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Dr. Benno Kuppler

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Herr, wir wissen nicht, wohin du gehst. Wie sollen wir dann den Weg kennen?"
Beerdigung von Dr. B. K.
* 3.2.1933 - + 26.6.1998
am 2. Juli 1998 auf dem Wöhrder Friedhof zu Nürnberg

Lesung Johannes 14, 1-6

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Liebe, verehrte Frau Dr. K.,
liebe S., lieber G.,
liebe Angehörige und Freunde,
Schwestern und Brüder im Glauben,
verehrte Trauergemeinde!

Das Leben von B. K. ist durch seinen Tod verbindlich geworden. Es gibt keine Ergänzungen, Bilanzberichtigungen, Abgrenzungsposten oder Retuschen mehr. Den letzten Rechenschaftsbericht über sein Leben braucht er nicht mehr von anderen prüfen und testieren zu lassen. Für uns alle unerwartet, ist das Leben von B. K. am vergangenen Freitag, dem 26. Juni 1998, verbindlich geworden. Sie, liebe Frau K., haben die letzten dramatischen Stunden und Minuten mit ihrem Mann durchlitten in Liebe und Treue. So hatten Sie und Ihr Mann es sich vor über dreißig Jahren bei der Hochzeit versprochen.

B. K. lebte aus dem Glauben, dass sein Leben eines Tages verbindlich würde. Den Text von Dietrich Bonhoeffer, der seiner Todesanzeige als Thema vorangestellt ist, diesen Text hat unser Verstorbener mehrmals aus der Zeitung ausgeschnitten. Zentrale Begriffe sind Erinnerung, Trennung, Dankbarkeit, kostbares Geschenk, ein Motto für ein erfülltes Christenleben. So sind wir mit seiner Frau, seiner Tochter Susanne, ihrem Freund Günther und den Verwandten zusammengekommen, um als Christen Abschied zu nehmen von B. K., der selbst bewusst als Christ gelebt hat. Wir wollen sein Lebenszeugnis aufgreifen und als unser gemeinsames Glaubenszeugnis weitergeben: Der Tod hat nicht das letzte Wort. Und dennoch: Unsere Trauer beim Abschied von ihm ist groß, unsere Ohnmacht unermesslich, der Schmerz, nicht mehr mit ihm sprechen und streiten zu können, geht tief. Und alle Gefühle von Trauer, die Tränen, die Ohnmacht, die Wut und das Allein-Fühlen, das alles gehört zu dieser Stunde des Abschiedes dazu. Und wir dürfen diese Gefühle zulassen und zeigen. Später können wir sie dann "sortieren" nach den Schlüsselbegriffen Dietrich Bonhoeffer‘s in "Erinnerung, Trennung, Dankbarkeit, kostbares Geschenk".

Unser Glaube an den Auferstandenen Herrn Jesus Christus schenkt uns diese Gewissheit, dass der Tod auch das Leben von B. K. verbindlich macht, es vollendet. Sein und mein Namenspatron, der heilige Benno von Meißen, wird unserem Verstorbenen an der Seite stehen, wenn er dem Barmherzigen Vater seine Lebensbilanz vorträgt. Rechnungsabgrenzungsposten, unausgeglichene Salden seiner Lebensbilanz brauchen uns nicht zu sorgen. B. K. wird teilhaben an jener Vollendung, die wir in unserer menschlichen, gebrochenen und begrenzten Sprache mit "ewigem Leben", mit "ewiger Ruhe", mit "Paradies", mit "himmlischer Wohnung" umschreiben.

Woher nehmen wir diese Gewissheit? Ist das nicht alles ein durchsichtiger, billiger Trick von Frommen, um die Trauer und den Schmerz nicht zu groß werden zu lassen, um die große Unbekannte unseres Lebens zu benennen?

Nein, liebe Trauergemeinde! B. K. hätte sich an einer "frommen Bilanzkosmetik" nicht beteiligt, mehr noch, er hätte klar und deutlich, ja eindringlich gewarnt, mit ihm solche Bilanzkosmetik zu versuchen.

B. K. hat seinen Glauben "schnörkellos" gelebt. Als Sauerländer war ihm Glaube und Kirchlichkeit selbstverständlich und bedeutsam. Er wusste um den inneren Zusammenhang von Glaube und Tat. Das "ora et labora" des Benedikt von Nursia sollte das Thema seines nächsten Vortrages in unserem Rotary Club sein. Darüber hatten wir beim letzten gemeinsamen Meeting noch gesprochen. Und B. K. ermutigte mich selbst, Themen aufzugreifen, die nicht "aktuell", sondern eher grundsätzlich waren. Nächstenliebe, die wirksam helfen will, bedarf der Professionalität, wenn sie nicht sentimental und Ausdruck eines schlechten Gewissens ist, davon war er überzeugt. Und wenn es um Benachteiligte ging, konnte B. K. auch hart sein, ihnen Gerechtigkeit zu erstreiten.

