Vom Sinn der Kräutersträuße
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Dr. Benno Kuppler

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Vom Sinn der Kräutersträuße
Fest der leiblichen Aufnahme Mariens in den Himmel, oder
Mariä Himmelfahrt, oder Hoher Frauentag

Stichworte

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Hochfest

seit dem 5. Jahrhundert: Tag an dem Maria entschlafen ist; die fromme Legende erzählt von der Trauer der Jünger und der Erscheinen des erhöhten Christus; erst 1950 als Dogma kirchenamtlich verkündet; aber in der Volksfrömmigkeit schon jahrhundertlang lebendig; Brauchtum: Blumen- und Kräutersträuße: 77 verschiedene Kräuter- und Heilpflanzen.

Sinn der Kräutersträuße:

die Fülle und Schönheit der Natur als Schöpfung Gottes wird gespiegelt in der Fülle und Schönheit der Gnade, der liebenden Zuwendung Gottes - zu Maria und zu jedem von uns. Deshalb auch die Segnung der mitgebrachten Kräuterwische.

bulletSegen für Hof, Keller und Küche, Mensch und Vieh:
bulletSegen - ein anderes Wort für Gnade, die Gott uns schenkt, wenn wir uns ihm öffnen.

DAS BILD MARIENS:

MARIA in der Geheimen Offenbarung [Off 11, 19a; 12, 1.3-6a.10ab]:

die Frau mit den Sternen, den Mond zu ihren Füssen und die Sonne über ihrem Haupt. Die Frau, die Leben gebiert und dabei bedroht wird von der Schlange. Nicht die unnahbare Frau, sondern jene Frau aus dem Volk, der die Geburt Schmerzen bereitet wie jeder Mutter und die doch nach der gesunden Geburt nur noch das Glück empfindet.

bulletaber die Bedrohung bleibt:

das Kind wird in Sicherheit gebracht, die Frau findet einen sicheren Platz in der Wüste. Wüste als der Ort der Gottesbegegnung wie der Berg: Moses, Johannes, Jesus: Ort der Begegnung mit Gott, aber auch Ort der Verführung.

bulletMARIA: nicht als eine jenseitige Figur, eine Göttin aus einer anderen Welt, sondern eine Frau, die die Fülle des Lebens verkörpert: Körper und Seele, anpassbar, begreifbar.
bulletMARIA: deren Nähe die Menschen durch die Jahrhunderte gesucht haben; die Mutter, die Sicherheit und Geborgenheit vermittelt: die Schutzmantel-Madonna.
bulletMARIA: nicht die süßer und sentimentaler Darstellungen, sondern
bulletdie GOTTESGEBÄRERIN, die Jesus an ihrer Brust stillt;
bulletdie PIETAS, die über den toten Sohn weint;
bulletdie KÖNIGIN DER APOSTEL, die mit diesen im Gebet vereint auf den Geist harrt.

MARIA heute für uns:

jeder hat sein eigenes Bild der Gottesmutter; geprägt von eigenen Erfahrungen und Erlebnissen; Marien-Wallfahrten als Ausdruck tiefer Sehnsucht nach einem Glauben, der alle unsere Lebenserfahrungen - Freud und Leid, Hoffnung und Aussichtslosigkeit - umschließt;

MARIA im heutigen Evangelium[Lk 1, 39-56]:

die kleine, unbedeutende, namenlose Jüdin Mirjam wird von Elisabeth als "Mutter meines Herrn" betitelt; Maria als Mittlerin zwischen Gott und dem Menschen; Maria, voll der Gnade, als Zeichen des Heils für uns Menschen;

MARIA zeigt uns, dass Gott die Hackordnung der Welt auf den Kopf stellen kann: die Kleinen, die Niedrigen werden erhoben. Maria als Zeichen der Hoffnung für uns, dass Gott andere Maßstäbe an uns legt, die menschengerechter sind, als die Maßstäbe von Erfolg und Leistung, die in der Welt gelten.

MARIÄ HIMMELFAHRT in der zweiten Lesung:

jeder von uns soll und kann sich der Erfahrung öffnen: er wird von Gott in sein Reich aufgenommen: wenn er es Gott zutraut.

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