Die Israeliten feiern Pascha im verheißenen Land.
Die neue Heimat des Menschen.
Lesungen:
Jos 5, 9a, 10 - 12; Lukas 15, 1 - 3, 11 - 32

Liebe Schwestern und Brüder im Glauben,
an diesem vierten Fastensonntag führt uns die Lesung aus dem Buch Josua an
die Nahtstelle von Vergangenheit und Zukunft das Volkes Israel. Es ist jener
Punkt der Gegenwart, wo das Volk Israel den Weg durch die Wüste beendet hatte
und die Verheißung des gelobten Landes anfanghaft erfüllt ist.
Das Buch Josua folgt im Kanon der Heiligen Schrift auf die fünf Bücher
Mose, den Pentateuch. In diesen ersten Bücher des AT wird die Geschichte Gottes
mit seinem Volk erzählt. Im Mittelpunkt steht die Geschichte des Exodus: Gott
führt sein Volk aus der Gefangenschaft Ägyptens und verheißt ihm das gelobte
Land. Die Befreiung beginnt mit der Feier des Pascha. Der Weg des Volkes führt
dann hinein in die Wüste: vierzig Jahre lang.
Sie erinnern sich sicherlich aus der biblischen Geschichte der Gefährdungen
des Volkes und seines Aufbäumens gegen Gott. Moses selbst stirbt vor dem
Eintritt in das verheißene Land.
Josua wird das auserwählte Volk über den Jordan hineinführen in das Land
der Verheißung. Das Buch Josua schildert diese Erlebnisse der Landnahme. Es ist
der Übergang von der Zeit der Nomaden zur Sesshaftwerdung des Volkes Israel.
Die Zeit des Auszuges aus Ägypten ist Vergangenheit. Die Zeit der Verheißung
ist angebrochene Zukunft. Der Augenblick jetzt ist Vergegenwärtigung des Heiles
Gottes.
Diese Gegenwart des Heiles Gottes, die angebrochene Verheißung wird gefeiert
im Pascha-Mahl. So wie am Beginn des Auszugs aus Ägypten das Pascha gefeiert
wurde, wird es jetzt gefeiert am Beginn der Erfüllung: dem Eintritt in die neue
Heimat des verheißenen Landes.
Die Feier des Pascha ist und bleibt Gedächtnisfeier: die Gegenwärtigsetzung
der grundlegenden Erlösungstat Gottes an seinem Volk. Die Feier des Pascha
trägt den Verheißungscharakter für das Kommende in sich. Die Feier des Pascha
zeigt den Beginn einer neuen Zeit an. Die Feier des Pascha ist Vorwegnahme und
Anrecht auf die volle Heilsgabe Gottes.
Was sagt uns in der Mitte der Fastenzeit diese alttestamentliche Lesung?
Die vierzig Tage der Fastenzeit sind die geistlich-liturgische
Vergegenwärtigung des Heilshandeln Gottes an seinem Volk, dem wandernden
Gottesvolk, der Kirche.
Am Aschermittwoch sind wir aufgebrochen zu unserem Weg der Befreiung, der
Erlösung: Kehrt um, bekehrt euch zum Evangelium. Das Pascha des Alten Bundes
wird Jesus am Gründonnerstag mit seinen Jüngern feiern: es wird das Zeichen
des Neuen Bundes. Das Pascha dieses Neuen Bundes, die Eucharistie ist die
Vergegenwärtigung der Erlösung, die uns durch Jesus Christus geschenkt ist:
die Verheißung der Erlösung ist eingelöst in Tod und Auferstehung Jesu
Christi. Die Erlösung ist angebrochen, die Erfüllung des Heiles steht aber
noch aus.
Die Feier der Eucharistie ist und bleibt Gedächtnisfeier: die
Gegenwärtigsetzung der grundlegenden Erlösungstat Gottes durch Jesus Christus
an seinem Volk. Die Feier der Eucharistie trägt den Verheißungscharakter für
das Kommende in sich. Die Feier der Eucharistie zeigt den Beginn einer neuen
Zeit an. Die Feier der Eucharistie ist Vorwegnahme und Anrecht auf die volle
Heilsgabe Gottes.
Das Evangelium des heutigen vierten Fastensonntags zeigt uns am Mahl der
Versöhnung, zu dem der barmherzige Vater den verlorenen Sohn einlädt, eine
wichtige Dimension der Eucharistie: sie ist Mahl der Versöhnung.
Wie der verlorene Sohn umkehrt zu seinem Vater, so sind wir eingeladen,
umzukehren zu diesem barmherzigen Vater. Er wartet mit offenen Armen auf unsere
Umkehr. Er bietet uns in seinem Haus neu Heimat an.
Sollten wir uns eher im älteren Sohn erkennen, der nie die Heimat beim Vater
verlassen hat, der immer in der Geborgenheit des Vaterhauses gelebt hat, dann
sollten wir uns fragen: Warum habe ich mich nie der Krise meiner Beziehung zum
Vater gestellt? Denn auch der kann auf Irrwege geraten, der immer zu Hause
bleibt.
Die Texte dieses vierten Fastensonntags ermutigen, in der Feier der
Eucharistie die Einladung in die neue Heimat des Menschen anzunehmen. Wenn wir
uns auf den Weg der Umkehr gemacht haben, treffen wir unterwegs auf den
barmherzigen Vater: Sein Haus steht uns offen als unsere neue Heimat.
Ich wünsche Ihnen und mir, dass wir uns in unsere persönlichen Wüsten
hinausführen lassen in diesen Tagen. Ich wünsche Ihnen und mir, dass wir uns
immer wieder dann zur Eucharistie treffen, damit wir durch die Gedächtnisfeier
unserer Erlösung wachsen in Glaube, Hoffnung und Liebe, "bis ER kommt in
Herrlichkeit". Amen.
