Die Braut im Mittelpunkt
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Dr. Benno Kuppler

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Die Braut im Mittelpunkt
Hochzeit von Sabine Müllers und Johannes Fritz
St. Kosmas und Damian in Maikammer am 14.09.1985

Lesungen: 1 Kor 12, 31 -13,13; "Von der Ehe" aus: Der Prophet von Khalil Gibran, Mk 11, 12-14.20-25

Silberhochzeit am 18.09.2010 in Bad Soden

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Liebe Sabine, lieber Johannes,
liebe Eltern und Geschwister, liebe Freunde und Bekannte!

*Die Braut - sie steht im Mittelpunkt der Hochzeit. Nicht der Bräutigam ist kulturgeschichtlich wichtig. Die Braut alleine ist von Interesse.

Blicken wir zurück in das germanische Recht, so stand die unverheiratete Frau unter der Vormundschaft des Vaters, mit der Heirat steht sie dann in der Vormundschaft des Ehemanns. Einzige Ausnahme war die "Friedelehe", eine Art Ehe ohne Trauschein, bei der die Frau die freie Verfügungsgewalt über ihr Eigentum behielt und die formelle Trauung fehlte. Auch die christliche Kirche kannte lange Zeit keine bestimmte Rechtsform für die Heirat. Erst im 16. Jahrhundert wurde die kirchliche Trauung zur Norm. Und seit 110 Jahre ist in Deutschland für Heiratswillige die bürgerliche Ehe unumgänglich.

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Die Braut: Gewählt vom Bräutigam

Bleiben wir noch ein wenig bei der Kulturgeschichte: Bis ins 18. Jahrhundert hinein waren Fragen wie Stand, Mitgift, Besitz und "Gute Verbindungen" in allen Gesellschaftsschichten entscheidend. Das allgemeine Verständnis von Glück bezog sich weniger auf Liebe zum Ehepartner, wichtiger war die Absicherung von Armut und die eheliche Geburt der Kinder, die für den Erhalt der Familie sorgten.

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Die Braut: Braut in Partnerschaft

Die freie Entscheidung zur Partnerschaft ohne Rücksicht auf die Interessen der Familie ist in unserer Gesellschaft erst eine relativ junge Entwicklung. Die ersten, die diese Forderung erhoben, dass die Ehe auf gegenseitige Liebe gegründet sein solle und Mann und Frau die gleichen Rechte in ihr zu genießen hätten, waren die Dichter der Romantik. Mehr noch: Die Künstler damals hoben nicht nur die gegenseitige Liebe als Grundvoraussetzung für eine Ehe hervor, sondern sie forderten darüber hinaus, dass die Frauen selbständig im Denken und interessiert an Politik, Kunst und Wissenschaft seien. So belehrt uns die Kulturgeschichte.

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Die Braut und der Bräutigam

Sabine und Johannes haben mich ein wenig verführt, diesen kurzen Ausflug in die Kulturgeschichte der Ehe zu machen. Die Auswahl der biblischen Texte und der Wunsch, einen nicht-biblischen Text als zusätzliche Lesung sind gleichsam die Einladung zu fragen:

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Und wie es um die Ehe, Meister?"

Was erwartet ihr beide für euch selbst als Antwort? Was erwarten eure Familien und Freunde für euch beide als Antwort? Wie leben andere schon seit Jahren und Jahrzehnten die Antwort auf die Frage:

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Und wie steht es um die Ehe, Meister?"

Die Antwort scheint mir in dem Satz des Khalil Gibran zu liegen: "Liebet einander, doch macht die Liebe nicht zur Fessel."

Und dann buchstabiert er in Bildern aus, wie er, wie ihr, wie wir "Liebe" verstehen können. Ein Satz gefiel mir da ganz besonders: "Gebt einander eure Herzen, doch nicht in des anderen Verwahr." Liebe - so will mir scheinen - ist für Gibran nicht eine Sache, ein Besitz, etwas Endgültiges: Liebe ist Bewegung, ist Prozess, ist Leben.

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Und wie steht es um die Ehe, Meister?"

Die Antwort, die wir bei Paulus in seinem Brief an die Korinther finden, - und Sabine und Johannes haben uns aufgefordert dort nach einer Antwort zu suchen - ist der Hymnus auf die Liebe, das Hohe Lied der Liebe.

Und gleich zu Beginn macht Paulus auf etwas Wichtiges aufmerksam: Liebe ist ein Weg! Nur dann, wenn ich mich auf den Weg mache, liebe ich und kann ich geliebt werden. Die Herausforderung bei dem Modell des Weges ist aber: Es gibt vieles, dass ich zurücklassen muss, wenn ich auf dem Weg bin. Oder aber ich bleibe auf dem Weg stehen: Liebe ist für Paulus gleichsam das Strickmuster des Lebens. Schauen wir uns näher an, wie Paulus das ausbuchstabiert:

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Leben ohne Liebe

Gleich an den Anfang setzt Paulus eine ungeheure Provokation: alles was einem normalen Menschen so wichtig ist: großartige Leistungen, intellektuelle Fähigkeiten, soziale Anerkennung, Hilfsbereitschaft, das alles wäre nichts, wenn die Menschen, wenn der einzelne Mensch keine Liebe hätte. Aber, so werden einige von euch einwenden, Liebe die hat doch ein Jeder, mehr oder weniger. Schauen wir einmal näher hin, was Liebe positiv für Paulus bedeutet.

