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Dr. Benno Kuppler

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Gaudete - Freuet euch
Predigt beim Thomastag des CV in Nürnberg
15. Dezember 1996

Lesungen: Jes 1, 1-2a, 10-11; 1. Thess 5, 16-24; Johannes 1, 6-8,19-28

Eröffnung und Begrüßung Tagesgebet Predigt [Meditation] Skizze Fürbitten
Gabengebet Präfation Schlussgebet  

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Eröffnung und Begrüßung

Die Freude unseres Herrn Jesus Christus sei mit Euch.

Herzlich willkommen an diesem 3. Advent zum Gottesdienst in St. Elisabeth. Der liturgische Kalender nennt diesen Sonntag "Gaudete". Mitten in der besinnlichen Zeit des Advents, die Einladung zur Freude.

So ist es ein glückvoller Umstand, dass an diesem Wochenende sich zum 97. Male Studenten und Alte Herren des CV, des Cartellverbandes farbentragender katholischer Studentenverbindung, in Nürnberg zum Thomastag treffen. Am Sonntag Gaudete sind wir bei Ihnen in St. Elisabeth zu Gast, nachdem die jüngeren CV-er sich bereits mit Gaudi seit Freitag Abend auf diesen Sonntag Gaudete vorbereiten.

Ich lade Euch alle herzlich ein, dass wir miteinander über Freude nachdenken und um Freude bitten. Paulus schreibt an die Thessalonicher: "Freut euch zu jeder Zeit!". So hören wir in der heutigen Lesung.

Wo wir mit Missmut und Griesgram Gott und die Mitmenschen verkrault haben, bitten wir Gott um seine Vergebung und die Mitmenschen um Nachsicht. So rufen wir:

Herr, erbarme dich...

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Tagesgebet

Güter Gott, sieh deine Gemeinde an, die nach dir ruft. Sieh unsere Sehnsucht nach Freude, unseren Willen zum Guten und unser Versagen.
Erbarme dich unserer Armut und Leere. Fülle sie mit deinem Leben, mit deiner Freude und mit deiner Liebe.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.

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Predigt [Meditation] Skizze "Freuet euch zu jeder Zeit!"

Freude: Was macht uns froh?

Singen, Tanzen, Feiern, anerkannt werden, Urlaub, Feierabend, Arbeit, Hobby, Reisen, Liebe, Zuneigung, Frieden, Verständnis. Freundschaft, Treue.

Fragen wir uns selbst, jeder sich in einem Moment des Nachdenkens:

Welche Erlebnisse und Ereignisse haben mich in den letzten Tagen froh gemacht?...

Ist Freude vielleicht sogar die Grundstimmung unseres Leben? Sind wir die meiste Zeit froh und glücklich?

Ich glaube, wenn wir nicht wüssten, dass wir auch niedergeschlagen sein können, dass wir traurig sind, wir wüssten nicht, was Freude ist. Wir lassen uns von vielem in unserem Leben, in unserer Freude beeinflussen:

Es gibt Tage, da schieben wir es auf das Wetter, auf die Jahreszeit. Dann haben wir Ärger mit Nachbarn, Ärger im eigenen Haus oder wir ärgern uns ganz einfach über uns selbst.

Wir kennen Unglückstage, Schwarze Tage, Kopfwehtage, Föhntage, Tage, an denen uns der Misserfolg verfolgt, wo wir nur Pech, aber nicht Freude haben.

Freude.

In Zeiten der Freude entdecken wir einen Glanz auf allen Dingen. Da finden wir in allem einen Sinn. Freude gibt uns den Geschmack vollen, prallen Lebens auf die Zunge. Freude ist die Würze unseres Daseins. Freude macht die Lebendigkeit und Intensität unseres Lebens aus. Freude ist wie das Lauffeuer einer guten Botschaft, wie die Farben eines Regenbogens oder eines Tulpenfeldes, wie der Gesang der Vögel, wie Musik, wie ein perlender, belebender Sekt.

Freude ist vergänglich.

Sie kommt und geht. Sie tönt an wie Musik und sie verweht, wie deren letzter Ton. Sie blüht auf wie eine Anemone und welkt dahin. Sie nimmt Gestalt an wie ein Luftballon und schrumpft zusammen, wenn die Luft entweicht.

Freude kann uns wild anfallen oder mild berühren. Sie lässt uns aufjubeln oder still erbeben. Die Augen weit auftun oder sie vor Überfülle schließen.

Es liegt viel an uns, ob wir uns freuen können.

Die Freude hat nämlich auch ihre Feinde.

Oft gerade in uns selbst. Schauen wir in einen Spiegel, in uns selbst. Da gibt es eine Verdrießlichkeit, an die ich mich so gewöhnt habe. Da ist der geschäftige Ernst, der der Freude keine Zeit gönnt. Da ist der Neid und die kleinliche Feindschaft wegen einer Nichtigkeit. Da gibt es den Feind: das werde ich dir niemals vergessen.

Wir sollten nicht sagen, es gäbe keine Freude. Oder: ich habe zu wenig Freude. Ich erlebe so selten Freude. Erst sollten wir nach den Feinden der Freude in uns selbst forschen, sie zu überwinden suchen.

Denn echte Freude steckt an.

Die Freude gibt unserem Leben Flügel, macht es beschwingt, gibt ihm Aufwind und leichten Flug. Freude ist beweglich wie ein Luftballon, den der Wind durch die Luft wirbelt, den wir auffangen und wieder steigen lassen.

