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Viele Wege
führen zu Gott, einer geht über die Berge." Reinhold Stecher Aufbruch. Abschiedsfeier für Hans Maes
erfroren am 13.-14. September 1998
am Pößnecker-Klettersteig-Sella in Wolkenstein/Gröden
Eucharistiefeier in der Kapelle der KHG Düsseldorf
am 25. September 1998
Lukas 24, 13-35:
Die Emmaus-Jünger

Ablauf
der Liturgie [folgen
Sie den Hyperlinks]

Renata, lieber Rafael,
verehrte Eltern L. und H. M., liebe Geschwister von Hans,
verehrte Eltern H. und O. V.,
lieber Christian und liebe Geschwister von R.,
liebe Verwandte und Freundinnen und Freunde von H. und R.,
queridos amigos argentinos,
liebe Studierende und Kolleginnen und Kollegen der KHG Düsseldorf,
Schwestern und Brüder im Glauben!
"Und sie brachen in
derselben Stunde auf" so haben wir am Ende der Geschichte der
Emmaus-Jünger gehört. "Aufbruch" ist auch das Thema, das Du, R.,
der Todesanzeige für H. vorangestellt hast, als Über-Schrift über die Sella-Gruppe, wo H. in den späten Stunden des 13. Septembers schlafend
erfroren ist. Den Gipfel des Puiz Selva mit gut 2.900 m hatte H. am frühen
Nachmittag hinter sich gelassen, im Gipfelbuch steht sein Name. Dass H. damit
auch den Gipfel seines Lebens überschritten haben sollte, konnte an diesem
strahlenden Sonntagmorgen keiner von uns ahnen. Die Zeit am Gipfelkreuz des Puiz
Selva wurde so für H. zur Vigilfeier des Festes "Kreuzerhöhung", das
die Kirche am 14. September feierte. Im Kreuz ist Sieg, im Kreuz ist Heil, im
Kreuz ist Leben. Das Gipfelkreuz ist Ausdruck dieses Glaubens.
Diese Fest-stellung lindert nicht den Schmerz, bemächtigt nicht die Ohnmacht, hebt
Wut und Trotz nicht auf, ist aber das "Trotz-dem", e i n e mögliche
Antwort des Glaubens, gleichsam ein geistlicher Karabinerhaken. Die
Emmaus-Jünger nehmen ja auch Reißaus vor dem Kreuz, kehren der Stadt des
Kreuzes den Rücken zu, begreifen das Zeichen des Kreuz nicht. Unterwegs reden
sie miteinander, lassen einander teilhaben an der jeweiligen
Verständnislosigkeit. In ihrer Hoffnungslosigkeit suchen sie Sicherheit in der
Rückkehr zum Alten, Vertrauten, Gewohnten. Sie, die Jesus so nahe waren, haben
ihn noch nicht begriffen, konnten ihn noch nicht begreifen. Auch ein Thomas
vertraute nicht dem Wort, Er ist auferstanden. Thomas wollte berühren, um zu
begreifen. Das Kreuz kann zunächst Angst machen.
Wir HochschulseelsorgerInnen haben auch viel geredet in diesen Stunden und Tagen in
Brixen, seit wir fest-gestellt hatten, dass H. aufgebrochen war. Wohin war er
aufgebrochen? Warum war er aufgebrochen? Wozu war er aufgebrochen? Dass es der
verbindliche und letzte Aufbruch werden sollte, wusste H. nicht. Denn in
seinem Zimmer 347 im Priesterseminar in Brixen lag noch ein Südtiroler
Fladenbrot, ein Stück Käse, zwei Flaschen Schweppes Tonic für eine zweite
Bergtour am Montag. Ab Montag Abend wollte er an der Tagung der Konferenz für
katholische Hochschulpastoral teilnehmen. Bei der Eröffnung der Tagung vermissten
H. einige wenige Kolleginnen und Kollegen. Dann fehlte H. einfach
allen TeilnehmerInnen. Wir blieben traurig stehen, vereinzelt, in kleinen
Gruppen, während die Tagung zum Gehen kam. Wir konnten die "Botschaft der
Berge" [Reinhold Stecher] noch nicht begreifen. Wir hatten nichts zum
Begreifen.
Abstrakt und bibeltheologisch weiß ich, dass durch die
Heilsgeschichte hindurch Berge die Orte sind und waren, an denen Gotteserfahrungen sich ereigneten und ereignen können: der Berg Horeb, der Berg
Carmel. Jesus selbst betete immer wieder auf einem Berg. Und Jesus führte seine
Jünger auf dem Weg nach Jerusalem auf einen Berg, den Berg der Verklärung, um
ihnen eine Idee, eine Anschauung dessen zu geben, was über Leid und Kreuz
hinausweist. Und viele von euch wissen das alles auch.
