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Dr. Benno Kuppler

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Hohe Ideale - kleine Zeichen: Auf dem Weg sein
Gottesdienst mit Studierenden des
Kardinal-Wendel-Kollegs [KWK] in München am 12. Juni 2002

Lesungen: 1 Kor 12, 31 - 13, 17; Matthäus 5,13-16

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Liebe Studierende,
liebe Frau Römer,

Also gut, machen wir uns auf den Weg, Eure Vorbereitungsgruppe hat es so gewollt. Steigen wir auf den Berg hoher Ideale, um diese in unserem Alltag in kleinen Zeichen zu entdecken. Hohe Ideale: die Liebe - kleine Zeichen: Salz & Licht, drei Symbole in den Texten dieser Eucharistiefeier, die Eure Vorbereitungsgruppe ausgewählt hat.

bulletSalz: die Würze, das Symbol der Weisheit.
bulletLicht: die Kerze, das Symbol für Christus.
bulletLiebe: da war es nicht notwendig, dass ich ein Symbol mitbringe. Denn dafür steht Ihr selbst hier mit Euren eigenen Erfahrungen aus Eurem Alltag im KWK, aus Euren zwischenmenschlichen Beziehungen im KWK, aus Euren persönlichen Beziehungen zu Partnerinnen und Partnern.

Und so will ich Euer Thema aufgreifen und als Thema mit drei Variationen entfalten:

bulletSalz, Licht & Liebe: Was sagen uns die biblischen Texte?
bulletSalz, Licht & Liebe: Was bedeuten diese Texte für uns alle als Christen?
bulletSalz, Licht & Liebe: Was können diese Texte, Euch und mir, uns allen für den Alltag sagen?

Salz, Licht & Liebe als drei Zutaten für Beziehungen, auch im KWK.

1. Variation: Salz, Licht & Liebe: Was sagen uns die biblischen Texte?

Die Verse 13-16 aus dem 5. Kapitel des Matthäus-Evangelium gehören in den größeren Zusammenhang der Jüngerbelehrung, die auf die Seligpreisungen auf dem Berg folgen. "Selig seid Ihr ..." sagt Jesus auf dem Berg zu der Menge. Und dann wendet Er sich an seine Jünger: "Ihr seid das Salz der Erde" und "Ihr seid das Licht der Welt" So spricht Jesus zu seinen Jüngern. Was meint Jesus damit?

"Ihr seid das Salz der Erde": Salz ist ein Gewürz. Wir fügen es in geringen Mengen unseren Speisen zu: und schon schmecken sie uns, sind genießbar. Und wir sagen ja gelegentlich mal, die Köchin oder der Koch seien verliebt, wenn zuviel Salz in der Suppe ist. Vielleicht ist das ein etwas volkstümlicher Zugang zu unserem Thema. Wer aus gesundheitlichen Gründen salzarm oder salzlos essen muss, der weiß, wie fad unser Essen ohne Salz sein kann.

Jesus vergleicht seine Jünger mit dem Salz: "Ihr seid das Salz der Erde." Was sollen also die Jünger als Salz tun? In gleichsam homöopathischen Dosen sollen sie in der Welt wirken, sie sollen als Wirk-Stoff in einer Gesellschaft gegenwärtig sein, die damals noch nicht christlich, aber auch noch nicht genügend jüdisch durchdrungen war. Die Jünger sollen die Botschaft des Gottes Abrahams, Jakobs und Isaaks, des Gottes Jesu Christi in ihre Welt tragen. Und weil das Salz in geringen Dosierungen wirkt, bedarf es keiner großer Heere, sondern die kleine Herde der Jünger kann in der Welt wirksam werden. Jesus ermutigt die wenigen, die Ihm folgen, sich auf den Weg zu machen.

Die Wirkungsgeschichte dieser Salzkörner spüren wir noch heute, auch wenn viele Menschen nicht mehr wissen, woher die Würze unseres Lebens stammt. Da kommen wir wieder ins Spiel.

"Ihr seid das Licht der Welt": Licht ist erkennbar, Licht leuchtet. Der Jünger soll erkennbar sein, wie die Stadt auf dem Berg, wie das Licht auf dem Leuchter. Licht unter dem Scheffel ist Schildbürger Streich. Licht braucht der Mensch, die Natur: zum Leben und Wachsen, um Leben in Fülle zu haben. Ebenso braucht die Welt die Jünger Jesu und ihr Wirken, um Leben in Fülle zu haben. Die guten Werke brauchen wir nicht zu verstecken, genauso wenig wie das Licht, weil sie hinweisen auf den Vater im Himmel, haben wir im Evangelium gehört.

