Wer
war dieser Ignatius von Loyola?
Ignatianisches Jahr 1990-1991
Ignatius-Fest 1991 in San Pastore

Vom 27. September des letzten Jahres bis heute, am 31. Juli 1991 feiern die
Jesuiten in aller Welt das "Ignatianische Jahr". P. Peter-Hans
Kolvenbach SJ, unser Generaloberer schrieb in einem Brief an die Gesellschaft
Jesu: "Es ist mir eine große Freude, alle Mitglieder der Gesellschaft
einladen zu können, den 500. Geburtstag des Ignatius von Loyola und den 450.
Jahrestag der Gründung der Gesellschaft Jesu festlich zu begehen. Das
Jubiläumsjahr beginnt am 27. September 1990 in Erinnerung an den 27. September
1540, an dem Papst Paul III. die Gesellschaft Jesu anerkannt hat. Es endet am
31. Juli 1991, dem Tag im Jahr 1556, an dem Ignatius schließlich 'seinen Herrn
und Schöpfer' von Angesicht zu Angesicht sah [EB 5]."
Der heutige Todestag des Heiligen Ignatius sei uns Anlass, einige
Schlaglichter auf die Geschichte des Jesuitenordens und seines Gründers, des
heiligen Ignatius von Loyola zu werfen.
Wer war dieser Ignatius von Loyola?
Historiker nennen uns Daten und Fakten seines Lebens: 1491 wird Iñigo López
de Oñaz y Loyola auf Schloss Loyola in Azeiptia/Baskenland als jüngstes von
dreizehn Kindern geboren. 1517 steht er als "Ritter" im Dienste des
Königs von Navarra. Am Pfingstmontag des Jahres 1521 wird er bei der
Verteidigung von Pamplona verwundet. Es folgen Monate der Genesung auf Schloss
Loyola. Schon 1522 plant er eine Pilgerfahrt nach Jerusalem. Zunächst aber
pilgert er zum Kloster Montserrat bei Barcelona. Er lebt dann in Manresa. Erst
1523 erreicht er über Rom und Venedig das Ziel: Jerusalem, wo er aber nicht
bleiben kann. Daher beginnt er 1524 in Barcelona das Lateinstudium, um "den
Seelen zu helfen". 1526 - 1527 studiert Ignatius Philosophie in Alcalá de
Henares und Salamanca.
In dieser Zeit wird er von der "Heiligen Inquisition" überprüft,
weil er Menschen "Geistliche Übungen" gibt, ohne genügend studiert
zu haben. Ab 1528 setzt er im Sankt-Barbara-Kolleg der Sorbonne in Paris seine
Studien fort und schart die ersten Gefährten um sich: Peter Faber, Franz-Xaver,
Simon Rodriguez, Laínez, Salmerón und Bobadilla. Diesen ersten Gefährten gibt
er dreißigtägige Exerzitien. 1534 erwirbt er als "Ignatius de
Loyola" den Magistergrad in Philosophie.
Am 15. August 1534 legen diese Gefährten zusammen mit Ignatius in der Kirche
am Montmartre erste Gelübde ab: Armut, Keuschheit und nach Jerusalem zu reisen,
um die "Ungläubigen" zu bekehren. Falls diese Reise nicht möglich
sein sollte, wollen sie nach Rom gehen und den "Vicarius Christi" um
ihre Sendung bitten. Am 24. Juni 1537 wird Ignatius in Venedig zum Priester
geweiht. Die Reise nach Jerusalem kann wegen Kriegsgefahr nicht stattfinden und
so macht sich Ignatius zusammen mit Faber und Laínez auf den Weg nach Rom. Ab
1538 arbeiten die "reformierten Priester" in Rom und bieten Papst Paul
III. - entsprechend dem Gelübde vom Montmartre - ihre Dienste an.
1539 beginnen die "Beratungen der ersten Gefährten" über die
Gründung des Ordens und am 27. September 1540 wird durch die Bulle Papst Paul
III. "Regimini militantis Ecclesiae" die Gesellschaft Jesu bestätigt.
Ignatius und seine ersten Gefährten erhalten die ersten Sendungen: Simon
Rodriguez und Franz-Xaver gehen nach Indien, Peter Faber reist ins
reformatorische Deutschland. Ignatius arbeitet mit den verbliebenen und neuen
Gefährten an den Ordenssatzungen. 1548 approbiert Paul III. die "Exercitia
Spiritualia", die "Geistlichen Übungen" des Ignatius.
Ignatius steht mit seinen Mitbrüdern, Königen, Fürsten, Männern und
Frauen in Briefwechsel. Über siebentausend Briefe aus dieser Zeit sind
erhalten. 1550 wird das "Römische Kolleg", aus dem die Gregoriana
hervorging, und 1552 das "Collegium Germanicum" gegründet. Am frühen
Morgen des 31. Juli 1556 stirbt Ignatius von Loyola in Rom. Der irdische Weg des
Pilgers ist vollendet.
Wer ist dieser Ignatius von Loyola?
