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"Multikulturelle Hochzeit"
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LIEBE IST EIN WEG! |
Nur dann, wenn ich mich auf den Weg mache, liebe ich und kann ich geliebt werden. Das Modell des Weges bedeutet aber eine Herausforderung. Liebe ist keine Sache, kein etwas, das ich - einmal in meinem Besitz - nie wieder verlieren kann. Liebe ist Bewegung. Es gibt vieles, das ich zurücklassen muss, wenn ich auf dem Weg bin, weil es mich am Gehen hindert, weil es schwer und sperrig ist. Oder aber ich bleibe auf dem Weg stehen. Liebe ist für Paulus gleichsam das Strickmuster des Lebens. Und so habt auch Ihr beide, Caroline und Simo, schon ein gutes Stück gemeinsamen Weges hinter Euch und hoffentlich noch einen langen gemeinsamen Weg vor Euch.
Schauen wir uns näher an, wie Paulus Liebe ausbuchstabiert:
LEBEN OHNE LIEBE |
Gleich an den Anfang setzt Paulus eine ungeheure Provokation. Alles, was einem normalen Menschen so wichtig ist - großartige Leistungen, intellektuelle Fähigkeiten, soziale Anerkennung - das alles wäre nichts, wenn die Menschen, wenn der einzelne Mensch, keine Liebe hätten. Aber, so werden einige einwenden, Liebe, die hat doch ein jeder Mensch, wenigstens mehr oder weniger.
Schauen wir einmal näher hin, was Liebe positiv für Paulus bedeutet:
LEBEN MIT LIEBE |
Hören wir nochmals den Text an:
| Liebe ist langmütig, die Liebe ist gütig. Sie ereifert sich nicht, sie prahlt nicht, sie bläht sich nicht auf. Sie handelt nicht ungehörig, sucht nicht ihren Vorteil, lässt sich nicht zum Zorn reizen, trägt das Böse nicht nach. Sie freut sich nicht über das Unrecht, sondern freut sich an der Wahrheit. Sie erträgt alles, glaubt alles, hofft alles, hält allem stand." 1 Kor 13, 4-7 |
Ich meine schon, das ist sehr konkret, vielleicht zu konkret, was der Paulus hier unter einem Leben in Liebe versteht. Und es sollte uns klar sein: diese Erwartungen gehen jeden von uns ab. Liebe ist nicht nur ein Schlagwort für Feiertage und Hoch-Zeiten, wie an der Eurigen heute, Caroline und Simo. Liebe ist auszubuchstabieren in der Gewöhnlichkeit und Alltäglichkeit des Lebens. Denn es war Krach in Korinth. Und auch im Zusammenleben zweier Menschen, in unseren Familien und Gemeinschaften, da gibt es Momente, wo es kracht, wie in Korinth. Und da wird deutlich: es geht nicht um Liebe als ein diffuses Glücksgefühl oder als eine Idylle oder als eine heile Welt für den Moment Eures Festtages.
Schauen wir noch einmal genauer hin:
LEBEN MIT LIEBE |
Das bedeutet: langmütig sein: einen langen Mut füreinander aufbringen und diesen Mut immer neu einüben; nicht prahlen, nicht reizen, Böses nicht nachtragen ... kurzum: nicht den eigenen Vorteil suchen, sondern den des Nächsten. Einander mitnehmen auf den Weg der Liebe. Sich selbst mitnehmen lassen vom anderen.
MIT LIEBE |
Das bedeutet: alles dulden, alles glauben, alles hoffen, alles tragen. Liebe fordert auch Heroismus, gerade in ihrer Alltäglichkeit. Diese Liebe weiß um die Spannungen, in denen wir leben: in unserem persönlichen Alltag, in unseren Beziehungen: mit dem Partner, mit Verwandten und FreundInnen, in der Unterschiedlichkeit religiöser Traditionen. Die Liebe flieht nicht vor den Schwierigkeiten, die Liebe bleibt unter den Schwierigkeiten. Die Liebe ist jene Kraft, die Jag-Sagen lässt, obwohl alles so ausweglos scheint, obwohl der andere mich so unendlich enttäuscht hat, obwohl ich mir mit meinen Eigenarten oft selbst im Wege stehe.
MIT LIEBE |
Das bedeutet: die Liebe hört niemals auf. Und darin, so scheint mir, liegt die größte Herausforderung für uns heutige Menschen. Wir leben in Beziehungen, die durch Verträge auf Gegenseitigkeit bestimmt sind, mit festgelegtem Verfallsdatum oder fristloser Kündigung bei Nichtgefallen oder Ent-Täuschung. Jeder hat Ansprüche an den anderen, hat ein Recht auf ... Wir versichern uns gegen jede Unbill des Lebens. Aber: Das Modell christlicher Liebe liegt da quer dazu. Liebe ist nicht einklagbar. Liebe ist lebenslange Aufgabe, auch in einer Ehe.
Auch wenn es einmal Krach bei Euch gibt wie es Krach gab in Korinth: Caroline und Simo, Ihr könnt Euch der Liebe als Aufgabe stellen, weil wir als Christen ein Beispiel haben, das Vorbild der Liebe, Jesus Christus, der von den Muslimen als Prophet verehrt wird.
Gott hat uns in Jesus Christus, dem menschgewordenen Sohn, seine Liebe bedingungslos angeboten. Jesus Christus hat eine Liebe gelebt, die nicht den eigenen Vorteil sucht. Jesu Liebe trug alles: bis in seinen Tod und darüber hinaus in die Herrlichkeit der Auferstehung.
Der Glaube an Jesus schenkt uns die Gewissheit, dass Liebe bedingungslos lebbar ist. Wir leben in der Hoffnung, dass Jesu Liebe uns in unserer menschlichen Begrenztheit trägt.
Vertrauensvoll könnt Ihr, Caroline und Simo, Euch miteinander auf den Weg der Liebe machen und Euch lebenslange Treue geloben in guten und in schweren Tagen:
| Den Weg der Liebe, von dem Ihr wisst, dass er kein einsehbarer und übersehbarer Weg ist. | |
| Den Weg der Liebe, von dem Ihr wisst, dass Ihr ihn oft nicht weitergehen wollt, weil Euch Vertrauen und Hoffnung schwer fallen. | |
| Den Weg der Liebe, von dem Ihr wisst, dass Ihr ihn nur begrenzt gestalten könnt, weil Ihr nicht alleine auf dieser Welt lebt, sondern in einem Beziehungsgeflecht. | |
| Den Weg der Liebe, von dem Ihr wisst, dass Ihr immer neue Erfahrungen auf ihm machen werden. | |
| Den Weg der Liebe, von dem Ihr hofft, dass Ihr ihn dann vollendet haben werdet, wenn Eure Liebe aufgeht in der Liebe des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. |
Ich wünsche Euch, Caroline und Simo, dass Ihr Euch gegenseitig in Treue und Liebe Weggefährten seid und bleibt in guten und in schlechten Tagen, begleitet von Gott, dem Schöpfer. Amen.
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