Als Christ hatte er auch Fragen: an sich selbst, an mich, an die Kirche. Das hat er nie versteckt. Deshalb war B. K. für mich so anziehend, so interessant, so liebenswert. Sein Leben war gegründet in einem Glauben, der noch Fragen zuließ. Solcher Glaube ist riskant. Wer so glaubt, lebt gefährdet. Er kann sich nicht an den äußeren Formen, an der vergänglichen Gestalt von Bräuchen und Sitten festhalten. Er sucht immer und immer wieder, ist immer unterwegs. Auch wenn unserem Verstorbenen ein feierliches lateinisches Hochamt mit anspruchsvoller Musik, mit Weihrauch und großem liturgischen Spiel immer gefallen hat. Er wusste, dass nicht nur das Spiel der Kinder eine prägende Kraft besitzt. Auch das Spiel des Glaubens in der Liturgie, dem "mysterium fidei", mit seinen geprägten Rollen und geformten Gebeten, mit seinen alten, aber doch immer neu gehörten Texte, das alles war entlastend für ihn und ist es auch für den, der sich als "Kind Gottes" auf das "Heilige Spiel", den Glauben, bedingungslos einlässt.

Von diesem Glauben spricht uns das Johannes-Evangelium. Die Jünger leben mit Jesus zusammen, tagein - tagaus. Er führt sie in den Glauben ein, behutsam, einfühlsam, in kleinen Portionen. Und so spricht Jesus seinen Jüngern von den himmlischen Wohnungen, von der Fülle des Lebens in der Gemeinschaft mit dem Vater und vom Weg, der dorthin führt. Da sollte man meinen, die Jünger hätten verstanden, um was es geht, hätten gelernt, die Straßenschilder des Glaubens zu lesen. Und doch Thomas stellt fest: "Herr, wir wissen nicht, wohin du gehst. Wie sollen wir dann den Weg kennen?"

Ja, liebe Trauergemeinde, dieser Thomas hilft mir in dieser Stunde des Abschiedes von B. K.. Als Jünger ist Thomas mit Jesus Christus herumgezogen, hat seine Botschaft gehört. Und als es darauf ankommt, fragt er wie ein ahnungsloses Kind, zeigt dieser Thomas, dass er nichts, aber auch nichts verstanden hat. Und Thomas macht dies öffentlich: "Ich kenne das Ziel deines Weges nicht, mein Jesus. Wie soll ich da die Wegweiser deuten können?"

Jesus hat unendliche Geduld mit Thomas und jedem und jeder von uns, wenn sie oder er fragt. Er wiederholt die Summe seiner Botschaft: "Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben." Und B. K. hat diesen Jesus auch immer gefragt, nach dem Weg, nach der Wahrheit und nach dem Leben. Und unserer Verstorbener hat sich von anderen befragen lassen, nach dem Weg, nach der Wahrheit und dem Leben. Und er hat viele Antworten geben können, hat aber zugleich deutlich gemacht, dass diese Antwort nur heute, in diesem konkreten Zusammenhang richtig ist, manchmal nur für ihn: aus seiner Überzeugung begründet und in seinem Glauben gegründet.

Deshalb ist bei aller Trauer über den Tod von B. K. dieser Tag ein großes Glaubensereignis: Wir feiern den Tag, an dem B. K. seinen irdischen Weg in der Nachfolge beendet hat, um Jesus Christus der Wahrheit zu begegnen und in Ihm das Leben zu haben.

Mit den Worten von Dietrich Bonhoeffer feiern wir

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die Erinnerung an ein volles, erfülltes Leben von B. K. zusammen mit Ihnen, liebe Frau K. und liebe Susanne, mit seiner Familie,

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wir feiern die Trennung, die der unerwartete Tod Ihnen und vielen von uns zumutet, damit wir Mut für unser eigenes Leben haben,

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wir feiern in Dankbarkeit für alles, was uns B. K. in seinem Leben geschenkt hat, und

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wir feiern als kostbares Geschenk das vergangene Schöne seines Lebens.

Und für unseren Verstorbenen B. K. erbitten wir vom Auferstandenen Herrn Jesus Christus, dass er das Leben in Fülle mit dem Vater und dem Geist habe! Amen.

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