O Haupt voll Blut und Wunden
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"O Haupt voll Blut und Wunden“
Fastenpredigten 2002 in St. Cäcilia, Germering-Harthaus am 16. März 2002

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Liebe Schwestern und Brüder im Glauben,

Vorhang auf für das große Welttheater der Erlösung, heute am 5. Fastensonntag. Lassen Sie sich durch sieben Bilder führen, eine Reise durch die Zeit, die Geschichte des Glaubens.

Erster Vorhang

Es ist das Jahr 3790 seit Erschaffung der Welt nach dem jüdischen Kalender. Palästina, das Heilige Land, ist immer noch besetzt. Da wird der Chef der Besatzungsmacht in einen religiösen Streit hineingezogen. Die religiösen Führer geben vor, ein ihnen ungeliebter religiöser Lehrer untergrabe die politische Autorität der Besatzer.

Der Chef der Besatzungsmacht heißt Pontius Pilatus. Der ungeliebte religiöse Lehrer heißt Jesus von Nazareth. Sie wissen schon, wie es weiter geht, aber ich will ihnen die "Passionserzählung“ dennoch erzählen.

Die Szene vor Pilatus, wie die römischen Soldaten ihren Gefangenen zu einer Spottfigur ausstaffieren und zu einem Narrenkönig machen: ein Häufchen Elend, eine Unperson, ein Nichts. So steht Jesus im anbrechenden Freitagmorgen, dem Freitag vor dem großen Pessach, vor den Augen aller. "Ecce homo" ‑ "Seht, welch ein Mensch!"

"Das ist keine stolze Stunde der Menschheit. Aber es ist eine Stunde der Wahrheit. Es ist wie die Zusammenfassung einer unseligen Menschheitsgeschichte, Schuld und Leid der Menschheit in einer Sammellinse eingefangen. Denn hinter dieser großen Elendsgestalt erscheinen ungezählte ähnliche Gestalten.“ So wird fast zweitausend Jahre später ein protestantischer Prediger am Karfreitag predigen.

Das Ziel ist klar formuliert: "Es ist besser, dass ein ein­ziger Mensch für das Volk stirbt." So formulieren die Hohenpriester jener Zeit. Und fünfzig, sechzig Jahre später sprechen die Anhänger dieses Jesus von Nazareth davon, dass dieser Jesus der Christus ist, auferstanden von den Toten.

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Orgel: BWV 244 Nr. 63 Matthäus-Passion Choralsatz "O Haupt voll Blut und Wunden“

Zweiter Vorhang

Es ist das Jahr 1146 nach dem christlichen Kalender. Palästina, das Heilige Land, ist immer noch besetzt, aber von einer anderen Besatzungsmacht mit einem anderen Glauben. Der Zweite Kreuzzug beginnt. Bernhard von Clairvaux predigt zu diesem Anlass. Das Heilige Land inspiriert ihn und andere Theologen zu Hymnen auf Jesus Christus und sein Leiden. 1153 soll er "Salve caput cruentatum“ gedichtet haben, einer von sieben Hymnen auf die Gliedmaßen Jesu.  Neuere Forschungen nennen den Zisterzienserabt Arnulf von Löwen[+ 1250] als Autoren.

"Salve caput cruentatum“ - "O Haupt voll Blut und Wunden“: durch Jahrhunderte wird dieser Text das Leben von Christen beeinflussen.

Da ist der Glaube konkret ins Wort gefasst, da ist Körperlichkeit noch selbstverständlich. Kopf und Füße und Arme und die offene Seite: das wird in einer Poesie beschrieben, die uns heutigen fast peinlich werden könnte, weil uns diese einfühlsame Sprache der Liebesmystik fremd geworden ist.

