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Wege der Liebe.
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| Da steht als erster Text der Leitspruch für Ihre Ehe aus 1 Kor 13, 7-8: "Die Liebe erträgt alles, glaubt alles, hofft alles, hält allem stand. Die Liebe hört niemals auf". | |
| Beeindruckend dann das Bild von Marc Chagall, aus seinem Zyklus zum Hohenlied Salomos aus dem Jahre 1958. Der Vers [3,4], auf den Chagall sich bezieht lautet: "... ich fand ihn, den meine Seele liebt. Ich packte ihn, ließ ihn nicht mehr los, bis ich ihn ins Haus meiner Mutter brachte, in die Kammer derer, die mich geboren hat." |
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Die Gedichte von Erich Fried und Bert Brecht, die das "Du", den anderen, den Partner in den Blick nehmen, die ihn oder sie lassen wollen, wie sie sind, und doch offen sind für persönliches Reifen und Wachsen: ich und du, du und ich. | |
| Und die Musik, unser Gesang und die solistischen Stücke: Freude und Dank, Hochgefühl und Hingabe, Sehnsucht und Begierde, alles klingt und schwingt mit. |
"Wege der Liebe", so habe ich meine Predigt überschrieben, die nicht alle Schätze heben kann, die in diesem Hochzeitsbukett gebündelt sind. Einiges viel ich noch deutlicher werden lassen, anders entdecken Sie selbst, manches darf auch einfach so stehen bleiben.
Einige Anmerkungen will ich zum Korintherbrief machen, Gedanken anstoßen, die für Sie, Tanja und Uwe, über den heutigen Tag Ihrer kirchlichen Eheschließung hinaus wichtig sein können. Aber auch uns, die wir an Ihrem Hochzeitstag teilnehmen, gehen diese Texte etwas an, weil sie christliche Haltungen herausstellen, die wir im Alltag immer wieder leben sollen.
Deshalb gilt es, zunächst den Zusammenhang des 1. Korintherbriefes anschauen, um zu verstehen, warum Paulus dieses Hohe Lied der Liebe schreibt. Der Anlass ist ein menschlicher, allzu menschlicher: es war Krach in Korinth.
Und weil es Krach in Korinth gab, sah sich Paulus veranlasst, diesen Hymnus auf die Liebe, das Hohe Lied der Liebe zu schreiben. Das Hohe Lied der Liebe sollte gleichsam die Folie sein, der Hintergrund, auf der die Gemeinde in Korinth ihr konkretes Leben bedenken sollte, um sich dann zu ändern. Denn: es war Krach in Korinth.
Gleich zu Beginn macht Paulus auf etwas wichtiges aufmerksam:
LIEBE IST EIN WEG! |
Nur dann, wenn ich mich auf den Weg mache, liebe ich und kann ich geliebt werden. Das Modell des Weges bedeutet aber eine Herausforderung. Liebe ist kein Rechtstitel, den ich vollstrecken lassen kann. Liebe ist keine Sache, kein etwas, das ich - einmal in meinem Besitz - nie wieder verlieren kann. Liebe ist Bewegung. Es gibt vieles, dass ich zurücklassen muss, wenn ich auf dem Weg bin, weil es mich am gehen hindert, weil es schwer und sperrig ist. Oder aber ich bleibe auf dem Weg stehen. Liebe ist für Paulus gleichsam das Strickmuster des Lebens. Und so haben auch Sie beide, Tanja und Uwe, schon ein gutes Stück gemeinsamen Weges hinter sich und hoffentlich noch einen langen gemeinsamen Weg vor sich.
Schauen wir uns näher an, wie Paulus Liebe ausbuchstabiert:
LEBEN OHNE LIEBE |
Gleich an den Anfang setzt Paulus eine ungeheure Provokation. Alles, was einem normalen Menschen so wichtig ist - großartige Leistungen, intellektuelle Fähigkeiten, soziale Anerkennung - das alles wäre nichts, wenn die Menschen, wenn der einzelne Mensch, keine Liebe hätten. Aber, so werden einige einwenden, Liebe, die hat doch ein jeder Mensch, wenigstens mehr oder weniger. Schauen wir einmal näher hin, was Liebe positiv für Paulus bedeutet:
LEBEN MIT LIEBE |
Hören wir nochmals den Text an: 1 Kor 13, 4-7
Ich meine schon, dass ist sehr konkret, vielleicht zu konkret, was Paulus hier unter einem Leben in Liebe versteht. Und es sollte uns klar sein: diese Erwartungen gehen jeden von uns ab. Liebe ist nicht nur ein Schlagwort für Feiertage und Hoch-Zeiten, wie an der Ihren heute, Tanja und Uwe. Liebe ist auszubuchstabieren in der Gewöhnlichkeit und Alltäglichkeit des Lebens. Denn es war Krach in Korinth. Und auch im Zusammenleben zweier Menschen, in unseren Familien und Gemeinschaften, da gibt es Momente, wo es kracht, wie in Korinth. Und da wird deutlich: es geht nicht um Liebe als ein diffuses Glücksgefühl oder als eine Idylle oder als eine heile Welt für den Moment Ihres Festtages. Erich Fried sagt deshalb: "dich sehen wollen und dich lieb haben wo wie du wirklich bist."
