50 Jahre Berufung als Ordensfrau
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P. Benno Kuppler SJ - ein Porträt

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Die Berufung des jungen Samuel
1927 - 1977 - Goldene Ordensprofess von Sr. M. Michäa
aus der Genossenschaft der Armen Dienstmägde Jesu Christi - Dernbacher Schwestern
am 24. November 1977 in Rheydt-Odenkirchen, St. Josef-Haus

Lesung: 1 Samuel 3, 1- 21

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Meine liebe, verehrte Schwester Michäa, liebe Tante Katharina,
liebe Schwestern und Brüder im Herrn!

"Heute in vier Wochen ist der große Tag." schrieb mir am 24. Oktober meine Tante Katharina, unsere liebe Schwester Michäa. Nun ist er da: der Tag großer Freude, der Tag großer Dankbarkeit. Feiern wir also gemeinsam. Lasen wir uns erfüllen von der Freude, von der das Evangelium spricht.

Denn was wir zu feiern haben, ist einer großen Feier wert. Wir feiern mit unserer lieben Sr. Michäa die Goldene Profess, wir feiern das "Ja", das sie vor 50 Jahren als Antwort auf den Anruf Gottes gab. Wir feiern als glaubende Menschen die Heilige Messe, die Eucharistie, als Dank-Sagung für Gottes Treue in den 50 Jahren. Denn ohne die Gnade Gottes, ohne das freie Geschenk Gottes könnte kein Mensch dieses "Ja" sprechen.

Deshalb wollen wir heute feiern, wollen uns miteinander freuen, dass Sr. Michäa über 50 Jahre hindurch ihr "Ja" gehalten hat, in guten und in schlechten Tagen. Und weil wie als glaubende Menschen dieses Geschenk Gottes an unsere liebe Schwester mit feiern, wollen wir uns gemeinsam überlegen, was eigentlich im Leben eines Menschen geschehen muss, dass er "Ja" sagen kann. Lassen wir uns von der Lesung und dem Evangelium ansprechen und mitteilen, was Anruf Gottes, was Nachfolge Christi bedeuten und fordern.

Ist die Schilderung aus dem ersten Buch Samuel nicht eindrucksvoll? Können Sie sich auch vorstellen, wie sich diese Berufung ereignet hat? Schauen wir uns diese Geschichte noch einmal näher an: Da heißt es: "Zu jener Zeit war ein Wort Jahwes selten." Ist das nicht eine Erfahrung, die viele Menschen auch in unseren Tagen zu machen glauben: Wo ist denn Gott? Wo spricht er? Wo kann ich ihm begegnen? Gott hat sich scheinbar aus seiner Welt zurückgezogen. Aber eben nur scheinbar!

Denn, wie ergeht es dem jungen Samuel? Er arbeitet, er dient mit dem Propheten Eli im Tempel. Und während seiner Arbeit erfährt er einen Anruf: er hört, dass sein Name gerufen wird. Was liegt da näher, als zu dem zu gehen, mit dem Samuel gerade zusammen ist, zu Eli. Aber dieser hat nicht gerufen und fordert den Samuel auf, sich wieder schlafen zu legen.

Die Szene wiederholt sich ein zweites und ein drittes Mal. Da erst merkt Eli, der aufgrund seines Alters vertrauter im Umgang mit Glaubenserfahrungen sein sollte als Samuel, dass Gott es ist, der Samuel anspricht, ihn beim Namen ruft. Eli hilft nun dem Samuel, auf einen neuen Anruf Gottes zu antworten, er bereitet ihn vor, seine eigene Gotteserfahrung zu machen.

Und tatsächlich: Gott ruft ein viertes Mal: "Samuel, Samuel!" Jetzt ist Samuel bereit, er öffnet sich dem Anruf Gottes und antwortet: "Rede, denn Dein Diener hört!"

Gott hat in das Leben des Samuel hineingesprochen, er hat den Samuel da angesprochen, wo er lebte. In der Alltäglichkeit der Arbeit sucht Gott den Menschen auf, nicht in außergewöhnlichen Lebenslagen. Und: Gott hat Ausdauer, er überlässt den Samuel nicht seinem Schicksal, er ruft viermal nach dem Menschen. So hat er auch nach jedem von uns gerufen!

Wie aber reagiert Samuel, wie reagieren wir Menschen: wir begreifen gar nicht, was uns mit dem Abruf geschieht, wir suchen nach dem Rufenden in unserer Umgebung und merken nicht, da0 es Gott ist, der da ruft. Unsere Umgebung kann uns zunächst nicht helfen, denn sie hat den Anruf nicht vernommen, der nur einem einzelnen Menschen, dem Samuel, aber auch dir und mir gilt.

Aber: wie der Samuel den Eli hatte, so haben wir auch Mitmenschen, die helfen können, uns zu bereiten, einen Anruf Gottes wahrzunehmen, feinfühlig zu werden, dass auch heute Gott auf unsere Antworten wartet.

Und welche Antwort geben wir Gott? Sr. Michäa hat zum Anruf Gottes "Ja" gesagt. Sie wird sich in dieser Geschichte des jungen Samuel wieder entdeckt haben mit ihrer eigenen Berufungsgeschichte. Erkennen wir nicht auch unsere Berufungsgeschichte mit Gott in den Erlebnissen des Samuel?