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Leben mit Liebe

Hören wir uns nochmals den Text an: "Die Liebe ist langmütig, die Liebe ist gütig - sie ist nicht eifersüchtig, sie prahlt nicht und bläht sich nicht auf. Sie handelt nicht unschicklich, sucht nicht ihren Vorteil, sie lässt sich nicht herausfordern, und trägt das Böse nicht nach. Sie freut sich nicht über das Unrecht, sondern freut sich mit der Wahrheit. Sie erträgt alles, glaubt alles, hofft alles, hält allem stand."

Ich meine schon, das ist sehr konkret, vielleicht zu konkret, was der Paulus hier unter einem Leben in Liebe versteht. Und es sollte uns klar sein: Diese Erwartungen treffen nicht alleine Sabine und Johannes, weil es doch bei der Hochzeit um Liebe geht. Nein, das geht jeden von uns an, denn Liebe ist nicht etwas für Hohe Zeiten, sondern ist auszubuchstabieren in der Gewöhnlichkeit und Alltäglichkeit des Lebens. Und da wird deutlich: es geht nicht um Liebe als eine Idylle, als eine heile Welt der Zweisamkeit! Schauen wir noch einmal genauer hin:

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Leben mit Liebe

Das bedeutet: Langmütig sein - einen langen Mut füreinander aufbringen und diesen Mut immer neu einüben; nicht prahlen, andere nicht reizen, Böses nicht nachtragen - kurzum: nicht den eigenen Vorteil suchen, sondern den des Nächsten; mitnehmen auf den Weg: Die Sabine den Johannes, der Johannes die Sabine! Aber auch jeder von uns: den anderen mitnehmen, sich selbst mitnehmen lassen!

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Leben mit Liebe

Das bedeutet: Alles dulden, alles hoffen, alles tragen. Liebe fordert auch Heroismus, gerade in seiner Alltäglichkeit. Diese Liebe weiß um die Spannungen, in denen wir leben: in unseren konkreten Alltagen, in unseren Beziehungen, in unseren Familien: Die Liebe flieht nicht vor den Schwierigkeiten, die Liebe bleibt unter den Schwierigkeiten, die Liebe ist jene Kraft, die Ja sagen lässt, obwohl alles so ausweglos scheint.

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Leben mit Liebe

Das bedeutet: Die Liebe hört niemals auf. Und darin, so scheint mir, liegt die größte Herausforderung für uns heutige Menschen. Wir leben in Beziehungen, die durch Verträge auf Gegenseitigkeit bestimmt sind: Jeder hat Ansprüche an den Anderen, hat ein Recht auf ......

Das Modell der Liebe liegt da quer dazu: Liebe ist nicht einklagbar. Aber Liebe ist uns aufgegeben. Wir können uns der Liebe als Aufgabe stellen, weil wir als Christen ein Beispiel haben, ein Vorbild der Liebe.

Gott hat uns in Jesus Christus seine Liebe angeboten. Jesus Christus hat eine Liebe gelebt, die nicht den eigenen Vorteil suchte. Jesu Liebe trug alles: Bis zum Tod und darüber hinaus.

Nur weil wir aus dem Glauben wissen, dass Liebe so bedingungslos lebbar ist, nur weil wir in der Hoffnung leben, dass Jesu Liebe uns in unserer menschlichen Begrenztheit trägt, nur deshalb können wir uns miteinander auf den Weg der Liebe machen:

bulletDer Weg, von dem wir wissen, dass er nicht einsichtig ist.
bulletDer Weg, von dem wir wissen, dass wir ihn oft nicht weitergehen wollen.
bulletDer Weg, von dem wir wissen, dass er durch uns nur begrenzt gestaltbar ist.
bulletDer Weg, von dem wir wissen, dass wir immer neue Erfahrungen auf ihm machen.
bulletDer Weg, von dem wir wissen, dass wir ihn erst dann vollendet haben werden, wenn unsere Liebe aufgeht in der Liebe des Vaters. Amen.

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Fürbitten der Familie

bulletFür unsere Eltern und Geschwister und für alle, denen wir zu danken haben.
Christus erbarme Dich - Herr erbarme Dich!
bulletFür unsere Verwandten und Freunde,
lass uns stets ein offenes und ehrliches Verhältnis zueinander haben.
Christus erbarme Dich - Herr erbarme Dich!
bulletFür Sabine und Johannes,
dass Gott ihnen füreinander den Blick der Liebe, das rechte Wort und die helfende Hand schenke!
Christus erbarme Dich - Herr erbarme Dich!
bulletFür unsere Verstorbenen,
dass sie Gott nahe sind und stets in unserer Erinnerung lebendig bleiben!
Christus erbarme Dich - Herr erbarme Dich!
bulletFür alle Eheleute,
dass sie nicht aufhören, einander zu suchen, dass sie Verständnis und Geduld füreinander aufbringen und dass sie wissen, dass unser Leben immer wieder nach einem neuen Anfang verlangt!
Christus erbarme Dich - Herr erbarme Dich!
bulletFür alle, die vereinsamt sind,
dass Menschen sich ihrer annehmen und ihnen ihre Hilfe und Liebe schenken!
Christus erbarme Dich - Herr erbarme Dich!

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Silberhochzeit Sabine und Johannes Fritz am 18.09.2010 in Bad Soden

Kohelet 4, 8-12 und Johannes 15, 9 [1-17] [als pdf]

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