|
|
|
Mein we-wi-we-Infoflyer vorträge & workshops themen als pdf Meine Mailadresse
benno.kuppler[at]jesuiten.org |
„Der Tod bringt die Dinge ins Lot“
|
| Begrüßung in der Friedhofskapelle | Gebet | Predigt | Meditation nach der Kommunion |
| Lieder auf dem Friedhof und in der Kirche |
Meine engen Grenzen |
Ich steh vor dir mit leeren Händen |
Von guten Mächten treu und still umgeben |
|
Lieblingslieder |
der Verstorbenen |
||
| Der Mond ist aufgegangen | Lord help me please | In einem kühlen Grunde | Maria durch ein' Dornwald ging |
|
Gott, |
Halte in uns die
Erinnerung wach |
|
Texte: Psalm 121; Lukas 12, 22-32 |
Liebe Kinder, liebe Eltern und liebe Schwestern von NN,
liebe engen Freunde und Angehörige,
liebe Schwestern und Brüder im Glauben,
„Der Tod bringt die Dinge ins Lot.“ Laute und aufdringliche Fragen treten zurück in dieser Stunde des Abschieds von NN. Die wesentlichen Fragen bekommen ihr Gewicht. „Woher komme ich? Wohin gehe ich? Was ist der Sinn meines Lebens?“ Immanuel Kant legt uns diese Fragen vor und jede und jeder hat aus der eigenen Weltanschauung, aus der eigenen Spiritualität, aus dem eigenen Glauben sich selbst die Antworten zu geben.
„Auch wenn uns der Tod äußerlich trennt, so sagt uns der Glaube, ... dass wir über den Tod hinaus verbunden sind, tiefer, weil in Gott und durch Gott verbunden. Du bist ja nicht ein Schatten geworden, bist nicht in Nichts aufgelöst. Du lebst, das ist unser fester Glaube. Du bist uns vorausgegangen, wohin uns alle einmal der Tod führen wird, hoffentlich alle zu einem glücklichen Ziel. Darin, ja auch darin sollen wir solidarisch sein, dass wir uns gegenseitig helfen, das ewige Ziel unserer irdischen Wanderschaft nicht zu verfehlen.“ So predigte Kardinal Christoph Schönborn vor wenigen Tagen beim Requiem für Thomas Klestil im Wiener Stephansdom.
„Fürchte dich nicht vor dem Tod, weil er dir auferlegt ist. Denk daran: Vorfahren und Nachkommen trifft es wie dich“, so sagt uns ein Weiser aus dem alten Israel, Ben Sira oder Jesus Sirach, wie er auch heißt [Sir 41,3].
Und selbst wenn der Tod, wie jetzt der Tod Eurer Mutter, uns mitten im Leben ereilt, sind wir hilflos, fühlen uns ohnmächtig und überfordert, sich mit dem „Tod auseinander zusetzen, würde mich jetzt in den Wahnsinn treiben“.
Ja, er trifft uns alle, der Tod. Er ist allen gewiss, und doch blenden wir diese Gewissheit aus unserem Alltag meist aus. Der Tod gehört zu den größten Tabus in unserer tabulosen Zeit. Doch wenn der Tod in unser Leben tritt, dann bringt er alle wesentlichen Fragen mit sich, für die wir meist im Wirbel unseres Alltags nicht Zeit haben. Grundfragen des Menschen in Erinnerung rufen anlässlich des Todes von NN heißt für mich, uns und unser Leben in den Blick nehmen.
|
„Woher komme ich?“ |
Wir können NN nicht mehr fragen, wie sie diese Frage für sich beantwortet hat. Ihr, die Kinder, ihre Eltern, ihre Schwester und auch ihre Freunde, Ihr kennt aber Mosaiksteinchen einer Antwort, die Ihr zum Teil in den Tagen seit ihrem Tod zusammengetragen und ausgetauscht habt: im Sprechen über s Leben und Tod, bei der Suche nach Texten und Liedern für die Verabschiedung auf dem Friedhof und die Auferstehungsfeier jetzt in der Kirche: die Eucharistie, die Danksagung. Und Ihr habt mich an Euren Gedanken teilhaben lassen. Dafür danke ich Euch von Herzen.
