Die Checkliste für die Reise
Für
die Kolumne "Morgen auf der Kanzel"
in: Die Rheinpfalz am 09./10. Juli 1988

Da packen viele Menschen in diesen Tagen ihre Koffer. Nichts darf vergessen
werden, damit der Urlaub nicht misslingt. Deshalb gibt es Checklisten:
Reisepapiere, Impfungen, Ersatzteile fürs Auto, Reiseproviant ... Und dann
geht die Urlaubsreise los.
Der eine oder andere hat sogar die Bibel im Reisegepäck. Schlagen sie einmal
das Markusevangelium [6,6-13] auf. Wenn sie noch zuhause sind, tun sie es auch.
Da sendet Jesus seine Jünger auf Reisen. Zwei und zwei sollen sie sich
aufmachen.
Jesus gibt seinen Jüngern auch eine Checkliste. Und die liest sich so: "Er
gebot ihnen, außer einem Wanderstab nichts auf den Weg mitzunehmen, kein Brot,
keine Vorratstasche, kein Geld im Gürtel, kein zweites Hemd und an den Füßen
nur Sandalen."
Ist das nicht eine Zumutung, so mit leeren Händen auf Reisen gehen zu
müssen? Sicherlich, auch für mich! Aber die Reise der Jünger ist keine
Urlaubsreise, sondern eine Missionsreise. Da sollen die Jünger nicht den
Ballast von Wohlstandsbürgern mit sich herumschleppen müssen.
Statt dessen rüstet Jesus seine Jünger mit Wesentlichem aus: "Er gab
ihnen die Vollmacht, die unreinen Geister auszutreiben. "So machen sich die
Jünger unbeschwert auf ihren Weg. Sie trieben Dämonen aus und salbten viele
Menschen." Unbeschwert genossen sie die Gastfreundschaft derer, die sie
aufnahmen.
Auch wir als Christen, trotz des Ballastes unseres Reisegepäcks, sind im
Urlaub Missionare. Auch uns gilt das Wort Jesu, nicht durch Geld in Beziehung zu
treten zu anderen Menschen.
Vergessen wir das besonders dann nicht, wenn wir in Ländern der Dritten Welt
Urlaub machen. Lassen wir uns beschenken von der Gastfreundschaft anderer.
Für unseren Urlaub wünsche ich Ihnen und mir: dass wir uns freimachen
können vom Ballast unserer Habe; dass wir verschwenderisch unsere Zeit anderen
schenken; dass wir offen werden füreinander und für das Wort Jesu.
Dann spüren wir selbst, dass wir die Vollmacht haben, Wunden heilen zu
lassen und zu heilen, die wir uns in Stress und Hektik gedankenlos einander
zugefügt haben oder die durch den Besitz, von dem wir besessen sein können,
verursacht wurden.
Ich wünsche Ihnen heilsame und erholsame Ferien.
