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"Im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes"
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| "Du musst ein Schwein sein in dieser Welt. Du musst gemein sein in dieser Welt. Denn willst du ehrlich durchs Leben gehn, krieg'st n' Arschtritt als Dankeschön." |
Und das soll dann das Leitthema auch für das Neue Jahr bleiben?!
Das Jahr 1999 zählt noch 352 Tage oder 8453 Stunden oder 507.180 Minuten. Eine Menge an Zeit, so will es scheinen. Eine Menge an Zeit für unser Leben: als einzelne, in unseren Beziehungen und Gemeinschaften. Eine Menge an Zeit für das Studieren und das Lehren. Eine Menge an Zeit für Arbeit und Freizeit. Eine Menge an Zeit für unser Fragen und Suchen. Eine Menge an Zeit für uns - eine kleine Weile aus der Perspektive Gottes.
Aber die alltäglichen Erfahrungen, unsere Erfahrungen, auch meine Erfahrungen, werden die von den Prinzen nicht doch trefflich ins Wort gesetzt: "Ich war immer freundlich, lieb und nett" - aber der Erfolg bleibt aus. Also werden Lebenshaltungen überdacht und korrigiert. "Darum ziehst du Konsequenzen und schaltest um auf schlecht". Denn, "Nur wer hart ist, laut und sich besäuft, kommt ... besser an." Das Verhältnis zum Mitmenschen ändert sich: "Und ist einer sanft und schwach, hör' 'mal, wie ich d'rüber lach'." Die Wahrnehmung der Welt gipfelt dann im Satz: "Die Welt ist ein Gerichtssaal und nur die Bösen kriegen Recht." Können da nicht viele von Euch sofort Beispiele nennen, aus dem Studium, den Familien und Gemeinschaften, den Gruppen und dem Beruf?!
Also scheint das Leitthema der Prinzen auch für 1999 gültig: "Du musst ein Schwein sein in dieser Welt. Du musst gemein sein in dieser Welt. Denn willst du ehrlich durchs Leben gehn, krieg'st n' Arschtritt als Dankeschön." Und das dann 507.180 Minuten lang?! Oder?!
"Im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes". So haben wir diesen Nürnberger Hochschulgottesdienst zum Neuen Jahr begonnen. Wir meinen also, alles was wir tun, unser Studium, unser Lehren und Arbeiten, unsere Beziehungen, unser Leben orientiert sich an Gott! Ist das nicht naiv, blauäugig, fromm, zu fromm?
Der Psalm 8 gibt uns den Rahmen für diese Orientierung, zeigt uns Hintergründe und Zusammenhänge auf: "Herr, unser Herrscher, wie gewaltig ist dein Name auf der ganzen Erde; über den Himmel breitest du deine Hoheit aus." "Seh' ich den Himmel, das Werk deiner Finger, Mond und Sterne, die du befestigt". Gott ist der Schöpfer unserer Welt. Wir brauchen also die Welt nicht neu zu erfinden, wir dürfen auf das bauen, was Gott begonnen hat. Mehr noch, auf die Frage, "Was ist der Mensch?", antwortet der Psalmist: "Du hast ihn nur wenig geringer gemacht als Gott, hast ihn mit Herrlichkeit und Ehre gekrönt. Du hast ihn als Herrscher eingesetzt über das Werk deiner Hände, hast ihm alles zu Füßen gelegt". "Alles" hat er uns zu Füßen gelegt, die gesamte Schöpfung. Ja, wir die Menschen, jeder von uns, darf und kann "in Gottes Namen" seine Aufgaben und Verrichtungen wahrnehmen. Wir dürfen und können und müssen weiterbauen an der Schöpfung, an Gottes Schöpfung. Jeder in seinem Lebensbereich, in seinen Lebensbezügen und Lebensnetzen in dieser unserer Welt.
"In Gottes Namen" darf ich also mein Studium ernsthaft und mit Freude betreiben, darf ernsthaft forschen und lehren "in Gottes Namen", darf mein Leben "in Gottes Namen" mit anderen teilen, darf es mir gut gehen lassen "in Gottes Namen", darf auch die Trauer und Angst meines Lebens "in Gottes Namen" annehmen.
"In Gottes Namen" darf ich alles, was ich tue und mache, lebe und liebe, streite und versöhne, träume und wache. "In Gottes Namen" gibt es für mich in dieser Welt keine Grenzen des Denkens, des Fühlens, des Schmeckens und des Riechens. Alle meine sieben Sinne darf ich "in Gottes Namen" gebrauchen und mich daran freuen.
