Ich weiß, mein Löser lebt!
Der Tod bringt die Dinge ins Lot | Im Tod ist das Leben: Das Weizenkorn muß sterben | Der Tod: Ernstfall des Lebens | Ich weiß, mein Löser lebt! | Tod mitten im Leben | Tod am Berg als Aufbruch | Freitod als Herausforderung | lebensdaten-lebensgeschichte-glaubensgeschichte-heilsgeschichte | Todesanzeige unserer Mutter


„adiuvare animas“
den Seelen zu helfen

Home
Nach oben

P. Benno Kuppler SJ - ein Porträt

vorträge & workshops themen als pdf

Meine Mailadresse benno.kuppler[at]jesuiten.org ersetzen Sie [at] mit dem Mailzeichen

What's new powered by crawl-it

horizontal rule

"Ich weiß, mein Löser lebt!"
für J. H. am 28.10.1996

Lesung: Ijob 3, 1- 26

horizontal rule

Liebe C.,
liebe Verwandte und Freunde von J.,
Schwestern und Brüder im Herrn!

Am 18. Mai haben wir in der St. Pankratius-Kapelle in Wald-Erbach in großer Freude die Hochzeit von C. und J. gefeiert. Keiner konnte ahnen, dass wir uns nach fünf Monaten treffen müssten, um Abschied von J. zu nehmen. Ich glaube, dass niemand von uns Worte gefunden hat, als C. uns informierte, dass J. auf so tragische Weise gestorben ist. Ich jedenfalls fühlte mich ohnmächtig und elend. C. und ich haben viel telefoniert in diesen ersten Stunden nach dem Tod von J.. Und C. griff zur Bibel und blätterte und las und fand im Buch Ijob einen Text. Dieser Text, davon ist C. überzeugt, beschreibt das Lebensgefühl von J.. Der Text ist hart und doch zugleich menschlich. Er schildert einen Menschen, der mit Gott hadert und doch nicht von Gott loskommt. Es gehört Mut dazu, mit Gott zu hadern, ihm vorzuwerfen, dass er ein ferner Gott ist. Mehr Mut, als einfach Gott in Ruhe zu lassen und seine eigenen Wege zu gehen.

Das Buch Ijob kann uns helfen, mit dem Schmerz um den Tod von J. umzugehen, den vielen Fragen, die C. und mancher von uns angesichts des Todes von J. haben, eine zusätzliche Dimension zu geben: Ijob lebte nach menschlichen Kriterien unter erbärmlichen Verhältnissen. Er war von Krankheit und Elend gezeichnet. Und doch weiß er um die bergende Hand Gottes. "Ich weiß, mein Löser lebt!" Die junge christliche Gemeinde hat das Wort vom Löser auf den Erlöser Jesus Christus übertragen. Er lebt. Trotz Kreuz und Tod. Und das wollen wir miteinander in der Eucharistiefeier bekennen. Das wollen wir bekennen im Augenblick des Schmerzes, da wir Abschied nehmen müssen von J., wo von außen betrachtet, sein Leben zu Ende ist.

Unsere Trauer darf von der Zuversicht aufgehellt werden, die im Buch Ijob so ausgedrückt wird: "Ihn selber werde ich dann für mich schauen; meine Augen werden ihn sehen, nicht mehr fremd. Danach sehnt sich mein Herz in meiner Brust."

Diese Zuversicht kann uns der Glaube geben, ohne dass unser Schmerz einfach hin verschwindet, ohne dass sich C.s und unsere Fragen in Luft auflösen. Diese Hoffnung des christlichen Glaubens kommt für mich in dem Lied zum Ausdruck, dass wir eben gesungen haben: "Kündet allen in der Not: Fasset Mut und habt Vertrauen. Bald wird kommen unser Gott: herrlich werdet ihr ihn schauen. Allen Menschen wird zuteil Gottes Heil."

Wir haben dieses hoffnungsvolle Lied als Einstimmung in die Lesung gesungen. Wir werden es wieder singen in der Friedhofskapelle. Dieses Lied drückt für mich Hoffnung in der Verzweiflung, in der Trauer, im Schmerz aus: Es ist die Einladung an Dich, C., und an jeden von uns, aus Verzweiflung über den Tod von J. nicht selbst den Mut am Leben zu verlieren. Und J. hatte Freude am Leben, am Leben mit Dir, C..

Liebe C., liebe Angehörige! In diesem Moment der Trauer und des Schmerzes will ich noch einmal an die Lesung aus Hochzeitsliturgie erinnere. Das Hohe Lied der Liebe aus dem Korintherbrief hatten C. und J. ausgewählt, und ich habe vor wenigen Wochen dazu gesagt:

"Deshalb gilt es, zunächst den Zusammenhang des 1. Korintherbriefes anschauen, um zu verstehen, warum Paulus dieses Hohe Lied der Liebe schreibt. Der Anlass ist ein menschlicher, allzu menschlicher: es war Krach in Korinth ...

