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Petrus zwischen Größe und Größenwahn
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| Da steht er - überlebensgroß, gigantisch: unser Petrus! | |
| Auf einem Sockel - massiv und quadratisch. | |
| Sein Schlüssel - einfach himmlisch riesig. |
Wer einmal in den Vatikanischen Gärten spazieren ging und die Casella Pius IV. erreicht hat, der kann ihn nicht übersehen haben: unseren Petrus! In seinem Schatten scheint der Petersdom die Dimensionen einer Pfarrkirche zu besitzen.
| Ist es dieser überlebensgroße, gigantische, auf einem Sockel entrückte Petrus, dessen wir heute gedenken, wenn wir das Patrozinium von St. Peter in Mannheim feiern? | |
| Ist dies der erste Papst unserer Kirche, der Kirche Jesu Christi, der uns mit seinem himmlisch riesigen Schlüssel das Himmelreich verschließt oder aufschließt? | |
| Ist dies die Größe des wahren Petrus oder der Ausdruck von Größenwahn vergangener und gegenwärtiger Menschen, wenn sie an Petrus und sein Amt, das Papsttum, denken? | |
| Was wissen wir denn über diesen Petrus, dessen Fest im Doppelpack mit Paulus, dem Apostel der Heiden, gefeiert wird? |
Ein rascher Blick in die Ur-Kunde unseres Glaubens, die Bibel genügt da nicht, um alle Informationen, Meinungen und Urteile über diesen Petrus zu heben und zu ordnen. Über viele Kapitel und in zahllosen Versen verstreut finden sich die Mosaiksteine seines Bildes.
| Name: Simon, später umbenannt von Jesus in Kephas, d.h. Petrus, d.h. Fels; auch Simon Barjona. "Petrus" findet sich in den vier Evangelien ca. 80 Mal; "Simon Petrus" knapp 20 Mal; "Simon" gut 30 Mal, Kephas, die hebräische Form von "Petrus" gerade 2 Mal. | |
| Vater: Johannes. | |
| Mutter: unbekannt. | |
| Familienstand: verheiratet; Name der Ehefrau unbekannt; möglicherweise verwitwet; nur seine namenlose Schwiegermutter wird erwähnt. | |
| Geschwister: namentlich bekannt ein Bruder: Andreas. | |
| Wohnort: Kafarnaum. | |
| Beruf: Fischer; später Menschenfischer und Papst [?]. | |
| Religion: Jude. |
| auf ein theologisch-philosophisches Studium; auf akademische Titel; auf eine Pfarrerprüfung oder ein zweites Dienstexamen; auf einen kirchlichen Diensteid; auf berufliche Weiterbildung in Managementtechniken wie Führen und Leiten, Rhetorik, Marketing, Fundraising oder Controlling; auf gruppendynamische Erfahrungen oder geistliche Übungen; auf soft skills. |
Mit solchen Lücken im Lebenslauf hätte ein heutiger Simon Petrus schlechte Karten für den kirchlichen Dienst als Laie, sogar als Priesteramtskandidat einer Diözese. Als Novize der Gesellschaft Jesu würde er kaum eine Chance bekommen.
Aber Petrus wird der Erste sein, damals unter den Jüngern und Aposteln, heute als Papst. Und doch war es sein Bruder Andreas, der ihn als Erster zu Jesus führt, der ihm seine Berufung eröffnete.
Bei Johannes [1, 40-42] lesen wir: "Andreas, der Bruder des Simon Petrus, war einer der beiden, die das Wort des Johannes gehört hatten und Jesus gefolgt waren. Dieser traf zuerst seinen Bruder Simon und sagte zu ihm: Wir haben den Messias gefunden. Messias heißt übersetzt: der Gesalbte [Christus]. Er führte ihn zu Jesus. Jesus blickte ihn an und sagte: Du bist Simon, der Sohn des Johannes, du sollst Kephas heißen. Kephas bedeutet: Fels [Petrus]."