Wenn ich mein Leben "in Gottes Namen" ernst nehme, brauche ich kein " Schwein sein in dieser Welt". Doch da beginnen dann meine und vielleicht auch Eure Schwierigkeiten. Will ich denn überhaupt mein Leben "in Gottes Namen" gestalten: gegen den vermuteten Zeitgeist, gegen alle negativen Erfahrungen, gegen Enttäuschungen und Scheitern?
Ist es da nicht wirklich einfacher, sich als Lebensmotto zu eigen zu machen: "Du musst ein Schwein sein in dieser Welt. Du musst gemein sein in dieser Welt. Denn willst du ehrlich durchs Leben gehn, krieg'st n' Arschtritt als Dankeschön."
Das Evangelium vom "Reichen Jüngling" zeigt uns die Schwierigkeiten auf, sein Leben "in Gottes Namen" zu gestalten, auch bei gutem Willen.
Drei verschiedene Textteile lassen sich in diesem Abschnitt unterscheiden:
| Eine Erzählung über die Begegnung Jesu mit einem reichen Jüngling, der sich dem Ruf in die Nachfolge entzieht wegen seines großen Besitzes. | |
| Ein Gespräch Jesu mit seinen Jüngern über den Reichtum als Hindernis für das Reich Gottes. | |
| Ein Wort Jesu über den Lohn der Armut in der Nachfolge Jesu. |
Dieser junge Mann will sich nicht rühmen, dass er von Jugend an die Gebote Gottes gehalten hat, er will über die Gebote hinaus mehr tun. Darin liegt eine Herausforderung an uns heute: Wir sind geneigt zu glauben, die Einhaltung von Geboten sei ausreichend, um unsere innere Haltung, um Überzeugungen auszudrücken. Jesu Antwort an den jungen Mann aber macht uns deutlich: die von allen Jüngern verlangte "Vollkommenheit" äußert sich in der Art der Erfüllung der Zehn Gebote. Die konkret geforderte Form in unserer Geschichte ist der Verzicht auf irdische Güter in der Nachfolge Jesu.
"Betrübt" geht der junge Mann fort, er fühlt sich dieser Forderung [noch?] nicht gewachsen, obwohl ihn Jesu anschaute und ihn mochte, ihn lieb hatte, wie es bei Markus heißt. Der ermutigende Blick Jesu konnte nicht erwidert werden: eine konkrete Berufungsgeschichte mit negativem Ausgang.
Jesus Gespräch mit seinen Jüngern zeigt die Schwierigkeit für einen Reichen auf, ins Reich Gottes zu kommen. Aber: Reichtum muss nicht unbedingt den Zutritt verwehren, auch wenn das kräftige Bild des Kamels und des Nadelöhrs diese Möglichkeit im Grunde auszuschließen scheint. Und dieses Wort führte bei den Jüngern, vielleicht auch bei uns [?!], zu einem heftigen Erschrecken und der Frage: "Wer kann dann noch gerettet werden?".
Jesu Antwort nimmt die alttestamentliche Erfahrung auf: nur von Gott her ist Aussicht auf Rettung auch für scheinbar unrettbare Menschen denkbar. Und jeder Mensch ist angesprochen von Gott und seiner Botschaft: auch Du und ich heute Abend.
Fühle ich mich selbst betroffen? Redet Jesus persönlich zu mir? Ist dies eine erbauliche Geschichte, die aber meine soziale Wirklichkeit nicht [mehr] trifft? Was sind innere Widerstände, die sich in mir regen beim Verkosten des Textes? Wie gehe ich mit den Widerständen um? Finde ich mein persönliches "Hintertürchen", um die Härte des Textes abzuschwächen? ...
Oder will ich doch lieber mit den Prinzen singen: "Du musst ein Schwein sein in dieser Welt. Du musst gemein sein in dieser Welt. Denn willst du ehrlich durchs Leben gehn, krieg'st n' Arschtritt als Dankeschön." Hier und heute das Leben in vollen Zügen genießen, ist dann nahe liegender, als sein Leben "in Gottes Namen" zu gestalten, oder?
Liebe Studierende, liebe Lehrenden, liebe Zweifelnde und Suchende, liebe Geschwister im Glauben!
