Der Tod: Ernstfall des Lebens
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P. Benno Kuppler SJ - ein Porträt

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Der Tod: Ernstfall des Glaubens und des Lebens
Ansprache zum Requiem für Joachim Gelhard am 23. April 1987

 
Lesungen: Ijob 19, 1.23-27a; Lukas 24, 35-48

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Liebe Änny, lieber Arthur,
liebe Geschwister, Verwandte und Freunde!
Schwestern und Brüder im Glauben!

Dieser Karfreitag des Jahres 1987 hat alle menschlichen Hoffnungen durchkreuzt. Der Tod von Joachim hat Euch, die ihr in den letzten Tagen mit ihm gelebt und gelitten habt, eine tiefe, schmerzende Karfreitagserfahrung gebracht. Auf unwiderrufliche Weise ist das Kreuz in Euer Leben getreten, als in den Abendstunden des Karfreitags Joachim sein Leben beendete.

Seit langen Monaten wusstet Ihr, wussten wir, dass Joachim nicht mehr geheilt werden könnte. Der Hautkrebs hat sich seiner ermächtigt und führte zu seinem Tod. Ich weiß nicht, welche Hoffnungen Joachim bewegten in diesen letzten Wochen: die Arbeit, die ihm Auskommen bot; die Musik, die ihm Freude bot; die menschliche Beziehung, die durch seinen Tod so unerwartet endete. Dies und sicherlich noch vieles mehr wurden durchkreuzt.

Der Tod von Joachim an diesem Karfreitag durchkreuzte aber auch unsere Hoffnungen und Befürchtungen. So unterscheidet sich dieser Karfreitag von den vielen anderen Karfreitagen, die ihr und ich schon in der Liturgie der Kirche mitgefeiert habt. Er ist zum Ernstfall des Glaubens geworden. Und als ich am Ostersonntag durch Änny am Telefon Joachims Tod erfahren habe, war dieser strahlende Tag der Auferstehung plötzlich ein anderer geworden. Tod und Auferstehung Jesu Christi waren konkret geworden im Tod von Joachim.

Was ist dieser Ernstfall des Glaubens?

Die Lesung aus dem Buch Ijob, ja eigentlich das ganze Buch Ijob zeigen uns die Geschichte eines Menschen mit seinem Gott. In den Tagen, in denen es ihm gut ging, fühlte er sich sicher in der Nähe seines Gottes. Als er krank wurde, versuchten seine Freunde ihm klarzumachen, dass dieser Gott doch ein schlechter, ja ein böser Gott sei. Wie könne dieser Gott es zulassen, dass Ijob jetzt so leide, wo er doch immer auf den Wegen Gottes gegangen war. Und Ijob verleugnete seinen Gott nicht. Nein, er fing an, diesen Gott so ernst zu nehmen, dass er mit diesem Gott streitet. Er streitet mit diesem Gott, weil er überzeugt ist, dass Gott ihn auch in allem Leid nicht verlassen hat. Aber er streitet auch mit diesem Gott, weil er seine Freunde überzeugen will. Denn dieser Gott ist ein guter Gott, auch und gerade dann, wenn er, wenn ich, wenn wir ihn aus menschlicher Sicht nicht mehr zu verstehen scheinen. Denn Gott durchkreuzte alle menschlichen Hoffnungen des Ijob. Und in der Stunde des größten Leides spricht er sein geistliches Testament: "Ich weiß: mein Erlöser lebt, als Letzter erhebt er sich über dem Staub! Ohne meine Haut, die so zerfetzte, und ohne mein Fleisch werde ich Gott schauen. Ihn selber werde ich dann für mich schauen: meine Augen werden ihn sehen, nicht mehr fremd."

Ja, an diesem Karfreitag wurden menschliche Hoffnungen durchkreuzt, als Joachim starb. Und wenn wir das, was an Joachim sterblich war, heute in den Oktavtagen der Auferstehung Christi zu Grabe tragen, dann haben wir im Evangelium um Lukas die Jünger als Zeugen dafür, dass der Erlöser lebt, dass Christus wahrhaft auferstanden ist.

Sicherlich können wir wie die Jünger von Emmaus fliehen vor dem Kreuz, vor dem Unerklärlichen, vor dem Leid und dem Tod. Aber Gott verlässt uns auch in diesem Moment der Trauer, des Schmerzes und der Verzweiflung nicht. Er ist mit uns auf dem Weg. Er tritt in dieser Stunde, in der wir sein Gedächtnismahl feiern, die Erinnerung seines Leidens, seines Todes und seiner Auferstehung, in den Zeichen von Brot und Wein in unserer Mitte.

Da brauchen wir uns nicht zu fürchten, uns zu erschrecken. Da brauchen wir uns nicht einzuschließen. Nehmen wir uns die Jünger zum Beispiel: sie erzählen sich, was sie unterwegs erlebt haben: dass in der Stunde des Schmerzes und der Verzweiflung der Herr ihnen näher war, als sie selbst ihm waren, als er noch lebend unter ihnen weilte. Er selbst ist es, der ihre und unsere Zweifel ausräumt, ob es Auferstehung und ewiges Leben wirklich gibt.

Deshalb dürfen wir in dieser Stunde der Trauer das große Loblied singen: Halleluja, Halleluja, Halleluja. Des solln wir alle froh sein; Christ will unser Trost sein. Kyrieleis. Amen.

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