Kritik an der Wohlstandsgesellschaft
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Dr. Benno Kuppler

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Kritik an der Wohlstandsgesellschaft

Lesungen: Amos 6, 1a.4.7; Lk 16,19-31
[Skizze]

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Geistliches Vollkornbrot an diesem Sonntag, keine Torte oder Mehlspeise, von der jeder gern ein zweites Mal nachnimmt

AMOS: 

bulletein Prophet mit einem anständigen Beruf, unabhängig von irgendwelchen Mäzenen, der nicht nach Wohlgefallen wohlklingende Prophezeiungen mundgerecht anbietet, weil er jemanden nach dem Munde reden müsste. Er ist nicht arm, gehört zur besitzenden Klasse. Umso härter seine Kritik an der Wohlstandsgesellschaft des 8. Jahrhunderts: Ihr, die Besitzenden seid selbstsicher, wohlgefällig, lebt in Saus und Braus, aber ihr sorgt euch nicht um den "Untergang Josefs": und damit stößt Amos auf den Nerv dieser Klasse: die Kleinen, die da unten werden weiter getreten, entrechtet; die soziale Oberschicht hat ihre eigene Lobby, auch in der Rechtsprechung, und das Haus Josef: das sind die Armen, die Fremden, die Waisen, die Witwen, kurz: die Armen, die keine Lobby in den sozialen Strukturen der damaligen Gesellschaft haben, die deshalb im Elend bleiben, unterdrückt, ausgebeutet, rechtlich benachteiligt. Und Amos droht der sozialen Oberschicht das Gericht Gottes an: ihr werdet verbannt!

LUKAS: 

bulletder Evangelist der Armen greift diese prophetische Tradition in seinem Evangelium auf; mehr als alle anderen Evangelisten thematisiert er "arm und reich", "Besitz und Besitzlosigkeit", so auch im heutigen Sonntagsevangelium. Seine Gegner sind die Pharisäer, die Sadduzäer, die religiös herrschenden Klassen seiner Zeit. Ihre Lehre ist einfach, wohlschmeckend, gleichsam Balsam für die, die Besitz haben: Wer Besitz hat, ist von Gott gesegnet! Die Armen sind von Gott gestraft! So einfach ist das. Wer wollte da, koste es, was es wolle, nicht reich sein.

Dagegen setzt Lukas diese Gleichnisrede Jesu: Der Reiche hat in dieser Welt schon seinen Lohn empfangen. Der Arme dagegen hält Mahl mit Abraham. Und eine Vermittlung gibt es da nicht.

Was bedeutet das für uns? Müssen wir uns nun allen Besitzes entledigen, um arm zu sein? Wo finden wir dann die Reichen, die uns etwas von ihrem Tisch zu essen geben?

- Aber: so einfach ist das nicht! Weder Amos noch Lukas verwerfen Besitz und Reichtum an sich. Besitz und Reichtum sind wertneutral. Erst unsere Beziehung dazu verwandeln Reichtum und Besitz zu einem Gut oder Übel, zu einem moralisch qualifizierbaren Sachverhalt.

- Ein Blick in die Geschichte der Spiritualität kann uns das zeigen. IGNATIUS von LOYOLA formuliert zu Beginn seiner Geistlichen Übungen, im Fundament und Prinzip:

bulletDer Mensch ist geschaffen dazu hin, Gott Unseren Herrn zu loben, Ihm Ehrfurcht zu erweisen und ihm zu dienen, und damit seine Seele zu retten. ...Darum ist es notwendig, uns allen geschaffenen Dingen gegenüber gleichmütig [indifferent] zu verhalten in allem, was der Freiheit unseres freien Willens überlassen und nicht verboten ist. Auf diese Weise sollen wir von unserer Seite ... Reichtum nicht mehr als Armut verlangen. Einzig das sollen wir ersehnen und erwählen, was uns mehr [MAGIS] zum Ziele hinführt, auf das hin wir geschaffen sind.

In der Zweiten Woche der Geistlichen Übungen legt Ignatius dem Exerzitanten - und das kann jeder von uns sein - folgende Betrachtung vor: drei Menschengruppen haben jede zehntausend Dukaten erworben, aber nicht rein und vorschriftsmäßig aus Liebe zu Gott; und alle wollen sich retten und den Frieden mit Gott suchen.

Dann soll der Exerzitant sich prüfen, welche Haltung er einnehmen will.

Drei Modelle bietet Ignatius an:

bulletMenschengruppe hat soviel Anhänglichkeit, dass sie nicht die Mittel anwendet, sich zu trennen, bis zur Stunde des Todes.
bulletMenschengruppe will von der Anhänglichkeit lassen, sucht aber nach Lösungen, um im Besitz des Geldes zu bleiben.
bulletMenschengruppe will von der Anhänglichkeit lassen, ist aber indifferent, ob sie den Besitz behalten oder abgeben soll und sucht den Willen Gottes zu finden.

Und Ignatius beschließt diese Betrachtungen mit der Bemerkung: Es ist zu bemerken, dass wenn wir eine Abneigung oder ein Widerstreben gegen die aktuelle Armut verspüren oder wir nicht indifferent gegen Armut oder Reichtum sind, es zum Auslöschen einer solchen ungeordneten Anhänglichkeit sehr nützlich ist, in den Zweigesprächen darum zu bitten, der Herr möge einen zur aktuellen Armut auserwählen; und man wünsche, erbitte und erflehe es, wenn es nur zum Dienst und Lob seiner Göttlichen Güte gereiche.

Erbitten wir von Gott die Gnade, unsere Anhänglichkeiten zu erkennen und uns dort von ihnen zu lösen, wo Er es von uns erwartet. Das schenkt uns dann jene innere Freiheit gegenüber allem Besitz, der uns fähig macht, zu geben und zu empfangen.

Lassen wir uns auch heute von Abraham sagen: "Sie haben Mose und die Propheten, auf die sollen sie hören."

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Zwischengesang:  

bulletMagnifikat-Lied [GL 261,1-3]

Fürbitten:  

bulletum sozial-caritative Gesinnung [GL 29,3]

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