War es nicht für unsere Sr. Michäa zunächst un-glaublich, dass gerade ihr der Anruf Gottes gelten sollte? Wenn ich selbst dann auf meine Berufungsgeschichte, die Gott mit mir hatte, zurückschaue - und bei mir sind dies noch keine fünfzig Jahre her! - so konnte ich selbst es nicht fassen, dass ich gemeint war. Aber ich habe dann erleben dürfen, dass es Menschen gab, die mir halfen, in die Nachfolge Christi zu treten. Ist es dieser Festtag nicht wert, dass jeder von uns an die Ursprünge seiner Berufung zurückgeht, dass jeder von uns sich des Tages erinnert, an dem Gott zu ihm gesprochen hat: "Ich habe Dich bei Deinem Namen gerufen, Du bist mein!" [Jes 43,1]

Jeder von uns hat so seine Berufungsgeschichte mit Gott und dennoch haben wir alle etwas gemeinsam: das gebot Christi an seine Jünger und an uns: "Liebet einander, wie ich euch geliebt habe." Das ist das Außerordentliche, das Einmalige an Jesus: er gibt seinen Jüngern nicht etwa einen Katalog an Gesetzen, sondern knapp und eindeutig: "Liebet einander, wie ich euch geliebt habe." Wir würden dieses gebot ganz schön missverstehen, wenn wir meinten, "Liebe" sei nur persönliche Zuneigung, sei, sich gegenseitig nett zu finden.

Nein! Jesus begründet sein Gebot der Liebe mit seiner Liebe zum Vater: und dass diese Liebe keine unverbindliche Liebelei war, sehen wir, wenn wir auf das Kreuz blicken.

"Liebet einander" meint, wir sollen unser Leben, unsere gesamte Existenz bestimmen lassen im Dasein für Andere, unser Leben soll im Dienst Jesu gegründet sein. Ein gewaltiger Anspruch! Ein mögliches Ende gibt Jesus selbst an: "Eine größere Liebe hat niemand als die, dass er sein Leben für seine Freunde hingibt." Spüren sie nicht auch schon die Last, wir könnten das Gebot nicht erfüllen?

Jesus hilft uns, er will uns nicht in Sorge versetzen, sondern gibt uns eine Verheißung, macht uns die Zusage einer Gnade: "meine Freude sei in euch und eure Freude werde vollkommen." Wir erfahren eine Kraft in uns, die uns stärkt, ermutigt und antreibt, weiter in der Nachfolge Christi zu gehen: Seine Freude. Wir sind nämlich seine Freunde, nicht Knechte nennt er uns. Dabei haben wir uns noch gar nicht als Freunde erweisen können, er aber nennt uns seine Freunde, weil er uns alles über den Vater offenbart hat, was er selbst weiß. Er setzt auf unser Mitmachen, dass wir einander lieben, wie er uns geliebt hat.

Liegt darin nicht eine innere Begründung für unsere Gemeinschaften, für ihre Gemeinschaft als Genossenschaft der Armen Dienstmägde Jesu Christi? Wir wissen uns als einzelne von Christus gerufen und untereinander verbunden durch sein Gebot. In unseren Diensten, aber auch in unserem Gemeinschaftsleben stehen wir unter dem Anspruch seines Liebes-Gebotes. Das ist unsere Sendung, "dass ihr hingeht und Frucht bringt und eure Frucht bleibe!".

Haben wir nicht Grund, zu feiern! Müssen wir uns nicht gegenseitig sagen: ich bin voll seiner Freude!

Denn das, was wir in der Lesung und im Evangelium gehört haben, dass Gott mit dem einzelnen Menschen einen Bund schließt und in Christus uns das Grundgesetz unseres Handelns übermittelt ist, dass können wir heute gemeinsam mit Sr. Michäa in tiefer Dankbarkeit feiern.

Wir feiern mit unserer lieben Sr. Michäa den 50 Jahrestag ihrer Profess: wir erinnern uns des bedeutendsten Tages in der Lebens- und Berufungsgeschichte unserer Mitschwester, wir spüren in dieser Stunde, dass Gott jedem von uns nahe ist, wenn wir uns bereiten, wenn wir innehalten in der Betriebsamkeit des Alltages.

Das "Ja" unserer Sr. Michäa auf das freie Geschenk, auf die Gnade Gottes, das sie vor 50 Jahren gesprochen hat und dem sie treu bleiben durfte, wollen wir heute neu in unsere gemeinsame Danksagung, die Eucharistie mit hineinnehmen. Wir wollen unser eigenes "Ja" dazustellen, uns selbst darbringen in den Gaben von Brot und Wein, damit wir gewandelt werden in Christus.

So danken wir gemeinsam für Gottes Gnade, die wir immer wieder erfahren, für Gottes Treue, die jeden von uns auf seinem Lebensweg begleitet, und danken wir Gott heute besonders, dass wir in Sr. Michäa einen Menschen erleben dürfen, der Gott antwortete und an dem sich die Verheißung Christi erfüllt: "damit meine Freude in Dir sei und Deine Freude vollkommen werde." Amen.

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