Vom Reichtum, dem Leben & dem lieben Gott
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Dr. Benno Kuppler

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Vom Reichtum, dem Leben und dem lieben Gott
Universitätskirche St. Ludwig, München
5. August 2001

Lesungen: Kohelet 1,2; 2,21-23, Lukas 12, 13-21
18. Sonntag im Jahreskreis C

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bulletEröffnungsgesang Gotteslob 519: "Komm her, freu dich mit uns"
bulletKyrie-Ruf Gotteslob 485: "Der in seinem Wort uns hält"
bulletZwischengesang Gotteslob 520, 2: "Unser Wissen und Verstand"
bulletGabenbereitung Gotteslob 300: "Solange es Menschen gibt auf Erden"
bulletKommuniongesang Gotteslob 292 "Herr, dir ist nicht verborgen"
bulletSchlusslied Gotteslob 473: "Im Frieden dein"

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Liebe Schwestern und Brüder im Glauben,

"Vom Reichtum, dem Leben und dem lieben Gott", so habe ich meine Predigt zum heutigen Sonntag überschrieben. Ob alle diesen Text heute als Frohbotschaft verstehen, wage ich zu bezweifeln. Der Abschnitt aus dem Lukas-Evangelium endet doch sehr drastisch:

bullet"Da sprach Gott zu ihm: Du Narr! Noch in dieser Nacht wird man dein Leben von dir zurückfordern. Wem wird dann all das gehören, was du angehäuft hast?"

Ist das nicht, wie manche Christen kritisch anmerken, schon wieder diese Kritik an "den Reichen", "den Erfolgreichen", dieses "Miesmachen", wenn es jemanden gut geht? Ist das nicht die Einladung zum Sozialneid?

Ist dieses Evangelium nicht auch ein Schlag ins Gesicht all jener Menschen, die sich sorgen um ihre Altersvorsorge, die sich sichern und versichern wollen, gegen die Risiken des Alters, weil der Staat die Rundumversorgung offensichtlich nicht mehr sichern will oder kann?

Ist das nicht Kritik an Verantwortlichen in der Wirtschaft, die darauf schauen, dass ihre Unternehmen eine gute Performance hinlegen, um am Markt, am Neuen Markt, an der Börse den Shareholdervalue zu sichern und deshalb Personal abbauen, Menschen freisetzen?

Zugegeben, wenn jemand den Text als "Bedrohung", als "Infragestellung" so empfindet, so nehme ich dieses Gefühl ernst. Zugleich lade ich diesen Menschen aber ein, nachzuspüren, zu reflektieren, warum er den Text der heutigen Frohbotschaft als Drohbotschaft empfindet. Vielleicht ist ja ein Körnchen Wahrheit in dieser subjektiven Wahrnehmung, eine Anfrage an den Einzelnen, über Motive und Gründe dieses "Unwohlgefühls" nachzudenken.

Schauen wir uns aber den Text noch einmal genauer an!

bullet"Einer aus der Volksmenge bat Jesus: Meister, sag meinem Bruder, er soll das Erbe mit mir teilen."

Da steht die jüdische Tradition im Hintergrund, einen Schiedsspruch einzuholen, wenn Menschen sich nicht über ein Erbe einigen können. Jesu Reaktion ist klar: seine Aufgabe ist nicht das Zerteilen, das Zerlegen. Jesus stößt den Menschen, und damit auch uns Christen heute, auf die dahinter liegende, wichtigere Frage:

Was ist der Sinn deines Lebens?

Und seine Antwort an den fragenden Menschen ist klar: "Gebt acht, hütet euch vor jeder Art von Habgier." Und zu allen sagt er: "Denn der Sinn des Lebens besteht nicht darin, dass ein Mensch aufgrund seines großen Vermögens im Überfluss lebt."

Und dann erzählt er ihnen das Beispiel eines erfolgreichen Mannes, der überlegt, was er mit seinem großen Ernteerfolg anstellen soll.

Jetzt sind Sie und ich aber kaum große Bauern, die mit Überflüssen aus der Landwirtschaft planen müssen. Als könnten wir so tun, als ginge uns diese Gleichnisrede Jesu nichts an.