"In Gottes Namen" sein Leben zu gestalten, muss von jedem von uns ausbuchstabiert werden für das eigene Leben. Da kann ich keine Rezepte verteilen. Aber ich will einige Punkt benennen, die zum Nachdenken einladen wollen:
| Gott als den Schöpfer unserer Welt anzuerkennen, hat eine große Entlastungsfunktion. Ich brauche die Welt und ihre Abläufe nicht neu erfinden, nicht alle Kausalitäten und Abhängigkeiten zu bedenken. Ich darf die Welt zunächst einmal nehmen wie sie ist. | |
| Da Gott mir und jedem von Euch "alles zu Füßen gelegt" hat und uns "als Herrscher über das Werk [s]einer Hände" eingesetzt hat, dürfen wir diese Welt in ihren Zusammenhängen und Gesetzen entdecken und weiter entwickeln, wir dürfen studieren und forschen und Neues entdecken in unserer Lebenswelt. Wir haben als Lebensinhalt "in Gottes Namen" eine kreative Aufgabe erhalten. | |
| Gott wiederholt sein Angebot an den Menschen, Mitgestalter dieser Welt zu werden, nicht abstrakt und exklusiv. Immer wieder spricht er jeden von uns durch Menschen, Situationen und Zeichen an, seine Einladung anzunehmen. In der religiösen Tradition nennen wir das "Berufung". Neben der Einladung an den reichen Jüngling berichtet uns die Bibel im Alten und Neuen Testament über zahlreiche Aufforderungen, sein Leben "in Gottes Namen" zu gestalten. Und immer wieder dürfen wir, darf jede und jeder, in aller Freiheit Ja oder Nein sagen zu diesem Anspruch Gottes, auch heute oder morgen, wenn sein Ruf an Dich oder mich ergeht. | |
| Was uns hindern kann, dem Anspruch Gottes zu entsprechen, mag verschiedene Ursachen haben. Der Reichtum, von dem unsere heutige Berufungsgeschichte spricht, kann in die Situation der Hochschulen so übersetzt werden: Wie gehe ich mit meiner Ausbildung um? Ausbildung als "human capital"? Wuchere ich nur zu meinen Profit, wo übernehme ich gesellschaftliche Verantwortung? Und dieser Fragen können sich Lehrende und Studierende stellen! Es geht um Solidarität im Lebensbereich Hochschule "in Gottes Namen". | |
| Sein Leben "in Gottes Namen" zu gestalten, bedeutet dann konkret und in der Fülle: meinen Alltag, meine Aufgaben, meine Beziehungen, alles, was mein Leben ausmacht, "sachgerecht und frei" zu gestalten. Dazu muss ich alle Wahlmöglichen meines Lebens in Gottes Gegenwart wiegen und wägen, um in allem Gottes Willen ganz zu tun. Das ist nicht immer leicht. |
Dann musst du kein Schwein sein in dieser Welt. Du musst nicht gemein sein in dieser Welt. Du kannst ehrlich durchs Leben gehen, auch wenn du gelegentlich einen Arschtritt als Dankeschön kriegst. Sei immer freundlich, lieb und nett. Denn wer hart ist, laut und sich besäuft, kommt nicht besser an. Darum ziehst du Konsequenzen und schaltest um auf gut. Die Welt ist nicht der Gerichtssaal, und nur scheinbar kriegen die Bösen Recht. Weil ich weiß, dass ich's mir leisten kann, stelle ich mich auch mal hinten an, "in Gottes Namen".
Und sollte ich es noch nicht "in Gottes Namen" tun können, kann ich es aus der Gesinnung des Humanismus versuchen, wie wir mit dem Gebet der Vereinten Nationen gesprochen haben:
"Herr, unsere Erde ist nur ein kleines Gestirn im großen Weltall. An uns liegt es, daraus einen Planeten zu machen, dessen Geschöpfe nicht von Kriegen gepeinigt werden, nicht von Hunger und Furcht gequält, nicht zerrissen in sinnlose Trennung nach Rasse, Hautfarbe oder Weltanschauung. Gib uns den Mut und die Voraussicht, schon heute mit diesen Werk zu beginnen, damit unserer Kinder und Kindeskinder einst mit Stolz den Namen Mensch tragen."
Ich wünsche Euch und Ihnen und uns gemeinsam "in Gottes Namen" ein erfülltes und beglückendes Jahr 1999. Amen.
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©1998- 2012 Pater Dr. Benno Kuppler SJ |werte-wirtschaft-weiterbildung.de|WirtschaftsSeelsorger | UnternehmerBerater | EthikErzähler | münchen|file last updated 2012-01-01| we-wi-we Impressum| wirtschaftsethik | predigten| we-wi-we @ktuelles| Mein Kurzporträt pdf-file| Optimale Darstellung IE [download] |