Auch in den Wahllisten der Zwölf Apostel bei Matthäus, Markus und Lukas finden wir Petrus immer auf dem ersten Platz. Andreas, der Erste, der namentlich als Jünger Jesu genannt wird, rutscht auf Platz Zwei. Es folgen "dann Jakobus, der Sohn des Zebedäus, und sein Bruder Johannes" [Mt 10,2].
Und Petrus, der Erste, wird in Rom die Papstkirche begründen. Der Bischof von Rom ist der Patriarch der Westkirche. Andreas, der ewige Zweite, wird in Konstantinopel als Vorgänger des Patriarchen des Ostens, verehrt. Aber da sind wir schon mitten in der Kirchengeschichte und der Spaltungen des fünften Jahrhunderts.
Und wenn es um wichtige Wunder und Zeichen geht, die Jesus wirkt, da wird immer als erster Petrus genannt und dann noch Jakobus und Johannes, der Bruder des Jakobus. Diese drei bilden gleichsam den inneren Kern der Apostel. Der erste Jünger Andreas finden keine Erwähnung mehr. Petrus, Jakobus und Johannes sind bei der Auferweckung der Tochter des Synagogenvorstehers Jaïrus dabei, auf dem Berg der Verklärung, auf dem Ölberg und im Garten Getsemani. Unter dem Kreuz aber stehen nur Frauen und der Jünger, den er liebte.
"Da sagte Petrus: Herr, meinst du mit diesem Gleichnis nur uns oder auch all die anderen?" als Jesus das Gleichnis vom treuen und vom schlechten Knecht [Lukas 12,35-48] erzählt.
Und bei Lukas lesen wir früher [Lk, 5 1-11] u.a.: "Jesus stieg in das Boot, das dem Simon gehörte, ... und lehrte das Volk vom Boot aus. Als er seine Rede beendet hatte, sagte er zu Simon: Fahr hinaus auf den See! Dort werft eure Netze zum Fang aus! Simon antwortete ihm: Meister, wir haben die ganze Nacht gearbeitet und nichts gefangen. Doch wenn du es sagst, werde ich die Netze auswerfen. Das taten sie, und sie fingen eine so große Menge Fische, dass ihre Netze zu reißen drohten ... Als Simon Petrus das sah, fiel er Jesus zu Füßen und sagte: Herr, geh weg von mir; ich bin ein Sünder."
Dieses Bekenntnis hat Eingang gefunden in das Römische Hochgebet: "Auch uns, deinen sündigen Dienern ...", so bete ich als Priester. Das betet auch der Papst, als Bischof von Rom, in allen Eucharistischen Hochgebeten, wenn für den Ortsbischof gebetet wird: "Gedenke deines sündigen Dieners".
Und als Jesus auf dem Wasser zu seinen Jüngern wandelt [Mt. 14, 22-33], hören wir: "... sie [die Jünger] erschraken , weil sie meinten, es sei ein Gespenst, und sie schrieen vor Angst. Doch Jesus begann mit ihnen zu reden und sagte: Habt Vertrauen, ich bin es; fürchtet euch nicht! Darauf erwiderte ihm Petrus: Herr, wenn du es bist, so befiehl, dass ich auf dem Wasser zu dir komme. Jesus sagte: Komm! Da stieg Petrus aus dem Boot und ging über das Wasser auf Jesus zu. Als er aber sah, wie heftig der Wind war, bekam er Angst und begann unterzugehen. Er schrie: Herr, rette mich! Jesus streckte sofort die Hand aus, ergriff ihn und sagte zu ihm: Du Kleingläubiger, warum hast du gezweifelt?"