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Orgel: BWV 244 Nr. 63 Matthäus-Passion Choralsatz "O Haupt voll Blut und Wunden“

Dritter Vorhang

"Mein Gemüt ist mir verwirret von einer Jungfrau zart. Bin ganz und gar verwirret, mein Herz das kränkt sich hart. Hab Tag und Nacht kein Ruh, führ allzeit große Klag, tu stets seufzen und weinen, in Trauren schier verzag.“

Nein, ich habe mich nicht geirrt, das liegt gehört hierher. Es ist das Jahr 1460. Im Lochamer Liederbuch finden wir dieses Lied voller Liebeskummer, voller Sehnsucht. Der Autor ist nicht bekannt. 1601 wurde das Liebeslied von Hans‑Leo Hassler vertont. Die Melodie aber kennen viele Menschen damals, auch viele Christen bis in unsere Tage.

Der Vorhang fällt, um die Spannung zu halten.

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Orgel: BWV 244 Nr. 63 Matthäus-Passion Choralsatz "O Haupt voll Blut und Wunden“

Vierter Vorhang

Wir schreiben das Jahr 1656. Die Reformation ist in die Jahre gekommen und Paul Gerhardt, ihr wortgewaltiger und einfühlsamer Liederdichter, muss Berlin verlassen, weil dort reformiert wird. Das paulinische "Praedicamus Christum crucifixum"[1.Kor 1,23] bestimmt die protestantische Theologie und da entdeckt der Protestant Paul Gerhardt den katholischen Hymnus "Salve caput cruentatum“: Ein Liebeslied an den geschundenen Herrn, der propter nos das Leid auf sich genommen hat.

Und so überträgt er einfühlsam den lateinischen Text ins Deutsche: "O Haupt voll Blut und Wunden“, zehn Strophen sind uns überliefert, auch wenn nur sieben im Gotteslob zu finden sind.

Paul Gerhardt ist wie Martin Opitz ein Lyriker von hohem Rang. Durch ihn ist die geistliche Lyrik des Barock noch heute lebendig. Seine geistliche Lyrik gestaltet christ­lich‑dogmatische Glaubensinhalte, ist ins Wort gesetzte, ans Herz gehende Theologie.

Der Berliner Kantor Johann Crüger, der viele Dichtungen seines Freundes Paul Gerhardt vertonte, schuf für "O Haupt voll Blut und Wunden“ keine eigene Melodie, sondern unterlegte sie einfühlsam mit einer damals bereits alten Melodie von Hans Leo Hassler. Und der Text dieses Liedes beschreibt den Liebeskummer eines Mannes, dessen Gemüt von einer Jungfrau zart verwirrt ist.

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Orgel: BWV 244 Nr. 63 Matthäus-Passion Choralsatz "O Haupt voll Blut und Wunden“

Fünfter Vorhang

Es ist der 13. April 1727, morgens um 7.00 Uhr. Wir befinden uns in Leipzig, in der Thomaskirche. Es ist ein Freitag, kein gewöhnlicher Freitag, es ist der Karfreitag. Der Kantor der Thomaskirche hat das Matthäus-Evangelium vertont. Für jeden Sonntag hatte er neue Kantaten zu schaffen. Und er schaffte es. Er war ein Star, das wusste er, und weil er so viel zu komponieren hatte, griff Johann Sebastian Bach gerne auch Bekanntes zurück. Dieses so oft angewendete Parodieverfahren hat Freunde der Kirchenmusik des Thomaskantors lange schockiert.

In der Matthäus‑Passion, deren Aufführung am frühen Morgen begann, gibt es 16 Liedstrophen, zwölf stammen aus dem 17. Jahrhundert, neun davon sind Schöpfungen Gerhardts, die vier übrigen stammen noch aus der Reformationszeit. Heute ist es üblich, dass das Publikum dem Werk still zuhört, aber damals wurden die Choräle von der Gemeinde mitgesungen, die somit in die Handlung integriert wurde.

Die Passion gliedert sich in zwei Teile, zwischen denen in der Erstaufführung eine Predigt gehalten wurde. Am Anfang steht das Exordium, das die Gemeinde zur Sammlung aufruft und auf die Passion einstimmt.

