Seligpreisungen als Fundament
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Dr. Benno Kuppler

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Die Seligpreisungen ernst nehmen.
Sie sind so etwas, wie die Fundamente eines Hauses.

Lesung: Matthäus 5, 1-12 a

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Liebe Franka, lieber Bodo!

Ihr seid heute in die Kirche gekommen, um vor Gott und der christlichen Gemeinde das Ja erneut auszusprechen, das ihr zueinander schon vor längerer Zeit gesprochen habt. Ihr wollt, dass Eure Ehe auch vor Gott als das angesehen wird, was sie für euch bedeutet: Das unbedingte Ja zueinander, der Ausdruck gegenseitiger Liebe.

Das wollt ihr und wir alle, die zu diesem Gottesdienst in die Kirche gekommen sind, mit euch feiern. Ihr könnt euch trauen und wir können uns mit euch freuen, weil wir wissen: Gott ist treu.

Und diese Treue Gottes macht es uns Menschen erst möglich, treu zu sein und befähigt euch, Franka und Bodo, das Wagnis einzugehen, Treue bis in den Tod zu geloben.

Aber beim einmaligen Versprechen der Treue kann es nicht stehen bleiben. Weil ihr einmal zueinander gesagt habt, ich will dir treu sein, hat sich noch nichts wesentliches getan, wenn ..., ja wenn ihr beide nicht versucht, diese Treue zu leben. Und dann ist Treue nichts Abstraktes, nichts Akademisches, dann ist Treue Alltägliches.

Für dieses alltägliche Leben bedarf es notwendiger Grundlagen. Sicherlich, da fallen einem zunächst die materiellen Grundlagen ein: das Einkommen zum Auskommen, eine Wohnung als Beheimatung. Vielleicht denkt der eine oder andere auch an die Gesundheit. Ihr selbst habt ja in den zurückliegenden Wochen erfahren müssen, wie es euch in Aufregung versetzt hat, als Euer Kind plötzlich krank war.

Aber, da gibt es noch eine Grundlage, die ihr, Franka und Bodo, und ich und all die anderen nicht mit Händen greifen können. Eine Grundlage, die keiner für Geld und gute Worte kaufen kann. Eine Grundlage, die aber jedem Christen geschenkt ist, als Grundausstattung für das Leben, auch als Mitgift für die Ehe: die Gnade des Glaubens.

In der Taufe ist euch beiden, Franka und Bodo, wie jedem Christen, dieses Geschenk der Gnade unverdient und umsonst zuteil geworden.

Aber mir will scheinen, in unseren Tagen gilt, was der Volksmund so ausdrückt: "Was nichts kostet, das ist auch nichts!" Die Gnade haben wir umsonst empfangen. Hoffentlich war es aber nicht umsonst!

Wenn ihr beide, Franka und Bodo, euch heute vor Gott und der Kirche hinstellt und sagt: ja, wir sind getauft, wir haben umsonst die Gnade empfangen, dass Gott unser Vater ist, dann drückt ihr damit auch Hoffnung aus. Die Hoffnung nämlich, euer Leben auszurichten an Gott.

Gott ist treu zu euch gewesen in eurem vergangenen Leben, auch in Situationen, wo ihr beide das gar nicht so richtig gesehen habt, wo ihr beide vielleicht nicht sehr ausdrücklich an ihn gedacht habt. Gott blieb bei euch.

Das haben wir drei lange miteinander besprochen, als ihr wegen der Trauung zu mir gekommen seid.

So wollt ihr heute bewusst und ausdrücklich an dieses Geschenk der Taufgnade anknüpfen: "Wir, Franka und Bodo, wollen vor Gott ja zueinander sagen, in der Hoffnung, dass er so auch mit uns und unserer Familie sein wird. Besser noch und richtiger: dass wir, die Franka und der Bodo, Gott in unserem Leben und dem Leben unserer Familie einen angemessenen Platz einräumen."

Das ist einfacher gesagt als getan. Das wisst ihr und weiß jeder, der ehrlich sein eigenes Leben anschaut. Es scheint besonders einfach gesagt, wenn der äußere Rahmen so feierlich ist und alle froh gestimmt sind.

Ihr selbst habt für dieses Fest das Evangelium ausgesucht. Die Seligpreisung aus der Bergpredigt.

Hört noch einmal den Anfang dieses Evangeliums: "Er stieg mit ihnen auf einen Berg." Sich mit Jesus auf den Weg machen, bedeutet zunächst einmal eine Anstrengung: Wir müssen mit ihm auf den Berg steigen. Dann beginnt Jesus erst die Seligpreisungen. Und darin entfaltet er die Grundlagen für das menschliche Leben, jene Grundlagen, die keiner von uns für Geld und gute Worte bekommen kann. Aber durch die Gnade der Taufe sind wir fähig, uns um diese Grundhaltungen der Seligpreisungen zu bemühen.