"Erde" und "Welt", die Gesellschaft, unsere Gesellschaft, unsere eine Welt, brauchen den Jünger, die Botschaft Jesu und den Vater im Himmel. Die Jünger, Frauen und Männer, brauchen keine Sorge zu haben, sie seien zu wenige, um die Botschaft des angebrochenen Reiches Gottes zu verkünden. Sie wirken wie Salz in sparsamer Dosierung und leuchten wie Licht, das im Dunkeln nicht zu übersehen ist.

Und was der Inhalt der Botschaft ist, dass erfahren wir aus dem Korintherbrief.

2. Variation: Salz, Licht & Liebe: Was bedeuten diese Texte für uns als Christen?

Vielleicht kennen das einige von Euch auch: Ich beobachte mich manchmal dabei, dass ich in ein Jammern darüber gerate, dass unsere Gesellschaft sich ihrer christlichen Wurzeln nicht mehr bewusst ist, dass sie der Kirche gegenüber undankbar ist, die so viel beigetragen hat zu einer humanen Entwicklung Europas. Und überhaupt ...

Und dann bekomme ich von Euch Studierenden zugemutet, mich mit einem Text wie Mt 5,13-16 wieder einmal intensiver zu befassen. Da muss ich über mich selber schmunzeln. Jesus hat ganz klar gesehen, dass die Welt um ihn herum, keine jüdisch-fromm-heilige und heile Idylle war. Sonst hätte es vielleicht der Erlösung gar nicht bedurft.

Warum zerbreche ich, aber auch viele andere in der Kirche, uns den Kopf darüber, dass die Welt nicht so ist, wie wir meinen, dass sie sein solle. Stattdessen könnte ich mich damit "trösten" und auch damit meine Ansprüche relativieren, wenn ich die Sendung Jesu ernst nähme: "Ihr seid das Salz der Erde!" und "Ihr seid das Licht der Welt".

Dann brauchte ich nur das zu tun, was mir aus dem Glauben und der Botschaft Jesu aufgetragen ist. Dann würde ich mit meinem Handeln Würze in das Leben unserer Gesellschaft bringen und das Leben in der Welt ändern. Und die Kirche wäre dann erfahrbar als "Lumen gentium", als Licht der Völker, wie es im Zweiten Vatikanischen Konzil hieß.

Denn mein Tun, meine Erfolge, meine Glaubwürdigkeit könnten anderen den Weg zum Vater im Himmel weisen: einladend und überzeugend, einfach mitreißend.

Und was ich jetzt auf mich bezogen gesagt habe, darf und kann jede und jeder von Euch, der will, auch auf sich anwenden. Ich möchte da niemandem Grenzen ziehen, noch konkrete Rezepte anbieten..

Das wäre doch toll, wenn jeder von uns sich immer wieder einmal im KWK, in seiner Familie, in seinen Studien- und Arbeitsbeziehungen als "Salz der Erde" oder als "Licht der Welt" bewährte. Ich traue uns das zu, weil Jesus uns diese Qualität zugesprochen hat: Ihr seid das Salz der Erde, Ihr seid das Licht der Welt.

Die Kriterien für unser Handeln und Lassen finden wir in der Tradition des jüdischen Volkes als Summe: Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben und deinen Nächsten wie dich selbst.

Vielleicht tun wir uns mit diesem Auftrag Jesu so schwer, weil er so simpel zu sein scheint: Jesus verlangt von uns keine Wunder, keine geistlichen Höchstleistungen, sondern "einfaches Alltagschristentum", ohne Flimmer und Klamauk. Wir aber sind Kinder unserer Leistungsgesellschaft und haben verlernt, das Einfache einfach nur zu tun. Wir besuchen Events, lassen uns mitnehmen zu Veranstaltungen, aber was machen wir los, was veranstalten selbst? Denkt an Eure Schwierigkeiten, Mitarbeiter für die Vorbereitung von Festen zu finden, Teilnehmer fehlen meist selten.