Da ist dann aber auch die existentielle Begegnung mit dem
Berg. Jene körperliche Anstrengung, die physische Erschöpfung, die geistlichen
Gewinn bringt: das Hintersichlassen des Alltags, das freie und tiefe Atmen, der
Blick aus der Höhe und der Blick in die Tiefe. Das Grenzenlose zwischen Himmel
und Erde spüren, wenn Wolken mich einhüllen und Wind durch die Poren die Haut
neu zu beatmen scheint. Dem Grenzenlosen unendlich nah: Gott.
"Viele Wege führen zu Gott, einer geht über die
Berge." Reinhold Stecher, der Altbischof von Innsbruck, stellt diese
Aussage an den Beginn seinen meditativen Buches "Die Botschaft der
Berge".
Aufbruch in
den Berg heißt immer, etwas hinter sich zu lassen, etwas unter sich zu lassen,
sich auszustrecken nach oben, sich dem Unnahbaren zu nahen.
H.
hat
darum gewusst, hat daraus gelebt, dass der Unnahbare Gott, sich uns genähert
hat: in Jesus von Nazareth. Und H. wusste um das Kreuz als Ärgernis und
Torheit und um das Kreuz als Zeichen des Heils. In seiner Bibel [gezeichnet "3.8.1981
H. M."] hat er aus unserem Emmaus-Evangelium den Satz unterstrichen:
"Wahrhaftig, der Herr ist auferweckt worden und dem Simon erschienen!"
Diese befreiende und frohmachende Botschaft wurde den Emmaus-Jüngern
zugesprochen, nachdem sie aufgebrochen sind. Aufbruch eröffnet neue Horizonte,
ermöglicht Erfahrungen, führt zur Begegnungen mit anderen, bildet
Gemeinschaft.
Aufbruch
ist immer riskant. Aufbruch ist die Einladung, Gewohntes, Vertrautes, Routine
hinter sich zu lassen. Aufbruch ist Quelle neuen Lebens.
Der
Aufbruch in den Pößnecker-Klettersteig kann als Gleichnis zur Anfrage an uns
als Einzelne, als Hochschulgemeinde, als Kirche werden. Der Berg als Gleichnis
deines, meines, unseres Glaubenslebens. Als geistliche Herausforderung für das
Leben, für das Leben danach, für das ewige Leben.
Da gibt es viele Glaubenslandschaften, die bequem mit dem
Auto, dem Bus erreichbar sind, auch wenn sie nicht auf unserem Lebensweg liegen.
Geistliche Verkehrsmittel gibt es zahlreiche. Als geistlicher Tourist kann ich
sie umfahren, hinter dem Fenster vorbeiziehen lassen und zurückkehren mit den
Bildern einer blühenden und faszinierenden Landschaft. Geistlicher
Massentourismus ist Mode: [fast] zum Nulltarif, sicherlich keimfrei, kaum
langfristig ansteckend.
An einigen Stellen gibt es Haltepunkte, um den
Glaubenslandschaften direkt und unvermittelt zu begegnen. Oft haben wir aber
wenig, zu wenig Übung, geistliche und körperliche, um den Haltepunkt zum
Ausgangspunkt für einen Aufbruch zu nehmen. Wir lassen uns beeindrucken von den
Rastplätzen und Kaufbuden, wo uns geistliche Andenken wohlfeil angeboten
werden. Das geistliche Geschäft scheint zu blühen, zumindest treibt es
Blüten, manchmal auch Blüten in die Kassen.
Mancher Wallfahrer mutet sich auch einen Spaziergang in der
neu entdeckten Glaubenslandschaft zu. Da gibt es Angebote für den Mann mit
Birkenstock-Sandalen und die Frau mit dem eleganten italienischen Schuh. Sie
erfreuen sich an den satten Weiden des Glaubens und stolpern, wenn die amtlich
asphaltierten Wege in das Unterholz führen. Dann wird auch das geistliche Leben
so erschreckend konkret und wirklich, da gibt es viel Schatten und kühle Brisen
kühlen den strahlenden Übermut manches Schönwetterchristen.
Einige
haben schon Erfahrungen mit geistlichen Übungen und wissen, dass es ohne
geistliches Rüstzeug keine Gotteserfahrung am Berg gibt. Sie finden wir dann
auf den ansteigenden Bergwegen, wo Wurzeln und Steine den raschen Schritt
bremsen und unerwartete Wasserläufe zu scheinbaren Umwegen führen. Solche
Menschen leiden am Raubbau, auch dem geistlichen, den andere und Institutionen
in der geistlichen Landschaft betreiben. Da werden geistliche Rennbahnen durch
schützenswertes geistliches Gelände geschlagen, mancher keimende geistliche
Trieb wird betoniert und fällt der Begradigung zum Opfer.
