Ich lobe meinen Gott, der aus der Tiefe mich holt
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Dr. Benno Kuppler


Jesuiten

Deutsche Provinz
der Jesuiten


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Freunde der Jesuiten e.V.

"Ich lobe meinen Gott, der aus der Tiefe mich holt" Fastenpredigten 2002 in St. Cäcilia, Germering-Harthaus am 16. Februar 2002

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Liebe Schwestern und Brüder im Glauben,

das werden meine Fastenpredigten in Ihrer Gemeinde nicht sein:

bulletMissionspredigten, um Ihnen ins Gewissen zu reden.
bulletmoralische Appelle, um Ihnen ein schlechtes Gewissen einzureden.
bulletasketische Rezepte, um Ihnen die Freude am Leben zu vermiesen.

Das wollen meine Fastenpredigten in Ihrer Gemeinde sein:

bulletEinladungen, liebevoll und einfühlsam zu sich selbst und den Menschen in Ihrem Umfeld zu sein
bulletEinladungen, achtsam Ihren Alltag wahrzunehmen
bulletEinladungen, Ihren eigenen Zeit-Raum, Lebens-Raum und Arbeits-Raum [wieder] zu entdecken und wertzuschätzen,
bulletdamit "ich" lebe.
bulletdamit "ich" handle.
bulletdass "ich" lache.
bulletdamit "ich" frei bin.
bulletdamit "ich" rede.
bulletdamit "ich" atme.

Haben Sie die kleinen Halbsätze wiedererkannt aus unserem Eingangslied "Ich lobe meinen Herrn"? In drei Strophen legt uns Hans-Jürgen Netz in seinem Lied [aus dem Jahre 1979] Lebensweisen, Lebensarten vor, die ich ersehne: damit ich lebe; damit ich frei bin; damit ich handle; damit ich rede; dass ich lache; damit ich atme.

"Damit" - dieses kleine Wörtchen macht mich darauf aufmerksam, dass ich vielleicht doch noch nicht lebe; noch nicht frei bin; noch nicht handle; noch nicht rede; noch nicht lache; noch nicht atme. Was hindert mich an diesen Lebensvollzügen? Was hindert mich, das Leben in vollen Zügen zu genießen? Hans-Jürgen Netz bietet mir Deutemuster an, die sehr offen sind und mich nicht festlegen in meiner eigenen Wahrnehmung. Er spricht von Tiefe, von Fesseln, von alten Wegen, vom Schweigen, von Tränen, von Angst.

In mir steigen dazu Bilder auf, die in diesen vierzig Tagen der österlichen Bußzeit aus dem Alten und Neuen Testament angeboten werden. Auch diese Bilder und Texte sind Deutungen menschlicher Grunderfahrungen, reflektieren auf dem Hintergrund des Glaubens an den lebendigen Gott Erfahrungen von konkreten Menschen in Raum und Zeit, in deren Zeit-Raum, Lebens-Raum und Arbeits-Raum.

Einige Bilder und Texte will ich benennen:

bulletDie Sintflut und Noach und die Arche[Gen 6, 9 - 7, 16]
bulletZacharias wird von seiner Taubheit erlöst[Lk 1, 57-80]
bulletJesus erscheint vierzig Tage hindurch nach Ostern seinen Jüngern [Apg 1, 3]
bulletMoses vierzig Tage auf dem Berg[Ex 24,18; 34,28]
bulletJesus ist vierzig Tage in der Wüste
bulletSaulus/Paulus ist blind in Damaskus[Apg 9, 1-22]
bulletVierzig Jahre in der Wüste[Num 14, 34]
bulletJesus heilt einen Besessenen, der stumm und blind war[Mt 12,22-37]
bulletPetrus in Ketten im Gefängnis[Apg 12, 6-19a]
bulletBoten kehren aus dem Verheißenen Land nach vierzig Tagen zurück[Num 13, 25]
bulletJesus heilt den Blinden[Joh 9,1-12]
bulletPaulus und Silas im Gefängnis[Apg, 16, 22-40]

Die Geschichte vom Jona im Bauch des Fisches, die ich als Lesung gewählt habe, ist auch eine solche theologische Reflexion. Für Jona scheint das Ende seiner Lebensflucht die Tiefe im Bauch des Fisches zu sein. Im Neuen Testament wird das Zeichen des Jona auf das Grab Jesu hin gedeutet: es gibt Auferstehung, es gibt Leben.

Für mein eigenes Leben kann ich die Begriffe "Tiefe", "Fesseln", "alte Wege", "Schweigen", "Tränen", "Angst" konkretisieren. Sie begegnen mir immer wieder in Phasen meines Lebens als Depression, als Sucht, als Kommunikationsabbruch, als Verletzung, als das "Unkontrollierbare", als Haltung zu mir und anderen Menschen, die sich nicht am Geglückten orientiert, sondern von zerstörerischen Trieben gesteuert wird. Da kann das Dunkel der Tiefe die "schlimme" Wirklichkeit einhüllen. Da helfen mir die Fesseln der Sucht, mir "blauen Dunst" vorzumachen. Da laden ausgetretene alte Wege zu scheinbar "bequemen" Leben ein. Da bedeutet Schweigen den "Tod" in der Beziehung zu einem Menschen, weil ich einen möglichen Konflikt mit ihm scheue. Da sind Tränen bitter, weil ich sie mich nicht weich machen lasse. Da wird Angst übermächtig, weil ich nicht hinschaue, ob mich wirklich etwas bedroht.

bulletWas Sie in Ihrem Leben mit den Begriffen
bullet"Tiefe"
bullet"alte Wege"
bullet"Tränen"
bullet"Fesseln"
bullet"Schweigen"
bullet"Angst"
bulletverbinden, werden Sie selbst in Ihrem Herzen "wissen"...