Als dritte Nummer erscheint der Choral, mit dem sich die Gemeinde fragend einmischt: "Herzliebster Jesu, was hast du verbrochen?“ Nach diesem kurzen retardierenden Moment wird die Handlung mit der Versammlung der Hohenpriester vorangetrieben. Hier kommt es zu einer ersten dramatischen Szene: Die Hohenpriester "hielten Rat, wie sie Jesum mit Listen griffen und töteten." Mit Macht setzt der Chor ein, der die versammelten Priester, Schriftgelehrten und Ältesten verkörpert, und fordert: "Ja nicht auf das Fest, auf dass nicht ein Aufruhr werde im Volk“. Die Stärke der Besetzung des Chores erinnert an das historische Vorbild: Der Hohe Rat, der Sanhedrin, setzte sich damals aus 70 Mitgliedern zusammen. Diese geradezu opernhafte Darstellung, die man in der ganzen Matthäus‑Passion findet, war in der Kirche nicht gern gesehen und verunsicherte die Gemeinde.

Der zweite Teil beginnt mit der Erinnerung an die Gefangennahme Jesu.  Zwischendurch hatte die Gemeinde ja der Predigt zugehört und musste nun wieder in die Handlung der Passion zurückgeführt werden.

Nachdem Jesus vor dem Hohen Rat verurteilt worden war, wird er von Petrus verleugnet. Die Altarie "Erbarme dich“ mit dem klagenden, dabei aber wunderschönen, Violinsolo schildert das Weinen des verzweifelten Jüngers. Der Evangelist führt weiter durch die Geschichte: Dem Ende des Judas folgt die Gegenüberstellung mit Pilatus, der das Volk über das Schicksal zweier Gefangener urteilen lässt. Barrabas wird freigesprochen. Bach vertont die einzelnen Silben des Namens mit drei gleichen dissonanten Akkorden. Jesus aber empfängt die Todesstrafe. Geradezu brutal ruft das Volk Pilatus zu: "Lass ihn kreuzigen!“ Pilatus überlässt Jesus dem Volk, die ihm eine Dornenkrone aufsetzen. An dieser Stelle singt der Chor und die Gemeinde den zentralen Choral "O Haupt voll Blut und Wunden“, die von Paul Gerhardt ins Deutsche übertragene Version des alten lateinischen Hymnus "Salve caput cruentatum".

Inzwischen ist es 11.00 Uhr geworden.

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Orgel: BWV 244 Nr. 63 Matthäus-Passion Choralsatz "O Haupt voll Blut und Wunden“

Sechste Vorhang

Ein Zwischenspiel. Die Dramatik der Passionsgeschichte gilt es immer wieder zu erzählen, jedes Jahr, für jeden Prediger. Das Lied "O Haupt voll Blut und Wunden“ beschreibt das Anliegen der Passionsgeschichte im Ineinander von Text und Musik mit einer Innigkeit, die die Zärtlichkeit der Sprache, an Gott zu erinnern, mit einer schwebenden Musik verbindet, die sich an der Zärtlichkeit einer Liebessehnsucht inspiriert.

Über Bachs Musik reden heißt auch über seine Zeit zu reden: das goldene Zeitalter, den ausgehenden Barock, der im deutschen Raum zu einem heute noch geschätztem Glanz aufblühte, es sei nur an St. Michael in München erinnert. Descartes hatte feste Regeln der Geometrie, Leibnitz und Newton die Infinitesimalrechnung und die moderne Physik begründet. Und diese als göttlich verstandene Ordnung war eng verknüpft mit der Musik. Man deutete die Himmelsbewegungen als eine mehrstimmige Musik.

Diesem Gedanken folgten der mehrstimmige Gesang, polyphone Sätze, gleichberechtigtes Nebeneinander auch mehrerer Stimmen. Bach entfaltete dies meisterlich. Man ahmte schlicht das Werk des Schöpfers nach.

Die Harmonie des Barocks spricht mich noch heute an. Sie folgt einer erkennbaren Ordnung, auch die Musik mit der Abfolge und dem Zusammenklang der Töne und Ton- oder Melodiefolgen. Wenn wir die Vieldimensionalität von Menschsein und Leben in unseren Tagen retten wollen, kommen wir ohne die Traditionen dieser religiösen Sprache und Musik des Barock nicht aus. Es ist ja kein Zufall, dass die Lyrik, dass die erzählende Literatur, ja dass auch der kommerzielle Film sich an religiösen Themen abarbeiten.