3. Variation: Salz, Licht & Liebe: Was können diese Texte uns im KWK sagen?

Wir leben in dieser unserer konkreten Welt. Auch Ihr seid Salz für die Erde und Licht für die Welt. Das gilt für Euer privates Umfeld, das gilt für Euer Studium und Euer Berufsleben. Erwartet nicht, dass ich Euch jetzt Patentrezepte gebe, das mache ich nicht. Aber: Würzt mit Eurem Salz das Leben, aber versalzt es nicht Euch und den Anderen. Steckt Euer Licht auf, wo es dunkel ist, wo Wärme gesucht wird, aber leuchtet niemandem heim. Auch ein "schwaches Licht" leuchtet.

Und hört noch einmal genau hin: "Ihr seid das Salz der Erde" und "Ihr seid das Licht der Welt", so spricht Jesus. Er sagt "Ihr seid", nicht "Ihr müsst sein" und deshalb fällt alles weg, was nach Leistung, nach Druck, nach Moral und "Moralin" klingt. Ihr müsst nicht sein, sondern "Ihr seid". Und ich meine, dass bedeutet, dass Ihr und wir Wert haben, wertvoll sind in den Augen Jesu. Wenn Ihr in Beziehung zu Jesus bleibt, dann seid Ihr mit Ihm und durch Ihn Salz der Erde und Licht der Welt. Und dann sehen wir auf den Gipfel des Berges, schauen auf unser Ideal:

Die Liebe: die ist immer ungeschuldet, nicht einklagbar. Das Gespür dafür erfordert von mir und Euch "liebende Aufmerksamkeit".

Nun ein längerer Hinweis zum Text des 1. Korintherbriefes: Wenn wir uns den Kontext anschauen, dann gilt es zunächst festzuhalten: es war Krach in Korinth. Und weil es Krach in Korinth gab, sah sich Paulus veranlasst, diesen Hymnus auf die Liebe, das Hohe Lied der Liebe zu schreiben. Das Hohe Lied der Liebe sollte gleichsam die Folie sein, auf der die Gemeinde in Korinth ihr konkretes Leben reflektieren sollte, um sich dann zu ändern. Denn: es war Krach in Korinth. Aber das kennt Ihr im KWK ja nicht?!

Gleich zu Beginn unseres Textes aus dem 1. Korintherbrief macht Paulus auf etwas wichtiges aufmerksam:

LIEBE IST EIN WEG!

bulletNur dann, wenn ich mich auf den Weg mache, liebe ich und kann ich geliebt werden. Die Herausforderung bei dem Modell des Weges ist aber; es gibt vieles, dass ich zurücklassen muss, wenn ich auf dem Weg bin. Oder aber ich bleibe auf dem Weg stehen. Liebe ist für Paulus gleichsam das Strickmuster des Lebens.

Schauen wir uns näher an, wie Paulus das ausbuchstabiert:

LEBEN OHNE LIEBE

bulletGleich an den Anfang setzt Paulus eine ungeheure Provokation: alles, was einem normalen Menschen, gerade auch Studierenden und Akademikern, so wichtig ist: großartige Leistungen, intellektuelle Fähigkeiten, soziale Anerkennung. Das alles wäre nichts, wenn die Menschen, wenn der einzelne Mensch keine Liebe hätte. Aber, so werden einige von euch einwenden, Liebe, die hat doch ein jeder Mensch, wenigstens mehr oder weniger.

Schauen wir einmal näher hin, was Liebe positiv für Paulus bedeutet.

LEBEN MIT LIEBE

Hören wir nochmals den Text an: 1 Kor 13, 4-7

bulletIch meine schon, dass ist sehr konkret, vielleicht zu konkret, was der Paulus hier unter einem Leben in Liebe versteht. Und es sollte uns klar sein: diese Erwartungen treffen jeden von uns. Liebe ist nicht nur ein Schlagwort für Feiertage und Hoch-Zeiten, sondern Liebe ist auszubuchstabieren in der Gewöhnlichkeit und Alltäglichkeit des Lebens. Denn es war Krach in Korinth. Und da wird deutlich: es geht nicht um Liebe als eine Idylle, als eine heile Welt an einem Feiertag.

Schauen wir noch einmal genauer hin:

LEBEN MIT LIEBE

bulletDas bedeutet: langmütig sein, einen langen Mut füreinander aufbringen und diesen Mut immer neu einüben; nicht prahlen, nicht reizen, Böses nicht nachtragen ... kurzum, nicht den eigenen Vorteil suchen, sondern den des Nächsten. Einander mitnehmen auf den Weg der Liebe. Sich selbst mitnehmen lassen von anderen.

