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Salz, Licht & Liebe
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| die Römer nutzten diesen Hügel als Kultstätte um die Zeitenwende, also vor zwei tausend Jahren, | |
| die Alemannen siedelten im späten dritten Jahrhundert in seiner Umgebung, und | |
| seit dem frühen 12. Jahrhundert ist die Kirche in Unterkochen urkundlich bekannt. |
Auch Ihr, liebe Gabriela, lieber Roland, kennt drei Phasen Eurer Beziehung, wenn ich das so grob schematisieren darf:
| eine sehr lange Zeit der Freundschaft in Hüttlingen. Viele Eure Freunde von damals sind heute gekommen. | |
| eine lange Zeit der Wochenendbeziehung zwischen Hüttlingen und erst Düsseldorf, dann Mannheim und schließlich Nürnberg. Und diese Phase habe ich ein wenig mitbekommen. In diese Phase fällt Eure standesamtliche Heirat am 30. November 1998 "aus rationalen Gründen". | |
| die dritte Phase Eurer Beziehung beginnt heute, am 29. Juli 2000, mit der kirchlichen Trauung, mit dem Tag, an dem Ihr Beide Euch das Sakrament der Ehe spendet. Und es ist vielleicht des Wiederholens wert, dass die Ehe das einzige Sakrament ist in der katholischen Kirche, das sich zwei Menschen selbst spenden. Sonst bedarf es immer der Vermittlung des Bischofs oder Priesters. |
Und in den Texten dieser Eucharistiefeier, die Ihr Beide ausgewählt habt, habe ich drei Symbole entdeckt: Salz, Licht & Liebe.
| Salz: die Würze, das Symbol der Weisheit. | |
| Licht: die Kerze, das Symbol für Christus. Deshalb habe ich eben, ohne ein Wort zu sagen, an der Osterkerze, Eure schöne Hochzeitskerze angezündet, weil die Osterkerze stellvertretend für Christus steht. Beim feierlichen Hochamt in der Osterzeit wird deshalb die Osterkerze mit Weihrauch inzensiert und der Altar. | |
| Liebe: da war es nicht notwendig ein Symbol mitzubringen. Denn dafür seid Ihr Beide da. Das nennt man dann theologisch ein Realsymbol: denn die Beiden, die die Liebe symbolisieren, sind gegenwärtig, greifbar und begreifbar. |
Und so will ich Euer Thema aufgreifen und als Thema mit drei Variationen entfalten:
| Salz, Licht & Liebe: Was sagen uns die biblischen Texte? | |
| Salz, Licht & Liebe: Was bedeuten diese Texte für uns alle als Christen? | |
| Salz, Licht & Liebe: Was können diese Texte, Euch Beiden, Gabriela und Roland, sagen? |
Salz, Licht & Liebe als drei Zutaten für Eure christliche Ehe, liebe Gabriela, lieber Roland. Denn, ihr wart ja recht anspruchsvoll mit Eurem Trauspruch, wo es heißt: "Einen Menschen lieben, heißt einwilligen, mit ihm alt zu werden." Ich fand das ziemlich anspruchsvoll.
Die Verse 13-16 aus dem 5. Kapitel des Matthäus-Evangelium gehören in den größeren Zusammenhang der Jüngerbelehrung, die auf die Seligpreisungen auf dem Berg folgen. "Selig seid Ihr ..." sagt Jesus auf dem Berg zu der Menge. Und dann wendet Er sich an seine Jünger: "Ihr seid das Salz der Erde" und "Ihr seid das Licht der Welt" sagt Jesus zu seinen Jüngern. Was meint Jesus damit?
"Ihr seid das Salz der Erde": Salz ist ein Gewürz. Wir fügen es in geringen Mengen unseren Speisen zu: und schon schmecken sie uns, sind genießbar. Und wir sagen ja gelegentlich mal, die Köchin oder der Koch seien verliebt, wenn zuviel Salz im Essen ist. Vielleicht ist das ein etwas volkstümlicherer Zugang zu unserem Thema. Wer aus gesundheitlichen Gründen salzarm oder salzlos essen muss, der weiß, wie fad ohne Salz unser Essen sein kann.