"Cäsarea Philippi" wird zum Höhepunkt der Wortführerschaft und der Karriere des Petrus [Mt 16, 13-20]. "Da sagte er [Jesus] zu ihnen: Ihr aber, für wen haltet ihr mich? Simon Petrus antwortete: Du bist der Messias, der Sohn des lebendigen Gottes! Jesus sagte zu ihm: Selig bist du, Simon Barjona; denn nicht Fleisch und Blut haben dir das offenbart, sondern mein Vater im Himmel. Ich aber sage dir: Du bist Petrus, und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen, und die Mächte der Unterwelt werden sie nicht überwältigen. Ich werde dir die Schlüssel des Himmelreichs geben; was du auf Erden binden wirst, das wird auch im Himmel gebunden sein, und was du auf Erden lösen wirst, das wird auch im Himmel gelöst sein."
Der Primat des Petrus liegt hier begründet. Später wird das 1. Vatikanische Konzil damit den Jurisdiktionsprimat des Papstes begründen. Und dieser bringt dann Spannung in das Verhältnis zwischen Bischöfen und Papst, nicht erst in diesen Tagen und trotz der klaren Worte des 2. Vatikanischen Konzils über die Bedeutung der Ortsbischöfe. Denn seine Autorität gründet das Schreiben des Heiligen Vaters, Papst Johannes Paul II., vom 3. Juni 1999 an die deutschen Bischöfe über das Vorgehen bei der Konfliktberatung von schwangeren Frauen auf diesen Primatsanspruch, statt eine Lösung im Sinne des II. Vatikanums anzustreben, das die Kollegialität der Bischöfe zusammen mit dem Bischof von Rom beim authentischen, ordentlichen Lehramt betont, in Ergänzung und Begrenzung des Jurisdiktionsprimats.
Im Lukas-Evangelium [22, 32] lesen wir, wie Jesus kurz vor seiner Verhaftung Petrus ermutigt: "Ich aber habe für dich gebetet, dass dein Glaube nicht erlischt. Und wenn du dich wieder bekehrt hast, dann stärke deine Brüder." Nur ein historischer Text?!
Das wird deutlich auf dem Weg Jesu zu seinem Leiden in Jerusalem.
Jesus begann, "sie darüber zu belehren, der Menschensohn müsse vieles erleiden ... er werde getötet, aber nach drei Tagen werde er auferstehen. Und er redete ganz offen darüber. Da nahm ihn Petrus beiseite und machte ihm Vorwürfe. Jesus wandte sich um, sah seine Jünger an und wies Petrus mit den Worten zurecht: Weg mit dir, Satan, geh mir aus den Augen! Denn du hast nicht das im Sinn, was Gott will, sondern was die Menschen wollen." [Mk 8, 31-33; Mt. 16, 21-23]
Trotzdem nahm Jesus kurz darauf "Petrus, Jakobus und Johannes beiseite und führte sie auf einen hohen Berg, aber nur sie allein ... Petrus sagte zu Jesus: Rabbi, es ist gut, dass wir hier sind. Wir wollen drei Hütten bauen, eine für dich, eine für Mose und eine für Elija." [Mk 9, 2-10; Mt 17, 1-9] Da fügt Markus an: Petrus "wusste nämlich nicht, was er sagen sollte". Dabei hatte Jesus den Dreien einen Ausblick auf sein Lebensschicksal geben wollen, das nicht im Tod am Kreuze enden würde. "Dieses Wort beschäftigte sie, und sie fragten einander, was das sei: von den Toten auferstehen." Aber kein Petrus fragte Jesus! Hatte er Angst, sich eine Blöße zu geben?!
Und als der reiche Jüngling [Mt 19, 16-30; Mk 10, 17-31; Lukas 18, 18-30] traurig von Jesus weg ging, weil er Jesu Einladung zur Nachfolge nicht annehmen konnte, da stellt Petrus deutlich gegenüber Jesus klar: "Du weißt, wir haben alles verlassen und sind dir nachgefolgt". Und er fragt er - gleichsam durch die Blumen gesprochen - Jesus nach Belohnung für die Nachfolge.