Nicht
wenige Menschen verfügen über eine geistliche Grundausstattung, die es zulässt, sich in größeren Höhen der Glaubenslandschaften sicher zu bewegen,
wenn geistliche Klettersteige als Hilfestellungen geboten sind. Da braucht es
dann Gurte und Haken, geeignete wetterfeste Kleidung, eine Notration gegen
geistliche Dürre und seelischen Hunger. Und es braucht das Vertrauen, dass
andere den Klettersteig pflegen und hegen, dem ich mich anvertraue. Ausdauer ist
erforderlich und der Mut, umzukehren, wenn ein geistlicher Klettersteig beim
ersten Male zu anstrengend ist, meine Vorbereitung nicht ausreichend, oder
geistliche Wetterlagen das Leben bedrohen können. Der Lohn der geistlichen
Anstrengung ist eine geschenkte Nähe zu sich selbst, das Mitfühlen mit und in
der Schöpfung, das Anwehen des Geistes, den wir den Heiligen Geist nennen. Der
Lohn der geistlichen Anstrengung ist auch eine geistliche Weite, die viele engen
Täler relativiert und der Vielfalt des alltäglichen geistlichen Lebens Raum lässt.
Für viele
ist es dann eine Überraschung, dass es sich in den geistlichen Höhen wohl
leben lässt, dass es Räume gibt, die zum Verweilen einladen, dass es Ruhe,
Sonne und Wärme gibt und eine Fülle an Farben, an die sich die geistlichen
Augen nur langsam gewöhnen. Da kommt dann die Versuchung, die uns Markus in
seiner Verklärungsgeschichte überliefert. Der Petrus, der Fels, will drei
Hütten bauen, will sich niederlassen, will die Höhe festhalten. Markus bemerkt
in seiner sympathisch-frechen Art, der Petrus wusste halt nicht, was er reden
sollte.
In diesen
Höhen geistlichen Lebens drohen auch Gefahren, globale Klimaänderungen, lokale
Gewitter und nicht wenige hausgemachte Probleme drohen. Statt vorhandene
Klettersteige zu hegen und zu erhalten, werden sie für den geistlichen
Massentourismus bereitet. Die Freiräume zwischen den Sicherungen werden enger
gesetzt, Wege ohne Grund umgeleitet, gekannte und vertraute gefährliche, aber
freimachende Grate, werden großräumig umgangen. Manchem hauptberuflichen
Bergwächter sind die zu gehenden Wege, die begehbaren Wege und die neu zu
schaffenden Wege selbst nicht [mehr] vertraut. Sie gleichen Petrus, der auf dem
Gipfel des Glaubens einmal angekommen meint, durch das Hütten auf dem Berg
könnte Himmel und Erde zusammengehalten werden. Und diese Bergwächter gibt es
nicht nur in den geistlichen Höhen einer Sella-Gruppe, die finden wir auf den
Sandhügeln unserer Städte und Dörfer, die finden wir, wenn wir nur genau hinsehen, sogar auf unserem jeweiligen geistlichen Misthaufen vor der
eigenen geistlichen Hütte.
Es folgt
aber auch für einen geistlichen Hochleistungssportler der Abstieg vom Gipfel,
der Weg nach unten in die anderen Wirklichkeiten des Lebens. Selbst dem
geistlichen Spaziergänger bleibt dieser Weg von seinem Gipfel hinab nicht
erspart.
Und beim
Aufbruch nach unten, in das "wirkliche" Leben, da erklärt Jesus seinen
Jüngern, er müsse leiden, er werde am Kreuz sterben, aber er werde auferstehen
am dritten Tag. Es sollte der Ölberg sein, wo sein Leidensweg beginnt, ein
harmloser Hügel vor den Toren von Jerusalem. Und auf einem anderen Hügel, der
Schädelstätte, stehen die Kreuze, die Schandmale seiner Zeit. Erreichbar für
jeden geistlichen Voyeur. Sein Kreuz wird in der Mitte zwischen zwei anderen
stehen. Der Himmel schwarz! Sein Leben zu Ende!
Warum also
nicht Jerusalem den Rücken zu kehren, wie es die Emmaus-Jünger taten? Warum
nicht über das Unfassbare reden? Warum nicht verwundert sein, wenn andere
scheinbar ahnungslos sind? Jesus, der Erhöhte und Auferstandene, holt seine
irritierten, hoffnungslosen Jünger ein. Er bricht ihnen das Brot. Daran
erkennen sie Ihn. Und sie sind fähig zum Aufbruch.