Geistliche Lehrer führen uns über Daten und Fakten hinaus in geistliche
Dimensionen seines Lebens ein. Ignatius strebte danach, das "Ideal des
Ritters" zu verwirklichen. Dazu zählte auch die Minne. Seine Verletzung in
Pamplona und das anschließende Krankenlager schenken ihm neue Erfahrungen: er
lernt aus der geistlichen Literatur seiner Zeit das "Leben Christi"
des Kartäusers Ludolph von Sachsen kennen. Er wird mit den heiligen
Ordensgründern Franz von Assisi und Dominikus vertraut. Der Weg des "Pilgers"
- so wird Ignatius sich in seiner Autobiographie später nennen - ist der Weg
der Umkehr.
Das weltliche Ideal des Ritters wandelt sich zum Ideal des geistlichen
Ritters: in der Muttergottes vom Montserrat findet er "seine Dame".
Und die geistlichen Erfahrungen des Ignatius in Manresa nehmen in den
"Geistlichen Übungen" Gestalt an, die 1548 die kirchliche Anerkennung
finden werden. Ignatius will als "Pilger" dem kreuztragenden Jesus
folgen.
Er bittet Maria um ihre Vermittlung. Immer wieder lässt er in seinen
"Geistlichen Übungen" den Exerzitanten Zwiegespräche führen:
"Zum Schluss ist ein Zwiegespräch zu halten: Überlegen, was ich
den drei göttlichen Personen oder dem menschgewordenen Ewigen Wort oder Unserer
Mutter und Herrin sagen soll; entsprechend dem, was jeder in sich spürt, bitten
darum, je mehr Unserem Herrn, der soeben Mensch geworden ist, nachzufolgen und
ihn nachzuahmen." [EB 109]
Und dabei erfährt Ignatius, dass seine Umkehr nicht ausschließlich eine
Sache des Kopfes, des Verstandes ist. Der ganze Mensch, mit allen seinen Sinnen
ist zur Begegnung mit Gott, seinem Schöpfer und Herrn, gerufen. So fordert er
immer wieder auf, der Exerzitant möge schmecken, riechen, fühlen, hören,
sehen, was Gott hier und heute von ihm will.
Der äußere Weg des Pilgers führt ihn und seine ersten Gefährten nicht
mehr nach Jerusalem, sondern nach Rom. Und wenige Kilometer vor Rom, in La
Storta, wird dem Pilger als geistliche Gnade eine Vision geschenkt, als Antwort
auf seine dreifachen Zwiegespräche. Seine Bitten, so sagt Ignatius, trug er
immer "Unserer Lieben Frau vor und durch sie ihrem Sohn, auf das der Ewige
Vater dem Bittenden durch ihre Fürsprache Erfüllung gewähre".
In der Überlieferung der Vision von La Storta lesen wir dann: "Ignatius
habe es geschienen, als ob er Christus mit dem Kreuz auf der Schulter sehe und
daneben den Ewigen Vater, der zu Ihm, Christus spricht: 'Ich will, dass du
diesen zu deinem Diener nimmst.' Und so nahm Jesus den Ignatius an und sprach: 'Ich
will, dass du uns dienst.' Und infolgedessen fasste Ignatius eine so große
Andacht zum Namen Jesu und wollte, dass die Gemeinschaft 'Gesellschaft Jesu'
genannt werde."
Wer ist dieser Ignatius von Loyola für mich?
Als wir uns im Kreis von Jesuiten dieser Frage stellten, waren wir alle
überrascht, dass dieser unser heiliger Ordensgründer als Person für uns ganz
hinter seinem geistlichen Vermächtnis, den "Geistlichen Übungen",
und seinem Werk, dem Jesuiten-Orden, zurücktritt. Ignatius ist kein Heiliger
zum Anfassen, kein Heiliger, der als Vorbild dieser oder jener Menschengruppe
dienen könnte.
Ignatius, der Pilger, eignet sich aber als Wegbegleiter, als geistlicher
Begleiter für jeden, der sich seiner eigenen Geschichte mit Gott stellen und
den "Willen Gottes in allem suchen" will. Und dieser "Ruf des
Königs" ist auch heute zu vernehmen: "Ich will, dass du uns
dienst." Da ist es nicht verwunderlich, dass wir das "Gebet der
Hingabe", das "Suscipe" der "Geistlichen Übungen" des
Ignatius auch im heutigen Gebetsschatz der Kirche finden.
Rechtzeitig zum Jubiläumsjahr wurden die "Camerette di San
Ignazio" im "Collegio Internazionale di Gesù" renoviert, in
denen Ignatius die Ordenssatzungen verfasste, seine Briefe an die Gefährten in
aller Welt schrieb, den Orden leitete und am 31. Juli 1556 sein Leben in die
Hände "seines Herrn und Schöpfers" zurücklegte: "ad maiorem
Die gloriam".

Wir wollen das Suscipe gemeinsam als Fürbittgebet sprechen.
[Gotteslob Nr. 5, 6]