Jesus vergleicht seine Jünger mit dem Salz: "Ihr seid das Salz der Erde." Was sollen also die Jünger als Salz tun? In gleichsam homöopathischen Dosen sollen sie in der Welt wirken, sie sollen als Wirk-Stoff in einer Gesellschaft gegenwärtig sein, die damals noch nicht christlich, aber auch noch nicht genügend jüdisch durchdrungen war. Die Jünger sollen die Botschaft des Gottes Abrahams, Jakobs und Isaaks, des Gottes Jesu Christi in ihre Welt tragen. Und weil das Salz in geringen Dosierungen wirkt, bedarf es keiner großer Heere, sondern die kleine Herde Jünger kann in der Welt wirksam werden. Jesus ermutigt die wenigen, die Ihm folgen, sich dennoch auf den Weg zu machen.
Die Wirkungsgeschichte dieser Salzkörner spüren wir noch heute.
"Ihr seid das Licht der Welt": Licht ist erkennbar, Licht leuchtet. Der Jünger soll erkennbar sein, wie die Stadt auf dem Berg, wie das Licht auf dem Leuchter. Licht unter dem Scheffel ist Schildbürger Streich. Licht braucht der Mensch, die Natur: zum Leben und Wachsen, um Leben in Fülle zu haben. Ebenso braucht die Welt die Jünger Jesu und ihr Wirken, um Leben in Fülle zu haben. Die guten Werke brauchen wir nicht zu verstecken, genauso wenig wie das Licht, weil sie hinweisen auf den Vater im Himmel, haben wir im Evangelium gehört.
"Erde" und "Welt", die Gesellschaft, brauchen den Jünger, die Botschaft Jesu und den Vater im Himmel. Die Jünger brauchen keine Sorge zu haben, sie seien zu wenige, um die Botschaft des angebrochenen Reiches Gottes zu verkünden. Sie wirken wie Salz in sparsamer Dosierung und leuchten wie Licht, das im Dunkeln nicht zu übersehen ist.
Und was der Inhalt der Botschaft ist, dass erfahren wir aus den Regeln des Römerbriefes, in denen Paulus die zehn Gebote in Erinnerung bringt, aber mit einer kleinen, wichtigen Akzentverschiebung. Nicht das Erfüllen der Gebote an und für sich ist wichtig, das würde wieder Leistung bedeuten, so das Erfüllen dieser Gesetzes aus Liebe. Die Zusammenfassung des Gesetzes lautet: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.
Vielleicht kennen das einige von Euch auch: Ich beobachte mich manchmal dabei, dass ich in ein Jammern darüber gerate, dass unsere Gesellschaft sich ihrer christlichen Wurzeln nicht mehr bewusst ist, dass sie der Kirche gegenüber undankbar ist, die so viel beigetragen hat zu einer humanen Entwicklung Europas. Und überhaupt ...
Und dann bekomme ich zugemutet von Euch Beiden, mich mit einem Text wie Mt 5,13-16 wieder einmal intensiver zu befassen. Da muss ich über mich selber schmunzeln. Jesus hat ganz klar gesehen, dass die Welt um ihn herum, keine jüdisch-fromm-heilige Idylle war. Sonst hätte es vielleicht der Erlösung gar nicht bedurft.
Warum zerbreche ich, aber auch viele andere in der Kirche, uns den Kopf darüber, dass die Welt nicht so ist, wie wir meinen, dass sie sein solle. Stattdessen könnte ich mich damit "trösten" und auch damit meine Ansprüche relativieren, wenn ich die Sendung Jesu ernst nähme: "Ihr seid das Salz der Erde!" und "Ihr seid das Licht der Welt".
Dann brauchte ich nur das zu tun, was mir aus dem Glauben und der Botschaft Jesu aufgetragen ist. Dann würde ich mit meinem Handeln Würze in das Leben unserer Gesellschaft bringen und das Leben in der Welt ändern. Und die Kirche wäre dann erfahrbar als "Lumen gentium", als Licht der Völker, wie es im Zweiten Vatikanischen Konzil hieß.
Denn mein Tun, meine Erfolge, meine Glaubwürdigkeit könnten anderen den Weg zum Vater im Himmel weisen: einladend und überzeugend.