Auch R. und wir alle waren irritiert und hoffnungslos und orientierungslos, als wir den
aufgebrochenen H. suchten. R.s Schmerz und der unsere machten uns
sprachlos und hilflos und wir redeten oft so irr und wirr, wie die Jünger von
Emmaus. Ich spürte, dass Sein Kreuz mein Kreuz belastete und mein Primizspruch
"Seid stets bereit, jedem Rede und Antwort zu stehen, der nach der Hoffnung
fragt, die euch erfüllt" [1 Petr 3,15] mindestens einige geistliche
Schuhgrößen zu weit war.
Die
schrecklich befreiende Nachricht, dass der leblose Körper von H. gefunden sei
- es war am 17. September, dem Fest der Heiligen Hildegard - , setzte bei uns
geistliche Energien frei. Wir trotzten Gott mit einem trotz-dem. Wir lassen Gott
nicht aus der Pflicht. Wir muten uns Ihm wieder und wieder zu. Ja, mehr noch:
wir danken ihm trotz-dem.
Deshalb
feiern wir heute in der Eucharistie das Letzte Abendmahl, feiern Seinen Tod und
Seine Auferstehung und Sein Versprechen, dass Er auch unseren Tod nicht will,
sondern uns vorangegangen ist, um Wohnung zu bereiten. Und wenn jemand hier
unter uns ist, der zweifelt, der sich sorgt, es könnte doch Vertröstung sein:
schau auf Thomas! Der fragt Jesus ganz offen: Wohin gehst du und wie kommen wir
dorthin? Und Jesus antwortet ihm: "Ich bin der Weg, die Wahrheit und das
Leben." Und das glaube ich, mit Trotz und trotzdem, dass H. am Berg
erfroren ist, weil der Schnee und die Kälte ihn umhüllten. Trotzdem, mit Trotz
und in Hoffnung.
Da liegt
für mich die "Botschaft der Berge", die uns H. wahrzunehmen nötigt
durch seinen Tod: Habt den Mut zum Aufbruch! Macht Euch auf den Weg in
geistliche Höhen! Aber trainiert und achtet auf euer geistlichen Rüstzeug. H. hatte sich eine lange Liste angelegt, was er nach Brixen mitzunehmen hat,
damit der Aufbruch gelingt. Brechen wir auf: in seiner Familie, in der KHG
Düsseldorf, in der Kirche in Deutschland, in der Ökumene, einfach: wagen wir
einen Aufbruch in die vielfältigen geistlichen Landschaften unseres Glaubens an
den Auferstandenen.
Am Anfang
hatte ich drei Fragen gestellt, auf die ich euch und mir die Antworten schuldig
geblieben bin. Es sind Versuche einer Antwort, weil H. mir Bilder für eine
Antwort nahe gelegt hat, die ich mit meinen Augen lese.
Wohin war
er aufgebrochen? Die Antwort kennen wir vom Ende des Aufbruches her: in den
Pößnecker-Klettersteig der Sella in Wolkenstein/Gröden. Den Weg von H. könnt ihr nachvollziehen auf dem Bild des Liturgieblattes.
Warum war er aufgebrochen? Die Antwort hat H. sich selbst gegeben mit einem
von zwei Zeitgutscheinen, die er beim comUNIty-Gottesdienst am 12. September
1998 sich selbst geschenkt hatte: "Zeit für die Natur, ihre Farben, Gerüche,
Geräusche wahrnehmen". Die konnte H. beim Aufstieg in vollen Zügen
genießen.
Wozu war er aufgebrochen? Ob H. dazu den zweiten Zeitgutschein eingelöst hat,
kann ich nicht beantworten, das bleibt sein Geheimnis. Auf dem zweiten
Zeitgutschein steht: "Zeit, die ich brauche, um zur Ruhe zu kommen".
Gott
schenke H. die ewige Ruhe!
Und Du, H., begleite unsere geistlichen Aufbrüche und warne uns, wo Frost und Eis,
Schnee und Kälte in unserer, deiner Kirche das Leben von unten bedrohen. Bitte
den Parakleten, den Beistand, den Tröster, dass er uns in dieser Stunde nahe
ist. Aber noch mehr in den Wochen und Monaten, die folgen, dass dein Tod uns
nicht lähmt, deine Aufbrüche auf unsere Weise weiterzuführen.
Amen.

