|
|
|
Mein we-wi-we-Infoflyer vorträge & workshops themen als pdf Meine Mailadresse
benno.kuppler[at]jesuiten.org |
Ohne Wein kein Fest?Lesung: Johannes 2, 1-11
Stellen Sie sich einmal die Situation plastisch vor, die uns das heutige Evangelium beschreibt: Mitten in einer ausgelassenen orientalischen Hochzeit droht der Wein auszugehen. Der Wein, Zeichen lebendiger Festtagsfreude, ein Symbol der Gemeinschaft und des Frohsinns. Der Wein, Ausdruck der Fülle und des Reichtums - der Wein geht aus. Die Stimmung auf dem Fest droht zu kippen, Armut wird sichtbar, spürbar, erfahrbar. Die Vorräte gehen zur Neige, das gemeinschaftliche Feiern wird aufhören müssen. Der Wein geht aus. Wird hier nicht zeichenhaft auch etwas deutlich aus unserem eigenen Alltag? Trotz des europäischen Weinsees ist die Festtagsstimmung in unserer Gesellschaft, in unserer Kirche, in unseren Gemeinden am Kippen. Hoffnungsfrohe Gelassenheit und Lebendigkeit werden dürr, sperrig und spröde. Nüchternheit kehrt ein, die Vereinzelung greift um sich, die Einsamkeit wächst. Trotz vieler Straßen-, Vereins- und Pfarrfeste, trotz reichgefüllter Gefrier- und Kühlschränke wird ausgelassene Freude, echte Gemeinschaft weniger häufig erfahren. Der "Wein" droht uns auszugehen. Ich freue mich mit jedem, der auch noch die Erfahrung der orientalischen Hochzeit in unseren Tagen macht. Viele werden aber sagen, die Schilderung des Negativen, des Mangels sei noch nicht deutlich genug. Da bin ich einverstanden. Doch was können wir tun? Die Situation bejammern, resignieren, den Kram hinwerfen? Wir könnten, wie bei jener Hochzeitstafel zu Kanaa, auf Maria schauen, um von ihr als dem Urbild der Kirche zu lernen, welche Aufgabe uns in dieser Stunde zukommt. Maria nimmt sensibel wahr, was geschehen ist. Sie erkennt die Not, die Armut inmitten einer ausgelassenen Hochzeitsgesellschaft. Maria geht zu Jesus und weist auf die drohende Not hin: "Sie haben keinen Wein mehr." Sie kommt nicht mit fertigen Ratschlägen zu Jesus. Sie hat nicht das Rezept, um die Not abzuwenden. Maria übergibt ihre sorgende Wahrnehmung ihrem Sohn, dem Herrn. Sie macht ihn aufmerksam auf die Not der Menschen. Die Diener dieser Hochzeitsgesellschaft weist sie gleichzeitig an, auf Jesus zu hören, zu tun, was er sagen wird. Wenn Maria das Urbild der Kirche ist, dann hat dies auch etwas mit uns zu tun. Denn wir sind die Kirche von heute. Wenn wir auf Maria schauen, können wir lernen, sensibel zu werden für die Not der Menschen inmitten einer Überflussgesellschaft. Wir sollen empfindsam werden für die vielfältigen, oft schamhaft versteckten Probleme unserer Gesellschaft, die beginnende Armut und Not der Menschen spüren. Diese sollen wir dann zu Jesus tragen. Jesus, der Herr, wird zu der Stunde, die er für richtig hält, das Seinige tun. "Seine Stunde", nicht unsere Wünsche, Ansprüche, Vorstellungen bestimmt den Zeitpunkt der notwendigen Tat. Also können wir als Christen die Hände in den Schoß legen und abwarten. Der liebe Gott wird es schon richten. Weit gefehlt! Maria sagt den Dienern: Was er euch sagt, das tut! Und diese Diener sind wir. Im Brief an die Korinther haben wir von den verschiedenen Gaben gehört, die jeder von uns besitzt als Gabe und Aufgabe von Gott. Durch das Evangelium, die soziale Verkündigung, sagt uns die Kirche auch heute in Jesu Namen: Füllt die Krüge mit Wasser! Wir sind als Christen aufgerufen, sensibel zu sein für die Not in unserer Gesellschaft wie Maria und zugleich bereit zu sein, das Wasser in die Krüge zu schöpfen. Das Wunder der Wandlung können wir Gott selbst überlassen. Er zeigt uns, dass er unser einfaches Wassertragen verwandeln kann in der Wein, der gemeinschaftsstiftend wirkt, der den Menschen Freude am Leben schenkt. Von uns werden keine Wunder erwartet. Wir sollen unsere eigene Armut und Bedürftigkeit wahrnehmen, sensibel werden für die Not der anderen. Wir sollen dann das tun, was in unseren oft schwachen Kräften liegt. Gott schenkt aus seinem Reichtum den "Wein" in Fülle, den wir zum Leben brauchen. In jeder Eucharistiefeier spendet uns der Herr den guten "Wein" des Neuen Bundes, der unseren Alltag, unsere Armut und Not reich macht in überfließender Fülle. Was damals in Kanaa zu Beginn des öffentlichen Wirkens Jesu geschah, am "dritten Tag", wie der Evangelist mit Bedacht vermerkt, es ist durch den Tod und die Auferstehung am dritten Tag für uns alle gnadenhaft geschenkt: Seine Herrlichkeit. Wenn wir also spüren, dass uns der "Wein" ausgeht, weil Einsamkeit zunimmt, Misstrauen untereinander wächst, dann wird es höchste Zeit, Hochzeit, sich wieder Jesus zuzuwenden. Bieten wir ihm das "Wasser" unseres Alltages an: Er wird dann aus Einsamkeit Gemeinschaft wachsen lassen, aus Angst Vertrauen und Zuversicht, aus Misstrauen frohe Gelassenheit und Glauben. Amen.
Einladen zur Kelchkommunion
|