Die Botschaft Jesu forderte von den Jünger eine persönliche Entscheidung [Johannes 6, 60-71]. Und Jesus ist direkt: "Aber es gibt unter euch einige, die nicht glauben ..." und die Reaktionen folgen unmittelbar: "Daraufhin zogen sich viele Jünger zurück und wanderten nicht mehr mit ihm umher." "Da fragte Jesus die Zwölf: Wollt auch ihr weggehen? Simon Petrus antwortete ihm: Herr, zu wem sollen wir gehen? Du hast Worte des ewigen Lebens. Wir sind zum Glauben gekommen und haben erkannt: Du bist der Heilige Gottes." Hatte Petrus eben nicht ganz anders getönt?!
Was dann folgt, habe ich Ihnen als Evangelium bereits verkündet [Johannes 13, 1-14, 31]: "Jesus wusste, dass seine Stunde gekommen war, um aus dieser Welt zum Vater hinüberzugehen. Da er die Seinen, die in der Welt waren, liebte, erwies er ihnen seine Liebe bis zur Vollendung ... stand vom Mahl auf ... und begann, den Jüngern die Füße zu waschen und mit dem Leinentuch abzutrocknen ..."
Und wieder schwankt Petrus zwischen Größe und Größenwahn, zwischen Stolz und Demut: "Du, Herr, willst mir die Füße waschen? ... Niemals sollst du mir die Füße waschen!" Und Jesus nachsichtig: "Was ich tue, verstehst du jetzt noch nicht; doch später wirst du es begreifen ... Wenn ich dich nicht wasche, hast du keinen Anteil an mir." Petrus jetzt vollmundig: "Herr, dann nicht nur meine Füße, sondern auch die Hände und das Haupt."
Jesus deutet sein Handeln, diese Geste des Dienens: "Begreift ihr, was ich an euch getan habe? Ihr sagt zu mir Meister und Herr, und ihr nennt mich mit Recht so; denn ich bin es. Wenn nun ich, der Herr und Meister, euch die Füße gewaschen habe, dann müsst auch ihr einander die Füße waschen. Ich habe euch ein Beispiel gegeben, damit auch ihr so handelt, wie ich an euch gehandelt habe."
Und was machen wir, als Jesu Jüngerinnen und Jünger? Statt einander die Füße zu waschen, waschen wir lieber einander den Kopf. Das kann jeder bei sich beobachten, wenn er oder sie ehrlich über das Leben nachdenkt. Das fällt uns aber leichter wahrzunehmen, wenn es andere tun: dieser Pfarrer mit seinen MitarbeiterInnen oder Räten; jener Bischof mit seinen pastoralen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, seien es Laien oder Priester; die Amtskirche mit der Kirche von unten; und dann "natürlich" der Papst und seine Kurie mit dem "Rest der Welt", z.B. unseren deutschen Bischöfen.
Doch dann fasziniert mich wieder dieser Petrus [Lukas 22, 31-34]: "Herr, ich bin bereit, mit dir sogar ins Gefängnis und in den Tod zu gehen." Das meint er sicherlich ehrlich und ernst. Aber Jesus kennt seinen "Primus" besser: "Ich sage dir, Petrus, ehe heute der Hahn kräht, wirst du dreimal leugnen, mich zu kennen." Und die vermessene Antwort des Petrus [Mt 26, 33-35]: "Und wenn alle an dir Anstoß nehmen - ich niemals! ... Und wenn ich mit dir sterben müsste - ich werde dich nie verleugnen."
Was dann folgt, kennen Sie alle aus der Passionsgeschichte, diese erbärmliche Geschichte in Getsemani [Mt 26, 36-46; Mk 14, 32-42], wo Petrus, Jakobus und Johannes einschlafen, während ihr Herr in Lebensangst betete. "Und er ging wieder von ihnen weg und betete zum dritten Mal mit den gleichen Worten. Danach kehrte er zu den Jüngern zurück und sagte zu ihnen: Schlaft ihr immer noch und ruht euch aus? Die Stunde ist gekommen; jetzt wird der Menschensohn den Sündern ausgeliefert."
