Meister, welches ist das größte Gebot?
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Dr. Benno Kuppler

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"Meister, welches Gebot ist das größte im Gesetz?"
Eine Trauansprache

Lesungen: Kolosser 3, 12-17; Jakobus 1,19b-25; 2,14-17.24; 3,1-3; Matthäus 22, 34-40

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"Meister, welches Gebot ist das größte im Gesetz?"

Ob das nur die Frage des Gesetzeslehrers war, dazu noch gestellt mit Hinterlist? Oder ist es gar nur die Frage von Andrea und Matthias, die dieses Evangelium und die Lesungen für die Brautmesse ausgesucht haben? Oder ist die Frage nicht die Frage vieler guten Christen, weil sie "es" halt wissen möchten? Oder ist es vielleicht meine eigene Frage, Ihre eigene Frage an den Meister? Und warum?

"Meister, welches Gebot ist das größte im Gesetz?"

Fragen Sie sich nicht auch oft, liebe Mitchristen, was gerade hier und heute für mich zu tun geboten ist? Wollen Sie nicht auch wissen, was wir tun müssen? Der heilige Augustinus, dessen Fest wir vor zwei Tagen feierten, hat eine Antwort auf unsere Frage gefunden: Liebe, und tu' was Du willst. Und die Antwort Jesu an den Schriftgelehrten: Du sollst den Herrn, deinen Gott lieben ... das ist das erste und größte Gebot, aber das zweite ist ihm gleich: Du sollst deinen Nächsten lieben, wie dich selbst.

"Meister, welches Gebot ist das größte im Gesetz?"

Die Antwort Jesu auf die Frage des Schriftgelehrten ist klar: Gottes-Liebe, Nächsten-Liebe und Eigen-Liebe. Ist uns selbst diese Antwort auch klar? Haben wir sein Wort richtig gehört?

Wenn ich unter unserer Hochzeitsgemeinde jetzt eine schriftliche Abstimmung machte, würde sicherlich eine große Mehrheit, wenn nicht gar alle mir zustimmen: Ich glaube, dass die Gottes-Liebe, die Nächsten-Liebe und die Eigenliebe das größte Gebot ist. Und wenn ich eine zweite Frage stellte: wie verwirkliche ich dieses drei-fach ein-fache Gebot? Dann würde ich nicht eine einzige Antwort erwarten, die Antworten wären vielfältig, vielleicht sogar auf den ersten Blick gegensätzlich.

"Meister, welches Gebot ist das größte im Gesetz?"

Und diese Erfahrung haben bereits in der jungen Gemeinde in Jerusalem der Apostel Jakobus und der Apostel Paulus in Kolossä gemacht. Das Wort Gottes hören und glaubend leben: diese Spannung zwischen Glauben und Werken, zwischen geistiger Einsicht und praktischer Umsetzung des gehörten Wortes Gottes durchzieht die Geschichte unserer Kirche bis in diese Stunde. Und so versuchten Paulus und Jakobus auszubuchstabieren, was es bedeutet: Gott lieben und den Nächsten, wie sich selbst. Paulus und Jakobus nehmen die Frage nach dem größten Gebot so ernst, wie wir sie vielleicht nicht einmal gestellt haben.

"Meister, welches Gebot ist das größte im Gesetz?"

Sicherlich ist das größte Gebot das Gebot der Liebe. Und dann buchstabiert es Paulus für uns: Legt die Liebe an, sie ist das Band der Vollkommenheit. Das bedeutet: ertragt einander und verzeiht einander; habt herzliches Erbarmen, Güte, Demut, Sanftmut und Geduld.

Aber: diese Tugenden, die nicht nur Andrea und Matthias in ihrer Ehe leben sollen, sondern die jeder von uns im Zusammenleben üben sollte, diese Tugenden werden nur dann zu inneren Haltungen bei uns, wenn das Wort Christi reichlich in uns wohnt; wenn wir einander belehren und ermahnen, und keiner den Anspruch erhebt, er alleine sei im Besitz der Wahrheit. Und erinnern wir uns an das drei-fach ein-fache Gebot: Gott lieben, den Nächsten lieben, sich selbst lieben. Überlege jeder einmal für sich: wann habe ich zum letzten Male zu mir selbst gesagt; Ich mag mich, so wie ich bin: mit meinen starken und guten Seiten, und trotz und mit meinen schwachen und bösen Seiten.

"Meister, welches Gebot ist das größte im Gesetz?"

Während Paulus die Antwort aus der hellenistisch-jüdischen Tradition formuliert, setzt sich Jakobus mit einer Haltung aus dem jüdischen Raum auseinander: jener Form der Gesetzestreue, die sich durch blindes Befolgen von Gesetzen ohne innere Zustimmung auszeichnete. Und ich meine, diese Form des Legalismus lebe auch in unserer Zeit noch.

Jakobus buchstabiert das Liebes-Gebot für uns so: erfüllt die Gerechtigkeit Gottes, jene liebevolle Zuwendung Gottes zu uns Menschen in seinem Sohn Jesus Christus. Und dadurch wird uns jene Freiheit von der Ichsucht geschenkt, die uns fähig macht, den Nächsten zu lieben, wie uns selbst. Wir müssen dann lernen, aufeinander zu hören, nicht im Zorn zu urteilen. Aber wir werden auch gleich gewarnt: hinhören kann auch Selbsttäuschung sein, wenn wir nur hinhören, wie wir in den Spiegel schauen: flüchtig, ohne dem anderen zu begegnen. Deshalb sollen wir im Reden abwartend, langsam, zurückhaltend sein, damit das Gehörte in uns einsinken, in uns wirken kann. Und wieder werden uns Regeln angeboten, die unser Gemeinschaftsleben immer mehr auszurichten vermögen an dem drei-fach ein-fachen Gebot der Gottes-, Nächsten- und Eigen-liebe.

Überlege jeder einmal für sich: wann habe ich zum letzten Male zu einem anderen Menschen gesagt: ich mag dich so, wie du bist: mit deinen starken und guten Seiten, und trotz und mit deinen schwachen und bösen Seiten.

"Meister, welches Gebot ist das größte im Gesetz?"

Unser Brautpaar, Andrea und Matthias, haben für sich eine Antwort auf diese Frage gefunden: sie wollen sich der Treue gegenseitig versichern, weil sie erfahren haben, dass Gott treu ist. Zwischenmenschliche Verhaltensweisen sollen sich an den Handlungsweisen Gottes den Menschen gegenüber orientieren. Die Lesungen, so schrieben sie mir, sollen uns helfen zu erfahren, dass die Verbindung von Gottesverehrung und zwischenmenschlichen Verhalten uns auffordert zu mehr Dialogbereitschaft und intellektueller Bescheidenheit, zur Übereinstimmung von Gesinnung und Handlung, von Worten und Werken aus dem Glauben. Das drei-fach ein-fache Gebot: Gott zu lieben, den Nächsten zu lieben und sich selbst zu lieben bleibt uns aufgegeben.

"Meister, welches Gebot ist das größte im Gesetz?"

Wenn jeder von uns diese Frage aus ehrlichem Herzen an Jesus Christus richtet, so wird er auch uns heute antworten: Du sollst den Herrn deinen Gott lieben mit deinem ganzen Herzen, und deiner ganzen Seele und mit deiner ganzen Vernunft. Das ist das größte und erste Gebot. Das zweite ist ihm gleich: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst. Amen.

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