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Dr. Benno Kuppler

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Glaube - Hoffnung - Liebe
Hochzeit von Barbara Müllers und Martin Rempe
in Maikammer, St. Kosmas und Damian am 1.6.1996

Lesungen: Röm 12, 9 - 18; Joh 15, 1 - 17

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Liebe Barbara, lieber Martin,
liebe Eltern und Geschwister,
Schwestern und Brüder im Herrn!

Haben uns die Brautleute nicht ein tolles Geschenk gemacht mit den beiden Lesungen ihrer Brautmesse? Ja, Sie haben richtig gehört, die Texte haben Barbara und Martin ausgesucht. Wenn mich nämlich Freunde bitten, die Messe für die Trauung zu zelebrieren, dann gebe ich ihnen als geistliche Hausaufgabe den Auftrag, die Texte für die Lesung und das Evangelium auszusuchen. Mehr noch: zusätzlich müssen die Brautleute mir noch erzählen, warum sie gerade diese Texte ausgewählt haben. Die Trauung ist das einzige Sakrament in der katholischen Kirche, dass sich die Betroffenen selbst spenden. So meine ich, sei es auch gut, wenn uns das Wort Gottes heute in Texten anspricht, die für unser Brautpaar wichtig sind.

Eine erste Beobachtung habt Ihr beim Hören der Lesung selbst schon machen können:

Der Text der Lesung aus dem Römerbrief klingt nicht so vertraut, wie er uns aus anderen Übersetzungen ist. Die Umgangssprache, in die Jörg Zink diesen Text gekleidet hat, könnte dazu verleiten, ihn als gefällig und banal zugleich zu über-lesen und zu über-hören.

Wenn wir uns den Texten aber genauer widmen, in sie hinein hören wie in eine Partitur, dann schallt uns ein geistlicher Dreiklang entgegen: Glaube - Hoffnung - Liebe. Lest euch bitte die Texte unserer Brautmesse mit einigem Abstand von der heutigen Feier vielleicht nochmals nach, um ihrer inneren Musik nachzuspüren.

Dieser Dreiklang von Glaube - Hoffnung - Liebe wird uns als Thema mit Variationen entfaltet. Wie bei einer großen Symphonie stimmt uns Paulus mit einem knappen und deutlichen Auftakt ein: "Die Liebe sei klar und ohne Schauspielerei!" Und wer bei diesen Worten nur an Barbara und Martin denkt, der könnte auf dem Holzweg sein. Die Feier des Ehesakramentes ist kein antikes Mysterienspiel, bei dem die Hauptdarsteller für die heutigen Rollen, Barbara als Braut, Martin als Bräutigam, die Masken "Liebe" tragen, um uns zu unterhalten oder uns "wahre Liebe" vorzuspielen. Nein, Paulus setzt seinem klaren Auftakt einen unüberhörbaren Kontrapunkt entgegen: "Das Böse sollt ihr verabscheuen." um sogleich das Thema wieder aufzunehmen: "am Guten [sollt ihr] euch festhalten."

Und diese Liebe, das Gute muss Gestalt annehmen. So wie Gottes Liebe zu uns Menschen in Jesus Christus Fleisch angenommen hat, sich inkarnierte, so soll auch unsere Liebe gestalterisch wirken, Fleisch annehmen. Und da wird Paulus dann sehr konkret: fangt in eurem kleinen, überschaubaren Lebensraum an. Herzlichkeit und Unverstelltheit, nicht Rolle und Maske, sind gefragt. Damit es auch der Letzte versteht, scheint Paulus das Liebesgebot Jesu noch zu verschärfen: "Jeder ehre den anderen mehr als sich selbst." Jesu selbst forderte "nur": "Liebt einander".

Ist das für uns und unsere Gesellschaft nicht eine Ungeheuerlichkeit: Wir fordern das Recht auf Selbstverwirklichung, und der christliche Glaube stößt uns mit der Nase darauf, der Andere, mein Gegenüber, mein Mitmensch soll das Ziel meines Liebens und meines Handelns sein. Die Begründung, die uns Paulus zumutet, ist heute nicht mehr selbstverständlich: wir haben im Glauben den Geist Gottes empfangen. Und diesen Geist vergleicht er mit Feuer: "Lasst es brennen!"

Damit das Thema nicht "akademisch" bleibt, gleichsam ein intellektuelles Glasperlenspiel, variiert Paulus das Thema erneut: "Lebt nicht an den Aufgaben vorbei, die eure Zeit stellt, und freut euch, dass ihr über sie hinaus eine Hoffnung habt."

Und schon führt uns die paulinische Liebes-Symphonie aus dieser Kirche der Heiligen Kosmas + Damian heraus. Ja, es ist wahr, Hochzeit hat etwas mit Liebe zu tun. Aber christliche Liebe ist kein Objekt der Sammlerlust eines kunstsinnigen Paares. Christliche Liebe kann nicht in der kirchlichen Trauung "erworben" werden, um sie einer reichen Sammlung an Kunstgegenständen hinzuzufügen. Christliche Liebe ist Geschenk des Geistes, christliche Liebe als Geschenk des Geistes ist Feuer: "Lasst es brennen".

Hebt also nicht ab vom Alltag, liebe Barbara, lieber Martin! Vergesst nicht, was Sache ist! Diese Mahnung gilt aber auch jedem von uns. Liebe, Eure Liebe Barbara und Martin, aber auch die Liebe jedes einzelnen von uns muss sich im Alltag bewähren. Und Paulus nennt uns dann eine reiche Auswahl von Situationen des Lebens, die damals auf die Römer und heute auf uns provozierend wirken sollen.