Selbst in diesem Moment zeigt Jesus seine Für-Sorge, seine Pro-Cura für die Seinen [Johannes 18, 1-11]: "Ich habe euch gesagt, dass ich es bin. Wenn ihr mich sucht, dann lasst diese gehen!" Jesu Leben ist Für-Sorge, auch angesichts des Verrates.
Petrus und der andere Jünger folgten Jesus von weitem. Durch Beziehungen hat der andere Jünger Zutritt zum Palast des Hohenpriesters. Und das nutzt dem Petrus: er kann näher bei Jesus sein. Doch der Preis ist hoch: er leugnet, zum Kreis der Jünger Jesu zu gehören. "Ich kenne den Menschen nicht." ... "Ich weiß nicht und verstehe nicht, wovon du redest." Dafür steht Petrus im Kreis der Diener und der Knechte des Hohenpriesters [Mt 26,69-75; Mk 14,66-72; Lukas 22,54-62; Joh 18,12-27].
Möchte ich nicht oft auch im Dunstkreis der Mächtigen unserer Tage stehen, und sei es nur bei deren Personal? Bin ich nicht sogar bereit, dafür faule Kompromisse zu schließen? Ist aber der Kompromiss nicht oft eine Verschleierung dafür, dass ich meine grundlegende Beziehung zu Jesus verleugne?
Dreimal hat Petrus in diesen wenigen Stunden Jesus verleugnet. Höre ich in meinem eigenen Leben noch den Hahn krähen? Ich habe diesen Hahn auf meinem Schreibtisch stehen.
"Gleich darauf krähte ein Hahn, und Petrus erinnerte sich an das, was Jesus gesagt hatte: Ehe der Hahn kräht, wirst du mich dreimal verleugnen. Und er ging hinaus und weinte bitterlich."
Frauen sind es, die Jesus auf seinem Kreuzweg folgen, die unter seinem Kreuz mit-leiden, die sich um den toten Leichnam mühen, die in der Frühe sein Grab aufsuchen.
Der Auferstandene bringt Petrus wieder ins Spiel, spielt ihm den Ball zu, damit er ihn aufnehme [Mk 16,1-8; Lk 24,1-12; Johannes 20,1-10]. Sein Engel sagt zu den Frauen am Grab: "Erschreckt nicht! Ihr sucht Jesus von Nazaret, den Gekreuzigten. Er ist auferstanden; er ist nicht hier. Seht, da ist die Stelle, wo man ihn hingelegt hatte. Nun aber geht und sagt seinen Jüngern, vor allem Petrus: Er geht euch voraus nach Galiläa; dort werdet ihr ihn sehen, wie er es euch gesagt hat." [Mk 16,1-8]
Oder bei Lukas: "Am ersten Tag der Woche gingen die Frauen ... in aller Frühe zum Grab ... zwei Männer in leuchtenden Gewändern sagten ihnen ...Er ist nicht hier, sondern er ist auferstanden ... Und sie kehrten vom Grab in die Stadt zurück und berichteten alles den Elf und den anderen Jüngern ... Doch die Apostel hielten das alles für Geschwätz und glaubten ihnen nicht. Petrus aber stand auf und lief zum Grab. Er beugte sich vor, sah aber nur die Leinenbinden [dort liegen]. Dann ging er nach Hause, voll Verwunderung über das, was geschehen war." Ob Petrus etwas verstanden hat, bleibt offen in diesem Moment.