Und was ich jetzt auf mich bezogen gesagt habe, darf, wer will, auch auf sich anwenden. Ich möchte da niemandem Vorschriften machen.
Das wäre doch toll, wenn jeder von uns sich immer wieder einmal in seinem Umwelt, in seiner Familie, in seinen Arbeitsbeziehungen als "Salz der Erde" oder als "Licht der Welt" bewährte. Ich traue uns das zu, weil Jesus uns diese Qualität zugesprochen hat: Ihr seid das Salz der Erde, Ihr seid das Licht der Welt.
Die Kriterien für unser Handeln und Lassen finden wir im Römerbrief und in der Tradition des jüdischen Volkes: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.
Vielleicht tun wir uns mit diesem Auftrag Jesu so schwer, weil er so simpel zu sein scheint: Jesus verlangt von uns keine Wunder, keine geistlichen Höchstleistungen, sondern "einfaches Alltagschristentum", ohne Flimmer und Klamauk. Wir aber sind Kinder unserer Leistungsgesellschaft und haben verlernt, das Einfache einfach nur zu tun.
Liebe Gabriela, lieber Roland, auch ihr lebt in dieser unserer konkreten Welt. Auch Ihr seid für die Erde Salz und für die Welt Licht. Das gilt für Euer privates Umfeld, das gilt für das Berufsleben. Erwartet nicht, dass ich Euch jetzt Patentrezepte gebe, das mache ich nicht. Aber: Würzt mit Eurem Salz das Leben, aber versalzt es nicht Euch und den Anderen. Steckt Euer Licht auf, wo es dunkel ist, wo Wärme gesucht wird, aber leuchtet niemandem heim.
Und hört noch einmal genau hin: "Ihr seid das Salz der Erde" und "Ihr seid das Licht der Welt", so spricht Jesus. Er sagt "Ihr seid", nicht "Ihr müsst sein" und deshalb fällt alles weg, was nach Leistung, nach Druck, nach Moral und "Moralin" klingt. Ihr müsst nicht sein, sondern Ihr seid. Und ich meine, dass bedeutet, dass Ihr und wir Wert haben in den Augen Jesu. Wenn Ihr in Beziehung zu Jesus bleibt, dann seid Ihr mit Ihm und durch Ihn Salz der Erde und Licht der Welt.
Und die Liebe: die ist immer ungeschuldet, nicht einklagbar. Das Doppelgebot der Nächsten- und Eigenliebe zeigt aber zugleich Grenzen von Zuständigkeiten auf. Da wünsche ich Euch das Gespür für Euch als einzelne und als Paar und für die Umwelt.
Salz, Licht & Liebe als drei Zutaten für Eure christliche Ehe, liebe Gabriela, lieber Roland, die sollt Ihr mitnehmen, nachdem Ihr Euch das Sakrament der Ehe gespendet habt:
Das Licht in der Form einer Kerze, von der Familie von Josef. Sie wurde an der Osterkerze entzündet. Sie wird zum Symbol für Christus. Sie könnt Ihr jedes Jahr an der Osterkerze neu entzünden!
Das Salz, die Würze, als Salz der Weisheit: so haben es früher einmal die Täuflinge in den Mund gelegt bekommen. Geht sparsam und klug damit um.
Die Liebe: dafür seid Ihr Beide selbst das Realsymbol. Pflegt diese Liebe, so wie Ihr auf Eure Körper achtet. Auch Ihr als Symbol der Liebe braucht Aufmerksamkeit und Fürsorge, schenkt sie euch selbst und lasst sie euch schenken.
Und dann macht Euch auf den Weg, steigt den Berg wieder hinab, Euren Trauspruch im Alltag zu verwirklichen: "Einen Menschen lieben, heißt einwilligen, mit ihm alt zu werden." Da liegen, so gebe es Gott, noch einige Jahre vor Euch! Amen
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©1998- 2012 Pater Dr. Benno Kuppler SJ |werte-wirtschaft-weiterbildung.de|WirtschaftsSeelsorger | UnternehmerBerater | EthikErzähler | münchen|file last updated 2012-01-01| we-wi-we Impressum| wirtschaftsethik | predigten| we-wi-we @ktuelles| Mein Kurzporträt pdf-file| Optimale Darstellung IE [download] |