Weit gefehlt, liebe Mitchristen, meine ich! Überlegen Sie einmal kurz, was Sie alles Ihr eigen nennen! Viele von uns haben eine qualifizierte Ausbildung, sind reich an Bildung und Wissen. Und wir häufen immer weiter Wissen und Informationen an. Wir haben unsere intellektuellen Scheunen, wir sammeln und speichern aus Büchern, aus Vorträgen, aus dem Internet Wissen, Daten und Informationen an, weil wir diese morgen oder übermorgen einsetzen wollen: im Beruf, um uns gegen Kollegen zu behaupten; im Gespräch, um Eindruck zu machen gegenüber anderen; in der Partnerschaft, um als der Überlegene dazustehen. Wissen ist Macht!

Welchen Überfluss haben Sie und ich im Laufe der Jahre angesammelt? Ich habe das zuletzt bei meinem Umzug nach München im Mai festgestellt!

Ist das der Sinn unseres Lebens, Überfluss anzusammeln, Überflüssiges zu horten?

Die Einheitsübersetzung der Bibel überschreibt unseren Abschnitt aus dem Lukas-Evangelium mit dem Titel: "Das Beispiel von der falschen Selbstsicherheit des reichen Mannes".

Ich meine, der Titel kann uns auf die Sprünge helfen, um was es in der Gleichnisrede Jesu geht.

Jesus verurteilt nicht das Geschick und das Glück das Bauern, der eine übergroße Ernte einfährt. Ein Teil dieses Erfolges geht auf die Anstrengung des Bauern zurück, der sein Feld gut vorbereitet hatte, der die richtige Wahl für das Saatgut getroffen hat, der in der Zeit des Wachstum seinen Acker gepflegt und gehegt hat. Ein Teil des Erfolges ist dem Bauern auch geschenkt: die günstige Witterung, der Regen zu rechten Zeit, die Sonne in der Zeit der Reife. Das alles zusammen bewirkt die hervorragende Ernte. Und das ist anerkennenswert.

Auch die planerische Voraussicht des Bauern, neue Scheunen zu bauen, um die Ernte zu sichern, ist nicht zu kritisieren. Planung und Weitsicht gehören zum menschlichen Leben.

Warum dann die massive Drohung Jesu am Ende des Gleichnisses:

bullet"Da sprach Gott zu ihm: Du Narr! Noch in dieser Nacht wird man dein Leben von dir zurückfordern. Wem wird dann all das gehören, was du angehäuft hast? So geht es jedem, der nur für sich selbst Schätze sammelt, aber vor Gott nicht reich ist."

Da werden wir auf die Motivation, die Antriebskräfte des Bauers verwiesen. Die innere Einstellung zu seinem Erfolg ist der springende Punkt, ist der Grund für das Ärgernis, der Stein des Anstoßes:

bullet"Dann kann ich zu mir selber sagen: Nun hast du einen großen Vorrat, der für viele Jahre reicht. Ruh dich aus, iss und trink, und freu dich des Lebens!"

Jesu weist auf die Selbstbezogenheit des Menschen hin, mahnt vor der falschen Selbstsicherheit des reichen Mannes, ein Selfmademan.

Lassen Sie es mich drastisch ausdrücken: Der Bauer sieht nur seinen Erfolg, ist geblendet von der Chance des Lebens, so viel Reichtum angehäuft zu haben, dass er sich selbst genügt, dass er sich aus der Gemeinschaft mit den Menschen um hin herum meint verabschieden zu können. Er braucht niemanden mehr, ist ein gemachter Mann. Deshalb führt er auch ein Selbstgespräch, selbst bezogen auf sich.

Sicherlich, Reichtum, Vermögen kann beruhigend wirken, auch für mich als "armen" Ordensmann. Wo liegt als der Haken? Wo ist der Hund begraben?

Mein Reichtum, der in Wissen und Information besteht, ist nicht exklusiv für mich da. Ich darf ihn nicht einsetzen gegen andere Menschen. Ich darf andere Menschen nicht ausschließen an der Teilhabe meines Reichtums. Das ist eine Konsequenz des Gebotes der Gottes-, Nächsten- und Eigenliebe.