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Orgel: BWV 244 Nr. 63 Matthäus-Passion Choralsatz "O Haupt voll Blut und Wunden“

Siebter Vorhang

Es ist Samstag, der 16. März 2002. Wir befinden uns in der St. Cäcilia-Kirche in Harthaus-Germering. Gemeinsam wurde zu Beginn der Eucharistiefeier zum 5. Fastensonntag aus dem Gotteslob das Lied[Nr. 179] "O Haupt voll Blut und Wunden“ gesungen.

Viele Teilnehmer dieser kirchlichen Veranstaltung empfanden auf Rückfrage dieses alte, blutrünstige Lied als eine Zumutung. Reicht es nicht, dass uns das Fernsehen schon rund um die Uhr geschundene Menschen, Opfer von Gewalt und Terror ins Haus liefert? Ich kann mir doch brutale Filme mit "schönen“ Leichen im Fernsehen anschauen! Warum dann in der Kirche solche Lieder? So und ähnlich waren die ersten Stellungnahmen, gesprochen in die Mikrophone der anwesenden Journalisten.

Und dann diese Sprache: Was kann der Zeitgenosse anfangen mit kultischen Begriffen wie Opfer, Blut, Sühne oder Stellvertretung? Was ist das für ein grausamer und rachsüchtiger Gott, der nur zu versöhnen ist, wenn er Blut fließen sieht, das Blut seines eigenen Sohnes gar?

Mit diesem "Grundton im Ohr" nähere ich mich der Aufgabe, über "O Haupt voll Blut und Wunden“ zu predigen. Ich weiß um das alte Gottesknechtlied von Jesaja 53, jenes Stück Prophetie auf Jesus und seinen Kreuzestod. Der Gott der Bibel ist keine blutrünstige Gottheit und der Tod Jesu am Kreuz kein sadomasochistisches Geschehen. Gott ist voller Liebe zu uns Menschen und er bleibt gleichzeitig der heilige, gerechte Gott. Ich darf das breite biblische Zeugnis von einem richtenden Gott nicht unterschlagen, sondern muss es dem Wort vom liebenden und barmherzigen Gott in der rechten Weise zuordnen. Erst dann können wir der tiefen Bedeutung des "für uns" geschehenen Todes Jesu auf die Spur kommen. "Für uns gestorben".

Die großen Theologen des hohen Mittelalters haben noch etwas gewusst von dem unheimlichen, lebenzerstörenden Gewicht der Sünde und von der schweren Last, die sie auf unser Leben legt. Dieses tiefe Bewusstsein von Sünde ist uns abhanden gekommen in einer Zeit, wo man nur noch verharmlosend von Verkehrssündern redet und das "Sündigen" beim übermäßigen Essen und Trinken zur Bagatelle erklärt.

Das Wort "Opfer" ist ein besonders eindrückliches Beispiel. Wir sprechen heute unbefangen von "Kriegsopfern" und von "Verkehrsopfern". Wir "opfern" Wiesen, Felder und Wälder für neue Verkehrswege und für Start‑ und Landebahnen unserer Flughäfen. In all diesen Zusammenhängen ist wie selbstverständlich vom Opfer und vom Opfern die Rede.

Das Stichwort "Blut" hat durch die Jahrhunderte hindurch eine auffallende Zählebigkeit bewiesen. Die nationalsozialistischen Ideologen setzten auf "Blut und Boden" und sahen darin einen besonders treffenden Ausdruck für Volk und Heimat. Wir reden heute davon, dass das eigene "Fleisch und Blut" uns näher steht als die Fremden, etwa als die Asylanten, die zu uns kommen. Oder wir sagen, dass ein Kind besondere Anlagen "im Blut" hat und dass wir "bis aufs Blut" gereizt werden können.