Lied
[GL 621]
Ich steh vor dir mit leeren Händen, Herr
1. Ich steh vor dir mit leeren Händen, Herr; / Fremd wie dein Name sind
mir deine Wege / Seit Menschenleben, rufen sie nach Gott / Mein Los ist Tod,
hast du nicht andern Segen? / Bist du der Gott, der Zukunft mir verheißt?
/Ich möchte glauben, komm mir doch entgegen.
2. Von Zweifeln ist mein Leben übermannt, / mein Unvermögen hält mich
ganz gefangen. / Hast Du mit Namen mich in deine Hand, / in dein Erbarmen
fest mich eingeschrieben? / Nimmst du mich auf in dein gelobtes Land? / Werd
ich dich noch mit neuen Augen sehen?
3. Sprich du das Wort, das tröstet und befreit / und das mich führt in
deinen großen Frieden. / Schließ auf das Land, das keine Grenzen kennt, /
und lass mich unter deinen Söhnen leben. / Sei du mein täglich Brot, so
wahr du lebst. / Du bist mein Atem, wenn ich zu dir bete.
Einladung zum Bußakt
Gebet
[ commUNity 17.09.98 ]
Lasst uns beten
zu ihm, der unser Gott sein will,
der unseren Tod nicht gescheut hat:
dass er uns kennen möge
bei unserem Namen,
dass er uns aufnehme
in seinen Frieden.
Lasst uns beten,
dass er zu uns sprechen möge
in diesen Worten, hier,
zu dieser Stunde.
O Gott, "Ich werde dasein",
hast du gesagt,
tue, was du gesagt hast.
Verleugne nicht das Werk deiner Hände,
diesen Menschen, den du gemacht hast,
wir können nicht glauben,
dass alles, was Hans für uns bedeutet hat,
nun verloren wäre und vorbei,
doch wir vereinigen uns
mit dem Glauben,
in dem er selbst festgehalten hat an dir
bis zum Ende,
an dir, seinem und unserem Gott,
der für uns lebt
heute und alle Tage
bis in Ewigkeit.
Alle: Amen.
Lesung
"Die schwersten Wege für R. H." von Hilde Domin
Die schwersten Wege
werden alleine gegangen,
die Enttäuschung, der Verlust,
das Opfer,
sind einsam.
Selbst der Tote der jedem Ruf antwortet
und sich keiner Bitte versagt
steht uns nicht bei
und sieht zu
ob wir es vermögen.
Die Hände der Lebenden die sich ausstrecken
ohne uns zu erreichen
sind wie die Äste der Bäume im Winter.
Alle Vögel schweigen.
Man hört nur den eigenen Schritt
und den Schritt den der Fuß
noch nicht gegangen ist aber gehen wird.
Stehenbleiben und sich Umdrehn
hilft nicht. Es muss
gegangen sein. |
Eine Kerze in die Hand
wie in den Katakomben,
das kleine Licht atmet kaum.
Und doch, wenn du lange gegangen bist,
bleibt das Wunder nicht aus,
weil das Wunder immer geschieht,
und weil wir ohne die Gnade
nicht leben können:
die Kerze wird hell vom freien Atem des Tags,
du bläst sie lächelnd aus
wenn du in die Sonne trittst
und unter den blühenden Gärten
die Stadt vor dir liegt,
in deinem Hause
dir der Tisch weiß gedeckt ist.
Und die verlierbaren Lebenden
und die unverlierbaren Toten
dir das Brot brechen und den Wein reichen -
und du ihre Stimmen wieder hörst
nahe
bei deinem Herzen. |
aus: Hilde Domin, Gesammelte Gedichte,
Fischer Verlag, Frankfurt/Main 1987, S. 118-119
Musik mit Saxophon
Sometimes I feel like a motherless child
Evangelium
nach Lukas
Lk 24, 13-35: Die Emmaus-Jünger
Und siehe, zwei von ihnen, gingen am selben Tage nach einem
Dorf namens Emmaus, das sechzig Stadien von Jerusalem entfernt ist. Sie sprachen
miteinander über all das, was sich zugetragen hatte. Und es begab sich,
während sie miteinander sprachen und überlegten, nahte sich Jesus selbst und
ging mit ihnen. Ihre Augen aber waren gehalten, so dass sie ihn nicht erkannten.
Er aber sprach zu ihnen: "Was sind das für Reden, die ihr da auf dem Weg
miteinander führt?"
