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Die
Eucharistiefeier als Mitte des Glaubens
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| Da sagte Jesus: Die Könige herrschen über ihre Völker, und die Mächtigen lassen sich Wohltäter nennen. Bei euch aber soll es nicht so sein, sondern der Größte unter euch soll werden wie der Kleinste, und der Führende soll werden wie der Diener. Welcher von beiden ist größer: wer bei Tisch sitzt oder wer bedient? Natürlich der, der bei Tisch sitzt. Ich aber bin unter euch wie der, der bedient. |
Dieser Konsequenz geht - und somit bleibt sie nicht im Raum unerfüllbarer Utopie - die Ermächtigung zum Dienst voraus: Das Mahl mit dem eucharistischen Herrn. Wer an diesem Mahl teilnimmt, erhält alle Voraussetzungen geschenkt, so zu leben, wie es die Teilnahme an diesem Mahl erfordert. Er erhält die Gnade aus dem Glauben zu leben.
Die eucharistische Struktur der Kirche heißt also Dienst, nicht Herrschaft [trotz ... und hier kann jeder selbst einfügen, was ihn an der konkret verfassten Kirche stört]. Maßstab ist nicht der Größte, sondern der Kleinste. Damit stellt Jesus nicht nur die Ordnung seiner Zeit auf den Kopf. Auch unsere Zeit ist geprägt von Strukturen des Herrschens, des Oben und des Unten, der Unterscheidung in Schichten und Klassen, auch innerhalb der Kirche: Laie und Kleriker, Priester und Bischof, Bischof und Papst. Kirche von oben und Kirche von unten. Und manchmal meine ich, Differenzierungen auch in unserer Kollegsgemeinschaft zu spüren.
Was haben wir als Kirche Jesu Christi aus der Gedächtnisfeier des Herrn gemacht? Die Botschaft von der Eucharistie - und dazu gehört auch die Konsequenz aus der Teilnahme - hat und müsste gesellschaftsprägende und gesellschaftsverändernde Kraft haben. Das war und ist eine bleibende Herausforderung, wie wir im Jakobusbrief gehört haben: Wenn wir nur auf die Kleider schauen, "...macht ihr dann nicht untereinander Unterschiede und fällt Urteile aufgrund verwerflicher Überlegungen?" [Jak 2,4]
Nicht nur nebenbei will ich in diesem Zusammenhang bemerken: Es kann helfen, erst einmal den Jakobusbrief zu lesen, bevor einer Sozialenzykliken liest. Nur auf diesem Hintergrund verstehen wir richtig, warum die Kirche zu sozial- und wirtschaftspolitischen Fragen unserer Tage Stellung bezieht und beziehen muss!
In der Apostelgeschichte [2, 42-26; 20,7] ist an drei Stellen vom Brotbrechen die Rede. Brotbrechen heißt teilen, miteinander Mahl halten, vom gleichen Brot essen. Gemeinsames Essen, Mahl halten verbindet, am gleichen Tisch sitzen schafft Gemeinschaft. Daher auch die gemeinsame cena festiva der Kollegsgemeinschaft nach dieser Eucharistiefeier am Kirchweihtag.
Dem Apostel Paulus verdanken wir im 1. Korintherbrief [11, 17 - 34] die Überlieferung des Namens Herrenmahl deshalb, weil den Korinthern diese Zusammenkunft mehr dazu diente, Gemeinschaft zu zerstören, statt sie aufzubauen. Wer am Herrenmahl teilnimmt, darf nicht mehr die Strukturen der Welt anwenden. Der Glaube fordert Entscheidungen, die auch unseren Alltag prägen.
In der Didache, um die Wende zum ersten Jahrhundert, begegnet uns der heute geläufige Begriff Eucharistie - Feier des Dankes. In dem uns überlieferten ältesten Hochgebet dieser Schrift ist sehr eindringlich von der Gemeinschaft derer die Rede, die an der Eucharistie teilhaben:
| Das eucharistische Brot aus vielen über die Erde zerstreuten Körnern und der eucharistische Wein aus vielen Trauben sind Zeichen der Einheit der über die ganze Erde zerstreuten Christen. |
Ein Name, der Wesentliches über die Eucharistie aussagt ist Anamnese, Gedächtnis, Erinnerung. Wie die eucharistischen Hochgebete seit ältester Zeit sagen, ist die Eucharistiefeier die Gedächtnisfeier des Todes, der Auferstehung und der Wiederkunft Christi.
| Geheimnis des Glaubens: Deinen Tod, o Herr, verkünden wir, und deine Auferstehung preisen wir, bis du kommst in Herrlichkeit. |
Wenn schon die Kirche als Ursakrament die "gefährliche Erinnerung der Freiheit Jesu Christi" [J. B. Metz] ist, dann gilt dies von der Eucharistie, in der sich Kirche in besonders dichter Weise ereignet, in besonderer Weise. Als Gedächtnisfeier ist die Eucharistie öffentliche Ausrufung des Heilsereignisses in Jesus Christi, Vergegenwärtigung der liebenden Zuneigung Gottes zu uns Menschen in Jesus Christus, die wir Gnade nennen.
Wesentliches Element der Feier ist die Kommunion. Lange Zeit wurde diese nur einseitig als Einswerden mit Christus verstanden. Kommunion heißt aber im Zusammenhang der Eucharistie immer ein zweifaches: Einswerden mit Christus und Einswerden mit allen Kommunizierenden. - Warum sonst spricht man in der Ekklesiologie vom Communio-Gedanken, oder nennt sich eine nachikonziliare Zeitschrift "Communio"! - Die soziale Dimension ist ein wesentliches Element der Eucharistie.
Die Erfahrungen vieler Christen mit der Eucharistie bleiben oft auf der persönlichen Ebene stehen. Viele Christen sind heute so mobil, dass sie die Eucharistie dort mitfeiern, wo sie "ihren guten Prediger" finden. Damit laufen wir Gefahr, die soziale Dimension der Eucharistie zu verlieren. Eucharistie hat ihren Platz in der Gemeinschaft von Menschen, die aus der eucharistischen Gnade gemeinsam den Alltag gestalten. -Wirken wir als Kollegsgemeinschaft ermutigend auf suchende Menschen?
Wo unser gemeinsamer und persönlicher Alltag in der Eucharistie nicht mehr vorkommt, gerät die Feier der Eucharistie in Gefahr, zu einer "objektiven Heilsveranstaltung" zu werden: Lukas erdet seinen Einsetzungsbericht im prallen Leben: auf dem Weg Jesu nach Jerusalem, in der jüdischen Tradition des Paschafestes, im handfesten Streit um oben und unten der Jünger. Und Jakobus hält seiner Gemeinde am Beispiel des festlich gewandeten Reichen und des abgebrannten Armen ihren Wertespiegel vor. Und wir feiern heute Eucharistie, weil wir uns von Jesu in die Nachfolge seines Dienstes gerufen wissen: seid Diener der Freude an seinem Volk in der Kirche in der Welt von heute. Amen.
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