In unserer Umgangssprache ist das Wort vom "Sündenbock", den man "in die Wüste schickt" fest verankert. Politiker und Fußballtrainer widerfährt das, das lesen wir in den Zeitungen und hören davon im Fernsehen. Dabei leitet sich das Bild von dem alttestamentlichen  Sühnopfertier her[Levitikus 16], das typologisch auf den mit unseren Sünden beladenen Jesus am Kreuz gedeutet wird: "Siehe, das ist Gottes Lamm, das der Welt Sünde trägt!"[Joh 1,29]. Oder: "Christus hat für euch gelitten [.], der unsre Sünde selbst hinaufgetragen hat an seinem Leibe auf das Holz [.]"[1.Petr 2,24].

Und das singen, beten und feiern wir, wenn wir mit den Worten von Paul Gerhardt und den Weisen von Johann Sebastian Bach bekennen:

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1. O Haupt voll Blut und Wunden,
Voll Schmerz und voller Hohn,
O Haupt, zum Spott gebunden
Mit einer Dornenkron',
O Haupt, sonst schön gezieret
Mit höchster Ehr' und Zier,
Jetzt aber höchst schimpfieret:
Gegrüßet sei'st du mir!

O Haupt voll Blut und Wunden. ... Es entspricht der lateinischen Briefsitte, mit einer Anrede zu beginnen und die Anrede durch ein "O" zu kennzeichnen. Dreimal wird hier das Haupt des Gekreuzigten angesprochen. Dann folgt der Gruß, der gewissermaßen einen doppelten Boden hat: "Gegrüßet seist du mir!" Mit den Worten "Gegrüßet seist du, lieber Judenkönig!" hatten die Soldaten Jesus verspottet. Paul Gerhardt nimmt ihre Worte auf und wendet sie ins Positive, als wollte er jenen Spott wieder gut machen: "Gegrüßet seist du mir!"

Dann wendet er sich von dem dornengekrönten Haupt zum Gesicht: "Du edles Angesichte“. Wie mag das Gesicht von Jesus ausgesehen haben? Eine Frage, die sich sicherlich nicht nur Maler und Filmregisseure stellen. Einige Filme seien erwähnt: Pier Paolo Pasolini, "Das 1. Evangelium - Matthäus"[1964]; Norman Jewison, Jesus Christ Superstar[1973]; Franco Zeffirelli, Jesus von Nazareth[1977]; Martin Scorsese, "Die letzte Versuchung Christi"[1988]; Denys Arcand, "Jesus von Montreal"[1989]; Kevin Smith, "Dogma", ein "frecher" Jesusfilm[1999]. Der älteste Jesusfilm stammt von Alice Guy, Jésus devant Pilate aus dem Jahre 1898. Und Marc Chagall hat danach in der Form eines Gedichtes gefragt. Darin heißt es:

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Du hast meine Hände erfüllt
mit Farben und Pinseln.
Ich weiß nicht, wie ich dich malen soll.
Gilt es, die Erde zu malen,
den Himmel, mein Herz?
Die Städte im Feuer?
Die fliehenden Menschen?
Meine Augen in Tränen?
Wohin fliehen? Wohin fliehen?
Der hier unten das Leben gibt,
der den Tod aussendet,
vielleicht wird er es fügen,
dass mein Bild leuchtet.

 Liest man, was in den Evangelien von Jesus erzählt wird, so ahnt man, dass eine gewisse Hoheit von seinem Gesicht ausging. Viele Menschen fassten sofort Vertrauen zu ihm. Die Soldaten, die ihn verhaften sollten und mit Spießen, Stangen und Stricken kamen um einen Verbrecher zu fangen, waren über seinen Anblick so erschrocken, dass sie zu Boden fielen.

Hören wir noch einmal Paul Gerhardt in seiner Dichtung:

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5. Erkenne mich, mein Hüter,
Mein Hirte, nimm mich an!
Von dir, Quell aller Güter,
Ist mir viel Gut's getan.
Dein Mund hat mich gelabet
Mit Milch und süßer Kost;
Dein Geist hat mich begabet
Mit mancher Himmelslust.

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8. Ich danke dir von Herzen,
O Jesu, liebster Freund,
Für deines Todes Schmerzen,
Da du's so gut gemeint.
Ach gib, dass ich mich halte
Zu dir und deiner Treu'
Und, wenn ich nun erkalte,
In dir mein Ende sei!