Da blieben sie traurig stehen. Einer aber von ihnen namens
Kleopas antwortete ihm: "Bist du der einzige, der in Jerusalem weilt und nicht
weiß, was dort in diesen Tagen geschehen ist?" Und er sprach zu ihnen: "Was
denn?" Sie antworteten ihm: "Das mit Jesus dem Nazarener, der ein Prophet
war, mächtig in Tat und Wort vor Gott und vor dem ganzen Volke, und wie ihn
unsere Hohenpriester und Ratsherren zur Todesstrafe überliefert und ihn
gekreuzigt haben. Wir aber hofften, dass er es sei, der Israel erlösen werde.
Und nun ist zu alledem schon der dritte Tag, seit dies geschehen ist. Aber auch
einige Frauen aus unserer Mitte haben uns in Bestürzung versetzt. Vor
Tagesanbruch waren sie beim Grabe und fanden seinen Leib nicht; sie kamen und
erzählten, sie hätten auch eine Erscheinung von Engeln gehabt, die sagten, er
lebe. Und einige von den Unsern gingen zum Grab und fanden es so, wie die Frauen
gesagt; ihn selbst aber haben sie nicht gesehen."
Da sprach er zu ihnen: "O ihr Unverständigen, wie träge
ist euer Herz, an all das zu glauben, was die Propheten gesprochen haben! Musste
nicht der Messias dieses leiden und so in seine Herrlichkeit eingehen?" Und
er begann mit Mose und allen Propheten und legte ihnen in allen Schriften aus,
was sich auf ihn bezieht.
Als sie sich dem Dorfe näherten, wohin sie gingen, tat er,
als wolle er weitergehen. Da nötigten sie ihn und sprachen: "Bleibe bei uns,
denn es will Abend werden, und der Tag hat sich schon geneigt." Und er ging
hinein, um bei ihnen zu bleiben. Und es geschah, als er mit ihnen zu Tische war,
nahm er das Brot, sprach das Segensgebet, brach und gab es ihnen. Da wurden
ihnen die Augen aufgetan, und sie erkannten ihn; er aber entschwand vor ihnen.
Da sprachen sie zueinander: "Brannte nicht unser Herz in uns, als er auf dem
Wege mit uns redete und uns die Schriften aufschloss?"
Und sie brachen in derselben Stunde auf und kehrten nach
Jerusalem zurück. Dort fanden sie die Elf und ihre Gefährten versammelt, die
sagten: "Wahrhaftig, der Herr ist auferweckt worden und dem Simon
erschienen!" Und sie selbst erzählten, was auf dem Wege geschehen war und
wie sie ihn beim Brotbrechen erkannten.
Evangelium unseres Herrn Jesus Christus.
Alle: Lob sei dir Christus.
Lied
Meine Zeit steht in deinen Händen
KV Meine Zeit steht in deinen Händen. / Nun kann ich ruhig sein, ruhig
sein in dir. / Du gibst Geborgenheit, / du kannst alles wenden. / Gib mir
ein festes Herz, / mach es fest in dir. 1. Sorgen quälen und werden mir zu groß, / Mutlos frag ich: Was wird
morgen sein? / Doch du liebst mich, du lässt mich nicht los, / Vater, du
wirst bei mir sein.
2. Hast und Eile, Zeitnot und Betrieb, / nehmen mich gefangen, jagen mich. /
Herr, ich rufe: Komm und mach mich frei! / Führe du mich Schritt für
Schritt.
3. Es gibt Tage, die bleiben ohne Sinn. / Hilflos seh‘ ich wie die Zeit
verrinnt. / Stunden, Tage, Jahre gehen hin, / und ich frag, wo sie geblieben
sind.
Predigt
Meditative Orgelmusik
Fürbitten
Lied
zur Gabenbereitung
Wenn das Brot, das wir teilen
1. Wenn das Brot, das wir teilen, als Rose blüht und das Wort, das wir
sprechen, als Lied erklingt, dann hat Gott unter uns schon sein Haus gebaut,
dann wohnt er schon in unserer Welt. Ja dann schauen wir heut schon sein
Angesicht, in der Liebe, die alles umfängt, in der Liebe, die alles
umfängt.
4. Wenn der Trost, den wir geben, uns weiter trägt, und der Schmerz, den
wir teilen zur Hoffnung wird, dann hat Gott unter uns schon sein Haus
gebaut, dann wohnt er schon in unserer Welt. Ja dann schauen wir heut schon
sein Angesicht, in der Liebe, die alles umfängt, in der Liebe, die alles
umfängt.
5. Wenn das Leid, das wir tragen, den Weg uns weist, und der Tod, den wir
sterben, vom Leben singt, dann hat Gott unter uns schon sein Haus gebaut,
dann wohnt er schon in unserer Welt. Ja dann schauen wir heut schon sein
Angesicht, in der Liebe, die alles umfängt, in der Liebe, die alles
umfängt.
