Sehet her, ich mache etwas Neues
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Dr. Benno Kuppler

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Sehet her, nun mache ich etwas Neues.
Der Weg des Menschen.

Lesungen: Jes 43, 16 - 21, Johannes 8, 1 - 11

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Die Lesung dieses fünften Fastensonntags versetzt uns in die Zeit des babylonischen Exils. Dem Propheten ist es aufgetragen, das Heilshandeln Gottes zu verkünden. Die Stichworte "das Frühere", das "Vergangene", "Neues" weisen darauf hin. Der Deuterojesaja bleibt bei seinem Blick in die Geschichte des auserwählten Volkes an den großen Heilstaten Gottes haften. In großartiger Einseitigkeit lässt er die lange, oft durch Sünde und Strafe verdunkelte Zwischenstrecke der Geschichte Gottes mit seinem Volk außer Betracht.

Das könnte uns heutige Christen ermutigen, auch in unserem eigenen Leben erst einmal nach den Heilstaten Gottes zu suchen. Später dann können wir auch unsere durch Sünde und Strafe verdunkelte Zwischenstrecke unserer Lebensgeschichte betrachten.

Oft machen wir es umgekehrt: wir schauen so intensiv nach dem Missglückten, dem Gescheiterten in unserem Leben, dass unser Blick getrübt ist, das Geglückte, das Befreiende, das Gelungene unseres Lebens zu sehen und uns daran aufrichtig zu freuen.

Wenden wir uns aber nochmals dem Text zu!

Mit der Botenformel "so spricht der Herr" wird dieser prophetische Text eröffnet. In diese traditionelle Botenformel bezieht der Prophet das Heilshandeln Gottes ein. Es ist die Glaubensüberzeugung des jüdischen Volkes: Jahwe ist der Gott, der das Volk durch das Schilfmeer geführt und so vor den Ägyptern gerettet hat. Diesen Gott kann der Gläubige nur loben und preisen.

Da muss es die damaligen Hörer und uns heute verwundern, wenn der Prophet dann sagt: "Denkt nicht mehr an das, was früher war; auf das, was vergangen ist, sollt ihr nicht achten." Sollten wir uns nicht der ganzen Geschichte Gottes mit uns, seinem Volk, bewusst sein und bleiben?

Wir dürfen dieses Verbot als ein drastisches rhetorisches Mittel ansehen, um das Folgende wirkungsvoller herauszustellen. Tatsächlich mahnt Jahwe im prophetischen Wort: Denkt an die früheren Weissagungen seit alter Zeit. Und dieses Gedenken hat seinen ursprünglichen Ort in der kultischen Feier. Sie ist das Gegenwärtigsetzen des göttlichen Heilshandelns.

Das Verbot des Deuterojesaja will dem Volk Israel damals und uns heute sagen: Lasst ab von dem trauernden, zurückgewandten Sich-Klammern an das Vergangene und öffnet euch dafür, dass eine neue wunderbare Gottestat vor euch liegt.

Und ganz behutsam werden wir eingeladen, unsere Augen und Ohren, unsere Sinne zu öffnen: "Seht her, nun mache ich etwas Neues. Schon kommt es zum Vorschein, merkt ihr es nicht."

Das Neue wird in Bildern beschrieben, die einen Weg zum Leben verheißen: die Wege in der Steppe, die Straßen in der Wüste, Wasser fließt in der Steppe, Ströme fließen in der Wüste. Die Steppe und die Wüste werden fruchtbar. Sie werden Symbole der Fülle des Lebens. Schakale und Strauße, die wilden Tiere werden Jahwe preisen.

Um wie viel mehr wird sein Volk seinen Ruhm verkünden, wo Gott doch sein erwähltes Volk tränkt, ihm neues Leben schenkt.

Jeder, der Gottes Hilfe erfahren hat, muss sein Lob erzählen und vor der ganzen Gemeinde verkünden, was ihm widerfahren ist. So kehrt in unserem Lobpreis Gottes gleichsam alles, was Gott an uns und für uns wirkte, zu ihm selbst zurück.

Das beten und bekennen wir auch in der Eucharistie. Im vierten Hochgebet lesen wir:

"Sieh her auf die Opfergabe, die du selber deiner Kirche bereitet hast, und gib, dass alle, die Anteil erhalten an dem einen Brot und dem einen Kelch, ein Leib werden im Heiligen Geist, eine lebendige Opfergabe in Christus zum Lob deiner Herrlichkeit."

Wenn wir so in der Eucharistiefeier des Heilshandelns Gottes in Jesus Christus gedenken, sind auch wir aufgefordert:

Versteift euch nicht auf das "Vergangene" in der Gegenwärtigsetzung der Eucharistie. Haltet Ausschau nach dem Neuen, dem Kommenden.

So lade ich uns alle ein, unsere Augen und Ohren, unsere Sinne zu öffnen für das Neue, das schon zum Vorschein kommt. Die Natur lädt uns in diesen Tagen ein, unsere Sinne zu öffnen: sie sprosst bereits. Wir können das als Gleichnis nehmen: Die uns zugesagte Erlösung, die sich in Jesus Christus ereignet hat, auch sie sprosst.

Wenden wir unsere geistlichen Sinne an, um das Neue der Erlösung zu bemerken: in unserem eigenen Leben, im Leben der Gemeinde, im Leben der Welt.

Unsere Antwort wird dann der Lobpreis sein: er hat Großes an mir getan, heilig ist sein Name.

Loben wir Gott im Kreise der Gemeinde. Loben wir Gott im Kreise unserer Familien und Gemeinschaften. Loben wir Gott in unseren Herzen. Loben wir Gott gemeinsam und alleine auch durch unsere Taten. Amen.

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