Der Gekreuzigte kann nur verkündigt werden, wenn er als der auferstandene Gekreuzigte bezeugt wird. Matthias Grünewald hat das ins Bild gesetzt bei seinem Isenheimer Altar in Colmar: Die Kreuzigung, die Grablegung und der Auferstandene. Paul Gerhardt dichtete seine Passionsmeditation kurz nach dem Dreißigjährigen Krieg inmitten von Zerstörung, Pest und Tod im Jahre 1656. Vielleicht hat er uns deshalb auch heute noch so viel zu sagen: auch wir kennen die Gefühle angesichts des Elends unserer Tage.

Amen.

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Worte: Paul Gerhardt, 1656, von Bernard von Clairvaux, 1153[Salve caput cruentatum]. Neuere Forschungen: Zisterzienserabt Arnulf von Löwen[+ 1250]
Musik: Hans L. Hassler 1601, geistlich Görlitz 1613, Harmonie von Johann S. Bach, 1729

1. O Haupt voll Blut und Wunden,
Voll Schmerz und voller Hohn,
O Haupt, zum Spott gebunden
Mit einer Dornenkron',
O Haupt, sonst schön gezieret
Mit höchster Ehr' und Zier,
Jetzt aber höchst schimpfieret:
Gegrüßet sei'st du mir!

2. Du edles Angesichte,
Davor sonst schrickt und scheut
Das große Weltgewichte,
Wie bist du so bespeit!
Wie bist du so erbleichet!
Wer hat dein Augenlicht,
Dem sonst kein Licht nicht gleichet,
So schändlich zugericht't?

3. Die Farbe deiner Wangen,
Der roten Lippen Pracht
Ist hin und ganz vergangen;
Des blaßen Todes Macht
Hat alles hingenommen,
Hat alles hingerafft,
Und daher bist du kommen
Von deines Leibes Kraft.

4. Nun, was du, Herr, erduldet,
Ist alles meine Last;
Ich hab' es selbst verschuldet,
Was du getragen hast.
Schau her, hier steh' ich Armer,
Der Zorn verdienet hat;
Gib mir, o mein Erbarmer,
Den Anblick deiner Gnad'!

5. Erkenne mich, mein Hüter,
Mein Hirte, nimm mich an!
Von dir, Quell aller Güter,
Ist mir viel Gut's getan.
Dein Mund hat mich gelabet
Mit Milch und süßer Kost;
Dein Geist hat mich begabet
Mit mancher Himmelslust.

6. Ich will hier bei dir stehen,
Verachte mich doch nicht!
Von dir will ich nicht gehen.
Wenn dir dein Herze bricht;
Wenn dein Haupt wird erblaßen
Im letzten Todesstoß,
Alsdann will ich dich faßen
In meinen Arm und Schoß.

7. Es dient zu meinen Freuden
Und kommt mir herzlich wohl,
Wenn ich in deinem Leiden,
Mein Heil, mich finden soll.
Ach, möcht' ich, o mein Leben,
An deinem Kreuze hier
Mein Leben von mir geben,
Wie wohl geschähe mir!

8. Ich danke dir von Herzen,
O Jesu, liebster Freund,
Für deines Todes Schmerzen,
Da du's so gut gemeint.
Ach gib, dass ich mich halte
Zu dir und deiner Treu'
Und, wenn ich nun erkalte,
In dir mein Ende sei!

9. Wenn ich einmal soll scheiden,
So scheide nicht von mir;
Wenn ich den Tod soll leiden,
So tritt du dann herfür;
Wenn mir am allerbängsten
Wird um das Herze sein,
So reiß mich aus den Ängsten
Kraft deiner Angst und Pein!

10. Erscheine mir zum Schilde,
Zum Trost in meinem Tod,
Und Lass mich sehn dein Bilde
In deiner Kreuzesnot!
Da will ich nach dir blicken,
Da will ich glaubensvoll
Dich fest an mein Herz drücken.
Wer so stirbt, der stirbt wohl.

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