Wie kann das nun konkret aussehen? Lassen Sie mich einige Beispiele nennen, ohne diese in allen Einzelheiten auszufalten. Die Beispiele sollen Sie ermutigen, in Ihrem Leben nach Ihrem Reichtum und der Art, wie Sie damit umgehen, zu schauen. Vielleicht gibt es neue, alternative Möglichkeiten damit umzugehen.

Ich will zunächst noch einmal die Einwände aufnehmen, die ich am Beginn genannt habe:

bulletDas Evangelium, die Frohbotschaft des heutigen Sonntags, will weder den Reichtum noch die Reichen miesmachen.
bulletDas Evangelium, die Frohbotschaft des heutigen Sonntags, will keinen "Sozialneid" wecken.
bulletDas Evangelium, die Frohbotschaft des heutigen Sonntags, will nicht die berechtige Vorsorge von Menschen diskreditieren.
bulletDas Evangelium, die Frohbotschaft des heutigen Sonntags, will nicht die Manager an den Pranger stellen, die sich um gute Aktienkurse mühen.

Doch ein großes Aber muss folgen, weil dies das Evangelium so fordert.

Aber, vergiss nicht Deinen Nächsten, weil das Ausdruck des Gebotes der Gottes-, Nächsten- und Eigenliebe ist.

Deshalb einige Fragen, gedacht als An-Fragen, als In-Frage-Stellung zur Selbstreflektion.

bulletWie gehe ich meinen Zeit um? Wo teile ich Zeit mit anderen Menschen? Wo verschenke ich vom Reichtum meiner Zeit anderen Menschen?
bulletWie gehe ich mit meiner Arbeit um? Arbeite ich so viel, dass ich darunter leide und dennoch nicht bereit bin, Arbeit zu teilen, weniger zu arbeiten, damit andere vielleicht ein wenig Arbeit finden?
bulletWie gehe ich mit meinem Reichtum an Wissen und Information um? Wo teile ich dieses mit Menschen, die weniger davon haben, die angewiesen sind auf Hilfe und Rat?
bulletWie wäge ich ab, zwischen der Mehrung des Reichtums der Aktionäre und Eigentümer und der Armut von Menschen, die dadurch arbeitslos werden?
bulletWie gehe ich mit meiner Freizeit um? Kopiere ich den Leistungsanspruch aus der Arbeitswelt in meiner Freizeit oder teile ich Freizeit "nutzlos" mit Menschen, die mich brauchen, die mir wichtig sind und denen ich wichtig bin?
bulletWie suche ich meine Freunde aus? Nach beruflichem oder gesellschaftlichem Status, weil sie mir vielleicht nutzen, oder nach Qualitäten, die wir gerne ironisieren als "innere Werte", weil sie uns Mit-Menschen sind?

Sicherlich finden Sie selbst noch treffendere Beispiele für Ihre persönliche Lebenssituation.

"Du Narr! Noch in dieser Nacht wird man dein Leben von dir zurückfordern.", sagt Jesus in der Gleichnisrede. Er will uns einladen, nachzudenken, dass der Sinn unseres Lebens nicht in der Anhäufung von Reichtum besteht, sondern im rechten Umgang mit dem Reichtum im täglichen Leben.

Ich brauche immer wieder diesen Ruf Jesu: "Benno, du Narr!". Dann halte ich - manchmal - inne in der Betriebsamkeit meines Lebens, im Anhäufen von Wissen und Information, im Sammeln von Reichtum, weil ich merke, ohne den Anderen, den Mit-Menschen, ohne nutzloses Tun wird mein Leben sinnlos.

An diesem Sonntag möchte ich Sie ermutigen:

Tun Sie auch Nutzloses, damit Sie den Sinn Ihres Lebens nicht verfehlen. Das ist wahrer, würdiger Dienst an Gott und Dienst am Nächsten.

Dann schreckt Sie und mich die Aussicht vor dem Tod, auch einem plötzlichen Tod, nicht mehr. Denn die Verheißung Jesu an alle, die Reichtum teilen, ist Leben in Fülle, Leben in Seiner Fülle. Amen.

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