Und Johannes lässt in seinem Evangelium den Petrus und den "Jünger, den Jesus liebte", Johannes, um die Wette zum Grabe laufen [Johannes 20,1-10]: "sie liefen beide zusammen dorthin, aber weil der andere Jünger schneller war als Petrus, kam er als erster ans Grab. Er beugte sich vor und sah die Leinenbinden liegen, ging aber nicht hinein. Da kam auch Simon Petrus, der ihm gefolgt war, und ging in das Grab hinein ... Da ging auch der andere Jünger, der zuerst an das Grab gekommen war, hinein; er sah und glaubte." Ob Petrus etwas verstanden hat, bleibt offen in diesem Moment.
Das Johannes-Evangelium reflektiert in dieser Ostererzählung bereits das Verhältnis zwischen Charisma und Amt. Der "Jünger, den Jesus liebte" ist schneller am Ziel, lässt aber dem Primus Petrus Zeit, auch anzukommen, und den Vortritt, in das Grab hineinzugehen. Und doch heißt es nur von dem "Jünger, den er liebte": "er sah und glaubte." Das Charisma hat Glauben.
"Simon Petrus sagte zu ihnen: Ich gehe fischen. Sie sagten zu ihm: Wir kommen auch mit ... Aber in dieser Nacht fingen sie nichts. Als es schon Morgen wurde, stand Jesus am Ufer. Doch die Jünger wussten nicht, dass es Jesus war ... Er aber sagte zu ihnen: Werft das Netz auf der rechten Seite des Bootes aus, und ihr werdet etwas fangen. Sie warfen das Netz aus und konnten es nicht wieder einholen, so voller Fische war es. Da sagte der Jünger, den Jesus liebte, zu Petrus: Es ist der Herr! Als Simon Petrus hörte, dass es der Herr sei, gürtete er sich das Obergewand um, weil er nackt war, und sprang in den See."
Das erinnert an Adam und Eva im Paradies. Als sie die Wahrheit erkannten, fühlten sie sich nackt und bedeckten ihre Blöße vor Gott. So geht es auch Petrus. "Keiner von den Jüngern wagte ihn zu fragen: Wer bist du? Denn sie wussten, dass es der Herr war."
Bekleiden wir uns als Liturgen deshalb so festlich, wenn wir die Memoria Christi, die Eucharistie feiern, um unsere geistliche Blöße zu bedecken? Legte deshalb der Bischof seine Pontifikalgewänder erst in der Kirche an und verehrte zunächst an der Kirchentür das Kreuz, den Kruzifixus, durch einen Kuss? War das die Erinnerung, dass jeder von uns Christus verraten und verleugnen kann?
Jesus wendet sich in den letzten Versen des Johannes-Evangeliums noch einmal ausdrücklich an Petrus [Johannes 21, 15-23]: "Simon, Sohn des Johannes, liebst du mich mehr als diese? Er antwortete ihm: Ja, Herr, du weißt, dass ich dich liebe. Jesus sagte zu ihm: Weide meine Lämmer!" Dreimal fragt Jesus so den Petrus: "Simon, Sohn des Johannes, liebst du mich?" Dann heißt es schlicht; "Da wurde Petrus traurig, weil Jesus ihn zum dritten Mal gefragt hatte: Hast du mich lieb?"
Aus dem Fischer Petrus ist der Menschenfischer Petrus geworden. Sein Fischerboot wird zur Kirche, die als Schiff Petri bezeichnet wird. Und in dieser Kirche lebt die Spannung zwischen Petrus, dem Fels der Kirche, und Johannes, dem Jünger, den der Herr liebte, und Paulus, der als Apostel der Heiden dem Petrus ins Angesicht widerstand, weiter als Spannung zwischen Amt, Charisma und missionarischem Dienst.
