keine echten Alternativen.

Jeder von uns will im Gleichklang sein mit sich - und so hoffe ich - mit Gott. Was ist da einfacher, als sich auf die Musik des Ave Maria einzulassen: seinen Atem in Schwingung zu bringen mit dem Englischen Gruß und so innerlich im Gleichklang mit sich selbst und Gott zu kommen.

Jeder von uns ist innerlich oft unruhig: getrieben von Sorgen und Geschäften, von Ängsten und Problemen. Das alles können wir in die Hände Gottes geben. Wir müssen uns nur im Gleichklang bringen durch die regelmäßige Wiederholung des Ave Maria. Und viele unserer Schwierigkeiten bekommen so ihr richtiges Gewicht. Nein, die Herausforderungen des Lebens bleiben: aber wenn ich im Gleichklang mit mir [und Gott] bin, dann überwältigen mich die Schwierigkeiten und Nöte nicht.

Deshalb habe ich für mich eine Form des Rosenkranz-Gebetes gefunden, die ich ihnen einfach vorstellen möchte: statt der Geheimnisse des Glaubens bete ich für Geheimnisse meines Lebens:

bulletganz persönlich, weil Gott mich kennt: die Frucht deines Leibes Jesu, der mich erlöst hat, ... der mich in seine Nachfolge gerufen hat, ... der mir Heil verheißen hat, ... dem ich untreu geworden bin, ... den ich mit ganzem Herzen suche ...

So kann ich, so können auch Sie ganz persönliche Anliegen durch Maria zu Gott dem Vater und dem Sohn bringen. Und wenn wir dann die Augen unseres Herzens öffnen, dann steht der barmherzige Vater bereits da. Er ist uns nahe. Er liebt uns, jeden einzelnen von uns. Und als Weggefährtin haben wir Maria, die Königin des Rosenkranzes. 

Ave Maria, gratia plena. Amen.

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