Die Kollekte dieser Eucharistiefeier
ist für die
ehrenamtlichen Bergwachten von Brixen und im Grödnertal
bestimmt.
Sanctus-Lied
[GL 469]
Heilig ist Gott in Herrlichkeit; / sein Ruhm erfüllt die Himmel weit. /
Lobsinget, jubelt ihm. Hosanna. / Preis ihm, der kommt in unsre Zeit. /
Lobsinget, jubelt ihm. Hosanna.
Hochgebet der Versöhnung
Zum Friedensgruß
"Dona pacem, Domine" von Melchior Franck
Kommunion
"Air" aus der dritten Orchestersuite in D-Dur
von Johann Sebastian Bach
Schlussgebet
Ich werde nicht sterben
Ich werde nicht sterben,
nicht wie ein Bach in der Wüste versickern.
Ich werde die Grenzen durchbrechen,
ich werde ein neues Ufer erreichen.
Ich werde neu denken und fühlen.
Mit neuem Leib, mit neuer Seele.
Im neuen Himmel, auf neuer Erde.
Oben und unten,
arm und reich,
stark und schwach,
Heimat und Fremde,
Tage und Nächte,
Lust und Schmerz
werden verblassen.
Ich werde nichts wollen,
ich werde nur sein.
Ich werde mir, ich werde Dir
nahe sein wie nie zuvor.
Ich werde mich wie ein Wassertropfen
mit dem Meer verbinden.
Text von Martin Gutl
Segen
Irische Segenswünsche
[Chor]
Möge die Straße uns zusammenführen und der Wind in Deinem Rücken sein;
sanft falle Regen auf Deine Felder, und warm auf Dein Gesicht der Sonnenschein.
Führe die Straße, die Du gehst immer nur zu Deinem Ziel bergab; hab‘, wenn
es kühl wird, warme Gedanken und den vollen Mond in dunkler Nacht. Hab‘
unterm Kopf ein weiches Kissen, habe Kleidung und das täglich Brot; sei über
vierzig Jahre im Himmel, bevor der Teufel merkt, Du bist schon tot. Bis wir uns
mal wieder sehen, hoffe ich, dass Gott Dich nicht verlässt; er halte Dich in
Seinen Händen, doch drücke Seine Faust Dich nie zu fest. Und bis wir uns
wiedersehen, halte Gott Dich fest in Seiner Hand; und bis wir uns wiedersehen,
halte Gott Dich fest in Seiner Hand.
Gedenkworte
Lied
Von guten Mächten treu und still umgeben
von Dietrich Bonhoeffer
1. Von guten Mächten treu und still umgeben, / behütet und getröstet
wunderbar, / so will ich diese Tage mit euch leben / und mit euch gehen in
ein neues Jahr.
Kehrvers [Kv]
 | Von guten Mächten wunderbar geborgen, / erwarten wir getrost, was kommen
mag. / Gott ist mit uns am Abend und am Morgen / und ganz gewiss an jedem
neuen Tag. |
5. Lass warm und hell die Kerzen heute flammen, / die du in unsre
Dunkelheit gebracht, / führ, wenn es sein kann, wieder uns zusammen. / Wir
wissen es, dein Licht scheint in der Nacht. Kv 6. Wenn sich die Stille nun tief um uns breitet, / so lass uns hören
jenen vollen Klang / der Welt, die unsichtbar sich um uns weitet, / all deiner
Kinder hohen Lobgesang. Kv
Wir
gehen schweigend zum Friedhof Stoffeln.
Vor Friedhofskapelle wirr grüßen Hans Maes zu seinem letzten Aufbruch.
Lied
Von guten Mächten treu und still umgeben
2. Noch will das alte unsre Herzen quälen, / noch drückt uns böser
Tage schwere Last. / Ach Herr, gib unsern aufgeschreckten Seelen / das Heil,
für das du uns geschaffen hast. Kv
Kehrvers [Kv]
 | Von guten Mächten wunderbar geborgen, / erwarten wir getrost, was
kommen mag. / Gott ist mit uns am Abend und am Morgen / und ganz gewiss an
jedem neuen Tag. |
3. Und reichst du uns den schweren Kelch, den bittern / des Leids,
gefüllt bis an den höchsten Rand, / so nehmen wir ihn dankbar ohne Zittern
/ aus deiner guten und geliebten Hand. Kv 4. Doch willst du uns noch einmal Freude schenken / an dieser Welt und
ihrer Sonne Glanz, / dann wolln wir des Vergangenen gedenken, / und dann
gehört dir unser Leben ganz. Kv
Stille
Prozession zum Grab
Gebet am offenen Grab
P: Gütiger Vater, in deine Hände empfehlen wir Hans und hoffen
zuversichtlich, dass er bei Christus ist. Wir danken dir für alles Gute,
mit dem du ihn in seinem irdischen Leben beschenkt hast, und für das Gute,
das wir durch ihn erfahren durften. Wir bitten dich, nimm Hans auf und gib
ihm Wohnung und Heimat bei dir. Uns aber, die zurückbleiben, gib die Kraft,
einander zu trösten mit der Botschaft des Glaubens, bis wir alle vereint
sind bei dir. Durch Christus, unsern Herr.