Vielleicht denkt der eine oder andere eurer Hochzeitsgäste: Die Seligpreisungen sind doch nicht zu verwirklichen, das sind schöne Ideale. Aber so in der Kirche bei einer Trauung da braucht man ja etwas Auferbauliches, mit dem Leben hat das alles doch nichts zu tun.

Wenn ich in unsere Gesellschaft hineinschaue und mein eigenes Leben betrachte, dann ist es schwer, da zu widersprechen.

Dennoch sind die Seligpreisungen ernst zu nehmen. Sie sind so etwas, wie die Fundamente eines Hauses. Wenn die Fundamente einmal richtig gelegt sind, die Kellerdecke drauf ist, ein schönes, stabiles, wohnliches und einladendes Haus darauf steht, dann sieht keiner mehr von außen die Fundamente. Aber die Fundamente sind da. Ohne sie gäbe es das Haus nicht.

Wenn mich dann später irgendwann einmal "der Teufel reitet", wie man so umgangssprachlich sagt, dann kann ich mein Haus verschandeln, die Fassade erhält Risse und der Dachstuhl gerät ins Wanken. Das zeigt mir dann, dass ich meine Fundamente vergessen habe.

Erst wenn ich mich der Fundamente wieder erinnere, kann ich an die Renovierung des Hauses gehen.

Und so wird das auch zwischen euch, Franka und Bodo, und in eurer Familie sein.

Heute spreche ich euch das Wort Jesu zu:

bullet"Selig seid ihr, weil ihr euch der Treue Gottes erinnert habt und aus seiner Treue zu euch von jetzt ab euer Leben gestalten wollt."

Die inneren Haltungen und Überzeugungen, die euch heute an den Altar geführt haben und die in den Seligpreisungen ausgesprochen werden, müssen in eurem Leben immer neu verwirklicht werden. Aber nicht nur in eurem Leben, auch jeder von uns, die wir mit euch heute hier feiern, muss dies versuchen.

Lasst es mich für euch, liebe Franka, lieber Bodo, an einigen Beispielen verdeutlichen, was ich meine.

bulletSelig, die Frieden stiften.

Dass es bei euch Unfrieden geben wird, liegt nicht nur an der Bosheit von jedem einzelnen von euch. Es liegt an eurer, an unserer menschlichen begrenzten Einsicht: Wir sehen den anderen nicht. Wir werden nicht gewahr, was in ihm umgeht. Wo er sich bedrängt fühlt. Wir wissen nicht, warum er an einer Stelle mehr verletzlich ist, als wir denken.

Frieden stiften kann dann bedeuten, dass ich den anderen so lasse, wie er ist. Dass ich ihn nicht umerziehen will nach dem Bild, das ich mir von ihm gemacht habe. Dass ich aber mit ihm spreche, ihn zu verstehen suche, die Hand wieder ausstrecke nach einem Streit.

Deshalb wünsche ich euch den Mut und die Freiheit, immer wieder Frieden untereinander zu machen. Dann gilt euch Jesu Wort:

bulletSelig, die Frieden stiften.
bulletSelig, die Barmherzigen.

Jeder von uns weiß, auch ihr beide wisst, wir machen Fehler, haben bestimmte Schwächen. Da brauchen wir Verständnis, ja mehr noch, wir brauchen Barmherzigkeit: jene Haltung, die über unsere Grenzen hinweg schaut, die uns nicht immer wieder auf unsere Schwachpunkte hinweist, in unseren Wunden rührt, sondern sagt: Ich liebe dich so, wie du bist. Ich warte auf dich, wie der barmherzige Vater auf den verlorenen Sohn. Ich traue dir die Umkehr zu.

Deshalb wünsche ich euch den Mut und die Freiheit, barmherzig zu sein. Dann gilt euch Jesu Wort: Selig die Barmherzigen.

bulletSelig, die arm sind vor Gott.

Da geht es nicht um Armut und Reichtum im materiellen Sinn. Da geht es nicht um Intelligenz oder Dummheit. Da geht es um unsere Grundhaltung zu Gott: weiß ich und kann ich aus ehrlichem Herzen annehmen, dass mir alles von Gott geschenkt ist und geschenkt wird. Dass es nicht auf meine Leistung an kommt. Und kann ich selbst Güte und Menschlichkeit gegenüber anderen üben. Gott will euch, Franka und Bodo, aber auch jeden von uns, so wie wir sind, ohne Fassade und Maske.

Deshalb wünsche ich euch den Mut und die Freiheit, vor Gott mit offenen Händen arm dazustehen. Dann gilt euch Jesu Wort:

bulletSelig, die arm sind vor Gott.

So wollen wir miteinander feiern: Die Treue Gottes zu Franka und Bodo. Die Treue der beiden zueinander. Die Hoffnung, dass Liebe bleibt bis zum Tod. Denn Gott ist treu. Amen.

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