Sind wir nicht jeden Tag in der Versuchung, schwierigen Situationen aus dem Wege zu gehen? Finden wir nicht tausend und mehr Gründe, warum wir besser vorbereitet sind, qualifizierter sind als jene Kollegin oder jener Kollege im Beruf? Spüren Sie nicht auch oft jenes Gefühl, dass ich mich doch eigentlich unter Preis verkaufe, wenn ich diese oder jene Aufgabe übernehme, wenn ich mich mit diesem oder jenen Menschen abgebe? Und dann soll ich auch noch verzeihen! Ist das alles nicht eine ungeheure Zumutung?

"Meint nicht, ihr könntet alles am besten und wüsstet alles am genauesten!", ruft uns Paulus zu. Was euch auch im Alltag durch Freud und Leid trägt, ist allein die christliche Hoffnung. Und diese entfaltet sich in euren Gedanken und Gesinnungen. Diese Hoffnung verbindet mich mit anderen Menschen zur Symphonie des Lebens, die nur von der Liebe her harmonisch komponiert werden kann.

Diese Variationen des Themas "Die Liebe sei klar und ohne Schauspielerei." trägt uns Paulus im Stakkato, mit Dissonanzen und mit Scheinschlüssen vor. Martin sagte mir, dieser Text drücke für ihn aus, "was Sache ist". Da wird nicht in schmeichelndem Moll oder heiterem Dur komponiert. Diese Variationen klingen uns fremd in den Ohren, wie mir die Zwölftonmusik. Und doch höre ich mir auch solche gelegentlich an. Zugegeben, an einem Festtag wie heute, hören wir uns lieber klangvolle, harmonische Barockmusik oder Musik der Klassik an.

Woher nimmt Paulus nun das Rohmaterial für seine Symphonie der tätigen Liebe? Darauf kann uns das Evangelium des Johannes eine Antwort geben: Jesu Rede vom Fruchtbringen am Beispiel des Weinstockes. Das ist ein Motiv, das in der Pfalz nicht besonders zu erklären ist.

Die Rede Jesu ist klar und ohne Schauspielerei. "Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben." Das Bild aus der Natur soll die innige Beziehung zwischen uns Menschen und Jesu Christus deutlich machen. Und diese Verhältnis fordert immer wieder, dass es gereinigt, beschnitten wird, so wie dies der Winzer an den Rebstöcken tut. Die Knospe muss gestärkt werden, deshalb gilt es Wildwuchs abzuschneiden. So ist es auch mit dem Glauben. Er muss immer wieder geprüft werden, gereinigt werden, neu gebunden werden an den Rebstock Jesus. Und die Reben, Barbara und Martin, aber auch wir, müssen einzeln und gemeinsam an diesem Rebstock bleiben, sonst verdorren wir, sonst bringen wir keine Frucht.

Barbara und Martin wollen uns an ihrem Hochzeitstag als Merkspruch mit auf unseren und ihren Weg geben, "was Sache ist", was auch uns Hoffnung für unseren Alltag geben kann und Mut machen soll, das paulinische Modell der Liebe durch die Tat, durch unser Handeln zu verwirklichen. Und schon klingt uns auch aus dem Empfinden von Barbara und Martin dieser Dreiklang von Glaube, Hoffnung und Liebe entgegen. Die Musik des Paulus hat in unserem Brautpaar seinen Klangkörper gefunden, der die Melodie sehnsuchtsvoll zu uns und in die Welt weitertragen will.

Denn im Ohr haben wir noch die harten Paukenschläge Jesu: "Wer nicht in mir bleibt, wird wie die Rebe weggeworfen und er verdorrt." Wie hart geht doch Jesus mit den gläubigen Juden seiner Zeit und uns, den guten Christen unserer Tage, ins Gericht.

Aber Jesus gibt uns auch jene Hoffnung, dass wir in Verbundenheit mit ihm zur Liebe fähig sind und Frucht bringen können.

Liebe Barbara, lieber Martin, Ihr Beide habt uns mit dem Römerbrief einen Melodienreigen vorgelegt, der Euch lieb und teuer ist, von dem Ihr aber auch zu Recht vermutet, dass er uns Allen an Eurem Hochzeitstag Weisung sein kann. Eure Liebe, die Ihr Euch heute vor Gott und den Menschen in sakramentaler Weise versprecht, wird in Eurem Alltag in vielfältiger Weise Gestalt annehmen.

Wir, die wir diesen Euren Festtag mitfeiern dürfen, sollen durch Eure Liebe ermutigt werden, unsere eigene Liebe zu Gott und den Menschen neu zu entdecken, um sie im Alltag in kurzen, erkennbaren Melodien durch unser Tun und Lassen anderen Menschen vorzusingen, sie durch unser Wesen und unser Handeln zu verführen, sich auch einzuschwingen auf diesen großen Dreiklang von Glaube, Hoffnung und Liebe. Danke für diese Ermutigung.

Mit den Worten von Michael Quoist, die Ihr auf Eure Hochzeitsanzeige geschrieben habt, will ich diesen symphonischen Dreiklang noch einmal in uns Allen zum Schwingen bringen:

Wer den anderen liebt, lässt ihn gelten, wie er ist, wie er gewesen ist und wie er sein wird."

Amen.

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