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"Löst
die Binden und lasst ihn fortgehen"
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| Miteinander BEKENNEN wir den Glauben an unseren gemeinsamen Herrn Jesus Christus, der Herr über Leben und Tod ist, jenseits aller konfessionellen Grenzen. | |
| Miteinander DANKEN wir für die Erfahrungen von Heil, die wir in unserer Geschichte mit unserem verstorbenen M. A. machen durften. | |
| Miteinander BITTEN wir um Heilung all dessen, was wir uns im Leben gegenseitig schuldig geblieben sind. | |
| Miteinander FEIERN wir Eucharistie als Fest der Danksagung für die Heilsgeschichte, die Gott mit unserem verstorbenen M. A. und mit jedem von uns hat und die wir untereinander haben. |
Kyrie Rufe
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| "Löst die Binden und lasst ihn fortgehen" |
Wäre das die Antwort auf unseren Schmerz, unsere Tränen, unsere stumme Ohnmacht angesichts des Todes unseres M. A.? Würden wir es uns da nicht zu einfach machen: wünschen, dass er wieder lebte, nur damit wir den Schmerz nicht zu durchleiden, die Tränen nicht zu vergießen und die stumme Ohnmacht nicht auszuhalten hätten?
| "Löst die Binden und lasst ihn fortgehen" |
Dieser Satz, von Jesus gesprochen, rührt an die Fragen, die sich Dir, F., und allen, die M. nahe stehen, in diesen Tagen gestellt haben, die ich herauszuhören gemeint habe, als wir miteinander sprachen: Können wir M. mit 29 Jahren schon sterben lassen? Können wir innerlich einwilligen in seinen freiwilligen Tod?
| "Löst die Binden und lasst ihn fortgehen" |
Da stehen wir sprachlos und traurig und mit vielen Fragen. Und auf die eine Frage "Warum?" hat uns M. keine Antwort zurück gelassen. Und wir selbst können seine Entscheidung, in den Tod zu gehen, nur schwer annehmen. Zu viele Fragen bleiben offen: Fragen, die wir uns selbst stellen. Fragen, die wir uns kaum auszusprechen wagen? Fragen, die seine Verwandten in Kamerun stellen.
| "Löst die Binden und lasst ihn fortgehen" |
Und M. geht
alleine in den Tod. M. verlässt Euch, uns, die wir hier versammelt sind,
ohne ein Wort, mit einer endgültigen Tat. M. geht, weil es für ihn Zeit
war. Er lässt uns alle zurück: Dich, F., in Nürnberg, Euch hier in
Berlin, seine Familie in Ebolowa und Yaounde, Menschen, die ich nicht kenne, die
jetzt mit Euch und uns trauern.
Und wir kommen zu spät, so scheint es. Wir konnten nur noch
von einem toten M. Abschied nehmen, der seine letzte Reise in die Heimat
antreten wird. So hat er es gewollt.
| "Löst die Binden und lasst ihn fortgehen" |
Wir stehen vor dem
tiefsten Geheimnis eines Menschen: seiner Freiheit, die ihm Gott gegeben hat. M.
hat diese Freiheit aus-gelebt. Sein Leben ist ver-bindlich geworden. Wir
dürfen und müssen es aussprechen: Seine Entscheidung, seinem Leben ein Ende zu
setzen, bleibt uns unerklärbar. Es bleibt das letzte und endgültige Geheimnis
von M..
Und dieses Geheimnis des Lebens von M. bringen wir in
dieser Eucharistiefeier vor Gott. Bei Gott ist das Geheimnis von M. gut
aufgehoben.
Es gehört Mut dazu, mit Gott zu hadern, ihm vorzuwerfen,
dass er ein ferner Gott ist. Mehr Mut, als einfach Gott in Ruhe zu lassen und
seine eigenen Wege zu gehen, gerade angesichts des Todes von M..
| "Löst die Binden und lasst ihn fortgehen" |
Jesus Christus selbst
ist es, der uns im Evangelium sagt: "Löst die Binden und lasst ihn
fortgehen". Diese Aufforderung gilt auch uns. Denn M. ist mit vielen
emotionalen Binden noch an uns gebunden. Er hat diese Verbindung durchschnitten.
Wir müssen das akzeptieren und uns von Jesus sagen lassen: "Löst die
Binden und lasst ihn fortgehen".
Wichtiger aber noch: Dieser Jesus lässt sich durch das
Weinen der Maria und der Juden in seinem Inneren erregen, dieser Jesus weint
zusammen mit den Menschen, dieser Jesus fühlt mit den Menschen. Deshalb
brauchen wir uns unserer Tränen nicht zu schämen.
Und dieser Jesus setzt ein Zeichen: die Erweckung des
Lazarus. Aber dieses Zeichen weist weit über Lazarus hinaus. Es weist auf die
Auferstehung Jesu Christi selbst hin: Ich bin die Auferstehung und das Leben.
Ich gehe hin, um Euch eine Wohnung zu bereiten beim Vater.
Und dieses Versprechen Jesu feiern wir in dieser Stunde bei der
Eucharistiefeier. Es gilt auch Eurem und unserem Freund M..
| "Löst die Binden und lasst ihn fortgehen" |
Versuche Du, lieber F., und versucht Ihr als Angehörige und Freunde, jene Binden zu lösen,
mit denen Ihr Euren verstorbenen M. noch an Euch binden wollt, weil der
Schmerz Euch sonst unmenschlich erscheint, weil Ihr in den Tränen zu ersticken
droht oder weil Euch die stumme Ohnmacht niederhält.
Versuchen wir alle, Angehörige und Freunde, unseren
verstorbenen M. A. fortgehen zu lassen auf jenem Weg, der Christus selbst
ist.
Bekennen wir mit Martha: Ich weiß, dass er auferstehen wird
bei der Auferweckung am letzten Tag. Gehen wir mit Martha zu Maria und sagen
unseren Mitmenschen: Der Meister ist da und ruft dich. Kommen wir wie die Juden
zu Maria und sehen wir, was Jesus getan hat.
Mit dem Lied "Kündet allen in der Not" [Gotteslob 106] können wir uns trösten und stützen:
Fasset Mut und habt Vertrauen: Oft ist es schwer im
täglichen Leben nicht zu resignieren. Oft leiden unsere Beziehungen unter
fehlendem oder schwachen Vertrauen. Das Lied ruft uns zu: Ihr schafft es, habt
Mut und habt Vertrauen. Gott selbst ist mit euch.
Gott naht
sich mit neuer Huld: Wir brauchen an dem Scheitern in unserem Leben nicht zu
verzweifeln. Unsere Schuld brauchen wir nicht in die Tiefen unserer Seele zu
verdrängen. Gott will unsere Verstrickungen lösen. Gott will ewigen Frieden,
auch für M..
Gott wendet Not und Leid: Ganz gewiss, der Tod von M. wird als Schmerz, als Leid erfahren von seinen Angehörigen und Freunden, aber
auch von vielen von uns. Das Lied sagt uns: Gott tröstet die Getreuen. Er
führt sie zum Mahl der Seligkeit.
Beten wir miteinander in dieser Eucharistiefeier für M.,
dass er jetzt am himmlischen Gastmahl teilhat, während wir in der Eucharistie
zeichenhaft das Mahl der Seligkeit feiern in der Hoffnung, einst mit M. und
allen unseren Verstorben am himmlischen Gastmahl teilzuhaben.
So glauben
wir an Ihn, den Erhöhten Herrn Jesus Christus, der von sich selbst gesagt hat:
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Ich bin die Auferstehung
und das Leben. |
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