„Um ein Bild, das wir aufstellen können, kümmere ich mich.“, hat ihre Tochter geschrieben. „ Ich will aber nicht besonders gern das Bild aus dem Sterbebildchen nehmen, weil es mir zu stilisiert ist und zu wenig ihre Lebensfreude ausdrückt. Ich bin dafür, dass wir eines auswählen, auf dem Sie vielleicht nicht perfekt aussieht, das aber einfach ‚Mama‘ ist.“ Für Euch und ist NN die „Mama“, für die Eltern ist sie die Tochter und für NN ist sie die Schwester.
"Behaltet mich nicht als Versager im Gedächtnis" waren unter ihren letzten klar ausgesprochenen Worten. Es steht uns nicht zu, zu richten. Jesus hat es uns nachdrücklich gesagt: „Richtet nicht, damit ihr nicht gerichtet werdet“ [Mt 7,1]. Dieses Wort Jesu mögen wir nie vergessen.
Mit Betroffenheit sehen wir, wie groß heute die Sehnsucht nach
dem Gelingen von Beziehungen, die Sehnsucht
nach Geborgenheit in Ehe und Familie ist, und wie schwer dieses Gelingen
geworden ist. Und der Schritt aus der Kirche bedeutet nicht zwingend den
Abschied von Religiosität. „Es fällt auch der Kirche nicht leicht, den Weg
zwischen dem unbedingt notwendigen Schutz für Ehe und Familie einerseits und der
ebenso notwendigen Barmherzigkeit mit dem menschlichen Scheitern und Neubeginnen
anderseits zu finden.“ [Kardinal Christoph Schönborn]
|
„Wohin gehe ich?“ |
„Wohin gehe ich?“ Wo ist NN jetzt? Wo sind die Toten? In der Friedhofskapelle war ihr toter Leib. Aber wo ist sie? Wir können es uns nicht vorstellen, besser vielleicht: jede und jeder von uns hat seine Vorstellung.
Als Christ glaube ich, dass NN Daheim bist, zu Hause bei Gott. Und ich glaube, dass es kein größeres Glück gibt. Jesus vergleicht den Tod mit dem Weizenkorn, das in die Erde fällt und stirbt, es stirbt um reiche Frucht zu bringen, ein lohnendes Ziel.
Wohin gehe ich? Die Antwort lautet mit den Worten von Matthias
Claudius im Lied „Der Mond ist aufgegangen“: „Laß uns in'n Himmel kommen, Du
unser Herr und unser Gott!“ Und Eure Mutter hat dieses Lied geliebt.
„Was ist der Sinn meines Lebens?“
Was, wenn nicht der, „reiche Frucht zu bringen“? Das erfordert, wie Jesus sagt, „sein Leben zu verlieren“ [Joh 12,24-25]. Das ist die Antwort für mich als Christ.
NN hat ihr Leben voll eingesetzt, sie hat sich nicht geschont, sie war voller Lebensfreude. Ihre Weltanschauung war nicht immer die ihrer Ursprungsfamilie. Ihre Spiritualität hat sich von ihrer ursprünglichen Konfession gelöst. Und zugleich zeigen die Lieblingslieder eine suchende, tiefreligiöse Frau.
„Ich hab heute Abend noch mit einer Freundin von Mama gesprochen, die sagte, Mama hätte vom "Mond ist aufgegangen" die vierte und fünfte Strophe nicht besonders gemocht, weil die ihr wohl zu religiös waren. Ansonsten sind mir noch zwei Lieder eingefallen, die sie besonders gern hatte“, so schreibt ihre Tochter für die Vorbereitung der Verabschiedung ihrer Mutter und nennt die Lieder:
„In einem kühlen Grunde“ von Joseph von Eichendorff und „Maria durch ein' Dornwald ging“, aus dem Eichsfeld des 16. Jahrhunderts.
