Die Kirche als das Schiff Petri
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Dr. Benno Kuppler

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Die Kirche als das Schiff Petri
Dankgottesdienst in der Jesuitenkirche zu Mannheim
mit der spanischen Gemeinde am 9. April 1989

Lesung: Johannes 21, 1 - 19

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Begrüßung

Fürbitten

Liebe Schwestern und Brüder im Glauben,

die Kirche Jesu Christi wird immer wieder mit dem Schiff Petri verglichen. Vielleicht sind sie in Rom einmal über die Tiber-Brücke an der Engelsburg gegangen. Von dort hat man einen beeindruckenden Blick auf den Petersdom. Geht man einmal in die Hocke und schaut durch die massiven Eisengitter der Brücke, dann öffnet sich der Blick auf ein Schiff im Vordergrund und dem Petersdom im Hintergrund: die Kirche und das Schiff.

Lassen sie mich das Bild noch ein wenig mehr ausmalen.

Die Größe, die Schönheit, die Gewaltigkeit des Petersdoms brauche ich ihnen nicht zu beschreiben. Diesen kennen sie entweder aus persönlicher Anschauung oder durch Fernsehübertragungen aus Rom.

Aber dieses Schiff auf dem Tiber: viele Pilger und Touristen nehmen es kaum wahr. Der Tiber selbst ist meist braun und schmutzig, oft verdreckt vom letzten Hochwasser. Und das Schiff auf dem Tiber: es hebt sich kaum vom Flusse ab. Auch das Schiff ist dunkel, schmuddelig, unscheinbar, ja man könnte glauben, dieses Schiff sei einfach vergessen worden. Es liegt einfach da. Und es wird leicht übersehen.

Wenn ich mit Freunden und Gästen dort vorbeikam am Tiber, dann lud ich sie ein, einmal in die Hocke zu gehen. So kommen das Schiff und der Petersdom in den Blick und dieses Miteinander ist verlockend für einen Vergleich: hier das "Schiff Petri" und dort der Petersdom.

Vielleicht findet der eine oder andere von ihnen diesen Vergleich unpassend, kritisch. Das gebe ich gerne zu. Dieser Vergleich will etwas deutlich machen, was uns sonst in seiner Gegensätzlichkeit nicht so in den Blick kommt.

Unser heutiges Evangelium, aus dem Nachtrag zum Johannes-Evangelium, vergleicht die junge Kirche mit dem Schiff Petri. Die Besatzung besteht aus sieben Jüngern. Sie mühen sich fachmännisch ab. Sie sind als Fischer ausgewiesene Fachleute. Und dennoch bleibt ihnen der Erfolg versagt. Am frühen Morgen kehren sie mit leeren Netzen in ihren Hafen zurück.

Da steht am Strand ein Fremder, den die Jünger nicht erkennen. Er spricht sie vertraut an mit "meine Kinder" und bittet um etwas zu essen. Die Fischer können nichts zu essen anbieten und müssen ihren Misserfolg zugeben. Da gibt ihnen dieser Fremde einen völlig unfachmännischen Rat: Fahrt nochmals hinaus und werft die Netze auf der rechten Seite aus. Und er fügt an: dann werdet ihr etwas fangen.

Wir brauchen nicht zu spekulieren, was die Fachleute bewogen hat dem Rat dieses Laien zu folgen. Dem Verfasser des Evangeliums war es auch nicht berichtenswert. Nur das Ergebnis wird berichtet und das ist wahrhaft verblüffend: das Netz ist voller Fische.

"Da sagt der Jünger, den Jesus liebte, zu Petrus: Es ist der Herr!"

Petrus, der Felsenmann der Kirche, der Lotse des Schiffes, ist auf die Erkenntnis des Jüngers, den Jesus liebte, angewiesen: dieser Lieblingsjünger öffnet dem Petrus die Augen des Herzens, um den Fremden zu erkennen als Jesus, den Auferstandenen.

Die anderen Jünger erkennen den Herrn, als sie am Boden das Kohlefeuer und darauf Fisch und Brot sehen.

Petrus übernimmt wieder die Führung in dieser Geschichte: er zieht das Netz an Land. Es waren hundertdreiundfünfzig große Fische darin. Und obwohl es so viele waren, zerriss das Netz nicht.

Schauen wir uns die Symbole dieses Evangeliums noch einmal näher an, zunächst aus der Sicht der jungen Kirche damals, dann aus der Sicht der Kirche heute.