Und das Schiff Petri? Das konnte ich über viele Jahre hinweg meinen Freunden auf dem Tiber in Rom zeigen. Wir mussten uns aber klein machen wie die Kinder und sie hatte Jesus seinen Jüngern als Beispiel vorgestellt, als sie über Größe und Rang stritten. Dann konnten wir durch die Gitter der Engelsburg-Brücke auf dem Tiber einen Kahn sehen, der für mich das Schiff Petri bedeutete. Es war gestrandet im Treibgut und Schlamm des Tibers. Es war manövrierunfähig und von Wind und Wetter gebeutelt. Es war für mich Symbol des Lebens der Kirche geworden: in die Jahre gekommen, der Lack ab, wenig geschätzt und kaum mehr wahrgenommen. Für nichts mehr zu gebrauchen .
| Der wahre Petrus aber ruht auf dem Colle Vaticano in einem bescheidenen Grab, das von den Menschen seiner Zeit hochverehrt wurde. Damals lag der Vatikanhügel außerhalb der Stadt Rom. Die Menschen und Mächte späterer Zeiten umbauten und überbauten dieses Grab mit immer größeren und gigantischeren Kirchenbauten bis jene Kirche fertig wurde, die wir heute als Petersdom kennen. | |
| Jesu richtete kurz vor seiner Verhaftung, als unsere Erlösung ihrem Höhepunkt entgegen geht, ein ernstes, Hoffnung spendendes Wort an Petrus, den ersten Papst: "Ich aber habe für dich gebetet, dass dein Glaube nicht erlischt. Und wenn du dich wieder bekehrt hast, dann stärke deine Brüder." [Lukas 22, 32] | |
| Jesu ernste, Hoffnung spendende Zusage gilt auch heute, am Fest der Apostelfürsten Petrus und Paulus, unserem Papst, aber auch jeder Christin und jedem Christen: | |
| "Ich aber habe für euch gebetet, dass euer Glaube nicht erlischt. Und wenn ihr euch wieder bekehrt habt, dann stärkt eure Schwestern und Brüder." |
Im Blick auf die Milleniumsfeiern ist mein Schiff Petri auf dem Tiber entsorgt worden. Was unsere Kirche im kommenden dritten Jahrtausend zu tun hat, hat ihr Jesus als seine Beispiel am Gründonnerstag vorgelebt: "Denn ich habe euch ein Beispiel gegeben, als ich, der Herr und Meister, euch die Füße gewaschen habe, damit auch ihr so handelt, wie ich an euch gehandelt habe."
| Jede und jeder Einzelne? Als Gemeinde St. Peter in Mannheim? Als Kirche von Freiburg? Als deutsche Kirche? Als Kirche in Europa? Mit unseren evangelischen und orthodoxen Schwestern und Brüdern? Mit den Geschwistern Jesu, den Juden? Mit den Muslimen, die mit uns an den Gott Abrahams, Isaaks und Jakob und den Gott des Propheten Jesu und der Maria glauben? Mit allen Menschen guten Willens? | |
| Wollen wir uns darauf einlassen? Gegen den Größenwahn politischer, ideologischer und ökonomischer Heilsbringer! Gegen den Größenwahn selbsternannter Untergangspropheten und Scharlatane! | |
| Wollen wir uns darauf einlassen? Mit diesem Petrus zwischen Größe und Größenwahn! Mit diesem Petrus zwischen Nähe und Distanz zu Jesus! Mit diesem Petrus als Mensch, der sich seiner Sache, die die Sache Jesu war, so sicher war, dass er darüber manchmal den Glauben an Jesus aus dem Blick verlor. |
Und wem das in seinem eigenen Leben noch nie passiert, der werfe den ersten Stein auf den ersten Mann der Kirche: Petrus. Amen.
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©1998- 2012 Pater Dr. Benno Kuppler SJ |werte-wirtschaft-weiterbildung.de|WirtschaftsSeelsorger | UnternehmerBerater | EthikErzähler | münchen|file last updated 2012-01-01| we-wi-we Impressum| wirtschaftsethik | predigten| we-wi-we @ktuelles| Mein Kurzporträt pdf-file| Optimale Darstellung IE [download] |