Alle: Amen
Absenken des Sarges
P: Wir übergeben den Leib der Erde. Christus, der von den Toten
auferstanden ist, wird auch unsern Bruder Hans zum Leben erwecken.
Symbole
Wasser, Weihrauch, Erde, Kreuz
P: Wir nehmen Abschied von Hans Maes. Wir tun es im Glauben an die
Auferstehung und bitten: Christus nehme Hans auf. Er hat ihn erlöst, er
stehe für ihn ein beim Vater. Christus leuchte ihm als ewiges Licht. Die
Liebe aber, die uns mit Hans verbindet, möge fortdauern in der Gemeinschaft
der Heiligen.
 |
Alle: Amen. |
P: Ich bin die Auferstehung und das Leben; wer an mich glaubt, wird
leben, auch wenn er stirbt, und jeder, der lebt und an mich glaubt, wird in
Ewigkeit nicht sterben.
 |
Alle: Amen. |
P: Im Wasser und im Heiligen Geist wurdest du getauft. Der Herr vollende
an dir, was er in der Taufe begonnen hat.
 |
Alle: Amen. |
P: Dein Leib ist ein Tempel Gottes. Der Wohlgeruch Gottes begleite dich
in sein Reich.
 |
Alle: Amen. |
P: Von der Erde bist du genommen, und zur Erde kehrst du zurück. Der
Herr aber wird dich auferwecken.
 |
Alle: Amen. |
P: Im Kreuz unseres Herrn Jesus Christus ist Auferstehung und Heil. Der
Friede sei mit dir.
Gebet
für Verstorbene und Lebende
P: Lasst uns das Erbarmen unsres Herrn Jesus Christus anrufen für alle
Verstorbenen, besonders für unsere Verwandten und Freunde.
P: Christus, Erlöser der Welt! Reinige sie von Schuld und Sünde.
 |
Alle: Wir bitten dich, erhöre uns. |
P: Vollende sie in deinem Leben.
 | Alle: Wir bitten dich, erhöre uns. |
P: Wir beten auch für jene, die um Hans Maes trauern. Tröste sie in
ihrem Schmerz.
 |
Alle: Wir bitten dich, erhöre uns. |
P: Festige ihren Glauben und stärke ihre Hoffnung.
 | Alle: Wir bitten
dich, erhöre uns. |
P: Wir beten für uns selber und alle Lebenden, besonders für den aus
unserer Mitte, der als erster dem Verstorbenen vor das Angesicht Gottes
folgen wird. Schenke uns Reue und Umkehr.
 |
Alle: Wir bitten dich, erhöre uns. |
P: Stärke und erhalte uns in deinem Dienst.
 | Alle: Wir bitten dich,
erhöre uns. |
P: Lasset uns beten, wie der Herr uns zu beten gelehrt hat:
 | Alle: Vater unser im Himmel ... |
Gebet
P: Allmächtiger Gott, wir danken dir, dass du durch die Auferstehung
deines Sohnes in dem Dunkel der Welt und des Todes dein Licht leuchten lässt.
Gib uns die Kraft, in unserm Leben diesem Licht zu folgen, bis wir alle zu dir
gelangen.
 | Alle: Amen. |
Abschließendes
Segenswort
P: Herr, gib Hans und allen Verstorbenen die ewige Ruhe.
 | Alle: Und das ewige Licht leuchte ihnen. |
P. Lass sie ruhen in Frieden.
 | Alle: Amen. |
Lied
Christ ist erstanden
1. Christ ist erstanden / von der Marter alle. / Des solln wir alle froh
sein; / Christ will unser Trost sein, / Kyrieleis.
2. Wär er nicht erstanden, / so wär die Welt vergangen. / Seit dass er
erstanden ist, / so freut sich alles, was da ist. / Kyrieleis.
3. Halleluja, / Halleluja, / Halleluja. / Des solln wir alle froh sein, /
Christ will unser Trost sein. / Kyrieleis.
Persönlicher Abschied von
Hans am offenen Grab.

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