Schon in der jungen Kirche damals gab es zwei Pole, die die Spannung der Kirche bestimmten: Charisma und Amt: der Jünger, den Jesus liebte, und Petrus, den Felsenmann. Beide Pole braucht die Kirche, um das Netz auszuwerfen und Fische zu fangen. Denn mit den 153 Fischen sind symbolisch alle Arten von Menschen, alle Rassen, Völker und Religionen gemeint. 153 Gattungen von Fischen kannte man zu jener Zeit. Und die Botschaft Jesu, des Auferstandenen, galt es zu allen zu bringen. Das war eine spannungsreiche und spannende Geschichte. Aber das Netz riss nicht.

Der Erfolg der jungen Kirche war aber nicht die Tat der Fachleute, der Experten, der Fischer. Das macht uns dieses Evangelium deutlich. Die Fachleute und das Amt in der Kirche können sich zwar mühen um die Seelsorge. Aber der Erfolg wird wunderbarer Weise geschenkt: dem, der sich auf das Wort Jesu, des Auferstandenen, einlässt. Und dieser Auferstandene wird von den Fachleuten, den Amtsträgern als der Fremde angesehen. Nur die liebende Offenheit des Jüngers, den Jesus liebte, lässt das Amt in dem Fremden Jesus erkennen.

Der Fortgang des Evangeliums macht dies deutlich: Petrus, der Lotse des Schiffes, der Fels der Kirche wird dreimal von Jesus gefragt, liebst du mich. Unter Tränen bekennt er beim dritten Mal: Herr, du weißt alles; du weißt, dass ich dich lieb habe. Wenn ihnen, liebe Schwestern und Brüder, dabei die Erinnerung an den dreimaligen Verrat des Petrus gekommen sein sollte, so war dies sicherlich auch der Grund, warum Petrus selbst traurig geworden ist.

Das Amt, das Jesus, der Auferstandene, dem Petrus überträgt, überträgt er einem schwachen Menschen, einem unvollkommenen Menschen, einem Menschen, der noch wachsen kann in der Liebe zu Jesu.

Das Charisma ist ein Geschenk Jesu an den Jünger, den er liebte. Die Liebe zu Jesus, dem Auferstandenen, befähigt jeden Jünger, in dem Fremden IHN zu erkennen.

Das Amt in der jungen Kirche, Petrus, der Felsenmann, war verwiesen auf das Charisma des Lieblingsjünger. Beide zusammen können auf Jesu Wort hin das Netz füllen und die gegenseitigen Spannungen aushalten, ohne dass es zum Bruch kommt.

Damit sind wir bei uns heute angekommen.

Dieses Evangelium von heute ist auch für uns heute frohmachende und befreiende Botschaft. Die Spannungen, die wir im Schiff Petri, der Kirche, gegenwärtig erfahren, sind wiederum jene zwischen Amt und Charisma, zwischen dem Petrus von heute und dem Johannes von heute.

Wo das Amt auf sich alleine baut, da schwimmen die Fische aus dem Netz, da gehen keine neuen Fische in das Netz. Der Misserfolg stellt sich ein, wo das Amt alleine auf seinen Fachverstand vertraut.

Das Charisma ist in vielen Menschen auch heute lebendig: viele Christen sind von innen her erfüllt von einer liebenden Offenheit gegenüber Jesus, dem Auferstandenen. Sie erkennen von innen her, dass der Fremde, der um etwas zu essen bittet, Jesus selbst ist. Sie machen sich auf sein Wort hin auf, um wider allen Fach- und Sachverstand die Netze auszuwerfen.

Das ergibt Spannungen auch in unserer Kirche heute. Das Amt ist auf das Charisma verwiesen. Petrus, der Papst, sitzt zusammen mit Johannes, dem Lieblingsjünger, im Boot. Jesus, der Auferstandene, bringt sie zusammen beim Mahl: Fisch und Brot als Symbole der Gegenwart Jesus in der Kirche.

Wenn jeder von uns in seine eigene Glaubengeschichte hineinschaut, dann wird er die Spannungen bei und in sich selbst auch entdecken: Das Amt als jenen Pol, der leitet und ordnet, der Strukturen schafft und ändert. Das Charisma als jenen Pol, der sich liebend öffnet gegenüber dem Fremden, dem Neuen, der bestimmt ist von jener Liebe zu Jesus, die Grenzen überschreitet und freimacht.

Ich lade sie ein, dass wir beim Herrenmahl miteinander feiern und beten:

für das Amt in der Kirche: den Papst, die Bischöfe, die Priester, die Diakone und alle, die ein Amt in der Kirche haben, dass sie wachsen in der Liebe zu Jesus, dem Auferstandenen.

für das Charisma in der Kirche: jeden Christen, der erfüllt ist von der Liebe zu Jesus, dem Auferstandenen, dass er mit seiner Liebe dem Amt helfe, in jedem Fremden Jesus, den Auferstandenen zu erkennen.

für uns als christliche Gemeinde, dass wir die Spannungen in der Kirche aushalten und uns immer wieder öffnen der Einladung Jesu:

Meine Kinder, werft eure Netze auch dann aus, wenn es aus der Sicht der Fachleute der falsche Zeitpunkt ist. Und wenn ihr keinen Erfolg hattet, kommt dennoch zu mir: ich decke euch den Tisch für das gemeinsame Mahl.