Und weil es Krach in Korinth gab, sah sich Paulus veranlasst, diesen Hymnus auf die Liebe, das Hohe Lied der Liebe zu schreiben. Das Hohe Lied der Liebe sollte gleichsam die Folie sein, der Hintergrund, auf der die Gemeinde in Korinth ihr konkretes Leben bedenken sollte, um sich dann zu ändern. Denn: es war Krach in Korinth ...

Nur dann, wenn ich mich auf den Weg mache, liebe ich und kann ich geliebt werden. Das Modell des Weges bedeutet aber eine Herausforderung. Liebe ist keine Sache, kein etwas, das ich - einmal in meinem Besitz - nie wieder verlieren kann. Liebe ist Bewegung. Es gibt vieles, dass ich zurücklassen muss, wenn ich auf dem Weg bin, weil es mich am gehen hindert, weil es schwer und sperrig ist. Oder aber ich bleibe auf dem Weg stehen. Liebe ist für Paulus gleichsam das Strickmuster des Lebens. Und so habt auch Ihr beide, C. und J., schon ein gutes Stück gemeinsamen Weges hinter Euch und hoffentlich noch einen langen gemeinsamen Weg vor Euch ...

Ich meine schon, dass ist sehr konkret, vielleicht zu konkret, was der Paulus hier unter einem Leben in Liebe versteht. Und es sollte uns klar sein: diese Erwartungen gehen jeden von uns ab. Liebe ist nicht nur ein Schlagwort für Feiertage und Hoch-Zeiten, wie an der Eurigen heute, C. und J.. Liebe ist auszubuchstabieren in der Gewöhnlichkeit und Alltäglichkeit des Lebens. Denn es war Krach in Korinth. Und auch im Zusammenleben zweier Menschen, in unseren Familien und Gemeinschaften, da gibt es Momente, wo es kracht, wie in Korinth. Und da wird deutlich: es geht nicht um Liebe als ein diffuses Glücksgefühl oder als eine Idylle oder als eine heile Welt für den Moment Eures Festtages ...

Auch wenn es bei Euch einmal Krach gibt wie in Korinth: C. und J., Ihr könnt Euch der Liebe als Aufgabe stellen, weil wir als Christen ein Beispiel haben, das Vorbild der Liebe, Jesus Christus. Gott hat uns in Jesus Christus seine Liebe bedingungslos angeboten. Jesus Christus hat eine Liebe gelebt, die nicht den eigenen Vorteil sucht. Jesu Liebe trug alles: bis in seinen Tod und darüber hinaus in die Herrlichkeit der Auferstehung. 

bulletDer Weg der Liebe, von dem Ihr wisst, dass er kein einsehbarer und übersehbarer Weg ist.
bulletDer Weg der Liebe, von dem Ihr wisst, dass Ihr ihn oft nicht weitergehen wollt, weil Euch Vertrauen und Hoffnung schwer fallen.
bulletDer Weg der Liebe, von dem Ihr wisst, dass Ihr ihn nur begrenzt gestalten könnt, weil Ihr nicht alleine auf dieser Welt lebt, sondern in einem Beziehungsgeflecht.
bulletDer Weg der Liebe, von dem Ihr wisst, dass Ihr immer neue Erfahrungen auf ihm machen werden.
bulletDer Weg der Liebe, von dem Ihr hofft, dass Ihr ihn dann vollendet haben werdet, wenn Eure Liebe aufgeht in der Liebe des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes."

Das Eure Liebe C. so früh vollendet sein würde, habe ich nicht erwartet, Du selbst am allerwenigstens. Hören wir deshalb noch einmal auf den Text des Liedes, das wir eben gesungen haben: 

Fasset Mut und habt Vertrauen

bulletOft ist es schwer oft im täglichen Leben nicht zu resignieren. Oft leiden unsere Beziehungen unter fehlendem oder schwachen Vertrauen. Das Lied ruft uns zu: Ihr schafft es, habt Mut und habt Vertrauen. Gott selbst ist mit euch. 

Gott naht sich mit neuer Huld

bulletWir brauchen an dem Scheitern in unserem Leben nicht zu verzweifeln. Unsere Schuld brauchen wir nicht in die Tiefen unserer Seele zu verdrängen. Gott will unsere Verstrickungen lösen. Gott will ewigen Frieden.

Gott wendet Not und Leid

bulletGanz gewiss, der Tod von J. wird als Schmerz, als Leid erfahren von Dir, C., aber auch von vielen von uns. Das Lied sagt uns: Gott tröstet die Getreuen. Er führt sie zum Mahl der Seligkeit. 

Beten wir miteinander in dieser Eucharistiefeier für J., dass er jetzt am himmlischen Gastmahl teilhat, während wir in der Eucharistie zeichenhaft das Mahl der Seligkeit feiern in der Hoffnung, einst mit J. und allen unseren Verstorben am himmlischen Gastmahl teilzuhaben. Amen.

horizontal rule

©1998- 2010 Pater Benno Kuppler SJ |werte-wirtschaft-weiterbildung.de|coaching & spiritual consulting | münchen|file last updated 2010-09-07| we-wi-we Impressum| wirtschaftsethik | predigten| we-wi-we @ktuelles| Mein Kurzporträt pdf-file| Optimale Darstellung IE [download]