Als ich gestern Nachmittag gemeinsam mit einem Mitbruder jammerte, weil dies und das nicht so ist, wie er und ich es gerne hätten, sagte ein Student, der dabei stand: Ihr habt doch die Bibel und den Glauben, was jammert ihr da so herum. Warum fällt es mir leichter zu jammern, als zu loben?

"Ich lobe meine Gott", so singen wir zu Beginn jeder Strophe des Liedes.

Nur im wirklichen Leben habe ich das ritualisiert, dieses Lob Gottes, in Gebeten und Liedern, die aus mir sprechen, gleichsam automatisch, weil ich viele auswendig kenne. Meistens sind es die konkreten Bitten, die ich formuliere, die mich zu persönlichem Kontakt zu Gott bewegen, weil ich Hilfe brauche oder für jemanden bitte. Aber zu bekennen, "Ich lobe meine Gott", ist das nicht zu exaltiert, zu fromm, zu charismatisch, zu weltfremd für mich? Meine ich nicht doch ganz tief in meinem Herzen, dass ich das Entscheidende in meinem Leben leiste?!

Am Beginn der österlichen Bußzeit zu singen, "Ich lobe meine Gott", dass bedeutet für mich heute:

bulletIch überschaue diesen Zeit-Raum von vierzig Tagen.
bulletIch feiere bewusst den Weg Jesu nach Jerusalem, sein Leiden, seinen Tod und seine Auferstehung.
bulletDie Erlösung ist mir und allen Menschen, die sich darauf einlassen, geschenkt: ein für alle mal. Ich brauche keine spirituellen Hochleistungen zu erbringen.
bulletIch kann der durch Jesus erwirkten und geschenkten Erlösung nichts hinzufügen.

"Ich lobe meine Gott", der mein Heil gewirkt hat, wirkt und wirken wird. "Ich lobe meine Gott", der sein Heil für jeden Menschen gewirkt hat, wirkt und wirken wird.

Deshalb ist meine Fastenpredigt ...

bulletSeine Einladung, liebevoll und einfühlsam zu sich selbst und den Menschen in Ihrem Umfeld zu sein
bulletSeine Einladung, achtsam Ihren Alltag wahrzunehmen
bulletSeine Einladung, Ihren eigenen Zeit-Raum, Lebens-Raum und Arbeits-Raum [wieder] zu entdecken und wertzuschätzen,
bulletdamit "ich" lebe heute und morgen und alle Tage meines Lebens, Leben in Fülle.
bulletdamit "ich" frei bin von Süchten und Abhängigkeiten, von Selbstbezogenheit für das Du.
bulletdamit "ich" handle, wo ich dran bin, was mich angeht, in meine Verantwortung fällt.
bulletdamit "ich" rede von Gott und seiner Frohen Botschaft, seiner befreienden Wahrheit.
bulletdass "ich" lache auch über mich und weil das Leben Grund zur Freude bietet.
bulletdamit "ich" atme bewusst und tief und begeisternd.

"Ich lobe meine Gott". Das will ich mit Ihnen in der Kirche und in der Welt gemeinsam singen und vor allen Menschen bekennen: "Ehre sei Gott auf der Erde in allen Straßen und Häusern. Die Menschen werden singen, bis das Lied zum Himmel steigt: Ehre sei Gott und den Menschen Frieden, Ehre sei Gott und den Menschen Frieden, Ehre sei Gott und den Menschen Frieden, Frieden auf Erden." Amen.

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1 Ich lobe meinen Gott, der aus der Tiefe mich holt, damit ich lebe. Ich lobe meine Gott, der mir die Fesseln löst, damit ich frei bin.
bulletRefrain
2 Ich lobe meinen Gott, der mir den neuen Weg weist, damit ich handle. Ich lobe meinen Gott, der mir mein Schweigen bricht, damit ich rede.
bulletRefrain
3 Ich lobe meinen Gott, der meine Tränen trocknet, dass ich lache. Ich lobe meinen Gott, der meine Angst vertreibt, damit ich atme.
bulletRefrain
bulletRefrain
bulletEhre sei Gott auf der Erde in allen Straßen und Häusern. die Menschen werden singen, bis das Lied zum Himmel steigt: Ehre sei Gott und den Menschen Frieden, Ehre sei Gott und den Menschen Frieden, Ehre sei Gott und den Menschen Frieden, Frieden auf Erden
bulletDieser Text ist 1979 von Hans-Jürgen Netz geschrieben; geboren 1954 in Bredstedt, Nordfriesland, studierte Sozialpädagogik, 12 Jahre Kinder- und Jugendarbeit in der Düsseldorfer Thomaskirchengemeinde, seit 1973 Mitarbeit beim Deutschen Evangelischen Kirchentag, 1984 Geschäftsführer beim Evangelischen Jugendferienwerk Rheinland-Westfalen e. V., schreibt seit 1972 Texte für Neue Geistliche Lieder und für Kinderlieder.

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