Schauen wir noch einmal genauer hin:
LEBEN MIT LIEBE |
Das bedeutet: langmütig sein: einen langen Mut füreinander aufbringen und diesen Mut immer neu einüben; nicht prahlen, nicht reizen, Böses nicht nachtragen ... kurzum: nicht den eigenen Vorteil suchen, sondern den des Nächsten. Einander mitnehmen auf den Weg der Liebe. Sich selbst mitnehmen lassen vom anderen.
LEBEN MIT LIEBE |
Das bedeutet: alles dulden, alles glauben, alles hoffen, alles tragen. Liebe fordert auch Heroismus, gerade in ihrer Alltäglichkeit. Diese Liebe weiß um die Spannungen, in denen wir leben: in unserem persönlichen Alltag, in unseren Beziehungen: mit dem Partner, mit Verwandten und FreundInnen. Die Liebe flieht nicht vor den Schwierigkeiten, die Liebe bleibt unter den Schwierigkeiten. Die Liebe ist jene Kraft, die Ja-sagen lässt, obwohl alles so ausweglos scheint, obwohl der andere mich so unendlich enttäuscht hat, obwohl ich mir mit meinen Eigenarten oft selbst im Wege stehe.
LEBEN MIT LIEBE |
Das bedeutet: die Liebe hört niemals auf. Und darin, so scheint mir, liegt die größte Herausforderung für uns heutige Menschen. Wir leben in Beziehungen, die durch Verträge auf Gegenseitigkeit bestimmt sind. Jeder hat Ansprüche an den anderen, hat ein Recht auf ... Wir versichern uns gegen jede Unbill des Lebens. Wir wechseln das Bier oder das Auto, suchen einen neuen Lieferanten oder das bessere Restaurant, haben den Drittwagen und den Zweitpartner. Aber: Das Modell christlicher Liebe liegt da quer dazu. Liebe ist nicht einklagbar. Liebe ist Geschenk, Liebe ist lebenslange Aufgabe.
Auch wenn es bei Ihnen einmal Krach gibt wie in Korinth, Tanja und Uwe, Sie können sich der Liebe als Aufgabe stellen, weil wir als Christen ein Beispiel haben, das Vorbild der Liebe, Jesu Christus.
Gott hat uns in Jesus Christus seine Liebe bedingungslos angeboten. Jesus Christus hat eine Liebe gelebt, die nicht den eigenen Vorteil sucht. Jesu Liebe trug alles: bis in seinen Tod und darüber hinaus in die Herrlichkeit der Auferstehung.
Der Glauben an Jesus Christus schenkt uns die Gewissheit, dass Liebe bedingungslos lebbar ist in einer Welt, die ihre Beziehungen fast ausschließlich an Bedingungen knüpft, am Nutzen orientiert, juristisch absichert. Als Christen leben wir, sollten wir leben in der Hoffnung, dass Jesu Liebe uns auch in unserer menschlichen Begrenztheit trägt, dass Jesu Liebe bedingungslos jeden von uns meint.
Nur deshalb können Sie, Tanja und Uwe, sich miteinander vertrauensvoll auf den Weg der Liebe Jesu in einer christlichen Ehe machen:
| Der Weg der Liebe, von dem Sie wissen, dass er kein einsehbarer und übersehbarer Weg ist. | |
| Der Weg der Liebe, von dem Sie wissen, dass Sie ihn oft nicht weitergehen wollen, weil Ihnen Vertrauen und Hoffnung schwer fallen. | |
| Der Weg der Liebe, von dem Sie wissen, dass Sie ihn nur begrenzt gestalten können, weil Sie nicht alleine auf dieser Welt leben, sondern in einem Beziehungsgeflecht. | |
| Der Weg der Liebe, von dem Sie wissen, dass Sie immer neue Erfahrungen auf ihm machen werden, die Gewohnheiten in Frage stellen können. | |
| Der Weg der Liebe, von dem Sie hoffen, dass Sie ihn dann vollendet haben werden, wenn Ihre Liebe aufgeht in der Liebe des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. |
Und wenn Sie einmal unsicher werden in Ihrer Beziehung, greifen Sie nach dem Bild von Marc Chagall und sprechen Sie im Wechsel das Hohelied Salomons, so wie es komponiert ist: Braut und Bräutigam besingen ihren Partner und ihre Gefühle zu ihm. Ich bin sicher, dass Sie dieser geistlich-erotische Text an Ihren heutigen Hochzeitstag erinnern wird.
Lassen Sie das Hochzeitsbukett an Texten, Musik und Bildern nicht vertrocknen. Greifen Sie immer wieder, spätestens an jedem Hochzeitstag, nach dieser Fülle an Wort, Klang und Farbe.
Und dieses Segelschiff, die S. Maria, möge Sie begleiten: die Segel der Hoffnung in den Wind des Glaubens gestellt und die Kirche als Hafen, wo Sie ankern können. Und wenn Sie mögen, gehen wir auch Strecken des Weges gemeinsam.
Ich wünsche Ihnen, Tanja und Uwe, dass Sie sich gegenseitig in Treue und Liebe Weggefährten sind und bleiben in guten und in schlechten Tagen. Und für heute wünsche ich Ihnen einen festlichen Tag mit allen Ihren Gästen unter dem Schutz Gottes, in dessen Liebe zu uns Menschen Ihre Liebe zueinander gegründet sei. Amen.
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