Bei der Verabschiedung auf dem Friedhof haben wir bereits zwei andere Lieder gehört: „Der Mond ist aufgegangen“ von Matthias Claudius und „Lord help me please“, gesungen von der Gruppe „Vaya Con Dios“.
|
„Was ist der Sinn meines Lebens?“ |
Wenn Sie, liebe Angehörige, liebe Freunde, die Texte der Lieblingslieder von NN noch einmal in Ruhe meditieren, wird vor Ihrem geistlichen Auge ein Mensch erstehen, der sein Leben „in manibus tuis“, in den Händen des Herrn, wusste. Die Texte finden Sie beim Ausgang der Kirche. Einige Aspekte will ich benennen:
|
Der Mensch: | |
|
Ihr Leitstern: | |
|
Die Mutter: | |
|
Enttäuschungen des Lebens: | |
|
Die Hoffnung: |
Und wir, in dieser Stunde der Danksagung, der Feier des Todes und der Auferstehung unseres Herrn Jesus Christus, was ist unsere Antwort auf die Fragen: „Woher komme ich? Wohin gehe ich? Was ist der Sinn meines Lebens?“
|
„Meine engen Grenzen, meine kurze Sicht bringe ich vor dich. Wandle sie in Weite: Herr erbarme dich. Meine ganze Ohnmacht, was mich beugt und lähmt, bringe ich vor dich. Wandle sie in Stärke: Herr erbarme dich. Mein verlornes Zutraun, meine Ängstlichkeit bringe ich vor dich. Wandle sie in Wärme: Herr erbarme dich. Meine tiefe Sehnsucht nach Geborgenheit bringe ich vor dich. Wandle sie in Heimat: Herr erbarme dich.“ | |
|
„Ich steh vor dir mit leeren Händen, Herr; fremd wie dein Name sind mir deine Wege. Seit Menschen leben, rufen sie nach Gott; mein Los ist Tod, hast du nicht andern Segen? Bist du der Gott, der Zukunft mir verheißt? Ich möchte glauben, komm mir doch entgegen. Sprich du das Wort, das tröstet und befreit und das mich führt in deinen großen Frieden. Schließ auf das Land, das keine Grenzen kennt, und lass mich unter deinen Kindern leben. Sei du mein täglich Brot, so wahr du lebst. Du bist mein Atem, wenn ich zu dir bete.“ | |
|
„Von guten Mächten treu und still umgeben, behütet und getröstet wunderbar, so will ich diese Tage mit euch leben und mit euch gehen in ein neues Jahr. Von guten Mächten wunderbar geborgen, erwarten wir getrost, was kommen mag. Gott ist mit uns am Abend und am Morgen und ganz gewiss an jedem neuen Tag. Und reichst du uns den schweren Kelch, den bittern des Leids, gefüllt bis an den höchsten Rand, so nehmen wir ihn dankbar ohne Zittern aus deiner guten und geliebten Hand. Doch willst du uns noch einmal Freude schenken an dieser Welt und ihrer Sonne Glanz, dann wolln wir des Vergangenen gedenken, und dann gehört dir unser Leben ganz. Lass warm und hell die Kerzen heute flammen, die du in unsre Dunkelheit gebracht, führ, wenn es sein kann, wieder uns zusammen. Wir wissen es, dein Licht scheint in der Nacht.“ |
Sie kennzeichnen auch uns als Suchende, als Menschen, die ihre „Augen auf zu den Bergen“ heben und fragen: „Woher kommt mir Hilfe?“ Und unsere Antwort? Können wir ehrlich mit dem Psalmisten sprechen:
|
„Meine Hilfe kommt vom Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat. Er lässt deinen Fuß nicht wanken; er, der dich behütet, schläft nicht. Nein, der Hüter Israels schläft und schlummert nicht. Der Herr ist dein Hüter, der Herr gibt dir Schatten; er steht dir zur Seite. Bei Tag wird dir die Sonne nicht schaden noch der Mond in der Nacht. Der Herr behüte dich vor allem Bösen, er behüte dein Leben. Der Herr behüte dich, wenn du fortgehst und wiederkommst, von nun an bis in Ewigkeit.“ |
Der Psalm 121 ist ein Wallfahrtslied, das bedeutet, wir wissen uns unterwegs und damit auch gefährdet. Wir sind noch nicht Daheim.