Amen.

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BEGRÜSSUNG

Liebe Schwestern und Brüder,

an diesem dritten Ostersonntag sind einige deutsche Christen zu Gast in der spanischen Gemeinde. Vielleicht überrascht das den einen oder anderen. Lassen Sie mich kurz erzählen wie es dazu kam:

Vor zwanzig Jahren haben liebe Freunde von mir, Ursula und Reinhard von Zuccalmaglio, in der Jesuitenkirche geheiratet. Vor wenigen Tagen feierte Zucci, so nennen seine Freunde den Reinhard, seinen fünfzigsten Geburtstag, und Ursula ihren fünfundvierzigsten Geburtstag. So gibt es viele Gründe für Zucci und Ursula, gemeinsam mit ihren beiden Söhnen Clemens und Lorenzo und vielen Freunden auch Gott zu danken für die gemeinsamen Ehe- und Lebensjahre.

Ihnen, liebe Freunde von der spanischen Gemeinde, danke ich auch im Namen von Ursula und Zucci, dass wir mit Ihnen gemeinsam diesen Dankgottesdienst feiern dürfen. Wir werden die Heilige Messe in Ihrer und unserer Muttersprache feiern.

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FÜRBITTEN

im Dankgottesdienst in der Jesuitenkirche zu Mannheim mit der spanischen Gemeinde am 9. April 1989

Herr,

Du hast uns in Familien groß werden lassen, in denen keine Not herrschte. Wir durften eine Jugend in Geborgenheit erleben. Lass uns unseren Eltern und Geschwistern dadurch danken, dass wir diese empfangene Liebe an unsere Kinder weitergeben.

bulletAlle: Herr, wir bitten Dich, erhöre uns.

Herr,

Du hast mit fünf Gerstenbroten und zwei Fischen fünftausend zu Essen gegeben, und es blieben noch zwölf Körbe übrig. Zweitausend Jahre nach Deiner frohen Botschaft haben wir das Evangelium noch immer nicht verstanden. Hunger und Elend bedrückt mehr als ein Drittel der Menschen auf Erden. Allein hier in Deutschland leben 10 v.H. der Bevölkerung in Armut. Lass uns Deine prophetische Lehre für die Armen verstehen und unseren Reichtum mit ihnen teilen.

bulletAlle: Herr, wir bitten Dich, erhöre uns.

Herr,

Du hast gesagt: Liebet Eure Feinde, tut denen wohl, die Dich hassen. Wir aber machen und Bilder von Feinden, um zu hassen und immerfort weiterrüsten zu können. Gib uns die Kraft, Deiner Bergpredigt der Nächstenliebe zu gehorchen.

bulletAlle: Herr, wir bitten Dich, erhöre uns.

Herr,

Du hast gesagt: Machet Euch die Erde untertan. Wir aber in unserer Maßlosigkeit haben die Erde an den Rand der Selbstzerstörung geführt. Aus Profitgier lassen wir die letzten Regenwälder zerstören. Aus Profitgier verseuchen wir die Umwelt mit Giften, Pestiziden und Atomspaltmaterial. Aus Profitgier verseuchen und vergiften wir unser Grundwasser, unsere Böden, unsere Wälder, unsere Luft, unsere Bäche, Ströme und Meere.
Mach uns der Verantwortung bewusst, für unsere Kinder und alle nachwachsenden Generationen eine lebendige und gesunde Natur zu erhalten

bulletAlle: Herr, wir bitten Dich, erhöre uns.

Herr,

Du hast den Menschen geschaffen nach Deinem Ebenbild. Vor Dir sind alle Menschen gleich. Wir aber in unserer Überheblichkeit teilen unsere Mitmenschen ein nach Rassen, nach Fremden, nach Barbaren, nach Gastarbeitern. Heißt aber nicht das von uns verächtlich gebrauchte Wort "Kanaken": Mensch? Warum lehnen wir Menschen mit uns fremden Sprachen und Sitten als Nachbarn, als gleichberechtigte Mitbürger ab? Du hast uns vorgelebt, dass Menschen aus Samaria nicht anders und nicht weniger wert sind als die eigenen Landsleute.
Lass uns erkennen und mache uns bewusst, dass alle Menschen auf Erden Deine Geschöpfe sind.

bulletAlle: Herr, wir bitten Dich, erhöre uns.

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