Johannes, der Gerufene in der Wüste
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Dr. Benno Kuppler

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Johannes, der Gerufene: Gott auch im Alter hören

Lesung: Lukas 3, 1-6 [im Altenheim]

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An diesem zweiten Adventsonntag stellt uns die Kirche die Person des Johannes vor. Im Lukas-Evangelium haben wir gehört, dass in einer genau bestimmbaren geschichtlichen Situation Johannes, der Sohn des Zacharias, sich in der Wüste aufhält. Dort, in die Wüste hinein ergeht der Ruf Gottes an ihn. Johannes zieht dann aus der Wüste in die Gegend des Jordan und verkündet, predigt überall: Lasst euch taufen, bekehrt euch, damit euch die Sünden vergeben werden. Lukas fügt an diese knappe Erzählung an, dass dieses Ereignis - der Ruf Gottes an Johannes - die Erfüllung einer alttestamentlichen Weissagung des Propheten Jesaja ist.

Der Inhalt dieser Verkündigung, nämlich die Aufforderung, sich zu bekehren, kam Ihnen bestimmt bekannt vor. Denn im Advent, der Zeit der Erwartung der Geburt Christi, stellt uns die Kirche Texte vor, in denen wir zur Besinnung über uns selbst aufgefordert werden.

Doch wie war das eigentlich mit Johannes?

Ein Mensch lebt in der Wüste, und Gott spricht ihn dort an.

Heiß das nun für uns, dass wir einen Ruf Gottes nicht hören können, weil wir ja nicht in der Wüste leben? Oder: Müssten wir fragen, was bedeutet "Wüste" für uns? Oder: Wo können wir das erleben, was an dieser Stelle mit Wüste gemeint ist?

Johannes hat sich aus seiner gewohnten Lebenswelt herausbegeben, er hat einen Ort ausgesucht, wo er offen, wo er empfindsam ist für einen Anruf Gottes.

Tun wir das gelegentlich auch? Verlassen wir manchmal auch unseren alltäglichen Lebensrhythmus? Legen wir Gewohnheiten von uns ab, um einmal offen zu sein, damit wir überhaupt auf einen Ruf Gottes hören können?

Denn der Lärm unseres Alltags, das Geschwätz untereinander, die Berieselung durch das Radio, das Sitzen vor dem Fernsehen machen uns unfähig, zu lauschen auf die Stimme Gottes. Die Stimme Gottes können wir nur hören, wenn wir still werden, wenn wir bewusst das Alltagsprogramm abschalten, um nach innen, in uns hinein zu horchen. Ganz selten nämlich ergeht der Ruf Gottes mit Pauken und Trompeten.

So hätten wir einen wesentlichen Punkt gefunden, den uns Lukas mit seinem Evangelium weitergeben will: Jeder Mensch kann in seiner konkreten Lebenssituation vom Ruf Gottes getroffen werden, vorausgesetzt, er macht sich dazu bereit.

Sie werden fragen, wo habe ich denn heute noch einen Ruf Gottes zu erwarten. Ich bin alt, vielleicht sogar sehr krank und dann habe ich mit mir und dem Leben bereits ein Stück weit abgeschlossen.

Gerade aber im Alter sollten wir nachdenken, ob wir nicht unser ganzes Leben, die vielen langen Jahre in den Heilsplan Gottes einzuordnen haben, - nachdenken, wieweit wir sehen müssen, dass auch das Alter zu unserem Leben dazugehört, dass Gott uns auch im Alter nicht abschreibt.

Um das zu erfahren, müssen wir ruhig werden, müssen wir uns in die Einsamkeit, in die Stille, in die Wüste unseres Herzens begeben. Dort können wir dann den Anruf Gottes in unserem Alter vernehmen.

Dann wird auch die Botschaft deutlicher, die wir ebenso wie Johannes später am Jordan heute in unseren Zimmern, auf unserer Station, bei unseren Zimmerbewohnern und Besuchern zu verkündigen haben:

bulletWir müssen den anderen mitteilen, dass uns Gott begegnet ist, als wir Trost, Freude in unserem Leben erfahren haben und dass uns Gott begegnet ist, als wir das Leid, die Krankheit, aus der Hand Gottes angenommen haben und wenn wir es immer wieder neu annehmen.
bulletWir müssen dann den Weg des Herrn bereiten, indem wir anderen unseren Weg zum Herrn zeigen, ihnen helfen, ihren Weg eigenen zum Herrn zu finden.
bulletWir müssen die Schluchten ausfüllen, indem wir aufeinander zugehen, vielleicht auch auf unsere Kinder und Angehörigen, und miteinander sprechen und uns die Hand zur Versöhnung reichen, statt Gräben aus Neid und Zwietracht zu ziehen und offen zu halten.
bulletWir müssen Berge und Hügel abtragen, die wir mit unseren Vorurteilen den Mitmenschen gegenüber aufgetürmt haben, indem wir füreinander Verständnis und Nachsicht zeigen.

Dann werden wir erfahren, wie Johannes, der aus seiner Wüste heraus zum Prediger berufen wurde, dass wir selbst zuerst bereit sein müssen und daraufhin erst den Nächsten auffordern dürfen, sich auch zu bereiten.

Und wenn wir uns alle so bereitet haben, werden wir das Heil Gottes schauen: nämlich Frieden zwischen den Menschen, tiefes Verstehen und inneres Glück.

So wünsche ich Ihnen, dass sie den Anruf Gottes in diesen Tagen des Advents hören und sein Heil schauen, dass uns in Jesus Christus in der Weihnacht, der Heiligen Nacht geschenkt wird. Amen.

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