|
„Sorgt euch nicht um euer Leben und darum, dass ihr etwas zu essen habt, noch um euren Leib und darum, dass ihr etwas anzuziehen habt... Wer von euch kann mit all seiner Sorge sein Leben auch nur um eine kleine Zeitspanne verlängern? ... Euer Vater weiß, dass ihr das braucht. Euch jedoch muss es um sein Reich gehen; dann wird euch das andere dazugegeben. Fürchte dich nicht, du kleine Herde! Denn euer Vater hat beschlossen, euch das Reich zu geben.“ [Lukas 12,22-32] |
Das Leben von NN ist durch ihren Tod verbindlich geworden. Es gibt keine Ergänzungen oder Retuschen mehr. Unser Glaube an den auferstandenen Herrn Jesus Christus schenkt uns die Gewissheit, dass der Tod auch das Leben von NN verbindlich macht, es vollendet, um dann teilzuhaben an jener Vollendung, die wir in menschlicher, gebrochener und begrenzter Sprache mit "ewiges Leben", mit "ewige Ruhe", mit "Paradies", mit "himmlischer Wohnung" nennen.
Woher nehmen wir diese Gewissheit? Ist das nicht alles ein durchsichtiger, billiger Trick von Frommen, um die Trauer und den Schmerz nicht zu groß werden zu lassen, um die große Unbekannte unseres Lebens zu benennen? Nein, ich beteilige mich nicht an einer solchen "religiösen Bilanzkosmetik".
Deshalb ist bei aller Trauer über den Tod von NN dieser Tag ein großes Glaubensereignis für mich als Christ: Wir feiern den Tag, an dem NN ihren irdischen Weg beendet hat, um der Wahrheit zu begegnen und in ihr das Leben zu haben.
Mit den Worten von Dietrich Bonhoeffer feiern wir
|
die Erinnerung an ein volles, pralles Leben | |
|
wir feiern die Trennung, die der Tod Euch, den Kindern
und den Angehörigen, und vielen | |
|
wir feiern in Dankbarkeit für alles, was NN in ihrem Leben geschenkt hat, und | |
|
wir feiern als kostbares Geschenk das vergangene Schöne ihres Lebens. |
Und für unsere Verstorbene NN erbitten wir als Christen vom
Auferstandenen Herrn Jesus Christus, dass NN das Leben in Fülle mit dem Vater
und dem Geist habe!
Amen.
Wenn ich gestorben bin
hat sie gewünscht
feiert nicht mich
auch nicht den tod
feiert den
der ein gott von lebendigen ist
Wenn ich gestorben bin
hat sie gewünscht
zieht euch nicht dunkel an
das wäre nicht christlich
kleidet euch hell
singt heitere lobgesänge
Wenn ich gestorben bin
hat sie gewünscht
preiset das leben
das hart ist und schön
preiset DEN
der ein gott von lebendigen ist
Kurt Marti
Möge die Straße uns zusammenführen und der Wind in Deinem
Rücken sein;
sanft falle Regen auf Deine Felder, und warm auf Dein Gesicht der Sonnenschein.
Führe die Straße, die Du gehst immer nur zu Deinem Ziel bergab;
hab‘, wenn es kühl wird, warme Gedanken und den vollen Mond in dunkler Nacht.
Hab‘ unterm Kopf ein weiches Kissen, habe Kleidung und das täglich Brot;
sei über vierzig Jahre im Himmel,
bevor der Teufel merkt, Du bist schon tot.
Bis wir uns mal wieder sehen, hoffe ich, dass Gott Dich nicht verlässt;
er halte Dich in Seinen Händen, doch drücke Seine Faust Dich nie zu fest.
Und bis wir uns wiedersehen, halte Gott Dich fest in Seiner Hand;
und bis wir uns wiedersehen, halte Gott Dich fest in Seiner Hand.
Der Mond ist
aufgegangen
1. Der Mond ist aufgegangen |
Lord help me please
This woman she knows |
||||
In einem kühlen
Grunde
1. In einem kühlen Grunde, 5. Hör' ich das Mühlrad gehen, |
Maria
durch ein' Dornwald ging
1. Maria durch ein' Dornwald ging. |
![]()
|
©1998- 2012 Pater Dr. Benno Kuppler SJ |werte-wirtschaft-weiterbildung.de|WirtschaftsSeelsorger | UnternehmerBerater | EthikErzähler | münchen|file last updated 2012-01-01| we-wi-we Impressum| wirtschaftsethik | predigten| we-wi-we @ktuelles| Mein Kurzporträt pdf-file| Optimale Darstellung IE [download] |