LEBEN MIT LIEBE

bulletDas bedeutet: alles dulden, alles glauben, alles hoffen, alles tragen. Liebe fordert auch Heroismus, gerade in ihrer Alltäglichkeit. Diese Liebe weiß um die Spannungen, in denen wir leben, in unserem persönlichen Alltag, in unseren Beziehungen: mit Freundinnen und untereinander, in unseren Familien und in unseren Gemeinschaften. Die Liebe flieht nicht vor den Schwierigkeiten, die Liebe bleibt unter den Schwierigkeiten. Die Liebe ist jene Kraft, die Ja-sagen lässt, obwohl alles so ausweglos scheint, obwohl der andere mich so unendlich enttäuscht hat, obwohl ich mir mit meinen Eigenarten oft im Wege stehe.

LEBEN MIT LIEBE

bulletdas bedeutet: Die Liebe hört niemals auf. Und darin, so scheint mir, liegt die größte Herausforderung für uns heutige Menschen. Wir leben in Beziehungen, die durch Verträge auf Gegenseitigkeit bestimmt sind: jeder hat Ansprüche an den anderen, hat ein Recht auf..., wir versichern uns gegen jede Unbill des Lebens. Wir kennen Lebensabschnittsbeziehungen, Treue auf Zeit, Beziehungen mit Verfallsdatum.

Das Modell der Liebe liegt da quer dazu: Liebe ist nicht einklagbar. Aber Liebe ist aufgegeben.

Und obwohl es auch bei uns "Krach in Korinth" gibt: Wir können uns der Liebe als Aufgabe stellen, weil wir als Christen ein Beispiel haben, ein Vorbild der Liebe.

Gott hat uns in Jesus Christus seine Liebe angeboten. Jesus Christus hat eine Liebe gelebt, die nicht den eigenen Vorteil sucht. Jesu Liebe trug alles: bis zum Tod und darüber hinaus.

Nur aus dem Glauben wissen wir, dass Liebe so bedingungslos lebbar ist. Nur in der Hoffnung leben wir, dass Jesu Liebe uns in unserer menschlichen Begrenztheit trägt.

Nur deshalb können wir uns miteinander auf den Weg der Liebe machen:

bulletDer Weg der Liebe, von dem wir wissen, dass er nicht einsehbar und übersehbar ist.
bulletDer Weg der Liebe, von dem wir wissen, dass wir ihn oft nicht weitergehen wollen.
bulletDer Weg der Liebe, von dem wir wissen, dass er von uns nur begrenzt gestaltbar ist.
bulletDer Weg der Liebe, von dem wir wissen, dass wir immer neue Erfahrungen auf ihm machen werden.

Ich bin mit meiner Predigt am Ziel des Weg angekommen: Salz, Licht & Liebe als drei Zutaten für Beziehungen aus christlichem Glauben, die sollt Ihr symbolisch mitnehmen am Ende dieser Feier.

Das Licht Die Kerze, das Symbol für Christus, heute in der Form der Teelichter. Ihr selbst habt sie an der Osterkerze entzündet. So werden sie zum Symbol für Christus. Nehmt sie mit in Eure Zimmer und die Gemeinschaftsräume im KWK.

Das Salz Die Würze, als Salz der Weisheit: so haben es früher einmal die Täuflinge in den Mund gelegt bekommen. Nehmt Euch einige Körner fürs gemeinsame Kochen im KWK mit.

Die Liebe Dafür ist jeder von uns selbst das Realsymbol. Pflegen wir diese Liebe, so wie wir auf unseren Körper achten. Auch wir als Symbol der Liebe brauchen Aufmerksamkeit und Fürsorge, schenken wir sie uns selbst und lassen sie uns schenken, auch im Zusammenleben im KWK.

Und dann machen wir uns auf den Weg, steigen den Berg hoher Ideale wieder hinab, um diese in kleinen Zeichen im Alltag zu verwirklichen. Hohe Ideale - kleine Zeichen: Auf dem Weg sein. Das ist mein Lebensmotto. Dieser Weg der Liebe ist für jeden von uns erst vollendet, wenn unsere Liebe aufgeht in der Liebe des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

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