Freude erleichtert das Leben. Freude macht, dass wir das Leben lieben und die Liebe lernen.

Freude allein überzeugt, dass das Leben lebenswert ist. Freude ist der Ausweis des Lebens.

Freude ist der Bote Gottes.

Wir treffen diesen Boten Freude auf dem Feld bei den Hirten, bei dem Kind in der Krippe, das die Freude selber ist. Wir treffen diesen Boten am leeren Grab des Auferstandenen. Er selbst ist die Freude, die den Tod überwunden hat. Die Freude, die das Leben ist. Und ER ist das Leben, das die unvergängliche und ewige Freude ist.

Viele Menschen verachten die kleinen Freuden auf der Jagd nach dem großen, einmaligen Glück. Sie sind dann leicht enttäuscht. Die Kunst des Lebens besteht darin, die kleinen Freuden im Leben zu entdecken, wahrzunehmen, aufzuheben.

Zeigen wir einander, wenn wir uns freuen. Das steckt an.

Ausgelassenheit muss nicht immer Freude sein. Denken wir am Thomastag, der ein Tag der Freude sein will, dass hinter der Maske des Ausgelassenen, der Bierseeligkeit die Trauer größer sein kann als die Freude. Und was steckt hinter meiner und eurer Maske, unter unseren Couleurmützen?

Schenken wir uns im Alltag mehr kleine Freuden. Die können wir gebrauchen und leichter verkraften.

Was macht mich froh? Was macht euch froh? Ich wünsche Euch und mir, es sei die Aufforderung des Apostels Paulus: "Freut euch im Herrn. Noch einmal sage ich: Freut euch!"

Amen.

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Fürbitten

Herr Jesus Christus, du hast uns versprochen, dass unsere Freude vollkommen werde. Im Vertrauen auf dein Wort tragen wir unsere Bitten vor:

bulletHerr, lass uns bescheiden werden, damit wir uns auch an kleinen Dingen erfreuen können.
bulletGeteilte Freude ist doppelte Freude: Herr, gib uns die Gelegenheit, unsere Freude mit anderen zu teilen.
bulletHerr, wie wir dich um unser tägliches Brot bitten, so bitten wir auch: gib uns auch täglich Freude, damit wir nicht am Leben verzweifeln.
bulletHerr, hilf uns, dass wir in Zeiten der Freude dich nicht vergessen, sondern dir als dem Grund aller Freude danken.
bulletHerr, hilf uns, dass wir die Natur, die uns immer wieder erfreut, nicht mutwillig zerstören.
bulletHerr, lass uns immer wieder in der Gemeinschaft deiner Kirche Freude erfahren.

Herr Jesus Christus, du hast uns zur Freude berufen. Wir danken dir für die Freude, die wir schon empfangen haben. Wir bitten dich, hilf uns erkennen, wo wir in unserem Leben achtlos an kleinen Freuden vorbeigehen. Du hast uns versprochen, dass deine Freude in uns sein wird. Wenn wir dann Freude in unserem Leben entdecken, entdecken wir immer neu auch dich, unseren Herrn Jesus Christus. Amen.

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Gabengebet

Herr, unser Gott. Dein Sohn Jesus Christus hat uns versprochen, unsere Freude vollkommen zu machen. In Brot und Wein hat er uns seine Zeichen der Freude und der Liebe hinterlassen, damit wir glauben. Segne unsere Gaben und wandle sie in Jesu Fleisch und Blut, damit wir durch ihren Empfang teilhaben an seiner Freude. Amen.

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Präfation

Der Herr sei mit euch. ...
Erhebet die Herzen. ...
Lasset uns danken dem Herrn, unserm Gott. ...

Es ist unsere Freude, dich zu preisen, Herr, und die Tore unseres Herzens weit zu öffnen dem Glutwind deines Geistes, der den ganzen Erdkreis mit der unerhörten Kraft erfüllt, die Jesus Christus heißt.
Er hat uns versichert, dass wir nicht Waisen bleiben werden und dass wir den Trost, die Stärke und die Trunkenheit der Freude erfahren würden in der Herrlichkeit deiner Liebe. So kann der Geist in unserem ganzen Leben deinen Glanz bezeugen und auf unsere Lippen und in unsere Herzen, o Vater, deinen Namen drücken, der du alle Freude in dir birgst.
Daher singen wir mit den Propheten, die aus der Kraft des Geistes lebten, mit den Martyrern, die von der Kühnheit des Geistes beseelt ihr Leben gaben, mit Maria, den Aposteln und mit allen, die von deinem Geist erfasst sind, den Lobgesang deiner Herrlichkeit:
Heilig, Heilig, Heilig ...

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Schlussgebet

Herr, von deinem Altar brechen wir nun auf, um unserer Umwelt deine Güte und Freude zu bringen. Schenke uns einen wachen Geist, der die schönen Seiten des Lebens und die guten Eigenschaften der Menschen entdeckt.
Mach uns erfinderisch, wie wir Freude verbreiten können, wie wir Verzagte, vom Leid geprüfte, vom Leben enttäuschte Menschen aufrichten können.
Sie sollen durch unsere Aufmerksamkeit Trost verspüren und erfahren, dass sie nicht von Gleichgültigkeit oder Feindschaft umgeben sind. Sie sollen durch uns erfahren, wie gut du bist.
Darum bitten wir Dich, der du der Grund unserer Freude bist. Amen.

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