Liebe ist ein Weg
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Dr. Benno Kuppler

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"Liebe ist ein Weg"
Festpredigt zum Stiftungsfest 1990
der
KDStV Churpfalz im CV zu Mannheim

Lesung: 1 Kor 12, 27 - 13, 13

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Liebe Bundesbrüder, liebe Schwestern und Brüder im Glauben!

Es ist eine Eigenart von mir, dass ich bei Gottesdiensten die Beteiligten die Texte für die Lesung und das Evangelium selbst aussuchen lasse. So wurde aus Eurer Mitte das Hohe Lied der Liebe ausgesucht. Dazu möchte ich Euch einige Gedanken vortragen.

Wenn wir uns den Kontext des 1. Korintherbriefes anschauen, dann gilt es zunächst festzuhalten: es war Krach in Korinth. Und weil es Krach in Korinth gab, sah sich Paulus veranlasst, diesen Hymnus auf die Liebe, das Hohe Lied der Liebe zu schreiben. Das Hohe Lied der Liebe sollte gleichsam die Folie sein, auf der die Gemeinde in Korinth ihr konkretes Leben reflektieren sollte, um sich dann zu ändern. Denn: es war Krach in Korinth.

Gleich zu Beginn macht Paulus auf etwas wichtiges aufmerksam:

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LIEBE IST EIN WEG!

Nur dann, wenn ich mich auf den Weg mache, liebe ich und kann ich geliebt werden. Die Herausforderung bei dem Modell des Weges ist aber: es gibt vieles, dass ich zurücklassen muss, wenn ich auf dem Weg bin. Oder aber ich bleibe auf dem Weg stehen. Liebe ist für Paulus gleichsam das Strickmuster des Lebens.

Schauen wir uns näher an, wie Paulus das ausbuchstabiert:

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LEBEN OHNE LIEBE

Gleich an den Anfang setzt Paulus eine ungeheure Provokation: alles, was einem normalen Menschen, gerade auch uns als CV-ern und Akademikern, so wichtig ist: großartige Leistungen, intellektuelle Fähigkeiten, soziale Anerkennung, Hilfsbereitschaft: das alles wäre nichts, wenn die Menschen, wenn der einzelne Mensch keine Liebe hätte. Aber, so werden einige von euch einwenden, Liebe, die hat doch ein jeder Mensch, wenigstens mehr oder weniger.

Schauen wir einmal näher hin, was Liebe positiv für Paulus bedeutet.

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LEBEN MIT LIEBE

Hören wir nochmals den Text an: 1 Kor 13, 4-7

Ich meine schon, dass ist sehr konkret, vielleicht zu konkret, was der Paulus hier unter einem Leben in Liebe versteht. Und es sollte uns klar sein: diese Erwartungen treffen jeden von uns. Liebe ist nicht nur ein Schlagwort für Feiertage, sondern Liebe ist auszubuchstabieren in der Gewöhnlichkeit und Alltäglichkeit des Lebens. Denn es war Krach in Korinth. Und da wird deutlich: es geht nicht um Liebe als eine Idylle, als eine heile Welt an einem Feiertag.

Schauen wir noch einmal genauer hin:

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LEBEN MIT LIEBE

Das bedeutet: langmütig sein: einen langen Mut füreinander aufbringen und diesen Mut immer neu einüben; nicht prahlen, nicht reizen, Böses nicht nachtragen ... kurzum: nicht den eigenen Vorteil suchen, sondern den des Nächsten. Einander mitnehmen auf den Weg der Liebe: sich selbst mitnehmen lassen von anderen. Und das meint "Bundesbrüderlichkeit", das ist eine zentrale Aufgabe unserer Verbindung.

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LEBEN MIT LIEBE

Das bedeutet: alles dulden, alles glauben, alles hoffen, alles tragen. Liebe fordert auch Heroismus, gerade in ihrer Alltäglichkeit. Diese Liebe weiß um die Spannungen, in denen wir leben: in unserem persönlichen Alltag, in unseren Beziehungen: mit Freundinnen und untereinander, in unseren Familien und in der Verbindung: Die Liebe flieht nicht vor den Schwierigkeiten, die Liebe bleibt unter den Schwierigkeiten. Die Liebe ist jene Kraft, die Ja-sagen lässt, obwohl alles so ausweglos scheint, obwohl der andere mich so unendlich enttäuscht hat, obwohl ich mir mit meinen Eigenarten oft im Wege stehe.

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LEBEN MIT LIEBE

das bedeutet: Die Liebe hört niemals auf. Und darin, so scheint mir, liegt die größte Herausforderung für uns heutige Menschen. Wir leben in Beziehungen, die durch Verträge auf Gegenseitigkeit bestimmt sind: jeder hat Ansprüche an den anderen, hat ein Recht auf..., wir versichern uns gegen jede Unbill des Lebens.

Das Modell der Liebe liegt da quer dazu: Liebe ist nicht einklagbar. Aber Liebe ist aufgegeben.

Und obwohl es auch bei uns "Krach in Korinth" gibt: Wir können uns der Liebe als Aufgabe stellen, weil wir als Christen ein Beispiel haben, ein Vorbild der Liebe.

Gott hat uns in Jesus Christus seine Liebe angeboten. Jesus Christus hat eine Liebe gelebt, die nicht den eigenen Vorteil sucht. Das macht uns das Evangelium aus der Bergpredigt deutlich.

Jesu Liebe trug alles: bis zum Tod und darüber hinaus.

Nur aus dem Glauben wissen wir, dass Liebe so bedingungslos lebbar ist. Nur in der Hoffnung leben wir, dass Jesu Liebe uns in unserer menschlichen Begrenztheit trägt.

Nur deshalb können wir uns miteinander auf den Weg der Liebe machen:

bulletDer Weg der Liebe, von dem wir wissen, dass er nicht einsehbar und übersehbar ist.
bulletDer Weg der Liebe, von dem wir wissen, dass wir ihn oft nicht weitergehen wollen.
bulletDer Weg der Liebe, von dem wir wissen, dass er von uns nur begrenzt gestaltbar ist.
bulletDer Weg der Liebe, von dem wir wissen, dass wir immer neue Erfahrungen auf ihm machen werden.
bulletDer Weg der Liebe, von dem wir wissen, dass wir ihn erst dann vollendet haben werden, wenn unsere Liebe aufgeht in der Liebe des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

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