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Der Weinstock und die Liebe
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| Agape ist zunächst Gottes frei sich verschenkendes Verhalten gegenüber dem Menschen. Das hat Gestalt angenommen in Jesus Christus, dem menschgewordenen Sohn Gottes. | |
| Aber der Mensch ist nicht nur Objekt der Liebe Gottes. Er wird selbst der Liebe fähig. | |
| Liebe gehört zur Grundausstattung des Christen, zugleich aber ist sie entwicklungsbedürftig und entwicklungsfähig. Deshalb bezeichnet Paulus in der Hinführung zum Kapitel 13 seine Ausführungen als WEG, um immer liebesfähiger zu werden. |
Schauen wir uns auf dem Hintergrund, dass es um jeden von uns geht, wenn Paulus von Liebe spricht - das 13. Kap. einmal näher an. Es besteht aus drei Strophen, die überschrieben werden können:
1. Ohne Liebe ist alles, auch das Beste nichts.
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Für uns, die wir darauf getrimmt sind, erfolgreich sein zu müssen oder zu wollen, ist bereits diese erste Strophe eine Provokation. Paulus macht es uns ein wenig einfacher, wenn er von sich spricht: Ich bin nichts ohne Liebe. Er lädt die Korinther und damit auch uns ein, unsere Wertmaßstäbe zu korrigieren. Denn viele sichtbare Erfolge lassen keinen Rückschluss zu, aus welchen Motiven sie zustande kamen. Kommen unsere positiven Fähigkeiten aus Liebe zur Entwicklung, ist es optimal.
Offensichtlich ist es auch für Paulus nicht einfach, zu sagen, was denn Liebe nun schlussendlich sei. Er gebraucht gleichsam zwei Folien, um sich dem zu nähern, was Liebe ist. Eine positive orientiert sich an Jesus Christus, der menschgewordenen Liebe Gottes zu den Menschen. Eine negative orientiert sich am Gebaren der Gemeinde von Korinth. Für uns vielleicht das wichtigste: Paulus spricht über alltägliche Dinge. Liebe ist nicht etwas so hohes, hehres, als dass man sie ein zu allemal besitzen glauben könnte und in den elementaren und nüchternen Gegebenheiten des Lebens schlampen dürfte.
Mit überschäumenden Gefühlen ist da nichts gewonnen. Da muss sehr tapfer ausgehalten werden, um z.B. langmütig zu sein, gütig zu bleiben, um sich nicht verbittern zu lassen.
Fast bin ich geneigt zu sagen, das seien heroische Anforderungen: überfordern sie uns nicht?
Doch Paulus sieht das nicht als Anforderung: denn Liebe tut es. Vielleicht habt ihr selbst schon erfahren: wenn ich einen Menschen mag, wenn es positive Beziehungen zwischen uns gibt, dann kann ich viel länger warten, sehe über Dinge hinweg, finde Entschuldigungen. Wenn Beziehungen stimmen, merken wir, wie lebendig Liebe sein kann.
Dass es für die Korinther, aber auch für uns schwierig ist, Liebe zu leben, macht Paulus deutlich, wenn er achtmal sagt, was Liebe nicht tut. Denn die Ausdrücke positiv genommen, beschreiben allzu menschliche Verhaltensweisen.
Doch grundlegend ist Liebe positiv zu denken: Liebe umfasst alles. Das kann zwar als vollmundig missverstanden werden, doch Paulus zielt mit seiner Aussage schon auf die dritte Strophe:
Die Liebe allein ist jetzt schon, was sie ewig sein kann. Liebe muss sich konkretisieren, ist in Raum und Zeit zu leben, Langmut setzt Lebensbedingungen voraus, in denen der Geduldsfaden reißen kann. Eifersucht entsteht da, wo zu fürchten ist, den Geliebten ganz oder teilweise zu verlieren. Wenn Liebe das Böse nicht anrechnet, anerkannt man, dass es Böses gibt. So weist diese Strophe über Raum und Zeit hinaus: Es bleiben Glaube, Hoffnung und Liebe. Das größte aber ist die Liebe.
Paulus zeigt, dass unsere Erfahrung des Bruchstückhaften, des Scheiterns, des immer neue Ziele Findens ein Weg, ein Reifungsprozess ist. Wir können nicht stehen bleiben, wie ein Kind beim Erlernen der Buchstaben, wir bleiben nicht stehen beim fließenden Lesen, wir erlernen fremde Sprachen, neue Fachrichtungen.
Aber: in Glaube, in Hoffnung, in Liebe meinen wir in unseren Kinderschuhen stecken bleiben zu dürfen.
Wenn wir uns einmal auf den Weg gemacht haben, können wir stehen bleiben, Umwege gehen, ein Stück zurücklaufen. Aber die Liebe ist zugleich Weg und Ziel. Wenn wir uns in den alltäglichen Situationen mehr einüben in jene christliche Liebe, dann trägt sie uns auch, wenn wir uns überfordert fühlen.
So wie nicht jeder Tag Hochzeit ist, wo ausdrücklich zwei Menschen einander Liebe zusprechen und versprechen, so bedarf es vielfältiger, alltäglicher Formen, um immer wieder neu Liebe zu leben.
Ich wünsche Euch, Brigitte und Bruno, dass Ihr immer neue Wege entdeckt auf Eurem gemeinsamen Weg der Liebe, dass Ihr aber auch die Erfahrung machen dürft, dass Euch eine Gemeinde begleitet, nicht nur am Hochzeitstag, sondern gerade auch in den alltäglichen Situationen und Ereignissen.
Und vielleicht fühlen wir, die wir Zeugen der Liebeserklärung zwischen Brigitte und Bruno werden, uns ermutigt, neu nach der Geschichte unserer Liebe zu schauen, sie wie eine Rebpflanze zu pflegen und zu hegen, damit sie Frucht bringt im gegenwärtigen Leben und für Ewigkeit. Amen.
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